{"id":12138,"date":"2007-05-29T00:01:34","date_gmt":"2007-05-29T00:01:34","guid":{"rendered":".\/?p=12138"},"modified":"2007-05-29T00:01:34","modified_gmt":"2007-05-29T00:01:34","slug":"12138","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12138\/","title":{"rendered":"Kampf gegen Nazis &#8211; gestern und heute"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/TheoBergmann.jpg\">  Ein Gespr&#228;ch mit dem 91-j&#228;hrigen Theodor Bergmann &#252;ber seine   Einsch&#228;tzung sowie seine Erfahrungen im antifaschistischen Kampf.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 15. M&#228;rz diesen Jahres setzte sich der ver.di-Sekret&#228;r Angelo   Lucifero in Th&#252;ringen mit einer Schreckschusspistole gegen einen   Nazi-Angriff zur Wehr. Von Polizei, Politikern und b&#252;rgerlicher Presse   wurde Lucifero vom Opfer zum T&#228;ter gestempelt. Leider geht die   Gewerkschaftsspitze ebenfalls auf Distanz zu ihm. Aus diesem Anlass   sprachen Stuttgarter SAV-Mitglieder mit Theodor Bergmann &#252;ber seine   Erfahrungen.<\/b><\/p>\n<h5>  Wie k&#246;nnen wir die Nazis bek&#228;mpfen?<\/h5>\n<p>  Wir m&#252;ssen ihre Argumente kennen und gute Gegenargumente haben.<\/p>\n<p>  Zweitens: Die Linke muss ein Aktionsprogramm schaffen, das ausgeht von   den Bed&#252;rfnissen, die wir heute haben und das die Menschen ansprechen   kann &#8211; die Frage der Arbeitszeitverk&#252;rzung, die Frage der   kapitalistischen Auspl&#252;nderung, die gro&#223;en Skandale. Es sind ja nicht   Skandale von einzelnen Personen, es ist ja ein ganzes System der   Zerst&#246;rung von Fabriken und der Bereicherung von den so genannten   Investoren, den gro&#223;en Finanzkapitalisten. Das muss gleichzeitig   verbunden sein mit der Vision einer sozialistischen Gesellschaft.<\/p>\n<h5>  Was soll die Linke gegen die Nazis tun?<\/h5>\n<p>  Ich denke, die Linke muss eine andere Politik machen als die der   Sozialdemokraten. Diese weichen den Nazis aus. Das haben die   Sozialdemokraten vor 1933 auch gemacht. Da haben sie gesagt: Die Nazis   demonstrieren dort, wir gehen woanders hin. Wir m&#252;ssen denen das Recht   verwehren, die Stra&#223;e zu benutzen.<\/p>\n<h5>  Wie siehst du die Rolle des Staates?<\/h5>\n<p>  Es zeigt sich, dass der Staatsapparat nicht neutral ist. Eine Gemeinde   verbietet einen Aufmarsch. Die Nazis gehen zum n&#228;chsten Gericht und   bekommen ihn erlaubt mit der Begr&#252;ndung, es g&#228;be Demonstrationsfreiheit   f&#252;r jedermann.<\/p>\n<p>  Da muss es eine aktivere Gegenwehr geben, mit Massenmobilisierungen und   eigenen Parolen gegen die Nazis. Man muss ihnen wirklich entgegentreten   und zeigen, dass wir mehr sind.<\/p>\n<h5>  Ist Gewalt ein legitimes Mittel?<\/h5>\n<p>  Wenn die anderen Gewalt anwenden, dann muss man sich wehren k&#246;nnen. Man   kann nicht wie Jesus Christus die rechte Backe hinhalten, wenn einem   einer auf die linke Backe haut. Ich glaube, das ist unwirksam. Dieser   christliche Gedanke wirkt auf die Nazis nicht, auf die Rechtsextremen.   Und deshalb brauchen wir eine aktivere Gegenwehr.<\/p>\n<p>  Wenn dann B&#252;rgerliche und Christen mitmachen wollen, dann habe ich   nichts dagegen. Aber die F&#252;hrung, die Vorschl&#228;ge, die Ideen, die Wege,   die wir zu beschreiten haben, das muss von Sozialisten ausgearbeitet   werden.<\/p>\n<h5>  Wie sieht es mit Selbstschutz gegen Nazi-Terror aus?<\/h5>\n<p>  Es hat F&#228;lle gegeben in letzter Zeit, wo Versammlungen aufgel&#246;st werden   mussten, weil die Nazis kamen und wo die Nazis so stark waren, dass man   nicht in Ruhe debattieren konnte. Das erste, was wir machen m&#252;ssen, ist,   unsere eigenen Versammlungen zu sch&#252;tzen. Dazu gen&#252;gen eigene Ordner.   