{"id":12078,"date":"2007-04-12T16:00:35","date_gmt":"2007-04-12T16:00:35","guid":{"rendered":".\/?p=12078"},"modified":"2007-04-12T16:00:35","modified_gmt":"2007-04-12T16:00:35","slug":"12078","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12078\/","title":{"rendered":"China 1927: Aufstand und Massaker in Shanghai"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/China1927.jpg\">  Am 12. April 2007 j&#228;hrt sich die Niederschlagung des Aufstandes in   Shanghai durch Chiang Kai-Shek zum achtzigsten Mal. Bis dahin von Stalin   als B&#252;ndnispartner gesehen, wandte sich Chiang Kai-shek zusammen mit   Bankiers, Unternehmern und ihrer Mafia gegen die Kommunisten und   Gewerkschafter, welche die Stadt kontrollierten und richtete ein Blutbad   an.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Michael Koschitzki, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Dieser Jahrestag f&#228;llt in eine Zeit, in der China sich in einer   &#220;bergangsphase zum Kapitalismus befindet. Er f&#228;llt in eine Zeit, in der   etwa 200 Proteste und Demonstrationen pro Tag in China stattfinden, die   teilweise brutal unterdr&#252;ckt werden &#8211; so geschehen bei Protesten gegen   Fahrpreiserh&#246;hungen in Zhushan. Bei allen Unterschieden des heutigen   China gegen&#252;ber dem China von 1927, kann die Arbeiterklasse, sowohl   weltweit als auch in China, aus ihrer Tradition, ihrer Geschichte und   den gemachten Fehlern wichtige Schlussfolgerungen und Hoffnung f&#252;r die   Zukunft ziehen. Die Intention dieser Arbeit ist es, dazu einen   bescheidenen Beitrag zu leisten.<\/p>\n<h4>  Die Kommunistische Partei Chinas<\/h4>\n<p>  Inspiriert von der Russischen Revolution wandten sich in China Anfang   der zwanziger Jahre einige Intellektuelle und Jugendliche dem   Bolschwewismus zu. Sie gr&#252;ndeten die Kommunistische Partei Chinas   (KPCh), deren erster Parteitag im Juli 1921 mit 57 Mitgliedern   stattfand. Im Jahre 1922 traten auf Initiative des Kominterndelegierten   Maring Mitglieder der KPCh der Kuomintang(KMT) bei.<\/p>\n<p>  Diese Partei vereinigte chinesische Unternehmer, zunehmend   Gro&#223;grundbesitzer, Kleinunternehmer sowie Bauern und Arbeiter. Ihr Ziel   war im wesentlichen ein unabh&#228;ngiger Nationalstaat. Der Eintritt der   KPCh wurde unter der Forderung angenommen, dass die Arbeit in der KMT   niemals die Eigenst&#228;ndigkeit der KPCh gef&#228;hrden d&#252;rfe.<\/p>\n<p>  Die Partei richtete ab 1923 die Aktivit&#228;t ihrer 342 Mitglieder, aufgrund   eines R&#252;ckschlags der Arbeiterbewegung, verst&#228;rkt auf die Kuomintang   aus. Das &#228;nderte sich 1925 mit einem Aufschwung der Bewegung,   hervorgerufen durch die Gr&#252;ndung des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes   mit 540.000 Mitgliedern, Studentenprotesten in Shanghai sowie einem   Generalstreik in Hongkong.<\/p>\n<p>  Die KPCh wuchs von 995 Mitgliedern, wozu 2.635 Mitglieder der   kommunistischen Jugend zu rechnen sind, im Januar 1925 auf eine Gr&#246;&#223;e   von 10.000 Mitgliedern der KPCh und 9.000 Mitglieder der Jugend im   November 1925 an. Dieser Prozess setzte sich fort bis April 1927, als   die KPCh eine Gr&#246;&#223;e von 57.963 Mitglieder und 35.000 Mitglieder der   kommunistischen Jugend erreichte.<\/p>\n<h4>  Shanghai<\/h4>\n<p>  Sowohl die Arbeiterklasse als auch die Kommunistische Partei Chinas   (KPCh) konnte sich in Shanghai auf eine Reihe von Erfahrungen in   &#246;konomischen und bewaffneten K&#228;mpfen st&#252;tzen. Im &#8222;langen hei&#223;en Sommer&#8220;   von 1926 kam es zu einer langen Kette von Streikma&#223;nahmen &#8211; allein im   Juni mit 69.556 Streikenden in 107 Betrieben. Ausl&#246;ser der Streiks war   der Anstieg des Preises f&#252;r Reis.<\/p>\n<p>  Im Oktober 1926 kam es zum so genannten &#8222;ersten bewaffneten Aufstan&#8220;&quot;,   gefolgt von einem Generalstreik im Februar 1927, der sich in einen   zweiten bewaffneten Aufstand verwandelte.<\/p>\n<p>  In dieser Zeit sammelten die Arbeiter enorme Erfahrungen und, um sich zu   sch&#252;tzen, bildeten sie st&#228;ndige Streikposten, die aus Mangel an Waffen   nicht in eine Miliz umgewandelt werden konnten.<\/p>\n<p>  Der Gewerkschaftsbund vereinigte in Shanghai 187 Gewerkschaften mit   76.000 Mitglieder, obwohl er illegal war. Durch den Aufstand konnte er   bis zum 27. M&#228;rz auf 821.280 Mitglieder in 502 Gewerkschaften allein in   Shanghai anwachsen. Die KPCh konnte ihre Mitgliedschaft in Shanghai von   3.856 am 4. M&#228;rz 1927 auf 8.374 am 4. April mehr als verdoppeln. Die   Kuomintang (KMT) vergr&#246;&#223;erte sich sogar von 2.700 im Januar auf 16.000   im April 1927. Das zeigt den gro&#223;en Einfluss, den diese Organisationen   entfalten konnten und wie weit ihre Politik wahrgenommen wurde.