{"id":12083,"date":"2007-04-25T11:35:11","date_gmt":"2007-04-25T11:35:11","guid":{"rendered":".\/?p=12083"},"modified":"2007-04-25T11:35:11","modified_gmt":"2007-04-25T11:35:11","slug":"12083","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12083\/","title":{"rendered":"700 bei Marxismuskonferenz"},"content":{"rendered":"<p>  <img src=\"\/media\/2007\/karl_marx.jpg\" align=\"left\">  Die am vergangenen Wochenende nach zehn Jahren zum zweiten Mal   stattfindende Marxismuskonferenz war mit 700 TeilnehmerInnen und   lebhaft-solidarischen Debatten ein Erfolg. Die SAV-Zeitung Solidarit&#228;t   war eine von 18 Zeitschriften und Stiftungen, die diese Konferenz   veranstalteten.<br \/>  <i>von Sascha Stanicic<\/i> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Auf f&#252;nf Plenarveranstaltungen und &#252;ber zwanzig weiteren   Diskussionsveranstaltungen, Vortr&#228;gen und Workshops wurde eine breite   Palette von Themen diskutiert, die die marxistische Theorie, h&#228;ufiger   aber die Frage marxistischer Politik in aktuellen Fragen, behandelten.   Die Solidarit&#228;t f&#252;hrte eine Veranstaltung zum Thema &quot;Lateinamerika auf   dem Weg zum Sozialismus?&quot; durch, auf der auch Alessandra Lacerda von der   brasilianischen Partei f&#252;r Sozialismus und Freiheit sprach und die mit   ca. 70 TeilnehmerInnen zu den besser besuchten Einzelveranstaltungen   geh&#246;rte.<\/p>\n<h4>  Konferenz von Marxisten<\/h4>\n<p>  Unter den BesucherInnen waren mehr junge Menschen, als die   VeranstalterInnen erwartet hatten, wobei sich &quot;jung&quot; auf Menschen unter   drei&#223;ig bezieht. Leider waren wenge Sch&#252;lerInnen und Auszubildenden   gekommen. Der Gro&#223;teil der TeilnehmerInnen waren politische aktive   Menschen, vielfach in einer der verschiedenen sozialistischen   Organisationen oder Parteien organisiert. Dies lag sicher auch daran,   dass wenig Au&#223;enmobilisierung mit Plakaten und Flugbl&#228;ttern   stattgefunden hat, sondern haupts&#228;chlich &#252;ber linke Medien mobilisiert   wurde.<\/p>\n<p>  So war es denn in gewisser Hinsicht mehr eine Konferenz von Marxisten   als eine Marxismuskonferenz. Dem Anspruch die marxistische Theorie   weiter zu entwickeln und &quot;auf den Stand des 21. Jahrhunderts zu   bringen&quot;, wie es Angela Klein in ihrer Verabschiedung der Konferenz   formulierte, konnte die Konferenz sicher nicht gerecht werden.<\/p>\n<p>  Trotzdem ist es zweifelsfrei positiv, wenn theoretische und politische   Debatten von AktivistInnen und Intellektuellen gemeinsam gef&#252;hrt werden   und so eine Debatte &#252;ber Aktualit&#228;t und Weiterentwicklung des Marxismus   angeregt wird.<\/p>\n<p>  Oftmals war es jedoch so, dass entweder theoretisch diskutiert wurde und   der konkrete Bezug zum Klassenkampf und dem notwendigen Aufbau der   Arbeiterbewegung fehlte oder aber Politik, also politische Positionen,   diskutiert wurden, ohne diese ausreichend aus theoretischen &#220;berlegungen   abzuleiten.<\/p>\n<h4>  Lateinamerika-Veranstaltung<\/h4>\n<p>  Die SAV-Zeitung Solidarit&#228;t hat versucht auf ihrer Veranstaltung zu   Lateinamerika die Br&#252;cke zwischen theoretischen &#220;berlegungen und   praktischer Politik zu schlagen. Hier wurde sich vor allem mit den   aktuellen Entwicklungen in Venezuela auseinander gesetzt und die Frage   gestellt, ob die Politik von Hugo Ch&#225;vez, der sich unter anderem auch   auf Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution bezieht, diesem Anspruch   gerecht wird und eine Strategie zur &#220;berwindung des Kapitalismus   darstellt. Ausgehend von der Theorie der Permanenten Revolution wurde   erkl&#228;rt, dass diese keine schrittweise Transformation des Kapitalismus   unter Beibehaltung