{"id":12085,"date":"2007-04-26T00:43:16","date_gmt":"2007-04-25T22:43:16","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12085"},"modified":"2012-07-02T19:37:12","modified_gmt":"2012-07-02T17:37:12","slug":"12085","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12085\/","title":{"rendered":"Kosova: Protektorat-Kolonie und neoliberales El Dorado"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/kfor2.jpg\">  Es gibt in der deutschen Sprache die Erkenntnis, wenn einer eine Reise   tut, dann kann er was erleben. Eine Reise nach Kosova macht da keine   Ausnahme. Im Gegenteil das UNMIK-Protektorat, welches aus der Verwaltung   durch die UN nach dem Ahtisaari-Plan unter das direkte Kommando der EU   gestellt werden soll, hat dem Reisenden einige erstaunliche Dinge zu   bieten.<br \/>  <i>Ein Reisebericht von Max Brym<\/i><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Unmittelbar nach meiner Ankunft versuchte mir mein Freund Arben (ein   Scherzbold) die Lage im Land zu erkl&#228;ren. Er sagte: &#8222;Hallo Max, herzlich   willkommen in Unmikistan-Absurdistan&#8220;, um gleich darauf hinzuzuf&#252;gen,   &#8222;du hast doch sicher das Buch von Adorno &#252;ber die negative Dialektik   gelesen. Hier in Kosova ist die Lage derma&#223;en absurd und bedr&#252;ckend,   dass wir uns zum Teil die Dinge zynisch, witzig und theoretisch, etwas   anders als ihr es gewohnt seid, erkl&#228;ren&#8220;.<\/p>\n<p>  Arben ging davon aus, dass Marx im positiven Sinn die   Klassengesellschaft &#252;berwinden wollte. Arben meinte hierzu: &#8222;In Kosova   wurde die Arbeiterklasse als Klasse eliminiert, eine selbst&#228;ndige   Bauernklasse gibt es nicht mehr und wir haben auch keine regul&#228;re   Bourgeoisie die diesen Namen verdient&#8220;. Der redefreudige Arben war in   seinem Wortschwall kaum zu bremsen, er f&#252;gte noch grinsend hinzu: &#8222;Marx   wollte doch auch den Staat abschaffen, wir haben hier keinen   Nationalstaat, sondern eine internationale Verwaltung, die vorgibt   internationalistisch zu sein, und behauptet nur neutral Dinge zu   verwalten&#8220;.<\/p>\n<p>  Auf meine Frage im Auto, ob er das ernst meine grinsten alle nur und sie   antworteten: &#8222;Die Lage hier ist so katastrophal, dass wir viel Lachen   m&#252;ssen und Arben bietet uns immer wieder Anla&#223; dazu.&#8220;<\/p>\n<p>  Nach einigem Nachdenken und einigen Tagen in Kosova stellte ich fest,   dass Arben auf eine gewisse Art Recht hat.<\/p>\n<h4>  Armani Anz&#252;ge und Gucci-Taschen<\/h4>\n<p>  Im Stadtzentrum von Prishtina rund um die Geb&#228;udefestung der UNMIK   bewegt sich neben der internationalen Beamtenschar eine besonders   auff&#228;llige Spezis von Albanern. Die Herren stecken in teuren   Armani-Anz&#252;gen, f&#252;hren ihre Damen mit der Gucci-Tasche spazieren und   plaudern in ihren Spezialcaf&#233;s gerne &#252;ber Freiheit und Unabh&#228;ngigkeit.   Mit der UNMIK sind sie zufrieden, diese Herrschaften sind auch   begeisterte Anh&#228;nger des Ahtisaari-Planes.<\/p>\n<p>  Zur sozialen Frage in Kosova geben sie nur gelangweilte Erkl&#228;rungen ab.   Wenn sie sich dann doch zu einer Meinung durchringen verweisen sie auf   die Segnungen der Marktwirtschaft, die sich schon noch einstellen   werden. Ihrem Gehabe ist anzumerken inwieweit f&#252;r sie die soziale Frage   schon gel&#246;st ist.