<\/p>\n<p>  China war seit 1911 in Gebiete mehrerer Warlords und Kolonien   imperialistischer M&#228;chte zerfallen. Im S&#252;den des Landes konnte die KMT   Gebiete f&#252;r sich beanspruchen, von denen aus eine Republik gegr&#252;ndet   werden sollte. Im Sommer 1926 begann der so genannte Nordfeldzug durch   den die anderen Warlords bezwungen werden sollten. In ihm konnte die   National Republikanische Armee (NRA) enorme Erfolge erringen. Sie   eroberten bis zum Oktober ganz Wuhan, anschlie&#223;end Jianxi und Fujian und   begann Anfang des Jahres 1927 die Provinzen Anhui, Zhejiang und Jiangsu   zu erobern, zu der Shanghai und Nanking geh&#246;rten.<\/p>\n<p>  Obwohl Chiang Kai-shek als Oberbefehlshaber der Armee seine Position   st&#228;rken konnte, gab es eine enorme Polarisierung innerhalb der KMT. Die   Komintern versuchte diesen Kampf des linken und rechten Fl&#252;gels   auszugleichen, indem sie Wang Jingwei, einen wichtigen Vertreter des   linken Fl&#252;gels, aus Paris &#252;ber Moskau nach China brachte. Durch die   Eroberungen konnte die KMT ihre Regierung, welche mehrheitlich der   Linken angeh&#246;rte und in der zwei Kommunisten Mitglied waren, nach Wuhan   verlegen. Allerdings wollte Stalin Chiang Kai-shek nicht zu sehr   provozieren, in der Angst der Block mit der KMT k&#246;nnte brechen.<\/p>\n<p>  Mit dem erwarteten Eintreffen der NRA in Shanghai begannen die   Vorbereitungen f&#252;r den so genannten &#8222;dritten bewaffneten Aufstand&#8220; mit   dem Ziel den lokalen Warlord Sun Chuan-fang zu st&#252;rzen. F&#252;r die   Vorbereitungen wurde ein spezielles Komitee in der KPCh eingerichtet,   doch mussten sie innerhalb der Grenzen der KMT arbeiten, wobei sie einen   hohen Einfluss in Shanghai besa&#223;en.<\/p>\n<p>  Die Struktur der Streikposten wurde &#252;berholt. Die Regierung in Wuhan   konnte &#252;berzeugt werden, Waffen zu bezahlen, wobei sich auch Aktivisten   in die Milizen der ausl&#228;ndischen Konzessionen einschleusten und Waffen   stahlen. Die Kommunisten dr&#228;ngten darauf, dem Aufstand einen Streik   vorangehen zu lassen, was f&#252;r Chiang Kai-shek inakzeptabel war.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig entz&#252;ndeten sich Debatten, welche Art der Regierung nach   einem erfolgreichen Aufstand installiert werden sollte. Die KPCh in   Shanghai forderte mehrheitlich die Gr&#252;ndung von R&#228;ten, wogegen die   Vertreter der Komintern auftraten, da diese Forderung nicht mit dem   B&#252;ndnis mit der KMT vereinbar sei und die Arbeiter isolieren w&#252;rde. Die   KPCh baute durch diesen Druck keine R&#228;testrukturen auf und verzichtete   darauf, &#246;ffentlich ihre Bildung zu fordern.<\/p>\n<p>  (Als sich im November 1927 erste R&#228;testrukturen in Haliufeng bildeten,   waren Kommunisten daran beteiligt. Sie legten den Ursprung f&#252;r eine   Ausbreitung der R&#228;te in ganz China in den folgenden Jahren.)<\/p>\n<h4>  Der Arbeiteraufstand in Shanghai<\/h4>\n<p>  Der Aufstand begann mit dem Generalstreik am 21. M&#228;rz 1927. Innerhalb   von Stunden kam Shanghai zum Stillstand. Die Nachricht vom Streik wurde   von 359 Sprecher-Teams, die unter anderem 1.270 Studenten umfassten, in   die ganze Stadt getragen. Am ersten Tag des Streiks waren nach Zahlen   des Gewerkschaftsbundes 200.000 Arbeiter beteiligt. Der Streik wuchs am   folgenden Tag an, wobei die Angaben zwischen 300.000 und 800.000   Streikenden schwanken. Ungef&#228;hr 4.000 Betriebe waren in den Streik mit   einbezogen.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend dieser zwei Tage besetzten Streikposten alle wichtigen   Positionen innerhalb der Stadt, was auch zu bewaffneten   Auseinandersetzungen mit der Polizei f&#252;hrte. (Aufgrund des Mangels an   Waffen immitierten in einigen F&#228;llen jugendliche Gewerkschaftsaktivisten   Maschinengewehre durch Feuerwerksk&#246;rper in leeren Kerosinkanistern, um   die Polizisten zu verjagen &#8211; ein Trick der von Frauen in einer Fabrik   erfunden wurde.)<\/p>\n<p>  Die Streikposten spielten die wichtigste Rolle in der   Auseinandersetzung, die Stadtteil f&#252;r Stadtteil erk&#228;mpfte, obwohl   vereinzelt auch Privatmilizen und Mitglieder der Mafia auf Seiten der   Arbeiter k&#228;mpften. Am 23. M&#228;rz rief der Gewerkschaftsbund dazu auf, die   Arbeit wieder aufzunehmen, wobei die Streikposten und Sprecher-Teams   aufrecht erhalten werden sollten.