{"id":12076,"date":"2007-04-12T10:40:08","date_gmt":"2007-04-12T10:40:08","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12076"},"modified":"2012-06-08T20:01:29","modified_gmt":"2012-06-08T18:01:29","slug":"12076","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12076\/","title":{"rendered":"Wird Bush den Iran bombardieren?"},"content":{"rendered":"<p>Bei Linken wie Konservativen schlagen die Alarmglocken. Der radikale Journalist John Pilger hat einen Artikel \u00fcber den Iran geschrieben: \u201eDer Krieg beginnt\u201c (in: \u201eNew Statesman\u201c, 3. Februar 2007.). Darin warnt er vor einem unmittelbar bevorstehenden US-Luftangriff auf den Iran.<em><\/em><\/p>\n<p><em>von Lynn Walsh<\/em><\/p>\n<p>Der US-amerikanische Journalist Seymour Hersh berichtete, dass Bush das Pentagon damit beauftragt hat, Pl\u00e4ne f\u00fcr Luftschl\u00e4ge gegen den Iran auszuarbeiten und Spezialkr\u00e4fte bereits Undercover-Operationen im Iran ausf\u00fchren (in: \u201eGuardian\u201c, 26. Februar 2007.). Zur selben Zeit warnt ein Veteran aus den Zeiten des Kalten Kriegs, Zbigniew Brzezinski, den Ausschuss f\u00fcr Auslandsbeziehungen (Foreign Relations Committee; SFRC) des US-Senats vor einem \u201eplausiblen Szenario einer milit\u00e4rischen Auseinandersetzung mit dem Iran\u201c (1. Februar 2007).<\/p>\n<p>Die aggressive Propaganda des Bush-Regimes, die vom Einsatz einer zweiten US-Flugzeugtr\u00e4gerstaffel im Persischen Golf untermauert wird, wurde weitl\u00e4ufig als Auftakt f\u00fcr eine direkte Milit\u00e4raktion gegen den Iran bzw. einen von den USA gest\u00fctzten israelischen Milit\u00e4rschlag auf die Nuklearanlagen des Landes interpretiert. Bush schien den Boden f\u00fcr einen Pr\u00e4ventivschlag gegen den Iran zu bereiten, um den angeblichen Interventionen des Landes im Irak entgegen zu wirken und den Aufstieg zur Nuklearmacht zu verhindern. Bush machte den Eindruck, als widersetze er sich damit einer \u00fcberw\u00e4ltigen Opposition im eigenen Land gegen die eskalierende Lage im Irak und eine Ausweitung des Konflikts auf den Iran.<\/p>\n<p>Am 27. Februar k\u00fcndigte Au\u00dfenministerin Condoleezza Rice dann an, dass die USA gemeinsam mit den anderen vier Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats an zwei Nahost-Konferenzen \u00fcber den Irak teilnehmen w\u00fcrden. Sowohl Syrien als auch der Iran sollten bei diesem Treffen vertreten sein. Bush-Vertreter best\u00e4tigten, dass bei dieser Zusammenkunft informelle \u201eGespr\u00e4che auf den Fluren\u201c zwischen Vertretern der USA und des Iran stattfinden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Vizepr\u00e4sident Cheney, Kopf der zunehmend isolierteren Washingtoner neokonservativen Falken, tr\u00e4llerte: \u201eEs liegen weiterhin s\u00e4mtliche Optionen auf dem Tisch\u201c. Rice versicherte jedoch, dass diese Treffen eine \u201eneue Komponente\u201c US-amerikanischer Diplomatie darstellen w\u00fcrden. Handelt es sich hierbei um eine Wende in der Politik eines George W. Bush, ein Abr\u00fccken vom Konfrontationskurs? Haben wir es mit einer diplomatischen Tarnung milit\u00e4rischer Aktionen zu tun? Oder geht es gar um eine Kombination aus beidem, milit\u00e4rischer Drohkulisse und Diplomatie?<\/p>\n<p>Zweifellos hat Bush den Druck gegen\u00fcber dem Iran w\u00e4hrend der letzten Monate gesteigert, indem er behauptete, dass das iranische Regime die Aufst\u00e4nde im Irak unterst\u00fctzt. Sechs iranische Diplomaten sind von US-Kr\u00e4ften im Irak inhaftiert worden und Bush hob Geheimdienstberichte hervor, wonach der Iran die irakischen Aufst\u00e4ndischen mit komplexem explosiven Ger\u00e4t beliefert, um dieses gegen die irakischen Beh\u00f6rden einzusetzen. Die USA, so verk\u00fcndete Bush, w\u00fcrden \u201edie Unterst\u00fctzung aus Iran und Syrien unterbrechen\u201c und \u201edie Netzwerke aufsp\u00fcren und zerst\u00f6ren, die unsere Feinde im Irak mit Pr\u00e4zisionswaffen versorgen und sie schulen.