{"id":12101,"date":"2007-05-08T00:50:45","date_gmt":"2007-05-08T00:50:45","guid":{"rendered":".\/?p=12101"},"modified":"2007-05-08T00:50:45","modified_gmt":"2007-05-08T00:50:45","slug":"12101","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12101\/","title":{"rendered":"Telekom: Niedrigstlohn am Telefon"},"content":{"rendered":"<p>  <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/call-center.gif\">  Profitmaximierung &#225; la Telekom<\/i><br \/>  Wenn wir als Telekom-Kunden ein Problem haben, rufen wir eine der vielen   Hotline-Nummern an in der Hoffnung, dass uns dort geholfen wird. Dabei   gehen wir davon aus, dass wir nach wenigen Minuten einen ehemaligen   Postbeamten oder einen Telekom-Besch&#228;ftigten am Apparat haben. Erstmal   fragt uns allerdings ein Computer, welcher Natur unser Anliegen sei.   Wenn wir diese Fragen brav beantworten, h&#246;ren wir nach f&#252;nf bis 75   Minuten dann tats&#228;chlich eine menschliche Stimme. Ein Postbeamter? Wohl   kaum. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Markus Zobel, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Seit mehreren Monaten habe ich nun die Situation am anderen Ende der   Leitung kennengelernt &#8211; als Call-Center-Mitarbeiter mit einem   befristeten Arbeitsvertrag in der Tasche.<\/p>\n<p>  Armut trotz Arbeit<\/p>\n<p>  Die meisten Hotlines der Deutschen Telekom werden mittlerweile entweder   von  konzernfremden Call-Centern (wie zum Beispiel der Walter   Telemedien) bedient oder von einem der zum Outsourcing gegr&#252;ndeten   Tochterunternehmen der Telekom, beispielsweise vivento customer services   (VCS).<\/p>\n<p>  Der Haustarifvertrag bei Walter Telemedien, der mit ver.di abgeschlossen   wurde, liegt bei einem Einstiegslohn von 5,11 Euro. Der Gro&#223;teil des   Personals bei der VCS besteht aus Leih- und Zeitarbeitern. Viele von   ihnen wurden beim Verkauf von VCS-Standorten an Walter Telemedien im   letzten Dezember einfach auf die Stra&#223;e gesetzt.<\/p>\n<p>  Zudem sind die meisten Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse bei adecco, Ranstad,   Manpower, Tuja, persona service, Jobs in Time und wie sie alle hei&#223;en   auch noch befristet, so dass die KollegInnen nicht einmal wissen, wie   lange sie mit ihrem Job rechnen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Wer sich da denkt, das sei doch besser als Hartz IV, sollte mal   nachrechnen. Die 5,11 Euro bei Walter Telemedien ergeben bei 38 Stunden   und 21 Arbeitstagen ein Bruttoeinkommen von 815,56 Euro. Da bleiben bei   Lohnsteuerklasse I etwa 650 Euro &#252;brig. Bei einer Kaltmiete von 250 Euro   und 55 Euro Heizkosten bekommt man das im Westen auch als ALG II. Und   wehe, der Monat hat nur 20 Arbeitstage.<\/p>\n<p>  Arbeitshetze<\/p>\n<p>  Schon heute telefonieren die Kunden also mit Leuten, die nie einen   Arbeitsvertrag mit der Telekom gesehen haben. Auch im &#8222;T-Punkt&#8220; treten   ihnen Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen gegen&#252;ber. Der bestellte   Telekom-Techniker arbeitet eigentlich bei der Elektroklitsche um die   Ecke und der Tarifberatungshausierer ist bei einem &#8222;Vertriebsprofi&#8220;   besch&#228;ftigt. Die Arbeit wird also nicht weniger, sondern immer weiter in   den Niedriglohnsektor verschoben.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig will die Telekom ihren Arbeitsplatzabbau weiter fortsetzen.   Damit diese KollegInnen sich sp&#228;ter in einer Zeitarbeitsfirma   wiederfinden und die gleiche T&#228;tigkeit zu mieseren Bedingungen und   weniger Geld verrichten.<\/p>\n<p>  Ich habe mitbekommen, dass bei den zahlreichen Umstrukturierungen im   Telekom-Unternehmen Systeme eingef&#252;hrt wurden, die die Kontrolle &#252;ber   die Besch&#228;ftigten versch&#228;rfen. Oftmals sind diese Systeme untereinander   inkompatibel und so m&#252;ssen l&#228;stige, fr&#252;her automatisierte   Arbeitsschritte per Hand ausgef&#252;hrt werden. Wenn das nicht flott genug   geht, gibt es auch mal ein Gespr&#228;ch beim Vorgesetzten. Es ist sogar   schon passiert, dass Telekom-KollegInnen mit dem Krankenwagen von der   Arbeit abgeholt wurden, da sie aufgrund der Arbeitshetze an Ort und   Stelle zusammengebrochen sind.<\/p>\n<p>  Die vielfache Konkurrenz zwischen verschiedenen Call-Center-Betreibern,   verschiedenen Zeitarbeitsfirmen und verschiedenen Subunternehmen kennt   nur einen Gewinner &#8211; die Gro&#223;aktion&#228;re.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/call-center.gif\"><br \/>\n      Profitmaximierung &#225; la Telekom<\/i><\/p>\n<p>\n      Wenn wir als Telekom-Kunden ein Problem haben, rufen wir eine der vielen<br \/>\n      Hotline-Nummern an in der Hoffnung, dass uns dort geholfen wird. Dabei<br \/>\n      gehen wir davon aus, dass wir nach wenigen Minuten einen ehemaligen<br \/>\n      Postbeamten oder einen Telekom-Besch&#228;ftigten am Apparat haben. 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