{"id":12065,"date":"2007-04-23T00:18:42","date_gmt":"2007-04-23T00:18:42","guid":{"rendered":".\/?p=12065"},"modified":"2007-04-23T00:18:42","modified_gmt":"2007-04-23T00:18:42","slug":"12065","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12065\/","title":{"rendered":"Globalisierung: Segen oder Katastrophe f&#252;r Mensch und Natur?"},"content":{"rendered":"<p>  <img src=\"\/media\/2007\/WTO-Terrorist.jpg\" align=\"left\">  Anfang der neunziger Jahre wurde die Globalisierung als der Heilsbringer   f&#252;r die Menschheit pr&#228;sentiert. Heute wird sie von ihren Anh&#228;ngern als   Naturgesetz behandelt, ein Gesetz, das Produktionsverlagerungen,   Deregulierung, Privatisierung und Lohnsenkung einfach mit sich bringt.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Es ist ein Totschlagargument zu Gunsten der herrschenden Klassen   geworden. &#8222;Die Globalisierung schafft einen gemeinsamen Arbeitsmarkt,   die L&#246;hne gleichen sich an. Gegen dieses Gesetz ist die Politik   machtlos.&#8220; So Professor Sinn, Chef des Ifo-Instituts.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Gaetan Kayitare, Aachen<\/i><\/p>\n<p>  L&#228;sst man die Propaganda der Herrschenden mal beiseite, so ist die   Globalisierung zun&#228;chst ein fester Bestandteil des Kapitalismus. &#8222;Die   uralten nationalen Industrien&#8220;, hei&#223;t es schon im Kommunistischen   Manifest von 1848, &#8222;werden verdr&#228;ngt (&#8230;) durch Industrien, die nicht   mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegendsten Zonen angeh&#246;rige   Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst,   sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden.&#8220;<\/p>\n<h4>  Imperialismus<\/h4>\n<p>  Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es &#252;ber die   Verschmelzung von Banken und Industrieunternehmen zum Finanzkapital, der   Monopolisierung, dem Export von Kapital und der Aufteilung der Welt   unter den f&#252;hrenden kapitalistischen Staaten zur Herausbildung des   Imperialismus. &#8222;Der Imperialismus erwuchs als weitere Entwicklung und   direkte Fortsetzung der Grundeigenschaften des Kapitalismus&#8220;, so der   russische Revolution&#228;r Lenin.<\/p>\n<p>  Die heutige Globalisierung ist nichts anderes als eine Fortsetzung der   Grundeigenschaften des Imperialismus am Ende des 20. und am Beginn des   21. Jahrhunderts. Der Globalisierungsprozess macht sich in erster Linie   an der verst&#228;rkten weltweiten Arbeitsteilung und der   Internationalisierung von Produktion, Kapitalfl&#252;ssen und Handel fest. Er   dr&#252;ckt sich heute besonders in m&#246;rderischer Konkurrenz, uferloser   Spekulation, Arbeitsplatzverlagerung und -vernichtung, Lohnsenkungen und   schlechteren Arbeitsbedingungen weltweit aus. Mitte der siebziger Jahre   endete der kapitalistische Nachkriegsaufschwung.   Produktivit&#228;tssteigerungen verlangsamten sich, Profite brachen ein, es   kam zu Inflation. Zudem waren die Unternehmer mit Streiks und   Massenprotesten konfrontiert. Nach mehreren turbulenten Jahren holten   sie zum Gegenschlag aus. Mit neoliberalen Ma&#223;nahmen waren sie bestrebt,   ihre Profitkrise auf Kosten der arbeitenden Menschen zu &#252;berwinden. Der   Zusammenbruch des Stalinismus im Osten verst&#228;rkte die Offensive des   Kapitals.