<\/p>\n<p>  Die Gewerkschaften &#252;berlegten, einen Streik gegen alle ausl&#228;ndischen   Konzessionen zu beginnen, nachdem am 24. M&#228;rz Nachrichten eintrafen,   dass britische und amerikanische Kriegsschiffe Nanjing beschossen. Die   Stimmung gegen&#252;ber den ausl&#228;ndischen M&#228;chten hatte sich enorm   zugespitzt, auch wenn der Beschuss Nanjings ein Einzelfall war.<\/p>\n<p>  Am 3. April kam es im Anschluss an einen Rikscha-Unfall zur Ermordung   mehrerer Japaner. Die KMT-F&#252;hrung in Wuhan bef&#252;rchtete das Eingreifen   ausl&#228;ndischer Truppen und wollte sie durch die Nichteroberung der   Konzessionen beschwichtigen.<\/p>\n<p>  Die lokalen F&#252;hrer der Kommunisten wie Peng Shuzhi wollten den Streik   unterst&#252;tzen und mobilisierten ihre Anh&#228;nger f&#252;r den 28. M&#228;rz. Eine   Besetzung der britischen Konzession f&#252;hrte schon im Januar 1927 in   Hankou zur R&#252;ckgabe dieser an China. Das geschah als ein spontaner Akt   der Arbeiter ohne Beteiligung der KPCh.<\/p>\n<p>  Doch statt die Initiative zu &#252;bernehmen, riet auch diesmal das Politb&#252;ro   in Moskau von der Besetzung der Konzessionen in zwei Telegrammen ab, &#8222;da   er die Shanghaier Arbeiter isolieren und neue Gewaltakte gegen die   Arbeiter erleichtern kann&#8220;. Daraufhin wurde der Streik abgesagt und die   Regierung in Wuhan sollte Verhandlungen mit den Briten &#252;ber die R&#252;ckgabe   aufnehmen.<\/p>\n<p>  In den von der Kontrolle des Warlords befreiten Gebieten kam es w&#228;hrend   des Aufstandes zu den ersten Regierungsbildungen. Die Listen f&#252;r sie   wurden von der KMT ratifiziert, wobei in vielen F&#228;llen Kommunisten   beteiligt wurden. Doch hatten insgesamt Kaufleute, H&#228;ndler usw. die   Mehrheit innerhalb des Stadtrates, obwohl es Petitionen von Arbeitern an   die KPCh und den Gewerkschaftsbund gab, Schritte gegen die so genannte   &quot;Gentry&quot; zu ergreifen.<\/p>\n<p>  Trotzdem der Aufstand in der Mehrheit von der Arbeiterklasse im weiteren   Sinne getragen wurde, ergriff die KPCh keine Schritte, ihr die   politische Macht zu sichern. Das war die Konsequenz aus der Absage R&#228;te   zu bilden und das B&#252;ndnis mit der KMT nicht zu gef&#228;hrden. Am 22. M&#228;rz   trat die Regierung das erste Mal zusammen.<\/p>\n<p>  Es ist anzunehmen, dass es weit verbreitete Hoffnungen in die Regierung   gab, die zusagte, das Programm des Gewerkschaftsbundes vom 16. M&#228;rz   sofort umzusetzen. (Das Programm war eine Mischung aus &#246;konomischen und   politischen Forderungen. Die Regierung von Wuhan sollte unterst&#252;tzt   werden sowie Presse und Redefreiheit eingef&#252;hrt werden. Au&#223;erdem sollten   die Arbeitsbedingungen verbessert werden, wobei der Gewerkschaftsbund   vierzehn Forderungen direkt aus den Betrieben &#252;bernahm. Das Programm sah   zus&#228;tzlich vor, eine bewaffnete Arbeiterselbstverteidigung aufzubauen.)<\/p>\n<p>  Die KPCh schwankte in ihrer Haltung zu Chiang Kai-shek und gab   widerspr&#252;chliche Signale nach au&#223;en, bez&#252;glich der Schritte die   ergriffen werden sollten. In kleinerem Ma&#223;e betraf das auch die   Komintern. Am 22. M&#228;rz versammelten sich eine halbe Millionen Menschen,   um die NRA zu begr&#252;&#223;en in Shanghai. Auch die KPCh schloss sich dem   unkritisch an. Nach dem Eintreffen von Chiang Kai-shek soll er an einer   Kundgebung von 50.000 Menschen am 26. M&#228;rz teilgenommen haben, was   allerdings nur durch eine Zeitung best&#228;tigt wird. Diese Kundgebung wurde   vom Kommunisten Lin Jun geleitet.<\/p>\n<p>  Bei der Kundgebung beteuerten Kommunisten, dass sie nicht die Absicht   h&#228;tten den Kommunismus einzuf&#252;hren. Einzelne Kommunisten warnten davor,   dass Chiang Kai-shek die Streikposten zerschlagen werde und arbeiteten   deshalb einen Verteidigungsplan aus. Nach au&#223;en warnten sie allerdings   nur durch m&#252;ndliche Propaganda vor Chiang Kai-shek &#8211; die herausgegeben   Zeitungen schrieben, dass das B&#252;ndnis mit der KMT aufrechterhalten   werde. Aus Moskau kam die Anweisung, dass keine bewaffneten Konflikte   mit der NRA eingegangen werden sollten und wenn n&#246;tig die Waffen   versteckt werden m&#252;ssten. Allerdings gab Woitinski aus Wuhan die   Anweisung, sich einer Entwaffnung zu widersetzen. Es ist kein Wunder,   dass die Arbeiter und Kommunisten verwirrt waren. Die kommunistische   Jugend forderte zur Selbstbewaffnung St&#228;be herauszugeben, was aus Furcht   vor Vandalismus abgelehnt wurde.<\/p>\n<h4>  Die Niederschlagung des Aufstandes<\/h4>\n<p>  Chiang Kai-shek bereitete die Niederschlagung der Streikposten von   seinem Eintreffen an vor. Die erste Person die er traf, war Huang   Jin-Rong, einer der drei Anf&#252;hrer der &quot;Gr&#252;nen Gang&quot;. Die Kommunisten   gef&#228;hrdeten allm&#228;hlich die Opiumproduktion und den Opiumhandel, weshalb   die Unterwelt ein Interesse an der Niederschlagung des Aufstandes hatte.   