\u201c<\/p>\n<p>In seiner Aussage vor dem Ausschuss f\u00fcr Auslandsbeziehungen warnte Brzezinski, ehemaliger Sicherheitsberater des fr\u00fcheren US-Pr\u00e4sidenten Carter, dass Einzelne in der Bush-Regierung eine \u201eProvokation\u201c vorbereiten k\u00f6nnten, um einen \u201eVerteidigungskrieg\u201c gegen den Iran zu rechtfertigen. Mitglieder des Washington foreign policy establishment (konservativer think-tank; A.d.\u00dc.), einschlie\u00dflich James Baker, der dem Irak-Untersuchungsausschuss vorstand, die weitblickendere Vertreter der herrschenden Klasse als die Bush-Clique sind, warnten das Wei\u00dfe Haus vor einem erneuten desastr\u00f6sen milit\u00e4rischen Abenteuer.<\/p>\n<p>Ein langj\u00e4hriges Mitglied des Auslandsausschusses, der Republikaner Chuck Hagel, warnte Rice, die Administration solle nicht ein \u201ezweites Kambodscha\u201c anzetteln. Er nahm damit auf Nixons Abenteuer am Ende des Vietnamkriegs Bezug, als dieser bestritt, Truppen nach Kambodscha zu entsenden und es doch tat. Hagel nannte Bushs Plan \u201eden gef\u00e4hrlichsten au\u00dfenpolitischen Fehler in diesem Land seit Vietnam [\u2026]. Die Art von Politik, von der der Pr\u00e4sident hier spricht, ist sehr, sehr gef\u00e4hrlich\u201c (in: CNN News, 11. Januar 2007).<\/p>\n<p>Ein derartiges Vorgehen, so warnte Brzezinski die Senatoren, w\u00fcrde \u201eein einsames Amerika in einen tiefen Morast (st\u00fcrzen), der sich letztendlich vom Irak \u00fcber den Iran bis Afghanistan und Pakistan ausweiten wird\u201c.<\/p>\n<p>Die neokonservativen Falken m\u00f6chten die unvergleichliche milit\u00e4rische \u00dcbermacht des US-Imperialismus nutzen, um ihre Hegemonialstellung im Nahen Osten zu bewahren und die Kontrolle \u00fcber die \u00d6lreserven der Region abzusichern. Sie r\u00fchmten sich damit, dass der Regimewechsel im Irak der erste Schritt zu einer demokratischen Transformation im Nahen Osten sein w\u00fcrde \u2013 das ist die Umschreibung f\u00fcr das Einsetzen von willf\u00e4hrigen, den USA wohl gesonnenen Regimen in den meisten arabischen Staaten. Statt dessen hat Bushs Abenteuer im Irak die Grenzen des US-Einflusses offen gelegt und eine weit unberechenbarere Situation geschaffen. Vertreter des Washington foreign policy establishment, der Geheimdienste und milit\u00e4rischen Einrichtungen suchen verzweifelt nach einem Weg \u2013 ganz im Gegensatz zu Bush \u2013, um die US-Macht und ihr Prestige vor dem neokonservativen Sumpf zu retten.<\/p>\n<h4>Atomarer Niederschlag<\/h4>\n<p>Die meisten Strategen der diversen Institutionen und Einrichtungen glauben, dass ein Versuch, die Nuklearanlagen des Iran zu bombardieren, auf die USA zur\u00fcckfallen w\u00fcrde. Das iranische Regime hat seine Lektion aus den Ereignissen von 1981 gelernt, als der israelische Staat den Nuklearrektor Saddams in Osirak kurz vor dessen geplanten Inbetriebnahme bombardierte. Irans Nuklearanlagen wurden \u00fcber das Land verstreut errichtet, sie sind unterirdisch abgeschirmt. Die Vereinigten Staaten m\u00fcssten ein Dutzend Ziele angreifen, was entsetzliche Opfer und eine horrende Zerst\u00f6rung ziviler Infrastruktur zur Folge h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Frank Barnaby, Nuklearwissenschaftler, der heute f\u00fcr die Oxford Research Group (ORG) arbeitet, sch\u00e4tzt, dass solche Milit\u00e4rschl\u00e4ge das iranische Nuklearprogramm nur um gut zwei Jahre zur\u00fcckwerfen w\u00fcrden. In seinem ORG-Bericht \u201eWould Air Strikes Work?