{"id":12058,"date":"2007-04-07T00:31:52","date_gmt":"2007-04-07T00:31:52","guid":{"rendered":".\/?p=12058"},"modified":"2007-04-07T00:31:52","modified_gmt":"2007-04-07T00:31:52","slug":"12058","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12058\/","title":{"rendered":"SDS: Aufbruch und Niedergang"},"content":{"rendered":"<p>  <i><img src=\"\/media\/2007\/RudiDutschke.jpg\" align=\"left\">  Die Politik des sozialistischen Studentenbundes und Lehren f&#252;r heute<\/i><br \/>Die   Geschichte des SDS geht zur&#252;ck auf die Gr&#252;ndung als ein parteinaher   Studierendenverband der SPD im Jahr 1946. W&#228;hrend die SPD nach rechts   ging, lehnte der SDS Atompolitik und Wiederbewaffnung der Bundeswehr   konsequent ab. Mit dem Godesberger Programm von 1959 verabschiedete die   SPD sich auch programmatisch von sozialistischen Ideen. Bei dieser   Rechtsentwicklung stand der linke SDS im Weg.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Sebastian Foerster, Fulda<\/i><\/p>\n<p>  Nachdem erst einzelne unliebsame linke und sozialistische Mitglieder des   SDS durch die SPD-F&#252;hrung ausgeschlossen worden waren, wurde der SDS   1961 endg&#252;ltig aus der SPD hinausgeworfen.<\/p>\n<p>  Der unabh&#228;ngige SDS radikalisierte sich. Aus dem &#8222;Seminarmarxismus&#8220;   entwickelte sich eine Organisation, die revolution&#228;re Ideen vertrat. Der   SDS gewann an Attraktivit&#228;t auch f&#252;r Sch&#252;lerInnen, Lehrlinge und   Gewerkschaftsjugendliche. In seiner Hochphase wuchs er auf 2.500   Mitglieder an. AktivistInnen wie Rudi Dutschke pr&#228;gten den SDS, der sich   als sozialistisch, undogmatisch und &#8222;antiautorit&#228;r&#8220; verstand.   Antiautorit&#228;r hie&#223; f&#252;r ihn, &#8222;gegen jede Form von Herrschaft von Menschen   &#252;ber andere Menschen&#8220; und f&#252;r eine v&#246;llige Demokratisierung der   Gesellschaft zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  Die Regimes von DDR und Sowjetunion lehnte die Mehrheit als nicht   sozialistisch ab. Eine gro&#223;e Anziehungskraft &#252;bten aber die kolonialen   Befreiungsbewegungen und die Revolutionen in Kuba, Vietnam und China auf   den SDS aus. Hierbei machten sich die Mitglieder allerdings gro&#223;e   Illusionen &#252;ber die angeblich &#8222;sozialistischen&#8220; Verh&#228;ltnisse in diesen   L&#228;ndern.<\/p>\n<h4>  SDS und APO<\/h4>\n<p>  Vor allem durch die Kombination aus sozialistischer Programmatik,   radikalen Aktionen und allgemeinpolitischen Anspruch konnte der SDS in   der zweiten H&#228;lfte der sechziger Jahre die treibenden Kraft in der   Studierendenbewegung und in der Au&#223;erparlamentarischen Opposition (APO)   werden. Die Proteste der APO zielten vor allem gegen den Vietnamkrieg   die Lage an den Hochschulen (&#8222;Unter den Talaren &#8211; Muff von tausend   Jahren&#8220;) und gegen die Springer-Presse. Auch viele Sch&#252;lerInnen sowie   junge ArbeiterInnen schlossen sich den Demonstrationen an.<\/p>\n<p>  Auf dem H&#246;hepunkt der Bewegung im Mai 1968 erlie&#223; die nun regierende   Gro&#223;e Koalition aus SPD und CDU\/CSU die so genannten Notstandsgesetze.   Diese erm&#228;chtigten die Regierung dazu, die Bundeswehr im Innern   einzusetzen und demokratische Rechte erheblich einzuschr&#228;nken, wenn   ihrer Meinung nach die &#8222;freiheitlich-demokratische Grundordnung&#8220; in   Gefahr sei. Gegen dieses repressive Vorhaben formierte sich Widerstand.