<\/p>\n<p>  Rund 6 Prozent der Bev&#246;lkerung gilt in Kosova als reich. Die Kinder   dieser neureichen Schicht besuchen oftmals die &#8222;Amerikanische   Universit&#228;t&#8220; in Prishtina. Ein Semester kostet dort zwischen 3.000 und   5.000 Euro. Diese Leute besitzen moderne Villen, fahren die neuesten   W&#228;gen und saufen teuren Cognac.<\/p>\n<p>  Die Herkunft ihres Verm&#246;gens bleibt offiziell im Dunkeln. Aber jeder   wei&#223;, wie stark die Korruption im Lande ist, es wird von einer   Mafiokratie gesprochen. Hinter vorgehaltener Hand wird einem erkl&#228;rt,   welche Parteien und welche Parteif&#252;hrer in kriminelle wirtschaftliche   Aktivit&#228;ten verwickelt sind.<\/p>\n<p>  Der AAK wird unterstellt mit &#8222;Zigaretten zu handeln&#8220;, der PDK wird   nachgesagt im &#8222;Benzinschmuggel&#8220; f&#252;hrend zu sein und der LDK und der LDD   wird nachgesagt im Bereich Immobilien und Bauwirtschaft sowie in Sachen   &#8222;Korruption&#8220; ganz weit vorne zu liegen.<\/p>\n<p>  Behxhet Shala vom Menschenrechtsverein (KMDLNJ) erkl&#228;rte die Situation   folgenderma&#223;en: &#8222;Wir befinden uns in einem kriminellem El-Dorado die   offiziellen Parteien sind Mafiaclans, die mit voller R&#252;ckendeckung durch   die UNMIK ihren Gesch&#228;ften nachgehen.&#8220; Daf&#252;r hat die UNMIK die Garantie   von diesen Clans politisch abgesichert zu werden. &#8222;Um die Interessen der   einfachen Menschen k&#252;mmert sich weder die UNMIK noch ihre neureiche   einheimische politische Kaste&#8220;.<\/p>\n<p>  Nach Shala hat weder die UNMIK noch die ihr ergebene albanische   Verhandlungsgruppe ein Interesse an Demokratie, sozialem Fortschritt und   dem nationalem Selbstbestimmungsrecht. Shala meinte noch: &#8222;Kosova ist   ein einziges Gef&#228;ngnis, regiert von einer kolonialen Verwaltung, hier   geht es unsozial repressiv und antidemokratisch zu&#8220;. Dieser Diagnose ist   nur zuzustimmen.<\/p>\n<h4>  Soziale Frage und Gewerkschaft<\/h4>\n<p>  Im Dezember 2006 w&#228;hlte die Gewerkschaft BSPK eine neue Leitung. Dies   war auch notwendig, denn wer einmal mit Herrn Shabani (ehemaliger   Vorsitzender der BSPK) gesprochen hat, muss sich die Frage stellen, wie   sich ein solcher Typ &#252;berhaupt als Vorsitzender eines gewerkschaftlichen   Dachverbandes &#252;ber einige Jahre halten konnte.<\/p>\n<p>  Nach seiner Abwahl gr&#252;ndete Herr Shabani im Februar 2007 mit etwa 20   Anh&#228;ngern eine eigene Gewerkschaft im Wesentlichen, um seinen Sitz in   der von der UNMIK geschaffenen Privatisierungsagentur AKM behalten zu   k&#246;nnen. Der fein herausgeputzte Herr Shabani empf&#228;ngt den Besucher in   seinem frisch eingerichteten B&#252;ro in der Bill-Clinton-Strasse gleich mit   folgender Erkl&#228;rung: &#8222;Im Interesse der Arbeiter ist es, den   Privatisierungsprozess der Wirtschaft entscheidend voranzutreiben.&#8220;<\/p>\n<p>  Auf den Einwand, dass es doch einen Gegensatz zwischen den Interessen   der Arbeiter und dem von ihm favorisierten ausl&#228;ndischen Investoren   geben k&#246;nnte, l&#228;sst sich Herr Shabani &#252;berhaupt nicht ein. Er fragt den   Besucher, ob er nicht Kontakte zur Firma Siemens vermitteln k&#246;nne, denn   die haben ja Interesse an den Rohstoffen Kosovas speziell im Kombinat   Trepca bekundet. Shabani erkl&#228;rte w&#246;rtlich: &#8222;Ich wei&#223;, welchen Reichtum   Trepca hat [bis in die achtziger Jahre hatte das Kombinat die   zweith&#246;chste F&#246;rderquote mit Zink, Nickel, Kupfer und Blei in Europa],   ich bin auch Spezialist bez&#252;glich des gesamten Kombinats, bringen Sie   die Herren zu mir, wir werden die Sache schon regeln&#8220;.