\u201c (\u201eSind Luftangriffe wirkungsvoll?\u201c, datiert vom M\u00e4rz 2007; Anm. d. \u00dcbers.) schreibt Barnaby, dass w\u00e4hrend der Iran zweifellos seine M\u00f6glichkeiten zur Urananreicherung fortentwickelt und f\u00fcr die Produktion nuklearer Waffen forscht, \u201ees keine Grundlage daf\u00fcr gibt, zu behaupten, dass der Iran mit der Produktionsplanung begonnen hat \u2013 die technischen M\u00f6glichkeiten also geschaffen hat, die f\u00fcr den Bau von Atomwaffen n\u00f6tig sind \u2013 und es ist bekannt, dass Iran noch einiges davon entfernt ist, in der Lage zu sein, die Menge an spaltbarem Material herzustellen, die f\u00fcr die Produktion von Atomwaffen n\u00f6tig ist.\u201c<\/p>\n<p>US-Milit\u00e4rschl\u00e4ge auf den Iran w\u00fcrden die Lage trotz allem transformieren: \u201eWenn die Nuklearanlagen des Iran w\u00e4hrend eines Angriffs ernsthaft besch\u00e4digt werden, ist es m\u00f6glich, dass Iran ein kurzfristiges Programm einleitet, um nukleare Waffen zu produzieren. In der Zeit nach einem Angriff, wird es wahrscheinlich sein, dass die Unterst\u00fctzung f\u00fcr eine nukleare Aufr\u00fcstung des Iran in der Bev\u00f6lkerung zunimmt; die Position der Hardliner und Argumente, dass Iran \u00fcber nukleare Abschreckungsmittel verf\u00fcgen muss, w\u00fcrden gest\u00e4rkt. Dar\u00fcber hinaus hat Iran damit gedroht, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszutreten und \u2013 sollte dies (die Drohung; Anm. d. \u00dcbers) umgesetzt werden, w\u00fcrde das ein heimliches Programm hervorrufen, das ohne Kontrolle der internationalen \u00d6ffentlichkeit durchgef\u00fchrt wird\u201c.<\/p>\n<p>Ein Angriff w\u00fcrde die Bev\u00f6lkerung gegen die USA vereinigen und den kompromisslosen, nationalistischen Charakter des Regimes st\u00e4rken. Trotz der Spannungen zwischen sunnitischer und schiitischer Bev\u00f6lkerung und anderen ethno-religi\u00f6sen Konflikten (in die BalutschInnen, TurkmenInnen, KurdInnen etc. involviert sind), w\u00fcrden die Massen \u00fcberall im Nahen Osten in Rage gegen den US-Imperialismus ausbrechen.<\/p>\n<p>Ob die britisch-amerikanischen Besatzungstruppen im Irak \u00fcberleben werden, h\u00e4ngt vom Grad der Zusammenarbeit der (momentan von Maliki gef\u00fchrten) Koalitionsregierung ab, die von schiitischen Parteien dominiert wird, welche in enger Verbindung zum iranischen Regime stehen. Sollte Teheran auf eine alle Schiiten umfassende Offensive gegen die Besatzung dr\u00e4ngen, w\u00fcrde die Stellung der USA und anderer imperialistischer Kr\u00e4fte bald vollkommen unhaltbar werden.<\/p>\n<p>Vor allem aufgrund der Verbindungen zwischen Hisbollah, der Hamas und dem iranischen Regime w\u00fcrde das Ereignis eines US-Angriffs auf den Iran regionale Konflikte wie einen Vulkan zum Ausbruch bringen. Es w\u00fcrde sehr wahrscheinlich zu einer Zunahme terroristischer Attacken gegen den Westen kommen. Indem die \u00d6lausfuhr in den Westen abgew\u00fcrgt w\u00fcrde, k\u00f6nnte der Iran eine Weltwirtschaftskrise ausl\u00f6sen.<\/p>\n<h4>Das Irak-Syndrom<\/h4>\n<p>Sogar einige von Bushs Top-Milit\u00e4rkommandanten haben sich \u00f6ffentlich von Bushs Drohungen gegen den Iran distanziert. General Peter Pace, Befehlshaber \u00fcber die US-Truppen im Irak, \u201ew\u00fcrde nicht sagen\u201c, dass Irans F\u00fchrung Anschl\u00e4ge auf US-Kr\u00e4fte im Irak durch iranische Elemente anweist. Er sagte den Berichterstattern ebenfalls: \u201eWir k\u00f6nnen f\u00fcr die Sicherheit unserer Truppen sorgen, indem wir den Auftrag im Irak erledigen, den wir erledigen m\u00fcssen\u201c. Und dieser findet ohne Intervention im Iran statt.