von Marktwirtschaft und Elementen von Privateigentum   an Produktionsmitteln vorsieht, sondern den Bruch der wirtschaftlichen   und politischen Macht der Kapitalisten durch Verstaatlichung der   Schl&#252;sselbereiche der Wirtschaft und durch die Einf&#252;hrung einer   demokratischen Kontrolle und Verwaltung von Wirtschaft und Gesellschaft   durch gew&#228;hlte Organe der arbeitenden Bev&#246;lkerung, armen Bauernschaft   und Jugend. Auf dieser Basis wurde ein Programm f&#252;r eine sozialistische   Ver&#228;nderung Venezuelas diskutiert, das sich deutlich von den Vorschl&#228;gen   von Hugo Ch&#225;vez oder auch der Kommunistischen Partei Venezuelas   unterscheidet.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig wurde betont, dass MarxistInnen selbstverst&#228;ndlich alle   progressiven Ma&#223;nahmen der Ch&#225;vez-Regierung, wie die verschiedenen   Sozialreformen, unterst&#252;tzen &#8211; gleichzeitig aber f&#252;r den Aufbau einer   von Staat und Regierung unabh&#228;ngigen Arbeiterpartei und ebensolchen   Gewerkschaften eintreten.<\/p>\n<p>  Alessandra Lacerda aus Brasilien berichtete in der Veranstaltung &#252;ber   den Rechtsruck der brasilianischen Arbeiterpartei (PT), der die Gr&#252;ndung   einer neuen sozialistischen Partei, der Partei f&#252;r Sozialismus und   Freiheit (P-SoL) notwendig machte.<\/p>\n<h4>  Podium gegen Krieg und Ausbeutung<\/h4>\n<p>  Auf der letzten Plenarveranstatung diskutierte das SAV-Mitglied Lucy   Redler mit dem Bundestagsabgeordneten Norman Paech, dem Koordinator der   Friedensbewegung Peter Strutynsky, dem Herausgeber der Zeitung gegen den   Krieg Winfried Wolf und dem Mitglied der Kommunistischen Plattform Anton   Latzo.<\/p>\n<p>  Lucy Redler vertrat in ihren Ausf&#252;hrungen vier Thesen:<\/p>\n<p>  1. Der deutsche Imperialismus ist nicht friedlicher als andere   imperialistische Staaten.<\/p>\n<p>  2. Die UNO ist kein Mittel zur Bek&#228;mpfung von Kriegen.<\/p>\n<p>  3. Es ist notwendig die Anti-Kriegs-Bewegung durch das Aufgreifen der   sozialen Frage aufzubauen und zu st&#228;rken.<\/p>\n<p>  4. Auf kapitalistischer Basis gibt es keinen Ausweg f&#252;r L&#228;nder wie den   Irak und keine M&#246;glichkeit, Kriege dauerhaft zu verhindern.<\/p>\n<h4>  L&#252;cken<\/h4>\n<p>  Zweifellos wurden einige wichtige Fragen gar nicht oder nur ungen&#252;gend   bei dieser Konferenz behandelt. Dazu z&#228;hlen sicherlich Themen wie die   Umweltzerst&#246;rung, Migration, Bildung und auch Fragen des   Internationalismus. Das Programm bot auch zu wenig Veranstaltungen, die   f&#252;r Menschen, die sich zum ersten Mal mit dem Marxismus auseinander   setzen wollen, attraktiv waren. Die Idee bei einer n&#228;chsten Konferenz   auch Einf&#252;hrungskurse zur marxistischen Theorie anzubieten, wurde von   einigen der VeranstalterInnen daraufhin diskutiert.<\/p>\n<h4>  Plenum zur Einheit der Linken<\/h4>\n<p>  Auf einer Plenumsveranstaltung diskutierten unter anderem Hans Modrow,   Uwe-Jens Heuer, Nele Hirsch und Michael M&#228;de &#252;ber &quot;Die Linke und die   Einheit der Linken&quot;. F&#252;r alle TeilnehmerInnen &#252;berraschend und f&#252;r viele   unverst&#228;ndlich nutzte Hans Modrow einen gro&#223;en Teil seiner Redezeit f&#252;r   eine Rechtfertigung seiner Politik als vorletzter Ministerpr&#228;sident der   DDR und zur Zur&#252;ckweisung der zur Zeit in den Medien gegen ihn erhobenen   Vorw&#252;rfe. Dies machte die Diskussion recht &quot;DDR-lastig&quot;, was aber auch   Ausdruck der Tatsache war, dass doch erstens viele TeilnehmerInnen einer   gewissen DDR-Nostalgie nach hingen und zweitens eine politische Kl&#228;rung   &#252;ber Bewertung und Charakter der DDR eine wichtige Aufgabe auf dem Weg   zu einer starken marxistischen Bewegung ist. Dies gilt umso mehr, wenn   es um die Frage des Aufbaus einer politischen Arbeiterpartei geht, die   zweifellos nur einen Massenanhang wird entwickeln k&#246;nnen, wenn sie   unmissverst&#228;ndlich deutlich macht, dass ihre Sozialismusvorstellungen   mit der DDR nur die Enteignung des Kapitals und die Einrichtung einer   Planwirtschaft, nicht aber die politischen Strukturen des Staates und   die Verwaltungsstrukturen der Wirtschaft, gemein haben.