{"id":12121,"date":"2007-05-16T20:01:36","date_gmt":"2007-05-16T20:01:36","guid":{"rendered":".\/?p=12121"},"modified":"2007-05-16T20:01:36","modified_gmt":"2007-05-16T20:01:36","slug":"12121","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12121\/","title":{"rendered":"Bremer B&#252;rgerschaftswahlen: Abfuhr f&#252;r die Gro&#223;e Koalition &#8211; Erfolg f&#252;r \r\n      die Linke!"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/LinksparteiBremen.jpg\">  SPD und CDU haben bei den Bremer B&#252;rgerschaftswahlen zusammen fast zehn   Prozent der Stimmen verloren: Dies ist die Quittung f&#252;r den sozialen   Kahlschlag, den die Gro&#223;e Koalition in Land und Bund ohne R&#252;cksicht auf   die Proteste der Betroffenen veranstaltet hat.<br \/>  <i>von Heino Berg, Bremen<\/i> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die auf ein Rekordtief gefallene Wahlbeteiligung von 57,9 Prozent (in   Bremerhaven sogar nur 51 Prozent) macht zudem auf das wahre Ausma&#223; der   Wut  &#252;ber die schamlose Auspl&#252;nderung von Arbeitnehmern und Arbeitslosen   und damit auf das Potential einer glaubw&#252;rdigen linken Alternative   aufmerksam. Die Politik des Sozial- und Stellenabbaus, von   Privatisierungen und Hartz IV wird von einer wachsenden Mehrheit der   Bev&#246;lkerung abgelehnt. Die Niederlage der Regierungsparteien in Bremen,   von deren Ablehnung hier auch die Gr&#252;nen als Oppositionspartei   profitieren konnten, wird die Isolation und Krise der Gro&#223;en Koalition   auch im Bund beschleunigen &#8211; unabh&#228;ngig davon, ob sich die Bremer   SPD-F&#252;hrung trotz des Linksrucks bei den Wahlen f&#252;r eine Fortsetzung der   Koalition mit der CDU, oder f&#252;r eine B&#252;ndnis mit den Gr&#252;nen entscheiden   wird.<\/p>\n<p>  Die von der WASG unterst&#252;tzte Liste der Linkspartei hat mit 8,4 Prozent   ihren Stimmenanteil bei den Bundestagswahlen erreicht und wird in der   neuen B&#252;rgerschaft sieben Abgeordnete stellen. Dies ist schon deshalb   ein wichtiger Erfolg, weil dadurch ein Zuwachs f&#252;r die extreme Rechte   (die DVU stellt wieder nur einen Abgeordneten) verhindert werden konnte. <\/p>\n<p>  Auch wenn sie damit in absoluten Zahlen gegen&#252;ber dem letzten September   Stimmen verloren hat, ist dies nach den ern&#252;chternden Ergebnissen und   den Einbr&#252;chen f&#252;r die Linkspartei in Berlin ein ermutigendes Signal f&#252;r   westlichen Bundesl&#228;nder. Die &#8222;LINKE&#8220;, die formell erst im Juni gegr&#252;ndet   werden soll, kann hier zumindest teilweise das riesige politische Vakuum   f&#252;llen, das die SPD auf der Linken hinterlassen hat. <\/p>\n<h4>  Wahlkampf und Klassenkampf<\/h4>\n<p>  Der Wahlerfolg der &#8222;LINKEN&#8220; in Bremen spiegelt in erster Linie den   wachsenden Widerstand gegen die neoliberale Politik in unserem Lande.   Die Basis f&#252;r diesen Wahlsieg waren nicht die miserabel besuchten   Veranstaltungen der Bundestagsabgeordneten oder gar die Wahlplakate, die   mit dem banalen Hinweis &#8222;Hier ist die Linke!&#8220; auf inhaltliche Aussagen   verzichteten, sondern die Aktivit&#228;t der Betroffenen selbst. Bei den   Belegschaftsversammlungen an den Krankenh&#228;usern, bei der Telekom, bei   den Lehrern und in den Sozialen Diensten haben Zehntausende von   KollegInnen ihren Protest gegen die Politik des Senats zum Ausdruck   gebracht. Unmittelbar vor den Wahlen demonstrierten noch einmal 8.000   Menschen vor dem Bremer Rathaus gegen massive Mittelk&#252;rzungen f&#252;r die   Universit&#228;t. An einem dieser &#8222;Wahlkampftagen&#8220; fanden zum Beispiel sechs   Demonstrationen gleichzeitig statt, darunter auch eine Aktion gegen   Zwangsr&#228;umungen f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger.<\/p>\n<p>  Die Linkspartei tat wenig daf&#252;r, um diesen vielf&#228;ltigen   au&#223;erparlamentarischen Widerstand zu b&#252;ndeln oder gar inhaltliche   Vorschl&#228;ge daf&#252;r zu machen. Immerhin berichtete sie dar&#252;ber und erkl&#228;rte   sich solidarisch. So konnte wenigstens ein Teil dieses Protestpotentials   in W&#228;hlerstimmen f&#252;r die &#8222;LINKE&#8220; umgewandelt werden. <\/p>\n<p>  Hier zeigt sich der objektive Unterschied zwischen der &#8222;LINKEN&#8220; in   Bremen einerseits und in Berlin oder vielen Kommunen Ostdeutschlands   andererseits: W&#228;hrend in Berlin die Sch&#252;ler, Studenten und   Krankenhausbesch&#228;ftigten gegen PDS-Senatoren demonstrieren mussten und   ihnen daher bei den Wahlen die Stimmen verweigerten, wurden ihre   Aktionen in Bremen, wo die &#8222;LINKE&#8220; jede Regierungsbeteiligung abgelehnt   hat, &#246;ffentlich unterst&#252;tzt. Dies machte die &#8222;LINKE&#8220; in Bremen im   Gegensatz zu Berlin w&#228;hlbar, auch wenn sie weit davon entfernt bleibt,   f&#252;r Linke aus den Gewerkschaften und aus den sozialen Bewegungen eine   attraktive politische Plattform zu bilden.  <\/p>\n<p>  Es war ausgerechnet Bodo Ramelow, der auf der Wahlparty der &#8222;LINKEN&#8220; auf   den Widerspruch zwischen Erfolgen bei Wahlen und beim Aufbau einer   wirklichen linken Massenorganisation aufmerksam gemacht hat: Nirgendwo   sei die Zustimmung zur Fusion mit der PDS und die Beteiligung an der   Urabstimmung so niedrig wie in Bremen.<\/p>\n<h4>  Die Ernte der WASG<\/h4>\n<p>  Wenn die &#8222;LINKE&#8220; die fr&#252;heren PDS-Wahlergebnisse in Bremen (unter zwei   Prozent) mehr als vervierfachen konnte, so geht dies vor allem auf das   Konto der WASG, die bei den Bundestags- und B&#252;rgerschaftswahlen auf eine   eigene Kandidatur verzichtet hatte. Gerade in Bremen ist die WASG in der   &#214;ffentlichkeit als eine neue linke Kraft wahrgenommen worden, die (im   Unterschied zu der Bremer L.PDS) der Auseinandersetzung mit der   Linksparteispitze und ihrer unsozialen Regierungspolitik in Berlin nicht   aus dem Weg geht. Diese offene Diskussion trug ebenso zur   Glaubw&#252;rdigkeit linker Wahlforderungen bei wie die Person ihres   Spitzenkandidaten. Mit Peter Erlanson hatte die WASG-Basis gegen die   Parteif&#252;hrung und Axel Troost einen Spitzenkandidaten durchgesetzt, der   die Eigenkandidatur der Berliner WASG und ihre Kandidatin Lucy Redler   ausdr&#252;cklich verteidigt hatte. <\/p>\n<p>  Als Betriebsrat eines Krankenhauses konnte Erlanson den Widerstand gegen   die Privatisierungspl&#228;ne des Bremer Senats sehr viel glaubw&#252;rdiger   verk&#246;rpern als die sogenannte linke &#8222;Politprominenz&#8220;, die sich gerade   mit der Privatisierung der Berliner Sparkassen anfreundet. <\/p>\n<p>  Die &#8222;Zeit online&#8220; vom 14. Mai kommentiert: Diese&#8222; innerparteilichen   Gegens&#228;tze werden der Partei noch zu schaffen machen. Wenn zum Beispiel   der Spitzenkandidat der Bremer Linken Peter Erlanson verk&#252;ndet,   &#8222;Privatisierung ist Diebstahl an &#246;ffentlichem Eigentum&#8220;, dann stellt   sich nat&#252;rlich zwangsl&#228;ufig die Frage, ob er den einen oder anderen   Genossen aus dem Osten f&#252;r einen Dieb h&#228;lt.