<\/p>\n<p>Bushs Geheimdienste sind jetzt vom \u201eIrak-Syndrom\u201c befallen. \u201eDas Gespenst des Irakkriegs \u2013 ein Krieg, bei dem die Bush-Administration bestritten hat ihn je geplant zu haben, der aufgrund von Beweismitteln gef\u00fchrt wurde, die sich als falsch herausstellten \u2013 ragt bedrohlich \u00fcber der Iranpolitik der Administration\u201c (aus: Scepticism Over Iraq Haunts US Iran Policy, in: \u201eWashington Post\u201c, 15. Februar 2007). Nach den erfundenen Massenvernichtungswaffen beschworen die Geheimdienste eine Rechtfertigung des Irakkriegs herauf. Es besteht beinahe vollkommene Skepsis bez\u00fcglich der Behauptungen der Geheimdienste.<\/p>\n<p>Laut Bush-Lager befindet sich der Iran kurz vor der Fertigstellung von Gro\u00dfproduktionsst\u00e4tten zur Herstellung waffenf\u00e4higen spaltbaren Materials. Erinnern wir uns an die Falschinformationen der US-Geheimdienste \u00fcber Saddams angebliche Massenvernichtungswaffen, \u201eviele der Informationen \u00fcber die Nuklearanlagen des Iran, die UN-Inspektoren durch US-Agenten geliefert wurden, erwiesen sich als nicht fundiert, so diplomatische Quellen [gemeint sind Bedienstete der Internationale Atomenergieorganisation, IAEO] aus Wien\u201c (aus: US Intelligence On Iran Does Not Stand Up, in: Guardian, 23. Februar 2007). Die meisten Experten, einschlie\u00dflich dem Chef der IAEO, Mohamed El Baradei, ziehen dennoch in Betracht, dass der Iran mindestens f\u00fcnf und eher 10 Jahre entfernt ist von einer Wiederaufbereitung von Plutonium oder Anreicherung von Uran, was zur Herstellung selbst von kleineren nuklearen Arsenalen von N\u00f6ten w\u00e4re.<\/p>\n<p>Indem Bush, Rice und Co in Gespr\u00e4che \u00fcber den Irak mit Syrien und dem Iran einsteigen wollen, \u00fcbernehmen sie die Position des Irak Untersuchungsausschusses: \u201eMit den Feinden der USA verhandeln\u201c. Trotzdem ist die Bedrohung durch die Kr\u00e4fte des US-Imperialismus weiterhin gegeben. Die Anwesenheit von zwei gro\u00dfen Flugzeugtr\u00e4gern im Persischen Golf zeigt, dass die USA das Potenzial haben, um jederzeit Luftangriffe gegen den Iran zu fliegen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat das Bush-Regime einen Taktikwechsel vollzogen und entschieden, seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die sunnitischen Regimes in der Region zu verst\u00e4rken, besonders was Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, \u00c4gypten und Jordanien angeht. Die von den Neokonservativen avisierte \u201edemokratische Transformation\u201c der Region wurde aufgegeben und Rice hat bei j\u00fcngsten Besuchen im Nahen Osten nicht mehr davon gesprochen, die \u201eDemokratisierung zu f\u00f6rdern\u201c. Am 20. Februar kam Rice in Jordanien mit den Geheimdienstchefs von Saudi Arabien, \u00c4gypten, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bei einem Treffen zusammen, das in der Region gemeinhin als Vorbereitung einer sunnitisch-amerikanischen Allianz angesehen wird.<\/p>\n<p>Durch die St\u00e4rkung des Iran und anderer schiitischer Regimes der Region nach dem Sturz Saddams alarmiert, hat die saudische Monarchie ihre enormen Ressourcen aufgewandt, um gegen die schiitische Macht vorzugehen. Dies beinhaltet zweifellos auch die Unterst\u00fctzung f\u00fcr rechtsgerichtete islamistische Gruppen, die terroristische Taktiken anwenden.