<\/p>\n<p>  Das Fehlen einer Vorstellung von einer sozialistischen Alternative bei   der &#252;berwiegenden Mehrheit der Arbeiterklasse &#8211; durch die Schw&#228;chung der   Linken &#8211; f&#252;hrte dazu, dass es zun&#228;chst keinen gro&#223;en Widerstand gegen   die Liberalisierung und Deregulierung der M&#228;rkte gab. Besonders die   L&#228;nder der &#8222;3. Welt&#8220;, die von Internationalem W&#228;hrungsfonds (IWF) und   Weltbank erpresst wurden, mussten ihren &#246;ffentlichen Sektor inklusive   Gesundheit und Bildung der Konkurrenz opfern, wodurch die Multis ihre   dominierende Stellung ausbauen konnten. Die Globalisierung l&#246;st in   keiner Weise die grundlegenden Probleme des Kapitalismus. Im Gegenteil.   So wurden &#220;berproduktion beziehungsweise &#220;berkapazit&#228;ten in vielen   Bereichen durch die Ausweitung der Produktion in China oder Indien noch   vergr&#246;&#223;ert. Basis ist die versch&#228;rfte Ausbeutung der Lohnabh&#228;ngigen. Mit   Billigjobs und Lohnsenkungen k&#246;nnen keine neuen Absatzm&#228;rkte entstehen. <\/p>\n<h4>  Globalisierung gestern und heute<\/h4>\n<p>  Die fr&#252;heren Globalisierungsperioden waren immer mit deutlichen   Steigerungen der Produktion und des Lebensstandards verbunden. Die   l&#228;ngste und erfolgreichste Phase von 1870 bis 1913 f&#252;hrte zur Schaffung   des Weltmarktes und zur Herausbildung von Gro&#223;konzernen. Obwohl gest&#252;tzt   auf das international stabilste Geldsystem in der Geschichte des   Kapitalismus &#8211; den Goldstandard &#8211; war es damals dennoch nicht m&#246;glich,   eine tiefe Krise zu verhindern; eine Krise, die zur Schlacht um die   Neuaufteilung der M&#228;rkte und schlie&#223;lich zum I. Weltkrieg f&#252;hrte. Die   Zeit zwischen den Weltkriegen war krisenhaft. Protektionismus   dominierte, besonders nach der gro&#223;en Depression von 1929 bis 1932. Erst   Ende der sechziger Jahre &#252;bertraf der Exportanteil am Sozialprodukt in   den USA und Europa das Niveau von 1913. Seit 1960 nahm der Welthandel   gewaltig zu. Der Anteil der Exporte am globalen Sozialprodukt   verdoppelte sich seitdem.<\/p>\n<p>  Die Nachkriegszeit von 1945 bis 1973 war eine Ausnahme in der   kapitalistischen Entwicklung. Sowohl die Produktion als auch der   Lebensstandard (zumindest in den entwickelten kapitalistischen Staaten)   wurden auf der Grundlage eines beispiellosen Wachstums erh&#246;ht. Die   Einkommenssteigerungen der breiten Masse wurden von den Herrschenden   nicht geschenkt, sondern von einer selbstbewussten Arbeiterklasse   erk&#228;mpft. Zudem sa&#223; der Systemkonkurrent im Osten in Tarifkonflikten als   dritter Verhandlungspartner de facto mit am Tisch. Die Unternehmer   konnten sich Zugest&#228;ndnisse durch den sagenhaften Aufschwung aber auch   dicke leisten. Dies bildete den Hintergrund f&#252;r den Ausbau der sozialen   Sicherungssysteme in L&#228;ndern wie der Bundesrepublik.<\/p>\n<h4>  Rezession 1974\/75<\/h4>\n<p>  Die erste weltweite Nachkriegsrezession Mitte der siebziger Jahre   beendete j&#228;h diese &#196;ra. Verglichen mit den f&#252;nfziger und sechziger   Jahren verlangsamtensich in den Folgejahren Wirtschaftswachstum und   Produktivit&#228;tssteigerungen erheblich, die Arbeitslosenzahlen stiegen   stetig an, Schulden explodierten. Was war passiert?