{"id":12077,"date":"2007-04-14T00:52:54","date_gmt":"2007-04-13T22:52:54","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12077"},"modified":"2012-07-02T19:36:02","modified_gmt":"2012-07-02T17:36:02","slug":"12077","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12077\/","title":{"rendered":"Italien: Parteitag der Rifondazione Comunista"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/PRC2.jpg\">  Vier Tage Diskussionen und Beratungen &#8211; aber wozu? Diese Frage m&#252;ssen   sich viele Mitglieder der Rifondazione Comunista (PRC) bei einer   Sonderkonferenz zu Organisationsfragen gestellt haben, die vom 29.3. bis   1.4. in Carrara stattgefunden hat.<br \/>  <i>von Christine Thomas, CWI Italien<\/i> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Konferenz war einberufen worden, um einige jener Probleme zu   diskutieren, mit der sich die Partei knapp ein Jahr nach ihrem Eintritt   in Romano Prodis mitte-links Koalition konfrontiert sieht und um zu   beraten, wie damit am besten umzugehen sei. Auf der Tagesordnung standen   Diskussionen zu Themen wie &#8222;Geschlechterdemokratie&#8220; und &#8222;Europ&#228;ische   Linke&#8220;. <\/p>\n<p>  Aber im Vorfeld der Konferenz verlautbarte die PRC-F&#252;hrung in   undemokratischer Weise durch die  Presse ihr eigenes neues   Partei-&#8222;Projekt&#8220;. Obwohl sie es &#8222;sozialistisch&#8220; nennen, ist ihr Ziel   doch die Vereinigung der Linken in Italien in einer Formation, die   tats&#228;chlich eine neue liberal-kapitalistische Formation w&#228;re. Die   Konferenz durfte dann organisatorische Reformen f&#252;r eine Partei   diskutieren die, wenn es nach dem Willen der Parteif&#252;hrung geht, in   einem Jahr nicht mehr existiert! <\/p>\n<p>  Auf der Konferenz wurde eine Umfrage unter Parteimitgliedern verbreitet,   die einige der Probleme, der sich die PRC gegen&#252;bersieht, deutlich   machte. Weniger als 17 Prozent der Parteimitglieder sind j&#252;nger als 30   Jahre alt und die meisten Ortsgruppen haben keine Kontakte zu &#8222;sozialen   Bewegungen&#8220; &#8211; gegen Globalisierung und den Krieg &#8211; von denen die F&#252;hrung   behauptet, dass sie sie vertreten w&#252;rde. Nur 1,5 Prozent geben an,   Kontakt zu regionalen Gewerkschaften zu haben. <\/p>\n<p>  Aus dem Publikum erl&#228;uterte Donato Marone, von der (Fiat) Melfi   Ortsgruppe, sehr deutlich die Bedingungen, die normale ArbeiterInnen   ertragen m&#252;ssen. Gerade in dieser Woche hat eine Untersuchung gezeigt,   dass die italienischen ArbeiterInnen die am schlechtesten bezahlten in   Europa sind. &#8222;Unsere W&#228;hlerInnen sind nicht zufrieden&#8220; erkl&#228;rte Donato.   &#8222;Was haben wir in dieser Regierung zu suchen?&#8220; Sogar Paulo Ferrero,   Minister f&#252;r Soziale Solidarit&#228;t, musste eingestehen, dass die &#8222;Unione&#8220;   zwar im letzten April die Wahlen gewonnen hat, &#8222;die Menschen&#8220; sich aber   geschlagen f&#252;hlen &#8211; dass sie nicht davon profitiert haben. <\/p>\n<p>  In einer eindrucksvollen Rede erkl&#228;rte Marco Veruggio &#8211; Mitglied im   nationalen politischen Komitee der PRC und Mitglied der Controcorrente,   einer linken Alternative in der Partei &#8211; dass die Krise in der Partei   eine politische ist. &#8222;Es schaut so aus, als ob die PRC von einer Partei   des Kampfes &#252;ber eine Partei von Kampf und Regierung zu einer Partei von   nur mehr Regierung wird&#8220;, sagte er. &#8222;Wenn wir &#252;ber &#8218;Flexibilisierungen&#8220;   reden, die die Reichen treffen und den Armen helfen, dann ist das so,   wie wenn man &#252;ber Entlassungen spricht, die die Unternehmer treffen und   den ArbeiterInnen helfen.