<\/p>\n<p>Der US-Imperialismus spielt ein \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrliches Spiel. Der unbeabsichtigte Ausgang des Sturzes des Saddam-Regimes hat die regionale Macht und Einflussnahme des Iran gest\u00e4rkt. Momentan bauen die USA ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr sunnitische Regimes aus, die rechte sunnitische Kr\u00e4fte \u00fcberall in der Region finanzieren \u2013 ungeachtet der Tatsache, dass sie sich im Irak einem haupts\u00e4chlich sunnitisch gepr\u00e4gten Aufstand gegen\u00fcber sehen. Dies kann nur weitere Spannungen zwischen sektiererischen Kr\u00e4ften in der ganzen Region entflammen, die bereits jetzt zunehmen. Von ihrem eigenen islamistischen Standpunkt heraus sind die meisten anti-schiitischen Gruppen ferner auch fanatische Gegner des US-Imperialismus. So wie die US-Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Mudschaheddin in den 1980ern in Afghanistan wird die heutige Bush-Taktik auch in Zukunft wieder auf die USA zur\u00fcckfallen.<\/p>\n<h4>Ein israelisch Angriff?<\/h4>\n<p>Es scheint, dass sich das Bush-Regime zur Zeit in Richtung Diplomatie orientiert. Trotz der fortw\u00e4hrenden Drohkulisse durch das Milit\u00e4r sind US-Luftschl\u00e4ge nicht die wahrscheinlichste aller M\u00f6glichkeiten. Aufgrund der extremen Spannungen in den globalen politischen Beziehungen w\u00e4re es jedoch unklug, milit\u00e4rische Aktionen von Bush v\u00f6llig auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Doch es w\u00e4re desastr\u00f6s f\u00fcr die USA, den Iran zu bombardieren. Selbst vom Standpunkt des US-Imperialismus aus betrachtet. Bei der Invasion des Irak hat sich das Bush-Regime bereits strategischer Rationalit\u00e4t widersetzt. Politprominenz wie Brzezinski und Hagel bef\u00fcrchten, dass Bush seine Fehler im Irak durch einen weitaus desastr\u00f6ses Abenteuer im Iran noch verschlimmern wird.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt auch f\u00fcr Israel. \u201eEin israelischer Luftschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen\u201c, so kommentierte die Financial Times am 22. Januar, \u201ew\u00fcrde das Desaster der Desaster sein\u201c. Der israelische Premier Ehud Olmert sagte, dass er glaube, dass internationale Sanktionen und finanzielle Ma\u00dfnahmen gegen den Iran effektiv seien: \u201eIch denke, dass die Iraner nicht kurz vor dem technischen Durchbruch stehen, wie sie es glauben machen wollen und ungl\u00fccklicher Weise sind sie nicht so weit davon entfernt, wie wir es gerne h\u00e4tten\u201c (in: \u201eFinancial Times\u201c, 5. M\u00e4rz 2007).<\/p>\n<p>Nach dem Misserfolg seiner grausamen Milit\u00e4rattacke gegen den Libanon im vergangenen Jahr steht Olmert dennoch unter gewaltigem Druck seitens der israelischen Rechten, etwas gegen den Iran zu unternehmen. Der Oppositionsf\u00fchrer der Likud-Partei, Benyamin Netanjahu, benutzte die Provokationen Ahmadinedschads gegen\u00fcber Israel und seine Gastgeberrolle bei der Holocaust-Leugnungs-Konferenz im letzten Jahr dazu, um den iranischen Pr\u00e4sidenten zu beschuldigen, einen zweiten Holocaust in der Region vorzubereiten. Zudem musste Olmert nach den j\u00fcngsten Wahlen Avigdor Lieberman, den Vorsitzenden der ultra-rechten Partei (\u201eUnser Haus Israel\u201c; Anm. d. \u00dcbers.), die f\u00fcr ein erweitertes Israel ohne arabische Bev\u00f6lkerung eintritt, in seine Regierung aufnehmen.<\/p>\n<p>Die israelische Rechte besteht darauf, dass die Existenz Israels von den iranischen Atomkapazit\u00e4ten bedroht ist \u2013 auch, wenn Israel im Besitz eines enormen nuklearen Arsenals zu den vergleichsweise embryonalen M\u00f6glichkeiten des Iran ist. Kann in dieser ausweglos scheinenden Situation ausgeschlossen werden, dass Olmert oder ein anderer Politiker den Versuch unternehmen k\u00f6nnte, einer politischen Krise durch fahrl\u00e4ssige Angriffe auf den Iran zu entkommen?