{"id":12114,"date":"2007-05-12T00:53:01","date_gmt":"2007-05-12T00:53:01","guid":{"rendered":".\/?p=12114"},"modified":"2007-05-12T00:53:01","modified_gmt":"2007-05-12T00:53:01","slug":"12114","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12114\/","title":{"rendered":"ERA-Protest: 150 Kollegen bei Betriebsrats-Sprechstunde im Daimler-Werk \r\n      Marienfelde"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/ERAohneLohnraub.jpg\">  Am 9. Mai 2007 kam es erneut zu Protesten im DaimlerChrysler-Werk   Marienfelde gegen die Einf&#252;hrung neuer Entgelte im Rahmen des   ERA-Tarifvertrags (Entgelt-Rahmen-Abkommen der IG Metall mit den   Metall-Arbeitgebern). 150 Kollegen nutzten die Betriebsratssprechstunde,   um ihren Unmut zu &#228;u&#223;ern.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h5>  Die junge Welt, 11.5., schreibt:<\/h5>\n<h4>  <i>Daimler Berlin: ERA weiterhin in der Kritik <\/i><\/h4>\n<p>  <i><b>150 Besch&#228;ftigte nutzten Betriebsratssprechstunde zum Protest   gegen Lohneinbu&#223;en wegen &#187;Tarifreform&#171;<\/b> <\/i><\/p>\n<p>  <i>Die seit Wochen andauernden Auseinandersetzung um die Einf&#252;hrung des   Entgelt-Rahmenabkommens (ERA) im DaimlerChrysler-Werk Berlin-Marienfelde   setzen sich fort. In der vergangenen Woche nutzten nach jW-Informationen   rund 150 Besch&#228;ftigte eine Sprechstunde des Betriebsrats, um ihren Unmut   &#252;ber mit der &#187;Tarifreform&#171; verbundene Einkommenseinbu&#223;en kundzutun, aber   auch um sich &#252;ber die Unt&#228;tigkeit der Besch&#228;ftigtenvertretung zu   beschweren. <\/i><\/p>\n<p>  <i>In einer von den Anwesenden einm&#252;tig verabschiedeten Resolution   kritisierten sie, da&#223; die wegen falscher Eingruppierung eingereichten   Reklamationen von der Unternehmensleitung gr&#246;&#223;tenteils abgelehnt worden   seien. &#187;Der Weg, mit Reklamationen das auszub&#252;geln, was uns der   ERA-Tarifvertrag beschert hat, ist gescheitert&#171;, stellten die   Besch&#228;ftigten fest. Ihr Fazit: &#187;Die ERA-Einf&#252;hrung mu&#223; gestoppt werden.&#171; <\/i> <\/p>\n<p>  <i>Auch die Betriebsratsspitze stand bei der Aktion in der Kritik.   Obwohl rund 1000 Besch&#228;ftigte sich k&#252;rzlich schriftlich f&#252;r die   Einberufung einer au&#223;erordentlichen Betriebsversammlung ausgesprochen   hatten, lehnt die Mehrheit der Interessenvertretung dies weiterhin ab.   &#187;ERA bei DaimlerChrysler &#8211; das ist Lohnraub in gro&#223;em Stil. Es ist voll   und ganz berechtigt, da&#223; die Kollegen sich dagegen zur Wehr setzen&#171;,   erkl&#228;rte der oppositionelle Betriebsrat Mustafa Efe gegen&#252;ber jW. Die   Betriebsratsmehrheit m&#252;sse das Potential f&#252;r Widerstand gegen die   Unternehmspolitik endlich nutzen, forderte er. ERA sei &#187;Verrat an den   k&#252;nftigen Generationen&#171;, da Neueingestellte von den schlechteren   Eingruppierungen unmittelbar betroffen seien, kritisierte Efe. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Herbert Wulff <\/i><\/p>\n<\/p>\n<h5>  <b>&quot;Aufstehen&quot;, ein unregelm&#228;&#223;ig erscheinenden Flugblatt von Kollegen   f&#252;r Kollegen des DaimlerChrysler-Werk Berlin-Marienfelde, berichtet:<\/b> <\/h5>\n<p>  &quot;<i>Mustafa Efe, ein k&#228;mpferischer Gewerkschafter und Betriebsrat   bei DaimlerChrysler in Marienfelde erkl&#228;rte dazu gegen&#252;ber &#8222;Aufstehen&#8220;,   &#8222;Die Kollegen sind wirklich sauer. ERA bei DaimlerChrysler &#8211; das ist   Lohnraub im gro&#223;en Stil. Gut, dass die Kollegen etwa dagegen tun.