<\/p>\n<p>  Der Kapitalismus basiert auf der Aneignung unbezahlter Arbeit. Daraus   stammt der Profit, der &#8211; abgesehen vom Luxuskonsum der Kapitaleigner &#8211;   im Aufschwung wieder investiert wird. Die Konkurrenz im Kapitalismus   zwingt aber zur fortw&#228;hrenden Steigerung der Produktivit&#228;t, zur   Einf&#252;hrung neuer Techniken &#8211; und damit zur Einsparung menschlicher   Arbeitskraft, die allein neue Werte schafft. Der Anteil von Maschinen in   der Produktion steigt, w&#228;hrend der Anteil von lebendiger Arbeit abnimmt.   Die Profitrate sinkt tendenziell. Das aufgeh&#228;ufte Kapital findet weniger   geeignete Anlagem&#246;glichkeiten vor und ger&#228;t in eine   &#220;berakkumulationskrise. So war es auch vor gut drei&#223;ig Jahren. Damals   setzte sich der grundlegende Widerspruch des Kapitalismus durch: der   Gegensatz zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung.<\/p>\n<p>  Die Kapitalisten erzwangen den Abschied von der keynesianischen Politik   (&#246;ffentliche Ausgaben und staatliche Interventionen in die Wirtschaft)   und wandten sich dem Monetarismus (Senkung der Unternehmenssteuern und   der Sozialausgaben, gern &#8222;Sparpolitik&#8220; genannt) zu. Reagan und Thatcher   sind die prominentesten Vertreter dieser Politik, die nach dem   Zusammenbruch des Ostblocks zur weltweit herrschenden neoliberalen   Ideologie geworden ist.<\/p>\n<h4>  Konzentration von Macht und Reichtum<\/h4>\n<p>  Der Rechtsruck der Sozialdemokratie in den achtziger Jahren und der   Zusammenbruch des Stalinismus hinterlie&#223;en ein politisches Vakuum nach   dem Fall der Berliner Mauer. Die Vorstellung einer Systemalternative   wurde massiv zur&#252;ckgedr&#228;ngt. Auf eine b&#252;rgerliche Propagandawelle   folgten Angriffe auf alle Errungenschaften der Arbeiterklasse. Der   Imperialismus hatte keine Angst mehr vor revolution&#228;ren Erhebungen.   Intensivierte Ausbeutung und die Politik der Umverteilung von unten nach   oben verschafften den Kapitalisten aufs Neue riesige Gewinne, die jedoch   auf Grund begrenzter produktiver Anlagem&#246;glichkeiten die Spekulation im   Finanzsektor ankurbelte. Diese Entwicklung wurde durch die neuen   Computer- und Kommunikationstechnologien erleichtert. Sie machten es   m&#246;glich, Finanzstr&#246;me in Sekundenbruchteilen von einem Teil der Welt zu   einem anderen flie&#223;en zu lassen. Rolle und Umfang des Finanzkapitals   haben in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen. Hedge-Fonds und   andere Spekulationsmittel sind auf einen Wert von 140.000 Milliarden   Dollar oder auf das Dreifache des weltweiten Sozialproduktes angewachsen.<\/p>\n<p>  Trotz des Stellenwerts der Investmentbanken und Hedge-Fonds vereinen die   f&#252;hrenden Konzerne und Banken weiter die gr&#246;&#223;te Geld- und Kapitalmacht   auf sich. 2005 hatten die folgenden Unternehmen die gr&#246;&#223;ten B&#246;rsenwerte:   General Electric (Marktwert von 377 Milliarden Euro), Exxon Mobil (361   Milliarden), Microsoft (294 Milliarden) und Citigroup (245 Milliarden).   Erst auf den Pl&#228;tzen 73 und 74 folgen mit Merrill Lynch und Morgan   Stanley Investmentgesellschaften.<\/p>\n<p>  Mitte der neunziger Jahre kontrollierten 400 multinationale Konzerne   mehr als 70 Prozent des Welthandels.<\/p>\n<h4>  Schuldenfalle<\/h4>\n<p>  Die Schulden der fr&#252;heren Koloniall&#228;nder wurden als Instrument benutzt,   um in diesen Staaten neoliberale Ma&#223;nahmen durchzusetzen. Viele   internationale Organisationen sind nichts anderes als ein verl&#228;ngerter   Arm des Imperialismus, insbesondere des US-Imperialismus. IWF, Weltbank   oder Welthandelsorganisation (WTO) sind eigentlich Verbrechersyndikate.   