<\/p>\n<h4>  Arbeiterbewegung<\/h4>\n<p>  Auch ArbeiterInnen beteiligten sich stark an den Protesten gegen die   Notstandsgesetze. Von linken ArbeiterInnen wurde der Generalstreik als   Kampfmittel gefordert. In der von vielen Protesten, Demonstrationen und   auch Streiks gepr&#228;gten Stimmung Ende der sechziger Jahre fehlte eine   ausreichende Verbindung zwischen den K&#228;mpfen der Studierenden und der   Arbeiterklasse. Ankn&#252;pfungspunkte der Studentenbewegung an Klassenk&#228;mpfe   h&#228;tte es damals zahlreiche gegeben. Bereits 1966 bis 1967, w&#228;hrend der   ersten Rezession in der Nachkriegs-BRD, gab es starke Proteste von   ArbeiterInnen gegen die Gro&#223;e Koalition. Vor allem an der Ruhr kochte   die Wut gegen Zechenschlie&#223;ungen hoch, teilweise wurde auf   Demonstrationen auch deren Sozialisierung gefordert. Von Fr&#252;hling bis   Herbst 1969 kam es dann zu einem m&#228;chtigen Aufschwung des Klassenkampfs,   unabh&#228;ngig von den Aktionen des SDS. Spontane Streiks f&#252;r Lohnerh&#246;hungen   wurden an den Gewerkschaftsf&#252;hrungen vorbei organisiert. Nicht nur deren   Funktion&#228;re waren von der Bewegung &#252;berrumpelt. Insgesamt untersch&#228;tzte   der SDS die Rolle der Arbeiterklasse und sah in ihr nicht l&#228;nger die   entscheidende Kraft, die die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse ver&#228;ndern   kann. Die der StudentInnen kam damals aus eher gehobenen Verh&#228;ltnissen.<\/p>\n<h4>  Aufl&#246;sung des SDS<\/h4>\n<p>  Nachdem der SDS in der zweiten H&#228;lfte der Sechziger zum   organisatorischen Anziehungspunkt der Studentenbewegung geworden war,   zerfiel er ab 1969 zunehmend in kleine Gruppen mit unterschiedlichen   politischen Ausrichtungen. 1970 l&#246;ste er sich schlie&#223;lich auf.<\/p>\n<p>  Viele AktivistInnen schlossen sich den JungsozialistInnen an und schoben   dadurch den Jugendverband der SPD nach links. setzten ihren Protest in   neuen sozialen Bewegungen fort, wie der Friedensund Umweltbewegung und   feministischen Gruppen. Manche schlossen sich kleineren und maoistischen   Gruppierungen an, einige ehemalige SDSler und SDSlerinnen gr&#252;ndeten die   RAF.<\/p>\n<p>  Der SDS verschwand von der politischen B&#252;hne, weil er keine konsequente   Abgrenzung vom Stalinismus vornahm und keine klare Vorstellung hatte,   wie eine sozialistische Gesellschaft erreicht werden kann. Und weil er   es vers&#228;umte, politisch und organisatorisch die Verbindung zur   arbeitenden Bev&#246;lkerung, deren Organisationen und deren K&#228;mpfen zu   suchen. Das Abebben der Studierendenbewegung offenbarte seine politische   Perspektivlosigkeit.<\/p>\n<p>  Aber die Aufbruchstimmung und die Linksverschiebung in der Gesellschaft   als Folge der Proteste der &#8222;Antiautorit&#228;ren&#8220; hatte trotzdem noch   Auswirkungen. Sie beeinflussten die Bewegungen und politischen   Gruppierungen der siebziger Jahre und f&#252;hrten zu gesellschaftlichen   Ver&#228;nderungen, zum Beispiel mit einer reformorientierten Schulpolitik   oder in den Strukturen der Hochschulen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <i><img src=\"\/media\/2007\/RudiDutschke.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Die Politik des sozialistischen Studentenbundes und Lehren f&#252;r heute<\/i><br \/>Die<br \/>\n      Geschichte des SDS geht zur&#252;ck auf die Gr&#252;ndung als ein parteinaher<br \/>\n      Studierendenverband der SPD im Jahr 1946. W&#228;hrend die SPD nach rechts<br \/>\n      ging, lehnte der SDS Atompolitik und Wiederbewaffnung der Bundeswehr<br \/>\n      konsequent ab. Mit dem Godesberger Programm von 1959 verabschiedete die<br \/>\n      SPD sich auch programmatisch von sozialistischen Ideen. 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