{"id":12106,"date":"2007-05-11T00:24:28","date_gmt":"2007-05-11T00:24:28","guid":{"rendered":".\/?p=12106"},"modified":"2007-05-11T00:24:28","modified_gmt":"2007-05-11T00:24:28","slug":"12106","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12106\/","title":{"rendered":"Neuer Krieg f&#252;r &#214;l?"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/StopBush.jpg\">  Die Angst vor einem neuen Krieg im Nahen Osten w&#228;chst. In den letzten   Monaten kursieren vermehrt Ger&#252;chte &#252;ber einen baldigen Milit&#228;rschlag   durch die USA beziehungsweise einen US-gest&#252;tzen Milit&#228;rschlag durch   Israel gegen den Iran. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Nelli T&#252;gel, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Laut dem US-Journalisten Seymour Hersh ist beim Generalstab im Pentagon   eine spezielle Einsatzgruppe mit den Vorbereitungen von Luftangriffen   auf den Iran betraut. Auch eine russische Nachrichtenagentur berichtete   unter Berufung auf Moskauer Geheimdienstkreise von solchen Pl&#228;nen.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich gibt es Anzeichen daf&#252;r, dass die US-Regierung   Kriegsvorbereitungen trifft. So die Stationierung der Flugzeugtr&#228;ger USS   Stennis und Dwight D. Eisenhower im Persischen Golf.<\/p>\n<h4>  Warum Iran?<\/h4>\n<p>  Die herrschende US-Elite hat prinzipiell ein gro&#223;es Interesse daran, das   iranische Regime zu st&#252;rzen. Nicht ohne Grund hatte US-Pr&#228;sident George   W. Bush schon 2001 den Iran als Teil der &#8222;Achse des B&#246;sen&#8220; bezeichnet.   Zwei Drittel der globalen &#214;lreserven sind im Nahen Osten konzentriert.   Der Irak-Krieg war ein erster Schritt, sich dauerhaft den Zugriff auf   die dortigen Bodensch&#228;tze zu sichern und die ganze Region unter die   Kontrolle des US-Imperialismus zu bringen. Der Iran verf&#252;gt &#252;ber die   viertgr&#246;&#223;ten &#214;lressourcen und die zweitgr&#246;&#223;ten Erdgasvorkommen der Welt.   Au&#223;erdem ist das Regime von Mahmud Ahmadinedschad als Regionalmacht, das   gegen die USA Stimmung macht, dem Wei&#223;en Haus mehr als nur ein Dorn im   Auge.<\/p>\n<h4>  Wie real ist die iranische Atombombengefahr?<\/h4>\n<p>  Gesch&#228;tzt wird, dass es noch f&#252;nf bis zehn Jahre dauert, bis das Regime   Atombomben herstellen kann. Der Atomwissenschaftler Frank Barnaby der   Oxford Research Group h&#228;lt es im Fall von US-Milit&#228;rschl&#228;gen f&#252;r   denkbar, dass der Iran alles auf eine Karte setzt und versucht,   schnellstm&#246;glich eine einsatzbereite Atombombe zu produzieren. Generell   tr&#228;gt der Kurs des Imperialismus dazu bei, dass immer mehr regionale   M&#228;chte &#8211; auf Basis der heutigen technischen M&#246;glichkeiten &#8211; bestrebt   sind, sich atomar zu bewaffnen.<\/p>\n<h4>  Irak-Debakel<\/h4>\n<p>  Gerade vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Irak erscheint es aber   eher unwahrscheinlich, dass Washington es auf einen neuen   Kriegsschauplatz ankommen l&#228;sst. Im Irak ist die US-Armee nicht in der   Lage, das Land unter Kontrolle zu bringen. Einem Bericht des   US-Verteidigungsministeriums nach sind &#8222;alle Bedingungen eines   B&#252;rgerkriegs gegeben&#8220;. 138.000 US-Soldaten befinden sich derzeit im Irak   und mit jedem weiteren toten GI w&#228;chst der Unmut der Bev&#246;lkerung in den   USA selber. Die Situation im Irak fordert nahezu die kompletten   milit&#228;rischen Kr&#228;fte der USA. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich   die US-Regierung auf einen Bodenkrieg in einem Land wie der Iran &#8211;   dreimal so gro&#223; wie der Irak &#8211; einlassen kann.<\/p>\n<h4>  Gegenwind f&#252;r Bush<\/h4>\n<p>  Auch ein Luftkrieg birgt viele Risiken aus Sicht der US-Regierung. So   ist es sehr wahrscheinlich, dass der ohnehin schwelende Fl&#228;chenbrand im   Nahen Osten im Falle eines Angriffes auf den Iran eskalieren w&#252;rde &#8211;   allen ethnischen Konflikten zum Trotz. Gerade die enge Verbindung des   iranischen Regimes zur Hisbollah im Libanon, die gest&#228;rkt aus dem von   Israel losgetretenen Krieg hervorgegangen ist, zur Hamas in Pal&#228;stina,   die die dortigen Wahlen im Januar 2006 gewann und zu den schiitischen   Kr&#228;ften im Irak w&#252;rde im Falle eines Milit&#228;rschlages eine Welle von   Massenprotesten herbeif&#252;hren.