Zerschlagung des &#246;ffentlichen Dienstes, bedingungslose &#214;ffnung der   Wirtschaft f&#252;r das Finanzkapital, K&#252;rzungen der Sozialausgaben,   Steigerung der Exporteinnahmen &#8211; all das, um den Schuldendienst zu   bedienen. Die Auslandsschulden der L&#228;nder der &#8222;3. Welt&#8220; stiegen von 609   Milliarden Dollar 1980 auf 1.472 Milliarden 1990 an, um sich bis 1998   nochmal auf 2.500 Milliarden zu erh&#246;hen.<\/p>\n<h4>  Wer gewinnt, wer verliert?<\/h4>\n<p>  ArbeiterInnen der entwickelten kapitalistischen Staaten sind mit   Arbeitsplatzverlust durch Verlagerung der Produktion nach Osteuropa,   China oder sonst wo hin konfrontiert. Die Drohung mit der Verlagerung   reicht oft aus, um Lohnk&#252;rzungungen oder l&#228;ngere Arbeitszeiten   durchzudr&#252;cken. Die heutige Gewerkschaftsf&#252;hrung l&#228;sst sich immer wieder   erpressen, statt die Belegschaften zu mobilisieren. Die Konzernchefs   holen sich billige Leiharbeiter in den Betrieb. In Deutschland soll sich   die Zahl der Leiharbeiter in den n&#228;chsten drei Jahren auf &#252;ber eine   Million verdoppeln. Bei BMW in Leipzig sind schon 30 Prozent der   Belegschaft LeiharbeiterInnen. Viele KollegInnen klagen &#252;ber billige   Arbeitskr&#228;fte aus Polen oder Tschechien. Die konsequente Antwort w&#228;re   die Durchsetzung des gleichen Lohns f&#252;r gleiche Arbeit.<\/p>\n<p>  Ganze Industriebranchen werden weltweit in Niedriglohnl&#228;nder verlagert,   zum Beispiel die Textilindustrie. Allein in den USA gingen 655.000   Textilarbeitspl&#228;tze von 1995 bis 2000 durch Verlagerung verloren, in der   EU gingen Sch&#228;tzungen zufolge 2006 t&#228;glich 1.000 Stellen verloren. <\/p>\n<h4>  Verlagerung<\/h4>\n<p>  Beim Versuch, die Arbeiterklasse weltweit zu spalten, wird der Eindruck   erweckt, die ArbeiterInnen in China oder Bangladesh w&#252;rden von der   Verlagerung profitieren. Tats&#228;chlich gingen die meisten Investitionen   nach China, aber auch dort wurden zwei Millionen Jobs in der   Textilbranche durch Rationalisierung vernichtet! Auch in Bangladesh sind   hier zwei Millionen Arbeitspl&#228;tze bedroht. Gewinner sind die   Kapitalisten, ob in den USA, der EU, China oder Indien. Bestenfalls eine   kleine Schicht von Spezialisten und besser Verdienenden in diesen   L&#228;ndern profitiert vom Aufschwung.<\/p>\n<p>  Die Globalisierung sollte angeblich f&#252;r alle Verbesserungen mit sich   bringen. Die Realit&#228;t f&#252;r Milliarden Menschen ist die H&#246;lle auf Erden   geworden, selbst in scheinbar erfolgreichen Staaten wie China, Indien   oder Pakistan mit &#252;berdurchschnittlichem Wirtschaftswachstum.<\/p>\n<p>  In Indien werden j&#228;hrlich zw&#246;lf Millionen Sch&#252;lerInnen in die   Arbeitslosigkeit entlassen. In Pakistan mit einem Wachstum von 6,8   Prozent 2006 stiegen zwar die Profite um 1.300 Prozent, &#252;ber drei   Viertel der Bev&#246;lkerung leben aber von weniger als zwei Dollar am Tag. <\/p>\n<p>  Auch in China sind die Lebenssumst&#228;nde alles andere als paradiesisch: 80   Prozent der weltweiten Unf&#228;lle in der Kohleindustrie passieren in China,   die dortigen Verh&#228;ltnisse f&#252;hren zur h&#246;chsten Selbstmordrate der Welt.   Von 1995 bis 2002 sind 31 Millionen Industriearbeitspl&#228;tze in den 20   gr&#246;&#223;ten Volkswirtschaften vernichtet worden &#8211; 15 Millionen davon allein   in China.