&#8220; <\/i> <\/p>\n<p>  <i>Hier zun&#228;chst der Bericht eines Kollegen von der gestrigen   ERA-Sprechstunde des Betriebsrats, sowie die dort verabschiedete   Resolution, darunter folgt eine Erl&#228;uterung der Probleme, die die   Kollegen mit ERA haben. <\/i><\/p>\n<h4>  <i>DaimlerChrysler Marienfelde: Rund 150 Kollegen protestieren gegen ERA <\/i> <\/h4>\n<h5>  <i>Bericht eines Kollegen: <\/i><\/h5>\n<p>  <i>&#8222;Heute (9. Mai) haben zum Schichtwechsel ca. 150 Kollegen trotz   massiver Einsch&#252;chterung durch die Unternehmensseite an einer   selbst&#228;ndigen Protestaktion gegen die Einf&#252;hrung des ERA-Tarifvertrags   teilgenommen. Die Personalabteilung hatte bereits am vorangegangenen   Abend eine E-Mail an alle Meister versandt, in der sie von den   F&#252;hrungskr&#228;ften verlangten, die Kollegen an ihrem Recht auf Information   zu hindern. Vielen Kollegen lie&#223;en sich davon nicht einsch&#252;chtern und   gingen geschlossen zur ERA-Sprechstunde. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Die gesamte Betriebsratsf&#252;hrung hielt es nicht f&#252;r n&#246;tig, an der   Aktion der Kollegen teilzunehmen und hatte vorher das   Betriebsratsgeb&#228;ude verlassen. Das wurde von den anwesenden Kollegen   massiv kritisiert. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Es gab eine lebendige Diskussion. Kollegen forderten die Durchf&#252;hrung   der schon vor langer Zeit beim Betriebsrat beantragten au&#223;erordentlichen   Betriebsversammlung. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Die Kollegen haben noch einmal die Verschlechterungen durch die ERA   Einf&#252;hrung erl&#228;utert. Viele hatten Schilder gemalt auf denen Forderungen   standen wie &#8222;ERA muss Weg!&#8220; , ERA ist Lohnraub!&#8220; oder Schilder mit der   H&#246;he der Ausgleichszahlungen die sie erhalten, damit sie auf ihren   bisherigen Lohn kommen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Den anwesenden Kollegen war bewusst, dass die Unternehmensleitung den   Lohnraub organisiert. Es wurde aber zu Recht auch der Betriebsrat   aufgrund seiner Haltung kritisiert. Viele machten klar, dass sie das   Vertrauen in den Betriebsrat verloren haben und forderten Neuwahlen. Es   wurde ein Resolution einstimmig verabschiedet die den sofortigen Stopp   der ERA-Einf&#252;hrung forderte und zu w&#246;chentlichen Protesten aufrief, bis   die Au&#223;erordentliche Betriebsversammlung einberufen wird.&#8220; <\/i> <\/p>\n<h4>  <i>Resolution von Besch&#228;ftigten bei DaimlerChrysler Berlin, 9. Mai 07 <\/i> <\/h4>\n<p>  <i>&#8222;Wir die Kollegen, die sich getroffen haben, um gemeinsam die   Sprechstunde des Betriebsrats zu nutzen, erkl&#228;ren: <\/i><\/p>\n<p>  <i>Wir haben in unserer Entgeltabrechnung Schwarz auf Wei&#223; nach Hause   geschickt bekommen, um welchen Betrag unsere L&#246;hne in Zukunft abgesenkt   werden sollen. Die neu eingestellten Kollegen arbeiten in Zukunft f&#252;r   einen wesentlich niedrigeren Lohn als wir. Die meisten Kollegen in der   Produktion kommen nur mit hohen Ausgleichszahlungen, den so genannten   TIB, auf ihren alten Lohn. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Das k&#246;nnen wir nicht akzeptieren! <\/i><\/p>\n<p>  <i>Solange nur ein Kollege durch ERA in Zukunft auch nur einen Cent   weniger bekommen soll, werden wir uns zur Wehr setzen! <\/i><\/p>\n<p>  <i>Die ERA Einf&#252;hrung muss gestoppt werden! <\/i><\/p>\n<p>  <i>Der Weg mit Reklamationen das auszub&#252;geln, was uns der ERA   Tarifvertrag beschert hat, ist gescheitert! <\/i><\/p>\n<p>  <i>Die meisten Reklamationen wurden von der Unternehmensleitung   abgelehnt. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Wir sind bereit f&#252;r die Verteidigung unserer L&#246;hne zu k&#228;mpfen! <\/i> <\/p>\n<p>  <i>Es wurde in unserem Werk fast 1000 Unterschriften f&#252;r die   Durchf&#252;hrung einer au&#223;erordentlichen Betriebsversammlung gesammelt. Bis   heute wurde sie nicht durchgef&#252;hrt. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Wir fordern, dass sie n&#228;chst Woche einberufen wird. Bis sie   einberufen wird schlagen wir vor: <\/i><\/p>\n<p>  <i>Wir treffen uns jeden Mittwoch um 14:00 um gemeinsam die Sprechstunde   des Betriebsrats zu besuchen!&#8220; <\/i><\/p>\n<h4>  <i>Zum Hintergrund <\/i><\/h4>\n<p>  <i>Ungehalten &#228;u&#223;ern sich die Kollegen &#252;ber die ERA-Einf&#252;hrung vor allem   wegen der Unsicherheit mit &#8222;TIB&#8220; und wegen der Spaltung der Belegschaft   und daraus drohenden zuk&#252;nftigen Absenkungsversuche der L&#246;hne durch den   Arbeitgeber. <\/i><\/p>\n<p>  <i><b>Was ist &#8222;TIB&#8220;?<\/b> TIB, Tariflicher Individueller   Besitzstand, bezeichnet den Lohnbestandteil, den zahlreiche Kollegen   seit diesem Monat erhalten, um die durch ERA abgesenkten L&#246;hne auf das   bisherige Niveau zu heben, das hei&#223;t den bisherigen Besitzstand zu   wahren. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Ein Beispiel: Erhielt ein Kollege bisher 3.223,58 Euro brutto gem&#228;&#223;   der Daimler-Eingruppierung &#8222;29 Arbeitswerte&#8220; und er kommt nach der   ERA-Einf&#252;hrung in die Entgeltgruppe 6, so bek&#228;me er laut ERA 2.588,40   Euro brutto. Um seinen individuellen Besitzstand zu wahren, erh&#228;lt er   ein TIB von 635,18 Euro. <\/i><\/p>\n<p>  <i><b>TIB ist unsicher.<\/b> Zwar wird behauptet, das bisherige Gehalt   f&#252;r die n&#228;chsten 5 Jahre (bis 2011) bei DaimlerChrysler sei garantiert,   doch das TIB kann abgesenkt werden: <\/i><\/p>\n<p>  <i>Nach 2011 sollen die &#8222;Nominal-L&#246;hne&#8220; nicht sinken &#8211; die Real-L&#246;hne   schon: Zuk&#252;nftige Tariferh&#246;hungen k&#246;nnen mit dem TIB teilweise   verrechnet werden. Sollte sich der &#8222;Operating Profit&#8220; von   DaimlerChrysler schlechter entwickeln, kann dies schon vor 2011   geschehen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Wer die T&#228;tigkeit wechselt und mehr Lohn erhalten m&#252;sste, bekommt nur   einen Teil davon: Die H&#228;lfte des TIB kann damit verrechnet werden. <\/i> <\/p>\n<p>  <i><b>Die Belegschaft wird gespalten:<\/b> Die Neueingestellten erhalten   deutlich weniger Gehalt; die Belegschaft wird weiter gespalten.   Neueingestellte bekommen kei&#173;ner&#173;lei TIB, sie bekommen statt 10%   betriebliches Grundentgelt nur 4% &#252;bertarifliche Zulage, betriebliches   Leistungsentgelt (etwa 6,7% des Grundentgelts) bekommen sie auch nicht.   Die Jungen landen sowieso erst mal in DC Move. <\/i><\/p>\n<p>  <i>Besonders die alten und nicht mehr so leistungsf&#228;higen Kollegen   m&#252;ssen oft ein hohes TIB hinnehmen &#8211; und damit gr&#246;&#223;ere Unsicherheit.   Ihre Arbeitspl&#228;tze wurden schlechter beschrieben und schlechter   bewertet. <\/i><\/p>\n<p>  <i><b>Woher kommt der Unmut gegen&#252;ber dem Betriebsrat?<\/b> Die   Betriebsratsmehrheit zog den Unmut der Kollegen auf sich, da sie einen   von &#252;ber einem Viertel der Belegschaft unterzeichneten Antrag zur   Einberufung einer au&#223;erordentlichen Betriebsversammlung zum Thema ERA   &#252;berging. Eine Durchf&#252;hrung einer au&#223;erordentlichen Betriebsversammlung   ist gem&#228;&#223; Betriebsverfassungsgesetz in diesem Fall zwingend   vorgeschrieben ist.&quot;<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/ERAohneLohnraub.jpg\"><br \/>\n      Am 9. 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