{"id":12123,"date":"2007-05-17T17:40:29","date_gmt":"2007-05-17T17:40:29","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12123"},"modified":"2012-08-21T14:14:06","modified_gmt":"2012-08-21T12:14:06","slug":"12123","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12123\/","title":{"rendered":"Telekom-Streik: &quot;Ohne Euch l\u00e4uft nichts!&quot;"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"\/media\/2007\/LucyBeiTelekomStreik.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/> Dokumentiert:<br \/>Rede von Lucy Redler beim Streik der Telekom-Besch\u00e4ftigten in Berlin am 16. Mai.<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p>&#8222;<em>Liebe Kolleginnen und Kollegen, <\/em><\/p>\n<p><em>Stellt euch vor, am 2. Juni ist G8-Gipfel in Heiligendamm und keiner bekommt es mit! <\/em><\/p>\n<p><em>Stellt euch vor: Merkel, Bush, Sarkozy und wie sie alle hei\u00dfen, sitzen in Heiligendamm mit toten Telefonen und dunklen Bildschirmen. Die Pressekonferenz der Bundeskanzlerin zu G8 f\u00e4llt aus. 3500 Journalisten k\u00f6nnen die Botschaften von Merkel und Freunden nicht in alle Welt transportieren. Alles, weil ihr den Gipfel durch euren Streik lahmgelegt habt und weil eure Kollegen von Media Broadcast bei T Systems, die die Bilder vom G8-Gipfel \u00fcbertragen sollen, ebenfalls streiken. <\/em><\/p>\n<p><em>Am n\u00e4chsten Tag steht eben nicht in der Zeitung: \u201eG8 reden unverbindlich \u00fcber Armutsbek\u00e4mpfung\u201c, sondern dort steht: <\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDie Telekombesch\u00e4ftigten k\u00e4mpfen gegen Ausgr\u00fcndung, Lohnraub und Privatisierung und stellen sich den Herrschenden in den Weg\u201c <\/em><\/p>\n<p><em>Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ohne euch l\u00e4uft nichts! <\/em><\/p>\n<p><em>Euer Streik ist absolut notwendig! Ihr habt auf die Kriegserkl\u00e4rung von Obermann v\u00f6llig richtig reagiert. Und ihr habt unsere volle Solidarit\u00e4t, wenn Ihr sagt: Jetzt reichts! <\/em><\/p>\n<p><em>Obermann rechnet euch vor, wie schlecht die Zahlen und wie hoch der Konkurrenzdruck w\u00e4re. Dabei hat die Telekom in letzten 3 Jahren 13 Mrd Gewinn gemacht. Obermann, die Manager und Anteilseigner bekommen den Hals nicht voll genug und ihr sollt f\u00fcr ihre Profite den Kopf hinhalten! <\/em><\/p>\n<p><em>Die einen scheffeln die Kohle, die anderen werden ausgepresst wie Zitronen &#8211; das ist das normale Prinzip des Kapitalismus. Und es ist h\u00f6chste Zeit dieses Prinzip in Frage zu stellen und sich dagegen zur Wehr zu setzen. <\/em><\/p>\n<p><em>Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr streikt auch f\u00fcr uns! Euer Kampf ist eine Ermutigung f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten, die sich zur Wehr setzen. Bei der Post, bei Siemens Nokia gegen Entlassungen, Besch\u00e4ftigte im Einzelhandel, die in Tarifauseinandersetzungen stehen. Und auch nicht nur bei euch in der T-Com sind die Kollegen sauer, auch bei T Systems, T-Mobile und Vivento haben die Kollegen die Nase voll von Lohnsenkungen, Umstrukturierungen usw. <\/em><\/p>\n<p><em>In Frankreich haben zwei Worte die Massenproteste und Streiks der letzten Jahre gepr\u00e4gt: Tous ensemble \u2013 alle