<\/p>\n<h4>Die Position des Iran<\/h4>\n<p>Provozierende, nationalistische Aussagen des iranischen Pr\u00e4sidenten Ahmadinedschad und seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die ber\u00fcchtigte Holocaust-Leugnungs-Konferenz geben den Eindruck, dass das iranische Regime in Sicherheitsfragen unnachgiebig sein wird und jegliche Diskussionen \u00fcber sein Atomprogramm ausschlie\u00dft. Jedoch existieren einander rivalisierende Zentren innerhalb des Regimes.<\/p>\n<p>Ein Teil des klerikalen Fl\u00fcgels des Regimes, der durch Figuren wie Rafsandschani repr\u00e4sentiert wird, befinden sich an einflussreichen Stellen im F\u00fchrungsapparat. Rafsandschani favorisiert eine Verschiebung hin zu einer neoliberalen Wirtschaftspolitik, was Zugest\u00e4ndnisse an die USA voraussetzen w\u00fcrde und eine \u00d6ffnung zum Weltmarkt.<\/p>\n<p>Der \u201eoberste Religionsf\u00fchrer\u201c, Ayatollah Ali Khamenei, wahrt zwischen den rivalisierenden Fraktionen die Balance. Er f\u00fcrchtet offensichtlich, dass Rafsandschanis neoliberale Politik eine soziale Krise heraufbeschw\u00f6ren k\u00f6nnte. Andererseits hat er sich von einigen rhetorischen Hieben Ahmadinejads gegen\u00fcber dem US-Imperialismus und dem israelischen Staat distanziert.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf die Drohgeb\u00e4rden gegen das Regime durch die USA hat das iranische Regime sich gewiss mit der Absicht, die Voraussetzungen zur Herstellung nuklearer Waffen zu schaffen, auf ein Atomprogramm festgelegt. Forderungen zur\u00fcckweisend, nach denen sie als Vorbedingung f\u00fcr weitere Verhandlungen nukleare Verfahrensweisen aufgeben sollen, mag die F\u00fchrung bereit sein, das Atomprogramm auszusetzen, um zu umfangreichen Verhandlungen mit den USA und anderen westlichen Staaten zur\u00fcckzukehren. Das w\u00fcrde die Aufgabe des Ziels eines Regimewechsels im Iran durch die USA bedeuten und die Normalisierung politischer und wirtschaftlicher Beziehungen zum Iran.<\/p>\n<p>Selbst wenn die USA und der Iran in bilaterale Verhandlungen treten sollten \u2013 eine Einigung w\u00e4re nicht sicher. Trotzdem ist der Versuch einer Ann\u00e4herung \u2013 wie j\u00fcngst im Falle Nordkoreas geschehen \u2013 denkbar. Jede Abmachung w\u00e4re unbestreitbar von sehr zerbrechlicher Natur. M\u00f6gliche Aufst\u00e4nde innerhalb des Iran einmal au\u00dfer Acht gelassen, k\u00f6nnen die ungel\u00f6sten Konflikte in der Region zwischen Israel und Pal\u00e4stina, im Libanon usw. jederzeit aufbrechen. Neue Kriege und B\u00fcrgerkriege sind m\u00f6glich, die jede \u00dcbereinkunft zwischen Imperialismus und regionalen Regimes im Nu zerst\u00f6ren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Es gab immer eine Wiederkehr von einander abwechselnden bewaffneten Konflikten und \u201eFriedensgespr\u00e4chen\u201c im Nahen Osten. Es kann aber zu keinem dauerhaften Frieden oder auch nur zu einvernehmlicher Zusammenarbeit zwischen Staaten im krisengesch\u00fcttelten Rahmen von Imperialismus und Kapitalismus kommen.<\/p>\n<p><em>Lynn Walsh ist Herausgeber des britischen marxistischen Magazins Socialism Today und Mitglied im Internationalen Sekretariat des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale. Der Artikel erschien zuerst in der April-Ausgabe von Socialism Today. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Linken wie Konservativen schlagen die Alarmglocken. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37,64],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12076"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12076\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}