&#8220; &#8222;Wenn wir nicht dar&#252;ber reden, ob Alitalia   (italienischen Fluglinie, Anm.) privatisiert werden soll, sondern   dar&#252;ber, wie.&#8220; &#8222;Wenn wir &#8211; anstatt &#252;ber das Verbrechen des Krieges zu   reden &#8211; &#252;ber die Regeln der Beteiligung am Krieg und dar&#252;ber herum   streiten, ob unsere Truppen (in Afghanistan) 10 km mehr im S&#252;den oder im   Norden sind&#8220;. <\/p>\n<h4>  Wo ist die Grenze? <\/h4>\n<p>  &#8220;Wenn ich sage, wir m&#252;ssen &#8216;Nein&#8217; zum Krieg, zu den Angriffen auf die   Pensionen, zu Privatisierungen sagen, auch wenn das hei&#223;t, das die   Regierung f&#228;llt, dann sagt man mir, das w&#252;rde Berlusconi helfen&#8221; sagte   er weiter. &#8222;Nun, GenossInnen ich frage euch &#8211; wo ist die Grenze, die wir   nicht mehr &#252;berschreiten werden? Gibt es eine solche Grenze&#8230; oder ist   f&#252;r die Partei die einzige Orientierung geworden, die Regierung aufrecht   zu erhalten?&#8220;. <\/p>\n<p>  Eine Reihe von RednerInnen dr&#252;ckten ihr Unbehagen dar&#252;ber aus, dass die   Parteif&#252;hrung sich darauf vorbereitet, den Begriff &#8222;Kommunismus&#8220; durch   &#8222;Sozialismus&#8220; zu ersetzen &#8211; was in Italien als R&#252;ckzug gesehen wird.   Trotzdem wurde die Abschlussresolution des von der F&#252;hrung dominierten   Politischen Komitees mit gro&#223;er Mehrheit angenommen. Die Resolution   selbst ist extrem ungenau und abstrakt. Sie spricht davon, politische   und soziale Bewegungen zu einer Diskussion &#252;ber eine linke &#8222;Baustelle&#8220;   einzuladen. Aber es ist klar, dass der Generalsekret&#228;r der Partei,   Giordano, und der Pr&#228;sidenten des Abgeordnetenhauses, Bertinotti, die   Partei aus wahltaktischen Gr&#252;nden noch weiter nach rechts bewegen   wollen. <\/p>\n<p>  Es handelt sich dabei um eine Vorwegnahme k&#252;nftiger   Wahlrechts&#228;nderungen, die gro&#223;e politische Bl&#246;cke und die Fusion der   zwei wichtigsten Parteien in Romano Prodis Regierungskoalition &#8211; der   Margariten Partei (fr&#252;here Christdemokraten) und der DS (Demokratische   Linke, ehemalige &#8222;Kommunisten&#8220;) zu einer neuen kapitalistischen   &#8222;Demokratischen Partei&#8220; &#8211; beg&#252;nstigen w&#252;rde. Das wird   h&#246;chstwahrscheinlich nach ihrer Konferenz, die in diesem  Monat   stattfindet, zu einer linken Abspaltung von der DS f&#252;hren (die bis zu 25   Prozent der Partei mitnehmen k&#246;nnte). Giordano und Bertinotti wollen   eine Vereinigung mit dieser Abspaltung von der DS und mit anderen   Kr&#228;ften, um eine liberale reformistischen Partei zu bilden, die mit der   &#8222;mitte-links&#8220; Demokratischen Partei ein Wahlb&#252;ndnis eingehen k&#246;nnte.  &#160;<\/p>\n<h4>  Eine qualitative Ver&#228;nderung <\/h4>\n<p>  In Italien entstand die PRC vor mehr als 15 Jahren als eine kleine   Massenpartei die f&#252;r eine revolution&#228;re &#220;berwindung des Kapitalismus   eintrat und die radikalsten ArbeiterInnen und Jugendlichen ansprach. Die   geplante Ver&#228;nderung w&#252;rde ebenso einen deutlichen R&#252;ckschritt bedeuten   wie eine qualitative Ver&#228;nderung in der Rechtsentwicklung der Partei.   