<\/p>\n<p>  Nach diesem Gespr&#228;ch ben&#246;tigt man selbst am hellichten Tag einen Cognak. <\/p>\n<h4>  Die eigentliche Gewerkschaft BSPK<\/h4>\n<p>  Nach dem Gespr&#228;ch mit dem herausgeputzten Gockel Shabani ging es zu   einem Treffen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des BSPK Hasan   Abazi. Wir durften einen freundlichen &#228;lteren Herren mit einfachem   Jackett und einer abgewetzten Ledertasche begr&#252;&#223;en.<\/p>\n<p>  Anfangs war Abazi dem Gespr&#228;chspartner gegen&#252;ber durchaus reserviert. Er   hat wohl schlechte Erfahrungen mit den deutschen   Privatisierungskommissaren der UNMIK gemacht. Aus diesem Grund war er   auch am Anfang gegen&#252;ber einem Menschen, der sich als deutscher   Journalist vorstellte durchaus reserviert. Nach einigen Minuten war aber   das Eis gebrochen und Abazi lederte gegen die Wirtschaftspolitik der   UNMIK los. Dazu sollte man wissen, dass das vierte B&#252;ro der UNMIK f&#252;r   die Wirtschaft absolut zust&#228;ndig ist. Dieser Pilar IV steht seit Beginn   der UN-Mission unter europ&#228;ischer Leitung. Speziell der deutsche   Lambsdorff und zuletzt Joachim R&#252;cker (jetziger Chef der UN-Mission)   taten sich als Leiter der Privatisierungswelle in Kosova hervor.<\/p>\n<p>  Abazi zog eine vernichtende Bilanz der Privatisierung. Nach Abazi gibt   es in Kosova eine dramatische Zunahme der Arbeitslosigkeit auf &#252;ber 60   Prozent, er erw&#228;hnte, dass andere Quellen von mindestens 70 Prozent   Arbeitslosigkeit ausgingen.<\/p>\n<p>  Abazi erl&#228;uterte, wie der Privatisierungsprozess konkret abl&#228;uft: &#8222;In   den meisten Betrieben bekommen die Arbeiter von der Direktion, wenn ein   Betrieb zur Privatisierung ausgeschrieben ist keinerlei Lohn mehr. Die   Clans rechtfertigen dies, mit einem UNMIK-Gesetz, wonach nur   Besch&#228;ftigte &#252;bernommen werden, die in den letzten drei Jahren im   Betrieb gearbeitet h&#228;tten.&#8220; Nach der Schilderung von Abazi lehnt die   UNMIK jegliches K&#252;ndigungsschutzgesetz ab.<\/p>\n<p>  Nach seiner Erfahrung nehme nach der Privatisierung der Lohn der   Besch&#228;ftigten ab, die wenigsten w&#252;rden &#252;bernommen werden und die   &#220;bernommenen bekommen nur befristete Arbeitsvertr&#228;ge zwischen einem und   drei Monaten.<\/p>\n<p>  In den noch &#246;ffentlichen Betrieben erh&#228;lt ein Arbeiter zwischen 120 und   200 Euro im Monat. Die Besch&#228;ftigten in den privatisierten Betrieben im   Schnitt nur 80 Euro.<\/p>\n<p>  Dann erw&#228;hnte Abazi konkrete Beispiele, zu dem Fall Ferronikel in Drenas   erkl&#228;rte Abazi: &#8222;Vor &#252;ber einem Jahr wurde der moderne Industriegigant   gegen den Widerstand der Arbeiter verkauft. Den Zuschlag erhielt die   Firma Alferon mit einem Betrag von 33 Millionen Euro. Ein anderer   Mietbieter bot 49 Millionen Euro. Es wurden durch Herrn R&#252;cker (damals   Leiter der AKM) Millionen verschenkt. Hier ging es doch nicht mit   rechten Dingen zu.&#8220;<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem meinte Abazi breche die UNMIK, wenn es ihr in den Kram passt   ihre eigenen Gesetze. Konkret sprach Abazi &#252;ber die   IMK-Stahlr&#246;hren-Fabrik in Ferizaj.