{"id":12135,"date":"2007-05-24T13:36:59","date_gmt":"2007-05-24T11:36:59","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12135"},"modified":"2012-12-30T12:06:38","modified_gmt":"2012-12-30T11:06:38","slug":"12135","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12135\/","title":{"rendered":"Filmtip: &#8222;Der gro&#223;e Ausverkauf&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/DerGrosseAusverkauf.jpg\">  Eine Anklage gegen Privatisierungen und gegen kapitalistische   Globalisierung. &#220;ber den Film, eine Vorf&#252;hrung in Anwesenheit des   Regisseurs und wie man den Film im Telekom-Streik nutzen kann.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Claus Ludwig, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Mit &#8222;Der gro&#223;e Ausverkauf&#8220; hat das Team um Regisseur Florian Opitz eine   gelungene und teilweise bewegende Dokumentation &#252;ber die Folgen der   Privatisierung vorgelegt. Anhand von Fallbeispielen aus vier Kontinenten   wird gezeigt, dass der Verkauf &#246;ffentlichen Eigentums an private   Konzerne und Investoren keineswegs den Service verbessert, sondern die   &#246;ffentlichen Dienste teurer und schlechter macht und letztendlich   Menschen t&#246;tet. Der Besuch des Films lohnt sich sowohl f&#252;r Leute, die   sich schon mit der Globalisierung besch&#228;ftigt haben, als auch f&#252;r   solche, die noch nicht viel wissen.<\/p>\n<p>  Die Phillipinin Minda k&#228;mpft t&#228;glich um das Leben ihres Sohnes Jinky. Er   braucht w&#246;chentlich eine Dialyse, weil seine Nieren nicht richtig   funktionieren. F&#252;r eine Transplantation hat Minda kein Geld. Woche f&#252;r   Woche k&#228;mpft sie darum, das Geld f&#252;r die Blutw&#228;sche zusammen zu kratzen.   Ist sie erfolgreich, bedeutet das nur, dass der Kampf von Neuem beginnt.   Minda war nicht immer arm, besa&#223; ein Haus. Doch alle Ersparnisse sind   weg, im Mittelpunkt des Lebens der ausgezehrten und abgek&#228;mpften Frau   steht nur noch ihr Sohn. Das ehemals staatliche Gesundheitswesen der   Phillipinen wurde in den 80ern privatisiert, auch lebensrettende   Ma&#223;nahmen gibt es nur noch gegen Bares.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend Minda und ihr Sohn &#8222;Opfer&#8220; sind, ist Bongani aus Soweto,   S&#252;dafrika, ein Aktivist. Zusammen mit seinen Mitstreitern vom Soweto   Electricity Crisis Commitee (SECC), hilft er Menschen, denen von der   privatisierten Stromgesellschaft der Saft abgedreht wurde. Sie knacken   die &#8222;Prepaid&#8220;-Stromz&#228;hler und schlie&#223;en gekappte Kabel wieder an.   Bongani k&#228;mpft auch gegen die ANC-Regierung. Der ANC war einst die   schwarze Befreiungsbewegung gegen die Apartheid, hatte gerade in Soweto   die Massen hinter sich. Heute bereichern sich die ANC-Funktion&#228;re an der   Privatisierung. Bei einem Protest rufen die Menschen mit Bongani nicht   nur die alten Parolen der Befreiungsbewegung wie &#8222;Amandla!&#8220; (Macht!),   sondern auch &#8222;nieder mit dem ANC, nieder mit dem Kapitalismus, es lebe   die Arbeiterklasse&#8220;!<\/p>\n<p>  Auch die Schilderung der Eisenbahn-Privatisierung in Gro&#223;britannien und   des erfolgreichen Widerstandes gegen die Wasser-Privatisierung im   bolivianischen Cochabamba stecken voller interessanter Fakten. Das   Beispiel Cochabamba zeigt, dass Widerstand erfolgreich sein kann.   