Drei Tage sp&#228;ter traf Chiang Kai-shek eine Delegation des Verbandes f&#252;r   Handel und Banken von Shanghai. Sie beklagten sich &#252;ber die Streikposten   und Gewerkschaftsorganisationen, die ihrem Gesch&#228;ft nicht zutr&#228;glich   seien. Sie stellten ihm, der versprach ihre Gesch&#228;fte zu besch&#252;tzen,   einige Tage sp&#228;ter eine Summe von 10 Millionen Dollar zur Verf&#252;gung.   W&#228;hrenddessen begann die Unterwelt mit der Rekrutierung von Freiwilligen   f&#252;r die Niederschlagung des Aufstandes. Es ist dabei nicht klar, ob   Chiang Kai-shek oder die Unterwelt selbst die 600.000 Dollar f&#252;r ihre   Waffen stellte. Auf der anderen Seite stattete der Vorsitzende des   Gewerkschaftsbundes dem Handelsverband einen Besuch ab, auf dem er   versicherte, dass die ausl&#228;ndischen Konzessionen nicht von den Arbeiter   &#252;bernommen werden w&#252;rden. Durch diese Vorbereitung und die Stationierung   von mehreren tausend rechten Soldaten der NRA, in der die KPCh kaum   politische Arbeit gemacht hatte, begann sich das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zu   Ungunsten der Arbeiter zu verschieben.<\/p>\n<p>  Der Coup Chiang Kai-sheks begann am Abend des 11. April mit der   Ermordung des Vorsitzenden des Gewerkschaftsbundes Wang Shouhua. Am   Morgen des 12. April begannen Gangster Gefechte mit den Streikposten, um   der Armee einen Vorwand zu geben einzugreifen. Sie konnten dabei die   ausl&#228;ndischen Konzessionen ungehindert passieren. Die Armee fing darauf   hin an, Streikposten zu entwaffnen beziehungsweise zu bekriegen. Der   Gewerkschaftsbund rief zu einem Generalstreik f&#252;r den folgenden Tag auf   &#8211; der erst nach einer Woche vollst&#228;ndig gebrochen werden konnte und   zwischen 100.000 und 200.000 Arbeiter umfasste. Im Laufe der Gefechte   wurden Streikposten vollst&#228;ndig entwaffnet, f&#252;hrende Kommunisten gezielt   get&#246;tet und mehrere hundert Aktivisten gefangen genommen. Am 18. April   hielten die Unterst&#252;tzer Chiang Kai-sheks ein Treffen mit 3.000   Teilnehmern ab, um ihren Sieg zu feiern. Am 24. April hielt die KMT ein   Dinner ab, um Chiang Kai-shek zu ehren. Anschlie&#223;end gab die &quot;Gr&#252;ne   Gang&quot; ein Telegramm heraus, in dem sie schrieb:<\/p>\n<p>  &#8222;Wir k&#246;nnen und d&#252;rfen nicht ruhig dasitzen, w&#228;hrend die Kommunisten   unser Land mit seiner &#252;ber tausend j&#228;hrigen Zivilisation verderben.&#8220;   Kurz darauf gr&#252;ndeten sie eine Anti-Kommunistische Liga.<\/p>\n<h4>  Terror gegen Kommunisten und Aktivisten<\/h4>\n<p>  In den folgenden Monaten herrschte ein Terrorregime in Shanghai und die   Bewegung in ganz China wurde niedergeworfen. Die Kommunistische Partei   wurde verboten &#8211; die Unterst&#252;tzer Chiang Kai-sheks begannen damit   Gewerkschaften aufzubauen, welche der Regierung unterstanden. Am 13.   April wurde ein von Gangstern geleitetes Komitee gegr&#252;ndet, das Linke   und Kommunisten aufsp&#252;ren und umbringen sollte. Bis Ende des Jahres 1927   wurden 5.600 Menschen inhaftiert und 2.000 umgebracht. Die KPCh umfasste   im Juli in Shanghai nur noch 1.220 Mitglieder. Einige Kommunisten   retteten sich nach Wuhan, wo sie Unterst&#252;tzung durch den linken Fl&#252;gel   der KMT erwarteten. Dessen F&#252;hrer Wang Jingwei kapitulierte am 15. Juli,   brach mit der KPCh und unterst&#252;tzte Chiang Kai-shek.<\/p>\n<p>  Eine Welle von Repressionen gegen Kommunisten ging durch ganz China, wie   uns die Autobiographie des chinesischen Revolution&#228;rs Wang Fanxi zeigt.   Er lebte zu der Zeit in Peking, wo ebenfalls Kommunisten verfolgt und   erschossen wurden. Im Jahre 1927 war er Mitglied der KPCh und wandte   sich sp&#228;ter dem Trotzkismus zu. Als er 1927 Shanghai passiert, schreibt   er: &#8222;Shanghai war in eine Atmosph&#228;re von Terror und Krieg geh&#252;llt. Mit   Sands&#228;cken und Stacheldraht verst&#228;rkte Kontrollpunkte waren &#252;berall   zwischen der franz&#246;sischen Konzession und dem chinesischem Gebiet   errichtet worden. Insbesondere im Alten-Westpforten-Gebiet war kaum eine   Seele weit und breit zu sehen, und es war so, als k&#246;nne man noch die   Angst sp&#252;ren und das Blut riechen, das hier vor kurzem vergossen wurde.   Man hatte versucht, die Parolen an den Mauern zu &#252;bermalen, aber es war   immer noch m&#246;glich, die Botschaft, die sie verk&#252;ndeten, zu erkennen:   &#8222;Nieder mit Chiang Kai-shek&#8220;, &#8222;Gegen den Wei&#223;en Terror&#8220;.