<\/p>\n<h4>  Die IMK-Stahlr&#246;hren-Fabrik in Ferizaj<\/h4>\n<p>  Vor einem Jahr klagten 912 IMK-Angestellte vor dem Obergericht in   Pristina gegen die Verschleuderung ihres Werkes. Das Gericht stellte   fest, dass der Betrieb mindestens 25 Millionen Euro Wert sei. Dennoch   verschacherte die AKM (sie steht unter direkter Kontrolle der UNMIK) das   Werk f&#252;r 3,6 Millionen Euro.<\/p>\n<p>  Dabei ignorierte die Privatisierungsagentur selbst noch ihr eigenes   Regulativ f&#252;r die Privatisierung. Nach den Regeln m&#252;ssen mindestens 3   Bieter vorhanden sein, in diesem Fall waren es aber nur 2 und die UNMIK   verkaufte gegen den Widerstand der Arbeiter trotzdem. Der einst stolze   Betrieb hatte w&#228;hrend seiner Bl&#252;te in den achtziger Jahren rund 1.400   Personen Arbeit geboten.<\/p>\n<p>  IMK-Pipelines wurden in die ganze Welt exportiert. Der Niedergang setzte   mit der Entlassung der albanischen Belegschaft zu Beginn der neunziger   Jahre des letzten Jahrhunderts ein. Gegenw&#228;rtig besch&#228;ftigt der Betrieb   rund 600 Arbeiter. Der K&#228;ufer ist unbekannt und wird von der UNMIK als   seri&#246;s verkauft. Das einzige was die UNMIK f&#252;r unseri&#246;s h&#228;lt sind   Einwendungen der Arbeiter oder gar deren Eigentumsanspr&#252;che an den   Produktionsmitteln. Die Gewerkschaft BSPK lehnt mittlerweile den   Privatisierungsprozess ab.<\/p>\n<h4>  Auf welcher Basis privatisiert die UNMIK?<\/h4>\n<p>  Mit Beginn der UNMIK Herrschaft in Kosova machte sie sich zum Herren   &#252;ber die &#214;konomie des Landes. Alle formal staatlichen Betriebe mitsamt   der ausl&#228;ndischen Beteiligungen wurden dem Pilar IV der UNMIK   unterstellt. Die UNMIK bestimmte wieviel Personen in einem Betrieb   arbeiten durften und wer Auftr&#228;ge erhielt. Das Baukombinat &#8222;Ramiz   Sadiku&#8220; mit einst 5.000 Besch&#228;ftigten in Prishtina bekam unmittelbar   nach dem Krieg keinerlei Bauauftr&#228;ge. Die Auftr&#228;ge wurden an Firmen in   Mazedonien, Griechenland, aber auch an deutsche Bauunternehmen vergeben.   Das Ziel bestand darin, die &#246;rtlichen Betriebe abzuwerten um sie dann   f&#252;r einen Apfel und ein Ei zu verh&#246;kern. Das Baukombinat &#8222;Sadiku&#8220; ist   mittlerweile privatisiert. In dem einst stolzen Kombinat arbeiten noch   200 Personen zu Hungerl&#246;hnen.<\/p>\n<p>  Die rechtliche Basis f&#252;r den Umgang mit der Wirtschaft bilden die   sogenannten Wirtschaftsreformen aus der Milosevic-Periode. Im Jahr 1990   wandelte Milosevic per Gesetz die Betriebe in sogenannte staatliche   Aktiengesellschaften um. Bis zu diesem Gesetz waren die Betriebe im   Gruppeneigentum der Arbeiter. Das Gesetz machte aus den Arbeitern   Aktion&#228;re. Ihr Anteil am Betriebskapital betrug 20 Prozent. Die   restlichen Anteile wurden in drei Richtungen verkauft: Privilegierte   B&#252;rokraten erwarben gr&#246;&#223;ere Anteile, dazu kamen ausl&#228;ndische   Kapitalisten und gewisse Anteile erwarb der serbische Staat.<\/p>\n<p>  Das Ziel der &#8222;Reform&#8220; bestand darin, eine eigene serbische Bourgeoisie   zu bilden im Bund mit ausl&#228;ndischen Investoren. Besonders stark   investierte franz&#246;sisches, griechisches und russisches Kapital in den   neunziger Jahren in Kosova. All diese gegen die Arbeiter durchgesetzten   Ma&#223;nahmen betrachtet die UNMIK als Basis f&#252;r ihre &#8222;Privatisierung&#8220;. <\/p>\n<p>  Gegen Ende des Jahres 2004 stoppte der deutsche Wirtschaftskommissar   Lambsdorff die Privatisierung, weil er der Meinung war, dass bereits   verkauftes Eigentum nicht nochmals verkauft werden d&#252;rfe. Der Konflikt   aus dem Jahr 2004 gibt eine Ahnung davon inwieweit bereits unter   Milosevic die Privatisierung der &#214;konomie vorangeschritten war.