{"id":12103,"date":"2007-05-09T00:03:26","date_gmt":"2007-05-09T00:03:26","guid":{"rendered":".\/?p=12103"},"modified":"2007-05-09T00:03:26","modified_gmt":"2007-05-09T00:03:26","slug":"12103","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12103\/","title":{"rendered":"ReferendarInnen in NRW: &#8222;Ich entschuldige mich f&#252;r diesen Tarifabschluss&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/GEW-Fahnen.jpg\">  Gruppe von ReferendarInnen hat an Gewerkschaften vorbei Verbesserungen   des Tarifvertrags durchgesetzt<\/i><br \/>  Lehramts-ReferendarInnen konnten erfolgreich gegen K&#252;rzungen vorgehen.   Der urspr&#252;ngliche Tarifvertrag des &#246;ffentlichen Dienstes war von ver.di   und der GEW mit der Behauptung abgeschlossen worden, mehr sei nicht drin   gewesen. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Max H&#246;he, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  &#8222;Mit den Bez&#252;gen kann ich die Monatsrate f&#252;r den Kredit nicht   abstottern, den ich aufnehmen musste, um meine Familie durch die   finanzielle Notzeit des Referendariats zu bringen!&#8220;, brachte ein Kollege   auf der Vollversammlung der ReferendarInnen in K&#246;ln im vergangenen   Oktober die Auswirkungen des neuen Tarifvertrags des &#246;ffentlichen   Dienstes (TV-L) auf den Punkt. Die Anfangsgeh&#228;lter f&#252;r angestellte   LehrerInnen liegen nach dem neuen Tarifvertrag bei netto 1.036 Euro f&#252;r   eine Vollzeitstelle. Das ist eine Tarifabsenkung um 50 Prozent. Auf die   Lebenszeit gerechnet verlieren die Lehrer 250.000 Euro. Der Stundenlohn   (bezogen auf eine volle Zeitstunde) liegt nur noch bei knapp &#252;ber neun   Euro!<\/p>\n<p>  Ein anderer Wutausbruch ging sinngem&#228;&#223; so: &#8222;Die locken uns mit ihrer   Werbekampagne &#8216;Zukunftsberuf Lehrer in NRW&#8217;, viele h&#228;ngen daraufhin ihre   alten Jobs an den Nagel, hoffen, in sicheres Fahrwasser zu kommen und   nun das. Und von mir wird Fairness, Gelassenheit und Toleranz erwartet!   &#8211; Dass ich nicht lache!&#8220; <\/p>\n<h4>  Aus Wut wird Widerstand<\/h4>\n<p>  Der Widerstand begann vor einem dreiviertel Jahr. Nach Bekanntwerden der   K&#252;rzungspl&#228;ne m&#252;ssen die Telefone in der hiesigen Gesch&#228;ftsstelle der   Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hei&#223; gelaufen sein.   Jedenfalls sah sich die K&#246;lner GEW gezwungen, kurzfristig eine   Infoveranstaltung f&#252;r ReferendarInnen einzuberufen, zu der im September   gut 80 KollegInnen &#8211; die meisten mit Sicherheit zum ersten Mal in ihrem   Leben &#8211; ins Gewerkschaftshaus kamen. &#8222;Du wirst nicht von mir erwarten,   dass ich meine eigene Gewerkschaft schlecht rede&#8220;, lautete die Antwort   der Rechtsberaterin auf die Frage einer Kollegin, warum die Gewerkschaft   denn so einen miesen Abschluss unterzeichnen konnte.<\/p>\n<p>  Beim zweiten landesweiten Treffen im Februar 2007 wurde der anwesende   stellvertretende Vorsitzende der NRW-GEW abermals auf die Mitschuld der   Gewerkschaft am Betrug an den ReferendarInnen angesprochen. &#8222;Ich   entschuldige mich f&#252;r diesen Abschluss&#8220;, so seine Reaktion. Die   eigentlichen Fakten &#252;ber das neue Tarifrecht erhielten die   Lehramtsanw&#228;rterInnen auch nicht vom Gewerkschaftsapparat, sondern vom   Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di, das sich auch   von Anfang an mit dem Kampf der ReferendarInnen solidarisch erkl&#228;rte.<\/p>\n<h4>  Go, get organized!<\/h4>\n<p>  Mittlerweile hat sich der Widerstand der ReferendarInnen in K&#246;ln auf   Landesebene ausgeweitet. Eine Unterschriftenkampagne, &#252;ber 400   Petitionsbriefe und eine sehr gut besuchte Homepage haben dazu gef&#252;hrt,   dass sich das NRW-Schulministerium bereits vier Wochen nach Beginn der   Proteste gen&#246;tigt sah, mit einem extra Erlass erste Zugest&#228;ndnisse zu   machen. Diejenigen ReferendarInnen, die vor Inkrafttreten des TV-L   bereits im Vorbereitungsdienst waren, erhalten demnach bei ihrer   Anstellung eine Bezahlung in Anlehnung an den alten, besseren BAT.<\/p>\n<p>  Damit wollen sich die ReferendarInnen nicht zufrieden geben. Denn wenn   dieser Erlass nicht f&#252;r alle gilt und wir ihn akzeptieren, dann   legitimiert dies die volle Breitseite auf die nachfolgenden   ReferendarInnen-Jahrg&#228;nge. Deshalb geht der Kampf weiter. Zum vierten   landesweiten Referendar-Treffen kamen Ende April 180 ReferendarInnen   nach K&#246;ln. Das Ziel hei&#223;t: Alle Neuen im Referendariat so schnell wie   m&#246;glich erreichen. Der Begriff &#8222;Arbeitskampf&#8220; f&#228;llt dabei immer &#246;fter.<\/p>\n<p>  Nicht nur angestellte LehrerInnen, sondern s&#228;mtliche Angestellten und   ArbeiterInnen im &#246;ffentlichen D&#237;enst sind Opfer der   Absenkungstarifvertr&#228;ge Tv&#246;D\/TV-L. Die Initiative der   Lehramtsanw&#228;rterInnen muss Schule machen. Der Aufstand gegen solche   Tarifvertr&#228;ge und gegen Gewerkschaftsfunktion&#228;re, die daf&#252;r ihre   Unterschrift geben, muss sich bundesweit ausdehnen. Sp&#228;testens in der   Tarifrunde 2008 m&#252;ssen Nachbesserungen f&#252;r alle erstreikt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/GEW-Fahnen.jpg\"><br \/>\n      Gruppe von ReferendarInnen hat an Gewerkschaften vorbei Verbesserungen<br \/>\n      des Tarifvertrags durchgesetzt<\/i><\/p>\n<p>\n      Lehramts-ReferendarInnen konnten erfolgreich gegen K&#252;rzungen vorgehen.<br \/>\n      Der urspr&#252;ngliche Tarifvertrag des &#246;ffentlichen Dienstes war von ver.di<br \/>\n      und der GEW mit der Behauptung abgeschlossen worden, mehr sei nicht drin<br \/>\n      gewesen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[192],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12103"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12103"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12103\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12103"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12103"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12103"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}