&#8220;<\/p>\n<h4>  Die Taktik und Rolle der Komintern<\/h4>\n<p>  &#8222;Eine richtige Politik muss keineswegs stets und unter allen Umst&#228;nden   unmittelbar zum Sieg &#252;ber den Gegner f&#252;hren&#8220;, rechtfertigte Stalin seine   politische Linie in China. Er hatte allen Grund so &#252;ber China zu   urteilen, denn seine Politik hatte zum R&#252;ckschlag in China gef&#252;hrt. Die   Politik der KPCh wurde von Woitinski im Auftrag der Komintern &#252;berwacht   und mitgeleitet. Er war von der Gr&#252;ndung der KPCh an ihrer Politik   beteiligt. Von 1926 bis 1927 war er Vorsitzender des Fern-&#214;stlichen B&#252;ro   des EKKI (Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale) und nach   der Niederlage der chinesischen Revolution wurde Woitinski   stellvertretender Vorsitzender der Abteilung Fr&#252;chte und Gem&#252;se des   sowjetischen Landwirtschaftsministeriums. Ab dem Jahre 1926 leitete   Nikolai Bucharin die Komintern. Er war vorher schon federf&#252;hrend in der   theoretischen Untermauerung des Eintritts in die KMT. Politisch waren   beide mit Stalin gegen die Opposition von Trotzki und Sinowjew verb&#252;ndet.<\/p>\n<p>  Die politische Linie der KPCh, in der zu betrachtenden Zeit, wurde vom   EKKI am 19. Januar 1927 mit Instruktionen zur Durchf&#252;hrung des 5.   Parteitages der KPCh festgelegt und in der folgenden Zeit durch kurze   Anweisungen und Briefe erg&#228;nzt. Darin hei&#223;t es, die KMT sei das B&#252;ndnis   der Kr&#228;fte der chinesischen Revolution, das bei richtiger Linie der KPCh   in der Lage sei, &#252;ber den b&#252;rgerlichen Umsturz hinaus zu gehen. Doch   d&#252;rften Kommunisten ihre Vorschl&#228;ge nicht aufzwingen und m&#252;ssten   vorsichtig bei der &#220;bernahme von F&#252;hrungsposten der KMT sein. Sie   m&#252;ssten beim Eintritt in die KMT darauf achten, dass sie den   &#8222;Guomintang-Charakter, das hei&#223;t einen wirklich breiten, demokratischen,   national-revolution&#228;ren Charakter, bewahren&#8220;. Sie m&#252;sste au&#223;erdem gegen   alle Versuche ank&#228;mpfen, innerhalb der KMT eine Fraktion zu bilden und   sowohl gegen den Austritt von Kommunisten als auch gegen eine Spaltung   der KMT k&#228;mpfen. Au&#223;erdem wurde die Aufgabe erteilt, dass die KPCh   m&#246;glichst viele Arbeiter und Bauern f&#252;r die KMT rekrutieren solle, denn:   &#8222;Die Guomintang kann ihre historische Rolle als revolution&#228;res B&#252;ndnis   der Arbeiterklasse, der Bauernschaft und der st&#228;dtisch revolution&#228;ren   Bourgeoisie und Intelligenz nur dann erf&#252;llen, wenn die Arbeiterklasse   und die Bauernschaft die Hauptkr&#228;fte der Guomintang stellen.&#8220; Der   Delegation wurde aufgetragen diese Frage &#8222;besonders feinf&#252;hlig zu   behandeln&#8220;.<\/p>\n<p>  Das politische B&#252;ndnis der Bourgeoisie und der Intelligenz mit der   Arbeiterklasse und Bauernschaft wurde als revolution&#228;res B&#252;ndnis   gesehen, das auch nicht gef&#228;hrdet werden d&#252;rfe. Dadurch wurde die KPCh   weder auf eine Wendung der Shanghaier Kaufleute und Bankiers, noch ihres   politischen Vertreters Chiang Kai-shek gegen die Arbeiter und die KPCh   vorbereitet. Im entscheidenden Augenblick f&#252;hrte diese Auffassung dazu,   dass dem Zentralkomitee der KPCh in Shanghai zwei Telegramme am 28. M&#228;rz   und 1. April zugestellt wurden, in denen sie aufgefordert wurden, keinen   offenen Kampf gegen Chiang Kai-shek zu unternehmen, ihre Waffen zu   verstecken und das B&#252;ndnis nicht durch die Organisierung eines   Generalstreiks zu gef&#228;hrden. Selbst am 12. April 1927 schrieb der   Kominternvertreter Roy einen Brief an Chiang Kai-shek in dem es hei&#223;t:   &#8222;Die Delegation der Komintern in China war immer brennend daran   interessiert, sie aufzusuchen&#8220; und angesichts der Spaltung appelliert:   &#8222;Im gegenw&#228;rtigen Moment, da der internationale Imperialismus sich zu   einem unversch&#228;mten Angriff gegen die chinesische Nationalrevolution   zusammenschlie&#223;t, ist die Einheit der revolution&#228;ren Kr&#228;fte von h&#246;chstem   Gebot.&#8220;<\/p>\n<p>  Woher kam diese v&#246;llige Fehleinsch&#228;tzung der Situation?<\/p>\n<h4>  Stalinismus<\/h4>\n<p>  Mit der Entwicklung des Stalinismus &#228;nderte sich sowohl die Au&#223;en- als   auch internationale Politik der Sowjetunion beziehungsweise der KPdSU.   Die Oktoberrevolution wurde von den Bolschewiki als der Auftakt der   Weltrevolution gesehen. Mit dem Ausbleiben der sozialistischen   Revolution in Deutschland, konnte sich immer mehr die von Stalin   entwickelte und von Bucharin aufgegriffene &quot;Theorie vom Sozialismus in   einem Land&quot; durchsetzen, welche 1924 vom V. Weltkongress der Komintern   angenommen wurde. Sie besagte unter anderem, dass sozialistische   Revolutionen in dieser Zeit nicht auf der Tagesordnung st&#252;nden.   