<\/p>\n<h4>  Risiken auf den Finanzm&#228;rkten<\/h4>\n<p>  Das kapitalistische System ist ein krisenhaftes, chaotisches System. Im   Zeitalter von Hedge-Fonds und st&#228;ndig wachsender Aktienvolumen gilt das   um so st&#228;rker. Dies beunruhigt auch die Herrschenden. Erfolglos   versuchen sie gegenzusteuern. Aber wenn die G7-Finanzminister vorgeben &#8211;   wie k&#252;rzlich bei ihrem letzten Treffen in Essen &#8211; die Hedge-Fonds   genauer zu kontrollieren, um eine weltweite Finanzkrise und   Dominoeffekte bei Fondspleiten zu verhindern, ist dies nur   Augenwischerei. Allein die Tatsache, dass es mehr als 100.000   verschiedene Fonds gibt, macht jede Kontrolle bei Transaktionen   praktisch unm&#246;glich. Es sei denn, der Handel mit Hedge-Fonds w&#252;rde   eingestellt.<\/p>\n<h4>  Internationaler Widerstand<\/h4>\n<p>  Vorw&#228;nde, um der Arbeiterklasse noch tiefer in die Tasche zu greifen   oder Massenentlassungen durchzuf&#252;hren, finden die Vertreter des Kapitals   immer wieder. Heute ist es die Globalisierung. In der EU ist es auch der   Euro oder die EU-Verfassung.<\/p>\n<p>  Dagegen hilft nur Widerstand &#8211; grenz&#252;bergreifend. Dass dieser m&#246;glich   ist, zeigen die Beispiele der letzten Jahre. Um die Schlie&#223;ung von   Renault in Vilvoorde (Belgien) zu verhindern, streikten Besch&#228;ftigte der   Renault-Werke in Frankreich, Spanien und Belgien am 7. M&#228;rz 1997   erfolgreich. In Genua demonstrierten 2001 mehr als 300.000 Menschen   gegen den G8-Gipfel. Gegen den diesj&#228;hrigen G8-Gipfel in Heiligendamm   werden bereits mehr als 100.000 DemonstrantInnen erwartet.<\/p>\n<p>  Die meisten Gewerkschaftsb&#252;rokraten erz&#228;hlen gern, dass man hier gegen   die globalisierte Wirtschaft nichts ausrichten k&#246;nne, weil die   Firmenleitung in Schanghai, New York oder Moskau sitze. Dabei konnten   europ&#228;ische Hafenarbeiter, die das Europ&#228;ische Parlament in Stra&#223;burg   st&#252;rmten, die Parlamentarier und die EU-Kommission zwingen, ihre   urspr&#252;nglichen Absichten erstmal fallen zu lassen.<\/p>\n<p>  Zudem ist die globalisierte Wirtschaft durch &#8222;just-in-time&#8220;-Produktion   (Vorratslager werden aus Kostengr&#252;nden runtergefahren) und durch   beschleunigte Abl&#228;ufe und Vernetzungen st&#246;rungsanf&#228;lliger geworden. Der   Streik von Wenigen kann weltweit immense Auswirkungen haben. Der   einw&#246;chige Streik der Opelaner in Bochum im Oktober 2004 drohte, die   Produktion bei einigen General-Motors-Betrieben in Europa v&#246;llig lahm zu   legen. Heute kann ein Fluglotsenstreik an einem gro&#223;en Flughafen Chaos   im Reiseverkehr verursachen. Die Blockade einer der wichtigen B&#246;rsen   kann die Kapitalisten Milliarden kosten.<\/p>\n<h4>  Zukunft der Globalisierung<\/h4>\n<p>  Geblendet von dem Ausma&#223; der Spekulationsgewinne tr&#228;umten die   Kapitalisten von einer nie endenden Geldquelle. Mit der   s&#252;dostasiatischen W&#228;hrungskrise 1997 und dem Platzen der   &#8222;Dot-Com&#8220;-Seifenblase &#8211; dem B&#246;rsenparkett der neuen Technologien &#8211; im   Jahr 2000, wurde klar, dass v&#246;llig &#252;berbewertete Aktienkurse ihr Niveau   nicht dauerhaft halten k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Bei der n&#228;chsten Rezession oder unter dem Druck der Arbeiterkasse k&#246;nnen   Regierungen auch wieder zu protektionistischen Ma&#223;nahmen greifen. In   Frankreich wurde Airbus zum Wahlkampf-Thema. Die sozialdemokratische   Kandidatin Segolene Royal pl&#228;diert &#246;ffentlich f&#252;r einen Stopp des   Kahlschlagprogramms und eine Erh&#246;hung der franz&#246;sischen   Staatsbeteiligung. Der reaktion&#228;re Kandidat und Innenminister Nicolas   Sarkozy schloss ebenfalls eine Erh&#246;hung der Staatsbeteiligung nicht aus.   2004 hatte er schon beim Industriekonzern Alstom interveniert, um den   Zugriff durch Siemens zu vereiteln.