<\/p>\n<p>  Joachim R&#252;cker verk&#252;ndete dann als Nachfolger des Grafen Lambsdorff,   dass der Prozess der &#8222;Privatisierung weitergehe und bis Ende 2005   abgeschlossen sein m&#252;sse&#8220;. Wird ein Betrieb nach den Regularien der   UNMIK auf Basis der Milosevic Gesetze verkauft, erhalten die Arbeiter   offiziell 20 Prozent. Den gro&#223;en Rest erhalten internationale   Investoren, welche bereits unter Milosevic Anteile kauften sowie   serbische B&#252;rokraten und der serbische Staat. Die Geleimten sind die   Arbeiter in doppelter Hinsicht: Erstens wird durch die   Entwertungsstrategie der UNMIK ihr Anteil immer weniger Wert und   zweitens m&#252;ssen sie von der UNMIK als Arbeiter anerkannt sein. Der   Gro&#223;teil der Arbeiter welche einst in den Betrieben arbeiteten und unter   Milosevic entlassen wurden, werden von der UNMIK nicht anerkannt. Ergo   die Entlassungswelle gegen&#252;ber den albanischen Arbeitern unter Milosevic   wird von der UNMIK teilweise sanktioniert.<\/p>\n<p>  Die nicht anerkannten Arbeiter haben keinerlei Anspr&#252;che auf   Abfindungen. Anspr&#252;che gelten nur f&#252;r Besch&#228;ftigte die die letzten drei   Jahre vor der Privatisierung in den Betrieben arbeiteten. Die   ausl&#228;ndischen Investitionen halten sich bis dato in Kosova in Grenzen   obwohl &#252;ber 90 Prozent der Betriebe zur Privatisierung ausgeschrieben   sind.<\/p>\n<p>  Etwas &#252;ber 1.000 Menschen arbeiten im Kombinat Trepca auf Probe. An   Trepca ist die Thyssen Group und die Firma ITT interessiert. Das   Kaufinteresse wird durch erworbene Optionsscheine abgesichert. Kein   Bedarf besteht allerdings an den verarbeitenden Kapazit&#228;ten des   Kombinats. Au&#223;erdem fordern die Firmen &#8222;deutliche Lohnsenkungen,   gesteigerte Arbeitsproduktivit&#228;t und einen K&#246;rperschaftssteuersatz der   unter den vergleichbaren S&#228;tzen in der Region liegt. In Serbien liegt   der Satz gegenw&#228;rtig bei 10 Prozent und in Montenegro bereits bei 9   Prozent.<\/p>\n<p>  Es findet ein Dumpingwettbewerb am Balkan zugunsten der gro&#223;en Konzerne   statt. Die UNMIK und der Ahtisaari-Plan schreiben Kosova die &#8222;Pflicht   zur Freien Marktwirtschaft&#8220; vor. In diesem Sinn soll jetzt die   staatliche Energieversorgung Kosovas vollst&#228;ndig privatisiert werden.   Kosova hat den h&#246;chsten Braunkohlereichtum in der Region. Mit dem Bau   der Thermozentrale Kosova C durch ein schwedisch-amerikanisches   Konsortium soll die Privatisierung der Energieversorgung eingeleitet   werden. Die Bl&#246;cke Kosova A und B werden stillgelegt.<\/p>\n<p>  Diese Planung geht von der UNMIK aus, was zu weiter steigenden Preisen   und Arbeitsplatzverlusten im Energiesektor f&#252;hren wird. Die UNMIK   benutzt die mangelhafte Energieversorgung in Kosova um den Energiesektor   absolut von der Kontrollm&#246;glichkeit durch die Gesellschaft zu befreien. <\/p>\n<h4>  Anmerkungen zur sozialen Lage im Land<\/h4>\n<p>  Nach der neuesten Studie der Weltbank leben 15 Prozent der Bev&#246;lkerung   in Kosova in &#8222;extremer Armut&#8220;. Darunter versteht die Weltbank ein   Einkommen von unter einem Dollar pro Tag. Weitere 36 Prozent m&#252;ssen von   weniger als zwei Dollar am Tag ihr Leben fristen. Anspruch auf soziale   Unterst&#252;tzung hat nur derjenige, der keinen Esel und keinen Verwandten   im westlichen Ausland hat.