Ableitend davon, wurde angenommen, dass in kolonialen L&#228;ndern   b&#252;rgerlich-demokratische Revolutionen aber keine sozialistischen   bevorst&#252;nden. Das f&#252;hrte schon 1923 dazu, dass der Kominternbeauftrage   Joffe mit Sun Yat-sen dahingehend &#252;bereinstimmte, dass der Sozialismus   in China nicht anzustreben sei, womit der Eintritt der Kommunisten in   die KMT besiegelt wurde. Die dringendste Aufgabe sei die Herstellung der   nationalen Einheit. Damit verbunden war die Einsch&#228;tzung der Bourgeoisie   unterdr&#252;ckter Koloniall&#228;nder in Zeiten des Imperialismus:<\/p>\n<p>  &#8222;Seit 1905 f&#252;hrt die bolschewistische Partei den Kampf gegen das   Selbstherrschertum unter der Losung: &quot;Demokratische Diktatur des   Proletariats und der Bauernschaft&quot;. Die Losung wie ihre theoretische   Begr&#252;ndung gingen von Lenin aus. Im Gegensatz zu den Menschewiki, deren   Theoretiker Plechanow einen unvers&#246;hnlichen Kampf f&#252;hrte gegen den   &quot;irrigen Gedanken von der M&#246;glichkeit, die b&#252;rgerliche Revolution ohne   B&#252;rgertum zu vollbringen&quot;, meinte Lenin, die russische Bourgeoisie sei   bereits unf&#228;hig, ihre eigene Revolution zu leiten. Die demokratische   Revolution gegen Monarchie und Gutsbesitzer zu Ende f&#252;hren, k&#246;nnten nur   Proletariat und Bauernschaft in engem B&#252;ndnis.&#8220; (Trotzki, Geschichte der   Russischen Revolution, Band 1, Kapitel 16)<\/p>\n<p>  Diese Konzeption erfasste noch nicht den vollen Umfang der Aufgaben   (siehe unten). Sie dr&#252;ckt jedoch den grundlegenden Gedanken der   Unabh&#228;nigkeit der Arbeiterklasse und der Warnung vor dem Zur&#252;ckweichen   der Bourgeoisie in &#8222;ihrer&#8220; Revolution aus.<\/p>\n<p>  Diese Auffassung wurde von Stalin ins Gegenteil verkehrt, indem sich die   KPCh der KMT immer noch unterwarf, als Chiang Kai-shek schon seinen   Staatsstreich in Kanton durchf&#252;hrte, bei dem Kommunisten verhaftet und   ein sowjetischer Berater unter Hausarrest gestellt wurde.<\/p>\n<p>  Die theoretische Untermauerung finden wir schriftlich erst nach dem   Aufstand in Shanghai. Selbst hier wurde die KMT noch als ein B&#252;ndnis   mehrerer unterdr&#252;ckter Klassen angesehen, woraus er rechtfertigte,   Chiang Kai-shek als revolution&#228;r zu beurteilen und dass &#8222;die Kuomintang   in Wuhan, die Kuomintang ohne rechte Kuomintangleute, das Zentrum des   Kampfes der chinesischen werkt&#228;tigen Massen gegen den Imperialismus ist.&#8220;<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem wurde die chinesische Revolution in Etappen geteilt, wobei &#8222;in   der ersten Periode der chinesischen Revolution, in der Periode des   ersten Feldzugs nach dem Norden, [&#8230;] ging die nationale Bourgeoisie   [&#8230;] mit der Revolution. Das war eine Revolution der vereinigten   gesamtnationalen Front.&#8220; Erst in einer sp&#228;teren Etappe, nach der   erfolgreichen b&#252;rgerlich-demokratischen Revolution, sei au&#223;erdem der   Augenblick gekommen R&#228;te zu bilden.<\/p>\n<p>  Da also die Arbeiter, Bauern, das Kleinb&#252;rgertum und B&#252;rgertum in   kolonialen L&#228;ndern in der ersten Etappe revolution&#228;r und ihr politischer   Ausdruck die Kuomintang sei, m&#252;sse die KPCh in ihr arbeiten und sich ihr   unterwerfen. Er beschr&#228;nkt sich in dieser Ausf&#252;hrung auf den linken   Kuomintangfl&#252;gel, da der Aufstand in Shanghai schon niedergeschlagen   wurde. H&#228;tte er seine Thesen fr&#252;her verfasst, w&#228;ren die Aussagen auf die   gesamte Kuomintang bezogen gewesen. Diese Thesen von Stalin wurden zu   einer Zeit geschrieben, als der Aufstand der Shanghaier Arbeiter schon   niedergeschlagen war, jedoch bevor die KPCh aus der KMT ausgeschlossen   und verboten wurde. Seine Thesen stellen den ersten Versuch der   B&#252;rokratie dar, ihre sp&#228;ter in Spanien voll zum Ausdruck gebrachte,   Etappentheorie mit viel linker Rhetorik umzusetzen. Stalins Text &#8222;Fragen   der chinesischen Revolution&#8220; wurde am 21. April 1927 ver&#246;ffentlicht. Die   Erg&#228;nzung &#8222;Zu Fragen der chinesischen Revolution&#8220; erschien am 15. Mai   1927 &#8211; kurz nachdem Trotzki verboten wurde, sich in der Parteipresse zu   &#228;u&#223;ern.<\/p>\n<h4>  Trotzkis Kritik<\/h4>\n<p>  Was war seine Kritik an den Thesen von Stalin? Trotzki war 1927 Mitglied   des Zentralkomitees der Bolschewiki und bis Oktober 1926 Mitglied des   Politb&#252;ros. Ab dem Jahre 1926 war er f&#252;hrend in der Linken Opposition.   