<\/p>\n<p>  Viele &#8211; auch unter den Linken &#8211; glauben, dass Nationalstaaten heute   keine Rolle mehr spielen, weil die Konzerne angeblich transnational   werden. Die Kapitalisten brauchen aber auch in der Zukunft ein   Heimatland, eine Regierung, einen Staatsapparat, die ihre Interessen   notfalls mit Gewalt gegen die eigene Arbeiterklasse, sowie gegen die   ausl&#228;ndische Konkurrenz sch&#252;tzen.<\/p>\n<h4>  Konflikte und Kriege<\/h4>\n<p>  Mit dem imperialistischen Stadium des Kapitalismus spitzten sich die dem   System eigenen wiederkehrenden Krisen auf h&#246;herer Ebene zu. Es ist ein   Produktionsniveau erreicht, das auf internationale M&#228;rkte ausgerichtet   ist &#8211; bei gleichzeitiger Beibehaltung nationalstaatlicher   Beschr&#228;nktheit. Die Konkurrenz zwischen Nationalstaaten ist die logische   Fortsetzung der Konkurrenz unter den Konzernen. W&#228;hrend man in der Lage   w&#228;re, sich global auszutauschen und alle Teile der Welt mit den jeweils   n&#246;tigen Rohstoffen, Maschinen und Informationen zu versorgen, kommt es   zu versch&#228;rften Konflikten und zur Vernichtung von Ressourcen.<\/p>\n<p>  Heute galoppiert die Aufr&#252;stung, nehmen milit&#228;rische Konflikte und   Kriege zu, f&#252;hrt die Bush-Regierung im Interesse von amerikanischen &#214;l-   und R&#252;stungskonzernen den Irak-Krieg.<\/p>\n<p>  Kapitalistische Staaten unternehmen regelm&#228;&#223;ig Bem&#252;hungen, sich &#8211;   zumindest auf gewisse Zeit &#8211; mit anderen in Bl&#246;cken zusammen zu   schlie&#223;en, um sich dadurch &#246;konomisch und milit&#228;risch Vorteile zu   verschaffen. Vermehrt flackern gegenw&#228;rtig Spannungen zwischen den USA   und der EU auf, ob um Agrarsubventionen oder im Streit zwischen Boeing   und Airbus um die Vormachtstellung in der Luftfahrtindustrie. Staaten   wie Japan, Russland und China versuchen, geostrategisch an Einfluss zu   gewinnen.<\/p>\n<p>  Weder Protektionismus noch die Fortsetzung der kapitalistischen   Globalisierung l&#246;sen die Probleme. In beiden F&#228;llen bliebe die   Menschheit in der Geiselhaft der zerst&#246;rerischen Profitmaximierung. Nur   in einer sozialistischen Demokratie w&#252;rde die Produktion nicht mehr am   Profit einiger Weniger ausgerichtet sein, sondern an den Bed&#252;rfnissen   der Mehrheit und der Umwelt. Die Mehrheit w&#252;rde demokratisch dar&#252;ber   entscheiden, was, wie und f&#252;r wen produziert wird. Eine weltweite   demokratische Planung w&#252;rde an Stelle der Konkurrenz die Zusammenarbeit   erleichtern und die Grundlage f&#252;r die Beseitigung von Armut,   Arbeitslosigkeit, Umweltsch&#228;den und allen Hinterlassenschaften der   kapitalistischen Globalisierung legen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img src=\"\/media\/2007\/WTO-Terrorist.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Anfang der neunziger Jahre wurde die Globalisierung als der Heilsbringer<br \/>\n      f&#252;r die Menschheit pr&#228;sentiert. 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