{"id":12082,"date":"2007-04-24T14:47:23","date_gmt":"2007-04-24T14:47:23","guid":{"rendered":".\/?p=12082"},"modified":"2007-04-24T14:47:23","modified_gmt":"2007-04-24T14:47:23","slug":"12082","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12082\/","title":{"rendered":"Berliner Schulstreik: &quot;Wir d&#252;rfen uns nicht blind auf die Politik \r\n      verlassen.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><br style=\"margin-bottom: 0cm\">  Interview mit Maike D., Sch&#252;lerin und aktiv in der   Sch&#252;lerInnenInitiative &#8222;Bildungsblockaden einrei&#223;en&#8220;. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <b>Am 24. April ist ein Schulstreik in Berlin geplant, was sind f&#252;r dich   die wesentlichen Gr&#252;nde, um daran teilzunehmen? <\/b>    <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Ich bin Sch&#252;lerin in Berlin und will meinen Bildungsweg nicht mehr   allein in die H&#228;nde der Berliner Politiker legen. Die Berliner   Bildungspolitik schreibt viele Dinge wie zum Beispiel das dreigliedrige   Schulsystem und Studiengeb&#252;hren vor, die ungerecht sind und nicht   einfach von der Gesellschaft akzeptiert werden d&#252;rfen. Es werden   besonders sozial Schw&#228;chere benachteiligt und eine kleine, ausgew&#228;hlte   Elite gef&#246;rdert. Bildung sollte aber selbstbestimmt und f&#252;r jede\/n   zug&#228;nglich, also auch kostenfrei und nicht von der sozialen Herkunft   abh&#228;ngig sein.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Au&#223;erdem wird Tag f&#252;r Tag Leistungsdruck durch Noten, Zeugnisse und   st&#228;ndigen Konkurrenzkampf auf uns ausge&#252;bt. Klassen sind zu gro&#223;,   Schulen werden geschlossen. Ausbildungspl&#228;tze werden befristet vergeben   oder gestrichen. Wir sind von Zust&#228;nden wie &#8222;Generation Praktikum&#8220;   betroffen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Ich glaube schon lange nicht mehr, dass der Senat ein stabiles,   gesellschaftlich-gerechtes System schafft. Wir Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler   wollen aber eine Zukunft, die nicht von Perspektivlosigkeit,   Prekarisierung und Armut gezeichnet ist. Deshalb ist es wichtig, die   Stimme zu erheben und f&#252;r die eigene Zukunft zu k&#228;mpfen, auf der Stra&#223;e   zu demonstrieren und nicht nur m&#252;de Unterschriftensammlungen und   Gespr&#228;chsaufnahmen zu versuchen. Und genau diesen Widerstand werde ich   auch leisten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <b>Wie viele Leute erwartest Du zum Schulstreik? <\/b>    <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Da die Vorbereitungszeit ziemlich kurz war &#8211; nur ein Monat, an dem f&#252;r   den Streik Sch&#252;lerInnen in ganz Berlin mobilisiert werden konnten &#8211;   erwarte ich weniger als beim letzten Schulstreik. Aber ich merke immer   wieder, dass der Aufruf sich doch schon rumgesprochen hat. Die   Sch&#252;lerInnenInitiative hat seit dem 13. September 2006 bei Sch&#252;lerInnen   und LehrerInnen einen Eindruck hinterlassen. Es wird von Seiten des   Senats wieder starke Repression geben, doch die Sch&#252;lerInnen werden   wieder f&#252;r ihre Rechte und Forderungen demonstrieren und zu den tollen   Bands tanzen. Ich glaube, dieser Schulstreik wird von kleineren Mengen   von Sch&#252;lerInnen getragen, aber trotzdem eine gro&#223;e Wirkung erzielen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <b>Nach dem letzten Schulstreik am 13. September 06 wurden mehrere   Sch&#252;lerInnen von der Polizei festgenommen, ein Sch&#252;ler wurde f&#252;r mehrere   Monate eingeknastet &#8211; obwohl die Demonstration einen sehr friedlichen   Charakter hatte. Bei der Anmeldung des jetzigen Schulstreiks hat die   Polizei bereits angek&#252;ndigt &quot;keine gewaltt&#228;tigen Ausschreitungen&quot; zu   dulden&#8230; Wie bewertest Du diese Ank&#252;ndigung?<\/b><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Die Polizei versucht mit allen Mitteln Demonstrationen &#8211; gerade von   Minderj&#228;hrigen &#8211; egal was f&#252;r einen sozialen Charakter sie haben, zu   unterbinden bzw. m&#246;glichst klein zu halten. Die Polizeikontrollen werden   bei diesem Schulstreik viel h&#228;rter als beim letzten sein. Es d&#252;rfen   keine Nieteng&#252;rtel und Stahlkappenschuhe getragen werden, wir d&#252;rfen   nicht mehr alles sagen, was wir ausrufen wollen, damit es nicht zu einem   &quot;Aufgebot an Gewalt&quot; kommt. Somit m&#252;ssen wir leider vorsichtiger sein.   Die Art und Weise, wie die Polizei mit dem Streik und uns Sch&#252;lerInnen   umgeht, finde ich nicht richtig. Wir nehmen unsere Grundrechte wahr,   gehen auf die Stra&#223;e, k&#228;mpfen ohne F&#228;uste f&#252;r eine bessere Zukunft. Es   geht um Bildung, nicht um gewaltbereite Provokation. Trotzdem wird der   Streik als unkontrollierter Aufstand einer &#8222;Minderheit&#8220; gesehen und die   Beh&#246;rden und Polizei versuchen dies zu verhindern. Aber wir werden   friedlich streiken, laut f&#252;r eine bessere Bildungspolitik demonstrieren   und St&#228;rke zeigen. Denn wir lassen uns nicht provozieren.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <b>Gibt es noch etwas, was Du den Sch&#252;lerInnen zum Streik auf den Weg   geben willst? <\/b>    <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Egal, was uns von LehrerInnen und der Schulleitung gesagt wird, wir   nehmen bei dem Streik in Form einer Demonstration nur unsere   demokratischen Grundrechte wahr. All das, wof&#252;r wir stehen, sollte   eigentlich auch im Interesse der LehrerInnen, Schulleitungen oder   Politiker sein. Dennoch werden uns von ihnen Steine als Blockaden in den   Weg gelegt.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Wenn wir eine bessere (Aus)Bildung wollen, dann m&#252;ssen wir f&#252;r sie   einstehen und f&#252;r sie auf die Stra&#223;e gehen. Wir d&#252;rfen uns nicht blind   auf die Politik verlassen, sondern m&#252;ssen die Verbesserungen selbst in   die Hand nehmen und ein Zeichen setzen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <i>Das Interview f&#252;hrte Viktor Sersch aus Berlin<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><br style=\"margin-bottom: 0cm\"><br \/>\n      Interview mit Maike D., Sch&#252;lerin und aktiv in der<br \/>\n      Sch&#252;lerInnenInitiative &#8222;Bildungsblockaden einrei&#223;en&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[50],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12082"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12082"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12082\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}