{"id":12096,"date":"2007-05-03T00:03:35","date_gmt":"2007-05-03T00:03:35","guid":{"rendered":".\/?p=12096"},"modified":"2007-05-03T00:03:35","modified_gmt":"2007-05-03T00:03:35","slug":"12096","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/05\/12096\/","title":{"rendered":"Europa: Unzufriedenheit w&#228;chst"},"content":{"rendered":"<p>  <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/CPE.jpg\">  Bericht vom <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/?swid=2\">9.Weltkongress   des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale (CWI)<\/a>, Januar   2007, Teil 6<\/i><br \/>In der Europa-Diskussion wurde deutlich, dass in   allen L&#228;ndern Europas einerseits die gleiche neoliberale Politik von   K&#252;rzungen sozialer Leistungen und L&#246;hnen umgesetzt wird, andererseits   die Unzufriedenheit und Wut in der Arbeiterklasse &#252;ber diese Politik   massiv anw&#228;chst.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Holger Dr&#246;ge, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Soziale Errungenschaften die zumeist nach dem 2. Weltkrieg gewonnen   wurden, werden nun zur&#252;ckgenommen. Viele Menschen k&#246;nnen ihren   bisherigen Lebensstandards oft nur auf Basis von Verschuldung bzw. durch   die Arbeit in mehr als einem Job aufrecht erhalten. Aber auch die Wut   unter gr&#246;&#223;eren Teilen der Arbeiterklasse gegen diese Politik w&#228;chst.   Teils entl&#228;dt sich diese in sozialen Bewegungen und Protesten, aber oft   wird sie noch durch die Gewerkschaftsb&#252;rokratie zur&#252;ckgehalten.<\/p>\n<p>  Gemeinsam in allen L&#228;ndern ist: Die Arbeiterklasse soll zahlen. In   Westeuropa versucht kein b&#252;rgerlicher Politiker eine Vision von h&#246;heren   Lebensstandards und einem besseren Leben anzubieten. Die meisten   Menschen in Europa haben gro&#223;e Angst vor der Zukunft. Zum ersten Mal   seit Jahrzehnten sind junge Menschen mit schlimmeren Bedingungen als   ihre Eltern konfrontiert. Das wirtschaftliche Wachstum 2006 hat diese   Situation nicht grunds&#228;tzlich ver&#228;ndert.<\/p>\n<h4>  Gewinner&#8230;<\/h4>\n<p>  Die Hauptlinie der Politik in Europa ist gerade neoliberale Politik. Das   bedeutet, dass die kapitalistischen Profite durch Lohnsenkungen,   Arbeitsplatzabbau und Privatisierung erhalten werden sollen. Dies   funktioniert enorm: &#220;berall in Europa verzeichnen die Kapitalisten neue   Rekordprofite. In Deutschland zum Beispiel verdoppelten sich die Profite   in den letzten zehn Jahren auf 420 Milliarden Euro im Jahr. Gleichzeitig   befindet sich die Lohnquote nur noch auf dem Stand der 60er Jahre. In   Italien besitzen die vier reichsten Familien mehr Verm&#246;gen, als der   italienische Staatshaushalt ausmacht. Die Zahl der Milliard&#228;re w&#228;chst   dabei in enormer Geschwindigkeit, aber nicht nur ihre Zahl, sondern auch   das von ihnen kontrollierte Verm&#246;gen w&#228;chst enorm.<\/p>\n<h4>  &#8230;und Verlierer<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend der Reichtum der Kapitalisten w&#228;chst, zahlt die Arbeiterklasse   den Preis daf&#252;r. Die Arbeitslosigkeit ist enorm gestiegen, w&#228;hrend die   L&#246;hne fallen. In Deutschland sind nur noch 50 Prozent der Besch&#228;ftigten   in einem Vollzeitjob besch&#228;ftigt. Elf Millionen Menschen arbeiten   Teilzeit. Viele neue Jobs entstehen nur noch als Leiharbeit und zu   schlechten L&#246;hnen. Betont wurde in den Diskussionen, dass Deutschland,   dass bei der Umsetzung neoliberaler Politik lange als Schlusslicht galt,   massiv aufgeholt hat. Mit den Hartz-Gesetzen, der Erh&#246;hung des   Rentenalters und der anderen K&#252;rzungspolitik wurde in Deutschland &#252;ber   wenige Jahre eingef&#252;hrt, was zum Beispiel in Gro&#223;britannien 20 bis 25   Jahre dauerte. Dies hat hier in den letzten Jahren zu einer Reihe von   gro&#223;en Mobilisierungen von Gewerkschaften und Erwerbslosen gef&#252;hrt,   gleichzeitig aber auch die Erpressbarkeit von Belegschaften erh&#246;ht und   den betrieblichen Widerstand verkompliziert.