{"id":12062,"date":"2007-04-10T00:56:13","date_gmt":"2007-04-10T00:56:13","guid":{"rendered":".\/?p=12062"},"modified":"2007-04-10T00:56:13","modified_gmt":"2007-04-10T00:56:13","slug":"12062","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12062\/","title":{"rendered":"Hartz IV: In 80 Tagen durch die ARGE"},"content":{"rendered":"<p>  <i><img src=\"\/media\/2007\/JobCenter.jpg\" align=\"left\">  Erlebnisse einer ALG-II-Empf&#228;ngerin<\/i><br \/>  Ich bin 28 Jahre alt und Ergotherapeutin. Im Dezember wurde mir   betriebsbedingt zum Jahresende gek&#252;ndigt. Da ich noch nicht lange genug   sozialversicherungspflichtig besch&#228;ftigt war, habe ich nur Anspruch auf   Hartz IV. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Tina Backe, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<h5>  14. Dezember 2006<\/h5>\n<p>  Ich melde mich ab 1. Januar 2007 bei der ARGE arbeitslos. ARGE ist die   Arbeitsgemeinschaft aus Stadt und Arbeitsamt f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger. Ein   pers&#246;nlicher Fallmanager, Herr S., wird mir zugewiesen, bei dem ich den   ausgef&#252;llten Arbeitslosengeld-II-Antrag am 19. Dezember abgeben soll.<\/p>\n<h5>  19. Dezember<\/h5>\n<p>  Ich gebe meinen ALG-II-Antrag ab. Herr S. macht mir ein Arbeitsangebot:   bei der AWO, Betreuung von &#228;lteren Menschen, Hilfestellung im Haushalt &#8211;   f&#252;r eine &#8222;Mehraufwandsentsch&#228;digung&#8220; von einem Euro pro Stunde. Herr S.   droht mir, ich m&#252;sse mit einer 30-prozentigen K&#252;rzung des ALG-II-Geldes   rechnen, wenn ich diesen Ein-Euro-Job ablehnen w&#252;rde. Deshalb   unterschreibe ich die entsprechende Eingliederungsvereinbarung. Von   einem Termin f&#252;r ein Kurzprofiling r&#228;t er mir ab, mit der Begr&#252;ndung,   der Ein-Euro-Job sei schon eine Eingliederungsma&#223;nahme und somit das   Profiling &#252;berfl&#252;ssig.<\/p>\n<h5>  21. Dezember<\/h5>\n<p>  Ich wende mich an eine Erwerbsloseninitiative, die mir r&#228;t, meine   Unterschrift unter der Eingliederungsvereinbarung schriftlich zu   widerrufen, was ich daraufhin auch mache. Inzwischen habe ich im SGB II   &#167;15 gefunden: &#8222;Dem Abschluss einer Eingliederungsvereinbarung geht   zwingend ein umfassendes und systematisches Profiling voraus.&#8220;<\/p>\n<h5>  31. Dezember<\/h5>\n<p>  Mein Kontoauszug zeigt immer noch keinen Eingang des letzten Lohnes f&#252;r   Dezember 2006 an.<\/p>\n<h5>  2. Januar 2007<\/h5>\n<p>  Mein Lohn wurde heute &#252;berwiesen, zwei Tage zu sp&#228;t. Weil ich ihn am 2.   Januar und nicht am 31. Dezember erhalten habe, bekomme ich f&#252;r den   Januar kein ALG II. Laut Gesetz habe ich doch Geld, um Miete und Essen   f&#252;r Januar zu bezahlen.<\/p>\n<h5>  3. Januar<\/h5>\n<p>  Bei der Jobb&#246;rse. Frau S. h&#246;rt mir zu. Sie erkennt, dass ich   qualifizierte Berufsanf&#228;ngerin bin. Der Ein-Euro-Job als   Eingliederungsma&#223;nahme erscheint ihr nicht angebracht und sie   verspricht, mit Herrn S. Kontakt aufzunehmen. Ich bin den Ein-Euro-Job   los.<\/p>\n<h5>  4. Januar<\/h5>\n<p>  Ich bin den Ein-Euro-Job doch nicht los. Frau S. ruft mich an und   berichtet emp&#246;rt, dass Herr S. sich weigert, mir einen   Vermittlungsgutschein auszustellen. Ich muss doch bei der AWO antreten.   Ich treffe mich mit den Leuten von der Erwerbsloseninitiative und setze   ein Fax an die Beschwerdestelle der ARGE auf.<\/p>\n<h5>  5. Januar<\/h5>\n<p>  Der Herr von der Beschwerdestelle ruft mich an und nach vielem   Diskutieren und weiteren Telefonaten teilt er mir schlie&#223;lich<\/p>\n<p>  mit, dass ich f&#252;r den 8. Januar einen Termin bei einem anderen   Arbeitsvermittler, Herr B., habe. Der Beginn des Ein-Euro- Jobs ist auf   eine Woche nach hinten verschoben worden.<\/p>\n<h5>  8. Januar<\/h5>\n<p>  Ein Mitglied der Erwerbsloseninitiative und ich sitzen im B&#252;ro von Herrn   B. Ich erhalte eine neue Eingliederungsvereinbarung und einen   Vermittlungsgutschein f&#252;r die Jobb&#246;rse. Der Ein-Euro-Job ist gestrichen.   Herr B. ist nun mein neuer Arbeitsvermittler.<\/p>\n<h5>  1. Februar<\/h5>\n<p>  Herr B. ist nicht mehr mein Arbeitsvermittler. Per Zufall erfahre ich,   dass nun eine Frau B. zust&#228;ndig f&#252;r mich ist.<\/p>\n<h5>  21. Februar<\/h5>\n<p>  Seit drei Wochen versuche ich Frau B. Telefonisch zu erreichen, ohne   Erfolg.<\/p>\n<h5>  22. Februar<\/h5>\n<p>  Ich erhalte einen Brief von der ARGE. &#220;ber meinen ALG-II-Antrag k&#246;nne   noch nicht entschieden werden, da noch Unterlagen fehlen w&#252;rden. Diese   habe ich aber schon mit meinem Antrag im Dezember eingereicht.<\/p>\n<p>  27. Februar<\/p>\n<p>  Ich rufe erneut die Beschwerdestelle der ARGE an.<\/p>\n<h5>  1. M&#228;rz<\/h5>\n<p>  Die Beschwerdestelle ruft zur&#252;ck, die Unterlagen sind wieder   aufgetaucht. Ich muss nur noch meine Kontoausz&#252;ge von Januar bis   M&#228;rz vorlegen.<\/p>\n<h5>  2. M&#228;rz<\/h5>\n<p>  Ich erhalte bei der Abgabe der Kontoausz&#252;ge den Hartz-IV-Satz f&#252;r   Februar.<\/p>\n<h5>  7. M&#228;rz<\/h5>\n<p>  Der noch ausstehende Restbetrag f&#252;r M&#228;rz wird mir &#252;berwiesen. Seit   meinem ersten Termin bei der ARGE sind 80 Tage vergangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i><img src=\"\/media\/2007\/JobCenter.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Erlebnisse einer ALG-II-Empf&#228;ngerin<\/i><\/p>\n<p>\n      Ich bin 28 Jahre alt und Ergotherapeutin. Im Dezember wurde mir<br \/>\n      betriebsbedingt zum Jahresende gek&#252;ndigt. 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