&#8220; <\/p>\n<p>  Diese eindeutigen Stellungnahmen des WASG-Spitzenkandidaten missfallen   K.Ernst und B. Ramelow, brachten der Bremer &#8222;LINKEN&#8220; aber   &#252;berproportionalen Stimmengewinne unter den Erwerblosen (20 Prozent) und   bei den Arbeitern (12 Prozent). <\/p>\n<h4>  Linksb&#252;ndnis und Bremerhaven<\/h4>\n<p>  Zu dem eigenst&#228;ndigen Profil der WASG, dem die &#8222;LINKE&#8220; ihren Erfolg bei   den Bremer B&#252;rgerschaftswahlen verdankt, trug nicht zuletzt auch die   &#246;ffentliche Diskussion &#252;ber ein gleichberechtigtes Wahlb&#252;ndnis der   Linken bei, f&#252;r das die SAV in Bremen und Bremerhaven die Initiative   ergriffen hatte. Auch wenn der WASG-Landesvorstand unter dem massiven   Druck der Bundesf&#252;hrung schlie&#223;lich eine Kandidatur auf der L.PDS-Liste   akzeptierte, hatten mit der SAV sehr viele WASG-Mitglieder ihren   Widerstand gegen eine bedingungslose Selbstaufl&#246;sung in der   &#8222;Linkspartei&#8220; zum Ausdruck gebracht und so die Idee einer wirklich neuen   und glaubw&#252;rdigen Linksalternative am Leben erhalten.<\/p>\n<p>  In Bremerhaven hatte die WASG ein solches Linksb&#252;ndnis nicht nur   innerparteilich gefordert, sondern &#8211; zun&#228;chst gemeinsam mit den   L.PDS-Mitgliedern &#8211; mit seinem praktischen Aufbau begonnen. Ohne   R&#252;cksicht auf fr&#252;here Bekenntnisse zur Einheit aller Linken hatte die   L.PDS jedoch auf Druck von oben dieses B&#252;ndnis verlassen und f&#252;r   Bremerhaven eine eigene Konkurrenzliste angemeldet. Dies geschah in   letzter Minute und ohne ausreichende inhaltliche Diskussion &#252;ber die   kommunalpolitischen Ziele und Kandidaten. So konnte es passieren, dass   sie mit Herrn Weihrauch sogar einen Kandidaten f&#252;r Platz 2 nominierte,   der sich wenige Tage vor der Wahl als Rechtsextremist entpuppte. <\/p>\n<p>  Die WASG in Bremerhaven hielt dagegen immer an der Idee einer offenen   W&#228;hlervereinigung fest und&#160;wurde&#160;nach der offiziellen   Unterst&#252;tzungserkl&#228;rung von Seiten des Kreisverbands&#160;von ihrem Landes-   und Bundesvorstand nicht nur politisch und finanziell im Stich gelassen,   sondern sogar an der Ver&#246;ffentlichung&#160;der Veranstaltungstermine f&#252;r das   Linksb&#252;ndnis&#160;gehindert. <\/p>\n<p>  Ohne ein einziges Wahlplakat und nur auf Infost&#228;nde und den Auftritt bei   &#246;ffentlichen Veranstaltungen&#160;angewiesen erzielte die vom betroffenen   WASG-Kreisverband unterst&#252;tzte &quot;Alternative Linke&quot; 0,7 Prozent. Der   Ansatz, linke Glaubw&#252;rdigkeit zu verteidigen und f&#252;r ein offenes B&#252;ndnis   der Linken einzutreten, bleibt trotz der Reaktionen von L.PDS und   WASG-Spitzen zukunftsf&#228;higer als der von ihnen betriebene   Top-Down-Prozess. <\/p>\n<h4>  Wahlaufruf der SAV<\/h4>\n<p>  Die SAV hat &#8211; nachdem wir eine bedingungslose Unterst&#252;tzung der L.PDS in   der WASG nicht verhindern konnten &#8211; bei den Bundestags- ebenso wie bei   den B&#252;rgerschaftswahlen dazu aufgerufen, f&#252;r die &#8222;LINKE&#8220; zu stimmen. 8,4   Prozent f&#252;r die &#8222;LINKE&#8220; sind ein klares Nein zur neoliberalen Politik in   unserem Lande. Aber wir werden nach den Wahlen daf&#252;r k&#228;mpfen m&#252;ssen,   dass dieser Kampfansage praktische politische Konsequenzen folgen:   Innerhalb und au&#223;erhalb der Bremer B&#252;rgerschaft; innerhalb und au&#223;erhalb   der neuen Partei &#8222;DIE LINKE&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/LinksparteiBremen.jpg\"><br \/>\n      SPD und CDU haben bei den Bremer B&#252;rgerschaftswahlen zusammen fast zehn<br \/>\n      Prozent der Stimmen verloren: Dies ist die Quittung f&#252;r den sozialen<br \/>\n      Kahlschlag, den die Gro&#223;e Koalition in Land und Bund ohne R&#252;cksicht auf<br \/>\n      die Proteste der Betroffenen veranstaltet hat.<\/p>\n<p>\n      <i>von Heino Berg, Bremen<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12121"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12121"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12121\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}