Trotzkis Kritik an der Taktik in China begann im Anschluss an den   &quot;M&#228;rz-Coup&quot; 1926 von Chiang Kai-shek, bei dem er gegen Kommunisten in   Kanton geputscht hatte. Vertretern der Komintern in Kanton hatte er   einfach Hausarrest erteilt. Ab diesem Zeitpunkt verlangte Trotzki den   Austritt der KPCh aus der KMT. Trotzki hat in den Jahren 1926 und 1927   seine Ansichten zu China in mehreren Briefen und Schriften dargelegt und   in seiner Schrift &#8222;Ergebnisse und Perspektiven der chinesischen   Revolution&#8220; vom 28. Juni 1928 res&#252;miert.<\/p>\n<p>  Trotzki fordert in seiner Antwort auf Stalin &#8222;Die chinesische Revolution   und die Thesen des Genossen Stalin&#8220; eine vollst&#228;ndige Revision der   Politik der Komintern. Der koloniale Charakter Chinas und der   Imperialismus w&#252;rde eine Unterwerfung der KPCh unter die KMT sein und   ihr Verbleiben in der KMT nicht rechtfertigen. Die Bourgeoisie w&#228;re in   Zeiten des Imperialismus mit diesem verbunden und h&#228;tte andere   Interessen als die Arbeiter und Bauern. &#8222;Der bolschewistische Weg   besteht hingegen darin, sich politisch wie organisatorisch von der   Bourgeoisie bedingungslos abzugrenzen, sie von den ersten Schritten der   Revolution erbarmungslos zu entlarven, jegliche kleinb&#252;rgerlichen   Illusionen in Bezug auf die Einheitsfront mit der Bourgeoisie zu   zerst&#246;ren, unerm&#252;dlich mit Bourgeoisie um die F&#252;hrung der Massen zu   k&#228;mpfen und unerbittlich all diejenigen aus der KP zu vertreiben, die   Hoffnungen in Bezug auf die Bourgeoisie verbreiten oder idealisieren.&#8220;<\/p>\n<p>  Da die KMT eine b&#252;rgerliche F&#252;hrung h&#228;tte, welche die Forderungen der   Arbeiter und Bauern zwar versprechen aber nicht umsetzen w&#252;rde, sei es   notwendig R&#228;te zu bilden. Diese w&#252;rden die Arbeiter und Bauern   organisieren und ihnen die M&#246;glichkeit geben, sich ihre Rechte zu   erk&#228;mpfen. Sie seien au&#223;erdem ein Schutz gegen die Reaktion &#8211; nur so   w&#228;re, die von Stalin geforderte, Bewaffnung der Arbeiter sinnvoll. Das   Verh&#228;ltnis der R&#228;te zur Regierung in Wuhan h&#228;nge von der Regierung ab   und inwieweit sie die Forderung Arbeiter und Bauern umsetzen w&#252;rden.   Daraus schlussfolgert er: &#8222;Die R&#228;te-Losung wird von nun an den weiteren   Verlauf der chinesischen Revolution begleiten und ihr Schicksal   widerspiegeln.&#8220; Abschlie&#223;end sieht Trotzki in der Politik eine   Verbindung mit der Etappentheorie Stalins, die er schon 1906 in seinem   Werk &#8222;Ergebnisse und Perspektiven. Die treibenden Kr&#228;fte der Revolution&#8220;   angriff.<\/p>\n<p>  Als er ein Jahr sp&#228;ter auf die chinesische Frage zur&#252;ckkommt, beschreibt   er einen alternativen Verlauf der Ereignisse: &#8222;H&#228;tte man zu Beginn des   Nordfeldzuges in den &#187;befreiten&#171; Gebieten R&#228;te gebildet (die Massen   haben instinktiv und mit aller Kraft danach gestrebt), dann h&#228;tten wir   eine notwendige Basis bekommen und einen revolution&#228;ren Anlauf genommen,   wir h&#228;tten die Agraraufst&#228;nde zusammengefa&#223;t, eine eigene Armee   aufgebaut, die Armee der Feinde zersetzt &#8211; und die chinesische   kommunistische Partei h&#228;tte, trotz ihrer Jugend, unter einer richtigen   F&#252;hrung der Komintern in diesen au&#223;ergew&#246;hnlichen Jahren reifen und an   die Macht kommen k&#246;nnen, wenn nicht gleich in ganz China, so doch in   einem bedeutenden Teil. Vor allem aber h&#228;tten wir eine Partei gehabt.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Politik der Komintern in China 1927 war eine entscheidende Z&#228;sur in   ihrer Entwicklung einer konterrevolution&#228;ren Haltung. Es war eine Z&#228;sur,   die Linke Opposition zu bek&#228;mpfen und sich ihrer Kritik zu entledigen.   Kurz nach der Ver&#246;ffentlichung seiner Kritik bekam Trotzki Presseverbot   in Russland. In dieser Politik der Komintern sah er schlie&#223;lich nicht   nur eine Niederlage f&#252;r die Revolution in China, sondern: &#8222; Wir sehen,   wie sich Fehler an Fehler reiht und sich daraus eine Linie bildet, die   immer st&#228;rker von der des Bolschewismus abzuweichen droht. Kritische   oder warnende Stimmen werden als St&#246;rung empfunden. Die Rechtswende in   der offiziellen Linie werden durch Schl&#228;ge gegen links komplettiert.   Wenn wir auf diesem Wege fortschreiten, bringt das sowohl den   Sowjetstaat, wie die Komintern in gr&#246;&#223;te Gefahr. Diese Gefahren der   internationalen proletarischen Avantgarde zu verschweigen, hie&#223;e das   Banner des Kommunismus verraten.