{"id":12080,"date":"2007-04-20T12:53:29","date_gmt":"2007-04-20T12:53:29","guid":{"rendered":".\/?p=12080"},"modified":"2007-04-20T12:53:29","modified_gmt":"2007-04-20T12:53:29","slug":"12080","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12080\/","title":{"rendered":"Bolivien: Korruptionsf&#228;lle unter hochrangigen MAS-Funktion&#228;ren"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/morales.jpg\">  Nach wochenlangen Zeitungsberichten, die belegten, dass die Korruption   in Evo Morales&#8217; mitte-links &#8220;Bewegung zum Sozialismus&#8221; (MAS) weite   Kreise gezogen und bis in obere F&#252;hrungsschichten gereicht hat,   reagierte die Partei am 19. M&#228;rz mit dem Ausschluss von vier MAS-F&#252;hrern   (inklusive dem amtierenden MAS-Vorsitzenden von La Paz), der   Suspendierung von acht weiteren und der Aufforderung an zwei   Kongressabgeordnete (darunter Lino Vollca, ein Senator), ihre Immunit&#228;t   abzulegen und sich m&#246;glichen Parteiausschluss- und Strafverfahren zu   stellen.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Adam Ziemkowski, Cochabamba, Bolivien <\/i><\/p>\n<p>  Die Hauptanklage geht davon aus, dass hochrangige MAS-Funktion&#228;re ein   Korruptionsnetz aufgebaut haben, welches Jobsuchenden im &#246;ffentlichen   Dienst die Vorlegung von Dokumenten mit der Unterschrift bestimmter   MAS-Funktion&#228;re und eine Zahlung von 300 bis 1.000 US-Dollar abverlangt,   wenn sie die Arbeitspl&#228;tze haben wollen. Den Berichten zufolge haben in   allen Bereichen des &#246;ffentlichen Dienstes Angestellte ihre Jobs auf   solche Weise bekommen.<\/p>\n<p>  In einem anderen, aber &#228;hnlichen, Fall hat der Pr&#228;sident der nationalen   bolivianschen Erd&#246;lgesellschaft Yacimientos Petrol&#237;feros Fiscales   Bolivianos (YPFB) angek&#252;ndigt, eine Untersuchung einzuleiten, um   Anschuldigungen auf den Grund zu gehen, dass Personen ohne jegliche   technische Ausbildung Jobs bei YPFB bekommen haben sollen, weil sie   MAS-Parteimitglieder kennen. Der ehemalige Direktor der YPFB, Juan   Carlos, gab an, dass w&#228;hrend der Amtszeit seines Vorg&#228;ngers Jorge   Alvarado mehr als 120 Personen auf diese Weise Jobs bekommen h&#228;tten.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem gab es zahlreiche Berichte von Vetternwirtschaft in den Reihen   der MAS-Regierung, bis hin zu Vorw&#252;rfen, dass Familienmitglieder von Evo   Morales Regierungsposten bekommen h&#228;tten.<\/p>\n<p>  <b>Korruption in der Regierung<\/b><\/p>\n<p>  Solcherart Korruption in den Reihen der Regierung hat schwerwiegende   wirtschaftliche Auswirkungen. Der Kauf und Verkauf von Regierungsjobs   f&#252;hrt unvermeidbar zu unn&#246;tigen Verwaltungsposten, die die B&#252;rokratie   innerhalb der Regierung ausweiten. Dar&#252;berhinaus verschwenden gew&#228;hlte   Vertreter, die f&#252;r Ver&#228;nderungen k&#228;mpfen sollten, ihre Zeit mit der   Zucht von Amtsschimmeln und dem Wirtschaften in die eigene Tasche. Nur   eine wirkliche Arbeiterkontrolle &#252;ber die Ernennungen kann sicher   stellen, dass die am besten f&#252;r den Job geeigneten auch wirklich die   Posten bekommen.<\/p>\n<p>  Und schlie&#223;lich handelt es sich t&#228;glich um Dutzende Millionen Bolivianos   (10 B = ca. 1 EUR), die verschwendet werden und die f&#252;r   Gesundheitsausgaben, Bildung und Sozialprogramme f&#252;r Boliviens Mehrheit   armer Arbeiter, Bauern und indigener Bev&#246;lkerung verwendet werden   k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  Diese Korruptionsaff&#228;re k&#246;nnte auch f&#252;r den Rest der Linken bedeutende   politische Konsequenzen haben. Viele Leute haben die MAS-Partei gew&#228;hlt,   um die wild wuchernde Korruption zu beenden, welche vorherige   neoliberale Regierungen kennzeichnete. &#220;ber den Schaden hinaus, der die   Wahlaussichten der MAS schm&#228;lert, k&#246;nnte die Aff&#228;re Teile der sozialen   Bewegungen desillusionieren. F&#252;r viele Personen, die jahrelang teils   blutige K&#228;mpfe f&#252;r Ver&#228;nderung gef&#252;hrt haben, wird der Anblick einer   neuen Schicht Gauner, die die gleiche altbekannte Korruptionsleier   spielen, den Eindruck hinterlassen, dass ein wirklicher Wechsel   unm&#246;glich ist und es nicht lohnt, sich daf&#252;r aufzuopfern.