Und das w&#252;rde wiederum die Frage nach der politischen Vertretung der   Arbeiterklasse aufwerfen und nach der Notwendigkeit damit zu beginnen,   eine neue Massenpartei der Arbeiterklasse und der &#8211;bewegung aufzubauen. <\/p>\n<p>  Eine Arbeitermassenpartei in Italien wird vor allem aus zwei Quellen   aufgebaut werden: In erster Linie aus jenen Kr&#228;fte, die in   Arbeitsk&#228;mpfen und gewerkschaftlichen K&#228;mpfen involviert sein werden,   die gegen die Angriffe auf die Pensionen, gegen prek&#228;re   Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse, gegen Privatisierung und die &#8222;Reformen&#8220; des   &#246;ffentlichen Sektors stattfinden werden. Und aus sozialen und regionalen   K&#228;mpfen wie die Bewegungen gegen den Bau der US-Basis in Vicenza und   gegen den TAV Hochgeschwindigkeitszug im Val di Susa. <\/p>\n<h4>  Die Linke organisieren <\/h4>\n<p>  Controcorrente sieht ihre zentrale Aufgabe korrekterweise darin, diese   K&#228;mpfe aufzubauen und die Linke in der PRC zu organisieren, um gegen den   Rechtsruck von Giordano und Bertinotti vorzugehen. Wenn, wie Marco   Veruggio in seiner Rede klar gemacht hat, f&#252;r die parteif&#252;hrer die   Regierungsbeteiligung das zentrale Ziel  bei der Bildung einer neuen   Formation ist,  &#8222;dann werden wir von Morgen an bis zum n&#228;chsten   Parteitag alle jene GenossInnen, die immer noch meinen, dass wir eine   antikapitalistische kommunistische Partei brauchen, die den   ArbeiterInnen und den  k&#228;mpferischen Bewegungen eine Stimme geben kann,   auffordern, &quot;Nein &#8211; wir stimmen nicht zu&quot; zu  sagen&#8220;. <\/p>\n<p>  Ungl&#252;cklicherweise hat sich die &#8220;Sinistra Critica&#8220;, die Organisation des   Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale (in Deutschland   geh&#246;ren dieser internationalen Str&#246;mung der RSB und die isl an, A.d.&#220;.),   die beim letzten Kongress der PRC rund  sieben Prozent der Stimmen   erhielt, entschieden, aus diesem Kampf innerhalb der PRC aus zu steigen.   Bei einer Pressekonferenz in Carrara verk&#252;ndete ihr Parlamentarier,   Salvatore Cannavo, das sie nicht an der Konferenz teilnehmen w&#252;rden.   Ihre einzige Beteiligung war, dass eine Stellungnahme ihres Senators   Turigliatto verlesen wurde, der skandal&#246;ser Weise aus der Partei   ausgeschlossen worden war, weil er gegen die Au&#223;enpolitik der Regierung,   inklusive des Krieges in Afghanistan, gestimmt hatte. <\/p>\n<p>  Cannavo erkl&#228;rte, dass Sinistra Critica die PRC nicht verlassen wird,   aber dass ihre Mitglieder sich selbst aus allen Positionen der Partei   &#8222;suspendieren&#8220; werden und sich darauf konzentrieren, ihre Organisation   und die &#8222;Foren des sozialen Kampfes&#8220; aufzubauen. Das ist ein konfuser   &#8222;dritter Weg&#8220; der sowohl ihren Mangel an politischer Klarheit als auch   die Uneinigkeit in ihren eigenen Reihen wiederspiegelt. <\/p>\n<p>  Innerhalb der PRC gilt es immer noch eine Schlacht zu schlagen. Und auch   wenn diese Schlacht verloren wird, so k&#246;nnen im Zuge des Kampfes die   Kr&#228;fte der Linken sowohl innerhalb der PRC als auch au&#223;erhalb   organisiert und gest&#228;rkt werden und damit die Vorbereitung f&#252;r den   Aufbau einer k&#252;nftigen Massenpartei von ArbeiterInnen begonnen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/PRC2.jpg\"><br \/>\n      Vier Tage Diskussionen und Beratungen &#8211; aber wozu? 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