&#8220;<\/p>\n<h4>  Fazit<\/h4>\n<p>  Alle politischen Fehler, die zur Niederschlagung des Aufstandes in   Shanghai 1927 f&#252;hrten, waren durch die Komintern best&#228;tigt oder   durchgesetzt worden. Die KPCh arbeitete 1927 innerhalb der politischen   Grenzen der KMT, deren F&#252;hrung nicht ausreichend kritisiert wurde.   Vielmehr noch hatte die Komintern Chiang Kai-shek immer wieder als einen   Verb&#252;ndeten &#8211; selbst bis zum 12. April 1927 &#8211; betrachtet.<\/p>\n<p>  Die Mitgliedschaft der KPCh war politisch nicht darauf vorbereitet, dass   sich die F&#252;hrung der KMT, also der Bourgeoisie, offen gegen sie richten   w&#252;rde. Im entscheidenden Augenblick riet die Komintern sogar dazu die   Waffen zu verstecken &#8211; statt sie zu erheben. Als die Macht in Shanghai   faktisch auf der Stra&#223;e lag, riet die Komintern weiterhin davon ab, R&#228;te   zu bilden. Vielmehr noch sollten keine Ma&#223;nahmen, wie zum Beispiel ein   Generalstreik, ergriffen werden, welche die KMT oder Chiang Kai-shek   provozieren w&#252;rden. Das alles f&#252;hrte dazu, dass die Unterwelt und Chiang   Kai-shek erfolgreich ein Blutbad in Shanghai anrichten konnten.<\/p>\n<p>  Doch die Studenten, Arbeitslosen und Arbeiter hatten trotz allem in   Shanghai beachtliches geleistet. Sie hatten in mehreren Anl&#228;ufen aus   eigener Kraft den Warlord gest&#252;rzt. Trotz der Illegalit&#228;t hatten sie   eine m&#228;chtige Gewerkschaft und eine gro&#223;e kommunistische Partei in   Shanghai aufgebaut. Mehr als zwei Wochen lang hatten sie es geschafft in   Shanghai die Kontrolle zu &#252;bernehmen. Diese Stadt hatte die KPCh   hervorgebracht und war das Zentrum der Arbeiterbewegung in ganz China.   Nur hatte die kurze Zeit nicht gereicht, sich gen&#252;gend mit der   Geschichte auseinanderzusetzen, genug eigene Erfahrungen zu sammeln und   eine ausreichend schlagkr&#228;ftige Organisation aufzubauen, die sich dem   Kurs aus Moskau widersetzt.<\/p>\n<p>  Die B&#252;rokratie, deren Ausdruck Stalin war, f&#252;rchtete eine sozialistische   Revolution in anderen L&#228;ndern, da ihre eigenen Privilegien damit in   Frage gestellt w&#252;rden und die R&#228;teherrschaft in Russland wieder auf die   Tagesordnung setzen w&#252;rde. Trotzki folgerte in seiner Schrift die   verratene Revolution: &#8222;W&#228;hrend sie daheim die Selbstst&#228;ndigkeit und   Initiative der unteren Volksschichten erstickt, kann sie in der Welt   nat&#252;rlich nicht kritisches Denken und revolution&#228;ren Wagemut wecken.&#8220;   Stalins &quot;Theorie vom Sozialismus in einem Land&quot; untermauerte die   Preisgabe der Weltrevolution theoretisch. Auf China &#252;bertragen bedeutete   das, sich auf eine b&#252;rgerlich-demokratische Revolution zu beschr&#228;nken   und die KPCh der KMT &#8211; &#252;ber die Niederschlagung hinaus &#8211; unterzuordnen.   Das stellte einen Bruch mit der bisherigen Linie der Komintern als auch   des Leninismus dar. Stalin nahm von nun an immer wieder Einfluss auf die   Politik der Komintern, die durch seine Sozialfaschismustheorie und die   Volksfronttheorie, die in China schon angedeutet wurde, noch schlimmere   Folgen haben sollte.<\/p>\n<p>  Die Kritik der Opposition hatte, obwohl sie eine Alternative   pr&#228;sentieren konnte, keinen Erfolg gehabt. Als Reaktion auf das   offensichtliche Scheitern Stalins Politik wurde Trotzki das Publizieren   in der Parteipresse am 12. Mai 1927 verboten. Am 27. September wurde er   aus dem EKKI ausgeschlossen und musste kurze Zeit sp&#228;ter auswandern.   Doch kann aus seiner Kritik f&#252;r zuk&#252;nftige Erhebungen der Arbeiterklasse   gelernt werden, insbesondere in einer Zeit, in der in China sich wieder   neue Erhebungen ank&#252;ndigen, welche die Welt ver&#228;ndern werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/China1927.jpg\"><br \/>\n      Am 12. April 2007 j&#228;hrt sich die Niederschlagung des Aufstandes in<br \/>\n      Shanghai durch Chiang Kai-Shek zum achtzigsten Mal. Bis dahin von Stalin<br \/>\n      als B&#252;ndnispartner gesehen, wandte sich Chiang Kai-shek zusammen mit<br \/>\n      Bankiers, Unternehmern und ihrer Mafia gegen die Kommunisten und<br \/>\n      Gewerkschafter, welche die Stadt kontrollierten und richtete ein Blutbad<br \/>\n      an.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,90],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12078"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12078"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12078\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12078"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12078"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12078"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}