<\/p>\n<p>  Die rechtsgerichteten Medien haben die MAS-Korruption voll ausgenutzt,   um nicht nur die MAS-Unterst&#252;tzer zu demoralisieren und zu schw&#228;chen,   sondern auch die sozialen Bewegungen, welche seit langem der wirkliche   Stachel in ihrem Fleisch sind, denn sie haben in den letzten vier Jahren   zwei neoliberale Pr&#228;sidenten aus dem Amt gejagt und die Wahl des   anti-neoliberalen Pr&#228;sidenten Evo Morales herbeigef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Manche Unterst&#252;tzer der MAS-Regierung argumentieren, dass die   Korruptionsvorw&#252;rfe nichts mehr als eine Attacke der Rechten sind und   wir die Drecksarbeit f&#252;r die Rechten machen, wenn wir mit unserer Kritik   am Verhalten der MAS-Partei die Aufmerksamkeit auf diese lenken.<\/p>\n<p>  Attacken der Rechten sind in einem Land unvermeidbar, in dem Arbeiter   und Bauern soziale Bewegungen aufbauen, die die &#246;konomischen und   politischen Interessen der Eliten bedrohen, der Gro&#223;grundbesitzer und   transnationalen Unternehmen, welche den Hauptteil der bolivianischen   Bodensch&#228;tze kontrollieren.<\/p>\n<p>  Die einzige M&#246;glichkeit, das Erreichte zu verteidigen und die n&#246;tigen   Ver&#228;nderungen einzuleiten, ist die St&#228;rkung der sozialen Bewegungen.   Dies geschieht nicht durch eine unkritische Unterst&#252;tzung korrupter   MAS-Mitglieder. Im Gegenteil: Die sozialen Bewegungen m&#252;ssen alles in   ihrer Macht stehende tun, um die Betr&#252;ger zu enttarnen und sie aus der   Arbeiterbewegung und der Regierung zu entfernen.<\/p>\n<p>  Auf den ersten Blick scheint es, als ob die MAS-Partei wichtige Schritte   in diese Richtung unternimmt, mit dem Ausschluss und der Entlassung   schuldiger Parteifunktion&#228;re und dem Bestehen auf der Ablegung der   Immunit&#228;t der Kongressabgeordneten, um eine Untersuchung einzuleiten. <\/p>\n<p>  Aber es ist noch zu fr&#252;h, um zu beurteilen, ob dies ein wirklicher   Versuch der MAS ist, die Korruption loszuwerden, oder ob sie nur etwas   Ballast abwirft, um die &#246;ffentliche Kritik zu beruhigen und wichtigere   Parteif&#252;hrer zu besch&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Dar&#252;berhinaus wird der Ausschluss und die eventuelle Verurteilung   schuldiger Parteif&#252;hrer vielleicht helfen, den Schaden des aktuellen   Skandals zu begrenzen, aber es wird keine Vorsorge gegen Korruption in   den Reihen der MAS sein.<\/p>\n<p>  Tatsache ist, dass Korruption innerhalb des Kapitalismus unvermeidbar   ist. Die Kapitalisten benutzen die Korrpution, um sicherzustellen, dass   trotz der &#8220;Demokratie&#8221; ihre Interessen an erster Stelle stehen, und zwar   auf Kosten der Arbeiter, Bauern, Indigenas und der Armen. Angesichts der   extremen Armut, in der die Mehrheit in Bolivien lebt, in einem Land ohne   Verantwortungsgef&#252;hl f&#252;r die Arbeiterklasse, in dem die Wirtschaft und   die Gesellschaft unter der Kontrolle der kapitalistischen Eliten   verbleibt, kommt es vor, dass Individuen versuchen, ihre Lebensumst&#228;nde   durch Korruption zu verbessern.<\/p>\n<p>  <b>Sozialistische Demokratie<\/b><\/p>\n<p>  Das CWI in Bolivien k&#228;mpft f&#252;r eine revolution&#228;re sozialistische   Demokratie, in der die Mehrheit wirklich die Macht hat, ihre gew&#228;hlten   Vertreter zu kontrollieren, um Korruption zu bek&#228;mpfen und zu   garantieren, dass diese wirklich ihre Interessen vertreten. Um dies zu   erreichen, stellen wir vier konkrete Vorschl&#228;ge auf, die eine   revolution&#228;re sozialistische Demokratie charakterisieren w&#252;rden: <\/p>\n<p>  Alle gew&#228;hlten Vertreter m&#252;ssen jederzeit abw&#228;hlbar sein: In einer   kapitalistischen Demokratie macht ein Kandidat Versprechungen, um   gew&#228;hlt zu werden, und verbringt dann die n&#228;chsten zwei bis sechs Jahre   damit, diese Versprechen zu brechen. In einer revolution&#228;ren   sozialistischen Demokratie hat die Bev&#246;lkerung, sobald ein Kandidat   aufh&#246;rt, ihre Interessen zu vertreten, das Recht, diesen gew&#228;hlten   Vertreter ohne Verz&#246;gerung abzusetzen.