Wenn wir eine Demonstration machen am 1. Mai, dann sollten Nazis nicht   mitdemonstrieren d&#252;rfen. Die geh&#246;ren abgedr&#228;ngt.<\/p>\n<p>  Und dann die Frage des direkten Personenschutzes: Ich glaube, eine   Schreckschusspistole ist nicht verboten. Die Nazis haben ganz andere   Waffen. Sie haben schon Brands&#228;tze geworfen, sie haben schon Leute   erschlagen, in Ostdeutschland und anderswo. Sie haben mal ein ganzes   Haus abgebrannt in Solingen.<\/p>\n<p>  Also die anderen haben ihre Waffen und ihre Methoden, ihre   Molotow-Cocktails und manchmal riesige Waffenlager.<\/p>\n<p>  Ich glaube, ein gewisser Selbstschutz der Linken ist vern&#252;nftig. Wir   m&#252;ssen nur aufpassen, dass wir nicht in anarchistische Aktionen   verfallen, dass wir nicht da auftreten, wo wir nicht stark sind, sondern   da, wo wir gen&#252;gend Kr&#228;fte hinter uns und bei uns haben.<\/p>\n<h5>  Gewerkschaftsfunktion&#228;re argumentierten in Bezug auf den Kollegen   Lucifero, dass wir nicht 1933 h&#228;tten.<\/h5>\n<p>  Wir haben nicht 1933. Aber es gibt analoge Entwicklungen und &#228;hnliche   Gefahren. Wir m&#252;ssen aus der Geschichte lernen und sehen, was es an   Gleichem und was es an Unterschieden gibt.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich haben wir heute nicht 1932. Wir haben nicht die offizielle   Unterst&#252;tzung aller Kapitalisten, des ganzen Staatsapparates f&#252;r die   Nazis. Aber es gibt gewisse Dinge: Die Weichheit unserer Gewerkschaften,   die Zur&#252;ckhaltung, das Nichtstun, das sind alles Dinge, die &#228;hnlich   sind. Und da k&#246;nnen wir nicht sagen: &#8222;Wir d&#252;rfen nicht mal eine   Schreckschusswaffe haben.&#8220; Wir d&#252;rfen auch nicht zulassen, dass   Gewerkschaftssekret&#228;re, die sich wehren, zu Schuldigen von t&#228;tlichen   Auseinandersetzungen gemacht werden. Das ist doch absurd.<\/p>\n<h5>  Wie siehst du den konkreten Fall Angelo Lucifero?<\/h5>\n<p>  Das ist schamlos. Ich sehe, dass manche Gewerkschaftsf&#252;hrer nichts   gelernt haben und auch nichts lernen werden. Vielleicht wird die ganze   Sache angesprochen auf der Konferenz der Gewerkschaftslinken [30. Juni   und 1. Juli in Stuttgart]. Das w&#228;re gut. Solche Sachen geh&#246;ren   behandelt. Wir k&#246;nnten eine Resolution verabschieden.<\/p>\n<p>  <i>Theodor Bergmann, geboren 1916 in Berlin, trat 1929 der   Kommunistischen Jugendopposition bei, der Jugendorganisation der KPO.   Die KPO war eine der Str&#246;mungen in der kommunistischen Bewegung, welche   die Politik der Stalinisten bek&#228;mpfte. 1933 emigrierte Bergmann und   kehrte 1946 nach Deutschland zur&#252;ck. Er bezeichnet sich als &#8222;kritischen   Kommunisten&#8220; und engagiert sich heute unter anderem in der Vernetzung   der Gewerkschaftslinken. Theodor Bergmann lebt in Stuttgart.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/TheoBergmann.jpg\"><br \/>\n      Ein Gespr&#228;ch mit dem 91-j&#228;hrigen Theodor Bergmann &#252;ber seine<br \/>\n      Einsch&#228;tzung sowie seine Erfahrungen im antifaschistischen Kampf.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[193],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12138"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12138"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12138\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12138"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12138"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12138"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}