gemeinsam. <\/em><\/p>\n<p><em>Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wei\u00df, dass die Privatisierung der Telekom zu enormen Verschlechterungen gef\u00fchrt hat. Die da oben versuchen euch gegeneinander auszuspielen. Aber wann wenn nicht jetzt habt ihr die Gelegenheit, gemeinsam zu k\u00e4mpfen und deutlich zu machen: <\/em><\/p>\n<p><em>Ihr seid eine Telekom, ihr seid eine Belegschaft, ihr f\u00fchrt einen Kampf gegen die Zerschlagung, gegen Ausgr\u00fcndung, Niedrigl\u00f6hne und Entlassungen &#8211; gemeinsam mit den Beamten. <\/em><\/p>\n<p><em>Man muss sich das mal vorstellen: Erst privatisieren sie den Staatsbetrieb, dann wollen sie trotzdem die Beamten als Streikbrecher einzusetzen! Dem Hohn scheinen keine Grenzen gesetzt. <\/em><\/p>\n<p><em>Liebe Kollegen und Kolleginnen, von hier sollte das Signal ausgehen: Wir unterst\u00fctzen alle Beamten, die sich am Streik beteiligen. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Deutsche Postgewerkschaft hat bereits 1986 beschlossen, dass das Beamtenstreikrecht ggf durch kollektive Arbeitsniederlegungen durchgesetzt werden muss. Ich sage: was vor 20 Jahren richtig war, ist heute nicht falsch. H\u00e4tten sich Arbeiter immer an bestehende Gesetze gehalten, g\u00e4be es heute weder Gewerkschaften noch gewerkschaftliche Rechte. <\/em><\/p>\n<p><em>Wann, wenn nicht jetzt, ist es n\u00f6tig, die volle Kampfkraft in die Waagschale zu werfen! Wenn Obermann euch den Krieg erkl\u00e4rt, kann es f\u00fcr niemanden Friedenspflicht geben. <\/em><\/p>\n<p><em>Eine Kollegin der Telekom in K\u00f6ln hat es vor ein paar Tagen auf den Punkt gebracht, als sie gesagt hat: \u201eFr\u00fcher ging es um den Lohn, heute geht es um unsere Existenz.\u201c Recht hat sie, liebe Kolleginnen und Kollegen. <\/em><\/p>\n<p><em>Die ganze Privatisierung hat nur den Banken und Konzernen genutzt. Wo private Interessen sind, sind auch Niedrigl\u00f6hne und miese Arbeitsbedinungen, denn irgendwo m\u00fcssen die Profite ja herkommen. <\/em><\/p>\n<p><em>Interessant ist, was gerade in Venezuela passiert: Dort hat der Pr\u00e4sident Hugo Chavez gerade begonnen, die venezolanische Telekom wieder zu verstaatlichen. Ich wei\u00df nicht, warum er den US-Konzernen daf\u00fcr noch Geld gegeben hat, aber alles in allem w\u00e4re das doch mal ein gutes Beispiel f\u00fcr Deutschland. <\/em><\/p>\n<p><em>Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie werden alles tun, um euren Streik bekannt zu machen und Solidarit\u00e4t zu organisieren &#8211; vielleicht jetzt erstmal ganz praktisch: ich habe vorhin mitbekommen, dass dort hinten ein Transparent gemalt werden soll. Dort werde ich mich jetzt praktisch n\u00fctzlich machen, um euren Protest sichtbar zu machen. In diesem Sinne: Ich w\u00fcnsche euch einen langen Atem und viel Erfolg.<\/em> &#8222;<\/p>\n<p>Lucy Redler ist Mitglied im WASG-Bundesvorstand und der <a href=\"http:\/\/www.b-asg.de\"> BASG &#8211; Berliner Alternative f\u00fcr Solidarit\u00e4t und Gegenwehr<\/a>, die auch nach der Fusion von WASG und Linkspartei die soziale Opposition in Berlin eigenst\u00e4ndig fortsetzen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Dokumentiert: Rede von Lucy Redler beim Streik der Telekom-Besch\u00e4ftigten in Berlin am 16. 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