<\/p>\n<h4>  Widerstand<\/h4>\n<p>  &#220;berall in Europa will die Mehrheit der gegenw&#228;rtigen   Gewerkschaftsf&#252;hrer die Offensive der Bosse nicht ernsthaft   herausfordern. Die meisten handeln bewusst als Bremse der Gegenwehr.   Diese F&#252;hrer sind politisch fest im kapitalistischen System verwurzelt,   wie der Skandal bei Volkswagen gezeigt hat, wo der   Betriebsratsvorsitzende alleine 2002 fast 700.000 Euro an   Bestechungsgeldern bekam.<\/p>\n<p>  Die Arbeiterklasse ist w&#252;tend, doch die Gewerkschaftsf&#252;hrung in einigen   L&#228;ndern ist noch weitgehend in der Lage Proteste zur&#252;ckzuhalten. Aber   dies ist nicht von Dauer, wie die Entwicklung in anderen europ&#228;ischen   L&#228;ndern gezeigt hat. Dies hat sich in Frankreich in den K&#228;mpfen gegen   das CPE gezeigt. Es sind aber nicht nur die &#8222;&#252;blichen Verd&#228;chtigen&#8221;   Frankreich, Italien und Griechenland, in denen es K&#228;mpfe gegeben hat,   sondern auch in L&#228;ndern in denen es einige Zeit wenig Klassenk&#228;mpfe   gegeben hat, wie zum Beispiel Belgien, D&#228;nemark, den Niederlanden und   Portugal.<\/p>\n<p>  F&#252;r die Frage, ob K&#228;mpfe erfolgreich sein k&#246;nnen, bekommt das Programm   eine gr&#246;&#223;ere Bedeutung. Es stellt sich f&#252;r ArbeiterInnen die Frage:   &#8222;Wenn wir k&#228;mpfen, gibt es eine Siegeschance?&#8221;, lohnt sich die   Auseinandersetzung also &#252;berhaupt? Belegschaften heute sind kleiner   geworden, es gibt mehr Leiharbeiter und befristete Stellen. Viele   gewerkschaftliche Erfahrungen sind verloren gegangen. Das bedeutet, dass   die Gewerkschaften mit einem Kampfprogramm bewaffnet werden m&#252;ssen. Es   wird den Wiederaufbau der besten der alten und die Schaffung von neuen   Traditionen umfassen m&#252;ssen, besonders unter jungen ArbeiterInnen, die   nicht die Erfahrung der Gewerkschaftsarbeit haben.<\/p>\n<p>  Die Mitglieder des CWI verstehen sich in diesem Prozess nicht blo&#223; als   Beobachter und Kommentatoren, sondern als aktiver vorantreibender Teil.   In Gro&#223;britannien sind Mitglieder des CWI in vielen nationalen   Vorst&#228;nden von Gewerkschaften vertreten und setzen sich f&#252;r einen   k&#228;mpferischen Kurs ein. Aber auch in anderen L&#228;ndern sind Mitglieder des   CWI aktiver Teil der Gewerkschaftsbewegung.<\/p>\n<h4>  Europ&#228;ische Wirtschaft<\/h4>\n<p>  F&#252;r Marxisten sind die wirtschaftlichen Entwicklungen von enormer   Bedeutung, so spielten diese auf dem Weltkongress auch eine gro&#223;e Rolle.   Die Beschleunigung des europ&#228;ischen Wirtschaftswachstums in der ersten   H&#228;lfte des Jahres 2006 mit einem H&#246;chststand seit 2000 lie&#223; die   offiziellen kapitalistischen Kommentatoren und besonders die politischen   F&#252;hrer Optimismus verbreiten.<\/p>\n<p>  Aber selbst das prognostizierte h&#246;here Wachstum von 2,6 Prozent, das   2006 in den &#8222;alten L&#228;ndern&#8220; der Europ&#228;ischen Union der 15 erreicht   werden wird, liegt weit unter den Werten aus der j&#252;ngsten Vergangenheit.   Fr&#252;her waren die Wachstumsraten h&#246;her und erreichten 2000 mit 3,9   Prozent den H&#246;hepunkt. Dieses langsame Wirtschaftswachstum war teilweise   Ergebnis der internationalen Offensive der herrschenden Klasse, die den   Lebensstandard nach unten dr&#252;ckte und Staatsausgaben begrenzte, was die   Konsumnachfrage verringerte. Wo es in Europa Binnenwirtschaftswachstum   gegeben hat, hat das weitgehend auf einer Erh&#246;hung der Verschuldung   basiert.