<\/p>\n<p>  Ebenso w&#252;rde die Antikriegsbewegung in den USA selber enormen Auftrieb   erhalten und die US-Regierung w&#252;rde sich mit Gro&#223;demonstrationen im   eigenen Land konfrontiert sehen. Durch die wachsende Ablehnung des   Irak-Krieges unter der arbeitenden Bev&#246;lkerung der USA ist nur eine   Minderheit in den USA f&#252;r einen Angriff auf den Iran. Dass sich die   damalige Behauptung, der Irak bes&#228;&#223;e Massenvernichtungswaffen, als L&#252;ge   erwiesen hat, schw&#228;cht heute das Argument von Bush und Co., der Iran   arbeite an einem Atomwaffenprogramm.<\/p>\n<p>  Die Herrschenden Irans um Pr&#228;sident Ahmadinedschad w&#252;rden durch einen   Milit&#228;rschlag eher gest&#228;rkt als geschw&#228;cht werden. Obwohl das Regime   wegen wachsender innenpolitischer Konflikte und zunehmender sozialer   Unruhen in Bedr&#228;ngnis ger&#228;t, w&#228;re der Hass der iranischen Bev&#246;lkerung   gegen die USA im Falle eines Milit&#228;rschlags grenzenlos. Selbst im Irak,   in dem Saddam Hussein viel verhasster war als Ahmadinedschad im Iran   heute, wurden die US-Truppen nie als Befreier betrachtet.<\/p>\n<p>  Zudem w&#252;rde eine Invasion im Iran einen Stopp der &#214;lzufuhr in den Westen   und damit eine &#214;lpreisexplosion bedeuten. Das k&#246;nnte eine   Weltwirtschaftskrise ausl&#246;sen.<\/p>\n<h4>  Zwist unter US-Herrschenden<\/h4>\n<p>  Es gibt unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Herrschenden der USA   und der Riege um Bush dar&#252;ber, welches Vorgehen das Richtige sei. Die   Mehrheit f&#252;rchtet eher die Folgen einer milit&#228;rischen Auseinandersetzung   mit dem Iran. Das gilt nicht nur f&#252;r die Demokraten, sondern auch f&#252;r   wachsende Teile der Republikaner und sogar des Bush-Clans selber. Die   neokonservativen &#8222;Falken&#8220; um Vizepr&#228;sident Dick Cheney finden immer   weniger Unterst&#252;tzung mit ihren Vorschl&#228;gen &#8211; im Gegensatz zu anderen,   wie der Baker-Kommission, die schon im Dezember den Abzug der Truppen   aus dem Irak und die diplomatische Einbeziehung Syriens und Irans   empfahl. Ebenso wie James Baker (Au&#223;enminister unter Bush senior)   warnten auch andere hochrangige Republikaner vor einem neuen   milit&#228;rischen Desaster.<\/p>\n<p>  In der jetzigen Situation scheint es am wahrscheinlichsten, dass die   US-Regierung von einem Angriff auf den Iran erstmal absieht. Daf&#252;r   spricht auch, dass trotz des Aufbaus einer Drohkulisse die Anstrengungen   zu diplomatischen Gespr&#228;chen verst&#228;rkt werden. So gab US-Au&#223;enministerin   Condoleezza Rice Ende Februar &#8211; wenige Tage, nachdem das Ultimatum des   UN-Sicherheitsrates an den Iran, das Uran-Anreicherungsprogramm zu   beenden, abgelaufen war &#8211; bekannt, dass die USA gemeinsam mit den   anderen vier Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates an zwei   Nahost-Konferenzen &#252;ber den Irak teilnehmen w&#252;rden. Sowohl Syrien als   auch der Iran wurden eingeladen. Rice bezeichnete dieses Treffen als   eine &#8222;neue Komponente&#8220; US-amerikanischer Diplomatie. Man setzt darauf,   im Iran die b&#252;rgerliche Opposition gegen Ahmadinedschad zu st&#228;rken und   auf diesem Weg einen Regimewechsel herbeizuf&#252;hren.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus und Krieg<\/h4>\n<p>  Aber auch wenn vieles dagegen spricht, ist es nicht v&#246;llig   auszuschlie&#223;en, dass es sogar kurzfristig zu milit&#228;rischen Handlungen   gegen den Iran kommt. So k&#246;nnte m&#246;glicherweise die israelische Regierung   Luftangriffe starten &#8211; um die eigene Krise zu &#8222;l&#246;sen&#8220;. In Umfragen   unterst&#252;tzen keine zehn Prozent mehr die Olmert-Regierung. Solange das   US-Milit&#228;r so geballt in der Region vertreten ist, droht jederzeit eine   weitere Eskalation, die eine milit&#228;rische Kettenreaktion nach sich   ziehen k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Im letzten Jahr z&#228;hlte die AG Kriegsursachenforschung der Hamburger   Universit&#228;t weltweit 43 Kriege und bewaffnete Konflikte. Nach dem Ende   des &#8222;Kalten Krieges&#8220; werden Jahr f&#252;r Jahr 1.000 Milliarden Dollar f&#252;r   R&#252;stung ausgegeben. Offenkundig nicht wegen der Bedrohung durch den   Ostblock, sondern weil kapitalistische Staaten gegeneinander aufr&#252;sten.   Es geht um Profite, Rohstoffe und Einfluss. Nicht nur im Nahen Osten.   Darum toben heute Kriege. Darum steuert die Welt auf weitere Kriege zu &#8211;   wenn dieses m&#246;rderische System nicht &#252;berwunden wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/StopBush.jpg\"><br \/>\n      Die Angst vor einem neuen Krieg im Nahen Osten w&#228;chst. 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