<\/p>\n<p>  Die &#8222;Sozialunterst&#252;tzung&#8220; betr&#228;gt maximal 50 Euro im Monat. Die Rentner   beziehen eine Einheitsrente von 40 Euro im Monat. Das ist zum Sterben   zuviel und zum Leben zuwenig.<\/p>\n<p>  Die medizinische Versorgung wird immer mehr eingeschr&#228;nkt und   privatisiert. Auf Rezept gibt es fast keine Medikamente mehr. Wer   allerdings gen&#252;gend Knete in der Tasche hat, bekommt jedes Medikament in   den Apotheken. Die Ausstattung der &#246;ffentlichen Krankenh&#228;user   verschlechtert sich. Daf&#252;r wird eine Privatklinik neben der anderen   gegr&#252;ndet.<\/p>\n<p>  Kosova ist auch ein Experimentierfeld des Neoliberalismus. Besonders   betroffen von der Arbeitslosigkeit ist die Jugend, insbesondere die   weibliche. Kosova hat eine enorme Anzahl junger Menschen, von den 2,2   Millionen Einwohnern sind 50 Prozent unter 25 Jahre alt. Die   Unzufriedenheit ist hier besonders weitverbreitet. Nicht umsonst wird in   bestimmten westlichen Medien von einer Explosionsgefahr in Kosova   geschrieben.<\/p>\n<h4>  Die Generation Kurti<\/h4>\n<p>  Der ehemalige Studentenf&#252;hrer Albin Kurti und die Bewegung f&#252;r   Selbstbestimmung (LPV) dominieren die jugendpolitische Szene Kosovas.   Die LPV lehnt eine Dominanz Kosovas durch den serbischen Staat genauso   ab, wie den Kolonialismus der UNMIK. Sie fordert f&#252;r Kosova das Recht   auf Selbstbestimmung in allen nationalen, politischen, sozialen und   kulturellen Fragen. In der LPV finden sich b&#252;rgerlich-demokratische   Positionen, es finden aber auch Debatten &#252;ber die L&#246;sung der sozialen   Frage und die Notwendigkeit der &#220;berwindung des Kapitalismus statt. Sie   setzt sich f&#252;r Minderheitenrechte der SerbInnen, Sinti, Roma und anderen   Minderheiten ein, ohne aber bisher ein konkretes Programm f&#252;r diese   Fragen entwickelt zu haben. Zweifellos beinhaltet das auch die Gefahr,   dass rechte Nationalisten versuchen k&#246;nnen, die LPV zu beeinflussen. Die   LPV wird von der UNMIK und der f&#252;hrenden politischen Kaste Kosovas   zunehmend als Bedrohung empfunden. Anders ist die Gewalteskalation   anl&#228;sslich der LPV-Demonstration am 10. Februar in Prishtina nicht   erkl&#228;rbar.<\/p>\n<p>  Am Abend des blutigen Samstags wurde Albin Kurti festgenommen. Seit 10.   Februar ist Albin Kurti in Untersuchungshaft, seine Richterin ist eine   deutsche Frau mit dem weit verbreiteten Namen Schmidt. Kurti sitzt aus   rein politischen Gr&#252;nden in Haft, bis jetzt ist von der Anklage nur zu   vernehmen, &#8222;dass er die internationale Sicherheit gef&#228;hrden w&#252;rde&#8220;. <\/p>\n<p>  Dieses Konstrukt setzt Albin Kurti mit Bin Laden gleich, gegen den   formaljuristisch dieselbe Anklage erhoben wird. Im Fall Kurti geht es   allerdings darum, jegliche Opposition auszuschalten, die f&#252;r Kosova   lediglich das Selbstbestimmungsrecht einklagt, was in diversen   UN-Resolutionen verankert ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/kfor2.jpg\"><br \/>\n      Es gibt in der deutschen Sprache die Erkenntnis, wenn einer eine Reise<br \/>\n      tut, dann kann er was erleben. Eine Reise nach Kosova macht da keine<br \/>\n      Ausnahme. 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