Filmisch sind diese Teile allerdings weniger gut umgesetzt, sie bleiben   zu sehr reine Fakten-Beschreibung, ohne dass die m&#246;rderische Mechanik   der Privatisierung wirklich erfahrbar wird. Vor allem der Bericht aus   Gro&#223;britannien wirkt mit zahlreichen Bildeinstellungen von Z&#252;gen,   Gleisen, Bahnh&#246;fen aus allen m&#246;glichen Kamera-Perspektiven doch etwas   wie eine in die L&#228;nge gezogene WDR-Reportage.<\/p>\n<p>  Den hineingeschnittenen &#196;u&#223;erungen von Joseph E. Stiglitz,   Wirtschafts-Nobelpreistr&#228;ger, fehlt jede Tiefe. Das Hereinnehmen von   Stiglitz soll wohl zeigen, dass auch b&#252;rgerliche, &#8222;respektable&#8220; &#214;konomen   gegen die ungehemmte Privatisierung sind. Die in den Fallbeispielen   vorgelegten Beweise reichen jedoch, Stiglitz&quot; &#196;u&#223;erungen verl&#228;ngern den   Film unn&#246;tig.<\/p>\n<p>  Das kurze Interview mit einem Weltbank-Sprecher und ein Werbevideo des   IWF (Internationaler W&#228;hrungsfonds) sind hingegen Gold wert. Opitz   wollte &#8222;die andere Seite&#8220;, die Bef&#252;rworter der Privatisierung zu Wort   kommen lassen. Der Regisseur berichtete im Anschluss an eine Vorf&#252;hrung   in K&#246;ln, dass die schwerste Aufgabe der Dreharbeiten war, ein Gespr&#228;ch   mit IWF und Weltbank zu organisieren. Als die Filmcrew bereits in   Washington gelandet war, lie&#223; der IWF ausrichten, man werde kein   Interview geben, weil man den Regisseur als &#8222;gef&#228;hrlich&#8220; einstufen   w&#252;rde. Auf Nachfrage wurde gesagt, man h&#228;tte gegoogelt und die   Ank&#252;ndigung einer TV-Doku von Opitz auf der WDR-Website gefunden, bei   der die Worte &#8222;Seattle&#8220; und &#8222;Genua&#8220; vork&#228;men. Die Weltbank erlaubte in   vier Jahren Drehzeit ein kurzes Interview von weniger als einer Stunde.<\/p>\n<p>  Opitz schilderte das Dilemma des Dokumentarfilmers: wie weit geht man   auf Distanz, wie weit ist man neutral? L&#228;sst man Menschen wie Minda   leiden und greift gar nicht ein? Er gab die einzig m&#246;gliche Antwort auf   diese Fragestellung und machte deutlich, dass er den Film als Beitrag   des Kampfes gegen die Zust&#228;nde sieht und damit auch eingreift. Das Team   ruft sowohl zu Spenden f&#252;r die politischen Akteure wie das SECC als auch   f&#252;r humanit&#228;re Spenden f&#252;r Minda auf.<\/p>\n<p>  Georg K&#252;mmel von der K&#246;lner SAV schlug vor, den Film auch bei einer   Vormittags-Vorstellung den streikenden Kolleginnen und Kollegen der   Telekom zu zeigen. Der Regisseur fand das gut und ein Vertreter des   Kinos sagte zu, das zu organisieren, wenn Interesse bei den Streikenden   best&#252;nde.<\/p>\n<h5>  <a href=\"http:\/\/www.dergrosseausverkauf.de\">Hintergr&#252;nde, Trailer und   Kino-Liste<\/a><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/DerGrosseAusverkauf.jpg\"><br \/>\n      Eine Anklage gegen Privatisierungen und gegen kapitalistische<br \/>\n      Globalisierung. &#220;ber den Film, eine Vorf&#252;hrung in Anwesenheit des<br \/>\n      Regisseurs und wie man den Film im Telekom-Streik nutzen kann.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[68],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12135"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12135"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12135\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}