<\/p>\n<p>  Hinsichtlich der Gr&#252;ndung der Partei DIE LINKE erkl&#228;rte Michael M&#228;de   &#252;berzeugend, warum die Mehrheit der Berliner WASG den Schritt in die   fusionierte Partei nicht mitgehen wird. Da zeigte sich, dass die   TeilnehmerInnen in dieser Frage grob zwei Lagern angeh&#246;rten: solche, die   die formale Einheit von WASG und L.PDS (was ja nicht mit der Einheit   aller Linken gleich zu setzen ist) &#252;ber politische Inhalte stellten und   solche, die ihre Solidarit&#228;t und Unterst&#252;tzung mit der Berliner WASG   deutlich zum Ausdruck brachten.<\/p>\n<p>  Leider war von den anderen RednerInnen keine programmatische und   strategische Konzeption &#252;ber den Aufbau einer schlagkr&#228;ftigen   marxistischen Opposition in der neuen Partei zu h&#246;ren, was die Annahme   nahe legt, dass diese &#8211; wie schon in der L.PDS &#8211; nur zahnlose Str&#246;mungen   mit marxistischem Anspruch auf die Beine stellen werden.<\/p>\n<h4>  Auf ein Drittes!<\/h4>\n<p>  Die Stimmung war gut am Ende der Konferenz und die abschlie&#223;ende   Erkl&#228;rung der VeranstalterInnen dr&#252;ckt sicher die Meinung der Mehrheit   der TeilnehmerInnen aus, wenn sie fest h&#228;lt: &quot;Die Marxismuskonferenz   sollte zu einem regelm&#228;&#223;igen Forum (etwa alle zwei bis drei Jahre) des   Austausches unter Marxistinnen und Marxisten gemacht werden. Die f&#252;r die   Konferenz eingerichtete Homepage (marxismuskonferenz.de) wird nach der   Tagung bestehen bleiben und kann als Diskussionsplattform genutzt   werden. Weitere publizistische Formen sind denkbar, die getragen von   verschiedenen Gruppen und Zeitschriftenprojekten, die Debatten der   Konferenz dokumentieren und auch dar&#252;ber hinaus die M&#246;glichkeit von   Dialog und produktivem Streit bieten. In diesem Sinne laden wir alle   ein, den mit der 2. Marxismuskonferenz wieder in Gang gebrachten   marxistischen Dialog zu kontinuierlich fortzusetzen.&quot;<\/p>\n<p>  Die SAV nahm mit &#252;ber 20 Mitgliedern an dieser Konferenz teil und konnte   an ihrem gut besuchten Info-Stand Zeitungen, B&#252;cher und Brosch&#252;ren im   Wert von 270 Euro verkaufen, was die Erwartungen &#252;bertrief. Au&#223;erdem   konnten eine Reihe von InteressentInnen f&#252;r die SAV kennen gelernt   werden.<\/p>\n<p>  <i>Sascha Stanicic ist SAV-Bundessprecher und geh&#246;rte zu den   UnterzeichnerInnen des Aufrufs zur Marxismuskonferenz. <\/i><\/p>\n<\/p>\n<h5>  Dokumentiert: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/04-24\/007.php\">  Bericht von Daniel Behruzi in der jungen Welt, 24.4.07,<\/a> zur Debatte   zu Gewerkschaftsfragen auf der Marxismuskonferenz:<\/h5>\n<h3>  &#187;Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse keine Naturgesetze&#171;<\/h3>\n<p>  <b>Marxismuskonferenz: Kontroverse Debatte &#252;ber gewerkschaftliche   Defensive und deren Ursachen<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi<\/i><\/p>\n<p>  Reichlich kontrovers ging es zu beim Plenum &#187;F&#252;r eine k&#228;mpferische   Gewerkschaftsbewegung&#171; auf der Konferenz &#187;MarXXIsmus f&#252;r das 21.   