<\/p>\n<p>  Das schnellere Wirtschaftswachstum von 2006 war das Ergebnis sowohl der   weltwirtschaftlichen Lage (mit einem leichten R&#252;ckgang im &#214;lpreis) als   auch verschiedener Gr&#252;nde in manchen L&#228;ndern. In Spanien h&#228;lt der   Wirtschaftsboom nun schon seit 1995 an, allerdings ist er vor allem auf   eine massive Immobilienspekulation und Verschuldung gest&#252;tzt. In einer   ganzen Reihe von L&#228;ndern hat eine Explosion der Immobilienpreise eine   entscheidende Rolle gespielt, die Konsumausgaben zu halten, da sie es   Hauseigent&#252;merInnen erm&#246;glichte ihre Kreditaufnahme zu steigern auf der   Grundlage, dass der Marktpreis ihrer Immobilien gestiegen war. Das kann   allerdings nicht ewig so weitergehen.<\/p>\n<p>  Ein weiteres Merkmal der gegenw&#228;rtigen Lage ist der riesige Anstieg der   Profite und ein R&#252;ckgang der Unternehmensverschuldung. Aber diese   riesigen Geldbetr&#228;ge werden zur Steigerung der Dividenden und zur   Finanzierung einer &#220;bernahmewelle verwendet statt f&#252;r Investitionen. <\/p>\n<p>  Den kapitalistischen Regierungen ist bekannt, dass das Wachstum auf   t&#246;nernen F&#252;&#223;en steht. Das Wirtschaftswachstum hat kaum zum Ausbau   industrieller Besch&#228;ftigung gef&#252;hrt. Von daher ist klar, dass die   Angriffe auf die Arbeiterklasse aus ihrer Sicht fortgesetzt werden   m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  Kommende K&#228;mpfe<\/h4>\n<p>  Europa befindet sich heute in einer extrem instabilen Lage. Seine   Wirtschaft h&#228;ngt von Schulden ab, sowohl im Inland als auch in den USA,   um das Wachstum anzuheizen. Bis auf wenige Ausnahmen sind seine   Regierungen unbeliebt oder verhasst. In vielen L&#228;ndern verlieren die   b&#252;rgerliche Institutionen, wie Gerichte, an Autorit&#228;t, was die   Entfremdung weiterer Teile der Arbeiterklasse mit dem kapitalistischen   System ausdr&#252;ckt.<\/p>\n<p>  Wenn die sich immer wieder entwickelnden K&#228;mpfen in verschiedenen   L&#228;ndern mit einer negativen Ver&#228;nderung der wirtschaftlichen Lage   zusammentreffen, wird dies enorme Konsequenzen haben. Gro&#223;e Bewegungen   k&#246;nnen daraus entstehen und es wird die Aufgabe des CWI sein, diese   Bewegungen voranzubringen und dabei die Organisation aufzubauen. Bereits   seit dem letzten Weltkongress 2002 hatte das CWI in vielen L&#228;ndern   erfolgreich agieren k&#246;nnen. In den n&#228;chsten Jahre gilt es dies zu   verst&#228;rken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/CPE.jpg\"><br \/>\n      Bericht vom <a href=\"http:\/\/www.sozialismus.info\/?swid=2\">9.Weltkongress<br \/>\n      des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale (CWI)<\/a>, Januar<br \/>\n      2007, Teil 6<\/i><br \/>In der Europa-Diskussion wurde deutlich, dass in<br \/>\n      allen L&#228;ndern Europas einerseits die gleiche neoliberale Politik von<br \/>\n      K&#252;rzungen sozialer Leistungen und L&#246;hnen umgesetzt wird, andererseits<br \/>\n      die Unzufriedenheit und Wut in der Arbeiterklasse &#252;ber diese Politik<br \/>\n      massiv anw&#228;chst.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[103,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12096"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12096"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12096\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12096"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12096"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12096"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}