<\/p>\n<p>  Gew&#228;hlte Funktion&#228;re d&#252;rfen nicht mehr verdienen als das   Durchschnittsgehalt der Leute, welche sie vertreten: Im Kapitalismus   verdienen sie 10, 20, 50 Mal mehr als der durchschnittliche Arbeiter.   Das Resultat ist, dass sie keine &#246;ffentlichen Transporte und   Krankenh&#228;user benutzen, ihre Kinder nicht auf &#246;ffentliche Schulen   schicken und nicht in den gleichen Vierteln leben wie Arbeiter und   Bauern. Sie sind nicht Teil der Mehrheit der Arbeiter und Bauern und   k&#246;nnen diese nicht vertreten. In einer revolution&#228;ren sozialistischen   Demokratie verdienen gew&#228;hlte Vertreter das gleiche wie der   durchschnittliche Arbeiter und benutzen die gleichen &#246;ffentlichen   Einrichtungen. Sie leben das Leben der Arbeiter- und Bauernmehrheit und   haben daher ein echtes Interesse, die Lebensumst&#228;nde der Mehrheit zu   verbessern.<\/p>\n<p>  Es muss ein striktes Limit f&#252;r die Zeit geben, die ein gew&#228;hlter   Vertreter auf einem Posten zubringen kann: In einer kapitalistischen   Demokratie kann der &#246;ffentliche Dienst eine lukrative Karriere sein, die   gew&#228;hlte Funktion&#228;re auf eine Position au&#223;er- und oberhalb der Mehrheit   der Arbeiter und Bauern erhebt. Sie k&#246;nnen F&#252;hrer der Gesellschaft   werden, anstatt Diener der Gesellschaft zu bleiben. In einer   revolution&#228;ren sozialistischen Demokratie werden gew&#228;hlte Positionen von   einem st&#228;ndig wechselnden Gremium besetzt , deren Mitglieder aus   Arbeiter- und Bauernberufen kommen und die nach einer kurzen Periode als   Diener der Gesellschaft zu diesen Berufen zur&#252;ckkehren. Der &#246;ffentliche   Dienst ist keine lukrative Karriere, sondern ein Dienst an der   Gesellschaft.<\/p>\n<p>  Die aus Arbeitern und Bauern bestehende Mehrheit muss bewaffnet und   demokratisch organisiert werden: In einer kapitalistischen Demokratie   steht das Milit&#228;r au&#223;er- und oberhalb der Bev&#246;lkerung. Es wird von einer   nicht gew&#228;hlten Elite gef&#252;hrt und gegen die Mehrheit verwendet, um die   Interessen der elit&#228;ren Minderheit zu sichern. In einer revolution&#228;ren   sozialistischen Demokratie ist die aus Arbeiter und Bauern bestehende   Mehrheit der Bev&#246;lkerung nicht wehrlos, weil die Arbeiter und Bauern   selbst bewaffnet sind und ihre dem Volk dienenden milit&#228;rischen   Vertreter w&#228;hlen und absetzen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Das CWI Bolivien unterst&#252;tzt die MAS-Partei gegen alle Attacken seitens   der rechten Opposition, die auf die Schw&#228;chung der sozialen Bewegungen   abzielen. Aber wir verurteilen genauso die Korruption gewisser   MAS-Funktion&#228;re, die die sozialen Bewegungen schw&#228;chen. Wir unterst&#252;tzen   energische Ma&#223;nahmen, die die MAS einleitet, um sich selbst von diesen   korrupten Elementen zu befreien, aber argumentieren gleichzeitig, dass   Korruption ein unvermeidliches Produkt des Kapitalismus ist und nur   durch eine revolution&#228;re sozialistische Demokratie &#252;berwunden und   ausgerottet werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/morales.jpg\"><br \/>\n      Nach wochenlangen Zeitungsberichten, die belegten, dass die Korruption<br \/>\n      in Evo Morales&#8217; mitte-links &#8220;Bewegung zum Sozialismus&#8221; (MAS) weite<br \/>\n      Kreise gezogen und bis in obere F&#252;hrungsschichten gereicht hat,<br \/>\n      reagierte die Partei am 19. 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