Jahrhundert&#171; am Wochenende in Berlin. W&#228;hrend Stefan Hoelzer, Leiter des   IG-Metall-Vertrauensk&#246;rpers bei VW Braunschweig, die f&#252;r Gewerkschaften   und Betriebsr&#228;te schwierige Lage hervorhob, betonten andere &#8211; wie der   Th&#252;ringer ver.di-Sekret&#228;r Angelo Lucifero und der oppositionelle   DaimlerChrysler Betriebsrat Tom Adler aus Stuttgart &#8211; die Kritik an der   aktuellen Gewerkschaftspolitik.<\/p>\n<p>  &#187;Wir sind als Gewerkschafter und auch als Linke absolut in der Defensive   und in einer Situation, in der wir noch nicht einmal das Tempo des   R&#252;ckzugs bestimmen k&#246;nnen&#171;, zeichnete Hoelzer in seinem   Einleitungsstatement ein d&#252;steres Bild der Situation. Zugest&#228;ndnisse,   wie die k&#252;rzlich bei VW erfolgte Arbeitszeitverl&#228;ngerung mit   Teillohnausgleich, seien vor diesem Hintergrund verst&#228;ndlich. &#187;Ich habe   dem Kompromi&#223; bei VW zugestimmt, weil er dem Kr&#228;fteverh&#228;ltnis entsprach   und weil es ein unheimliches Druckpotential von seiten der Konzernspitze   gab&#171;, rechtfertigte sich Hoelzer, der damit Unmuts&#228;u&#223;erungen eines Teils   des Publikums auf sich zog.<\/p>\n<p>  Eine vollends andere Sichtweise vertrat Tom Adler, einer von zehn   Betriebsr&#228;ten der oppositionellen Liste &#187;alternative&#171; im   DaimlerChrysler-Werk Untert&#252;rkheim. &#187;Die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse sind keine   Naturgesetze, die sich durchsetzen wie die Schwerkraft. Sie sind   beeinflu&#223;bar und zwar vor allem dann, wenn gro&#223;e Massen in Bewegung sind   &#8211; auf der Stra&#223;e und im Streik&#171;, erkl&#228;rte er. Leider vers&#228;ume es die   Gewerkschaftsspitze immer wieder, die entsprechenden Situationen f&#252;r   eine Ver&#228;nderung der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse zu nutzen, kritisierte er. &#187;Die   Kraft der Gewerkschaften ist, wenn sich die Betroffenen wehren &#8211; leider   beschr&#228;nkt sich ein Teil der Haupt- und Ehrenamtlichen aber darauf zu   jammern, statt den Widerstand zu organisieren&#171;, meinte auch Lucifero und   verwies auf die Erfahrungen in anderen L&#228;ndern. In Italien und   Griechenland, aber auch in Schweden und den USA sei die Zahl der   Streiktage gr&#246;&#223;er und in der Folge die Einkommensentwicklung deutlich   besser als hierzulande.<\/p>\n<p>  Horst Schmitthenner, Beauftragter des IG-Metall-Vorstands im   Verbindungsb&#252;ro soziale Bewegungen, betonte hingegen wie Hoelzer die   objektiven Schwierigkeiten, denen sich die Besch&#228;ftigtenorganisationen   derzeit gegen&#252;bersehen. Diese st&#252;nden doppelt unter Druck &#8211; zum einen   durch fortgesetzte Restrukturierungen in den Unternehmen und zum anderen   durch die Ma&#223;nahmen einer &#187;neo-sozialdemokratischen Politik, die zu   einer Schw&#228;chung der gewerkschaftlichen Organisations- und   Verhandlungsmacht f&#252;hrt&#171;. &#187;Der arbeitssch&#252;tzende, marktkorrigierende   Wohlfahrtsstaat wird umgestaltet zum kapitalf&#246;rdernden,   machtorientierten Wettbewerbsstaat&#171;, formulierte Schmitthenner. Er   betonte, da&#223; es sich bei den daraus folgenden Verwerfungen zwischen SPD   und Gewerkschaften &#187;nicht um eine vor&#252;bergehende Zwistigkeit, sondern um   fundamentale, nicht wieder reparierbare Ver&#228;nderungen in der   traditionellen Arbeitsteilung&#171; handele. In diesem Punkt waren sich die   Anwesenden wiederum einig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img src=\"\/media\/2007\/karl_marx.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Die am vergangenen Wochenende nach zehn Jahren zum zweiten Mal<br \/>\n      stattfindende Marxismuskonferenz war mit 700 TeilnehmerInnen und<br \/>\n      lebhaft-solidarischen Debatten ein Erfolg. 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