{"id":12056,"date":"2007-04-06T00:55:49","date_gmt":"2007-04-06T00:55:49","guid":{"rendered":".\/?p=12056"},"modified":"2007-04-06T00:55:49","modified_gmt":"2007-04-06T00:55:49","slug":"12056","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/04\/12056\/","title":{"rendered":"Bolivien: Vom &#8220;Wasserkrieg&#8221; zum &#8220;Gaskrieg&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Bolivien.jpg\">  In den letzten Wochen gab es h&#228;ufig Probleme bei der Gasversorgung in   bolivianischen St&#228;dten wie zum Beispiel Cochabamba, Oruro, El Alto und   La Paz; die BewohnerInnen m&#252;ssen in enormen Schlangen stundenlang auf   die Ankunft des Gases warten, und oft kommt es schlicht nicht.<br \/>  <i>von Celso Calfullan, Cochabamba, Bolivien<\/i> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Der Erkl&#228;rungen gibt es viele, wie immer, wenn etwas schief l&#228;uft. Die   Beh&#246;rden behaupten, &#8220;es gibt keine Gasengp&#228;sse und die Situation ist   normal in allen St&#228;dten des Landes&#8221;. F&#252;r Otto Normalverbraucher, der Gas   kaufen will, sind diese Erkl&#228;rungen unerkl&#228;rlich.<\/p>\n<p>  Sp&#228;ter kommen die etwas ernsthafteren Erkl&#228;rungen: Die Regenf&#228;lle seien   schuld, weil sie die Tanklastwagen am Fahren hindern; der Schmuggel nach   Peru, wo das Gas teurer verkauft werden kann, wird angef&#252;hrt; die in   &#214;PNV-Bussen gehorteten Kanister; auch mit Spekulation und k&#252;nstlicher   Verkanppung skrupelloser H&#228;ndler hat es zu tun.<\/p>\n<p>  All dies ist richtig, aber leider ist es nicht die Wurzel des Problems.   Diese ist vielmehr das Treiben der Rechten gegen die Regierung Evo   Morales, welche eine Destabilisierung betreiben und dabei von den   bolivianischen und internationalen Unternehmen unterst&#252;tzt werden,   welche immer noch die Produktion von Erd&#246;l und &#8211;gas des Landes   kontrollieren. Diese Herren sind mit der aktuellen Situation nicht   zufrieden, sondern wollen mit der Ausschlachtung Boliviens weitermachen,   welche ihnen die vorherigen Administrationen erlaubt hatten.<\/p>\n<h5>  N&#246;tig ist eine vollst&#228;ndige Verstaatlichung der &#214;l- und Gasvorkommen<\/h5>\n<p>  Trotz all der Reden &#252;ber die Verstaatlichung der Kohlenwasserstoffe   haben in Wirklichkeit weiter die transnationalen &#214;lmultis das   Verarbeitungsmonopol inne, und &#8211; dort, wo es ihnen zugestanden wurde &#8211;   auch das der Erforschung und F&#246;rderung.<\/p>\n<p>  Praktisch die gesamte Herstellungskette, mit minimalen Ausnahmen, ist   weiter in ausl&#228;ndischen H&#228;nden, insbesondere von Repsol aus Spanien und   Petrobras aus Brasilien. Es war kein gro&#223;er Fortschritt, dass YPFB   (Yacimientos Petrol&#237;feros Fiscales de Bolivia; staatlich bolivianische   Erd&#246;l- und -gasgesellschaft) die Kontrolle &#252;ber 50 Prozent plus eine   Aktie des Erd&#246;lsektors &#252;bernahm. Angesichts dieser Konstellation k&#246;nnen   wir festhalten, dass bez&#252;glich der Erd&#246;l- und &#8211;gasbodensch&#228;tze die   Ausraubung Boliviens weitergehen wird und lediglich um einige   kosmetische Korrekturen ver&#228;ndert wurde.<\/p>\n<h5>  Die Rechte und die Unternehmer versuchen, das Land zu destabilisieren<\/h5>\n<p>  Es ist klar, dass die Rechte und die Unternehmer mit dieser   Sabotagepolitik die Regierung beschuldigen und sie anklagen wollen, die   Dinge nicht im Griff zu haben, eine &#8220;schlechte Regierung&#8221; zu sein und   &#252;berhaupt dass dies geschehe, wenn ideologischen Abenteuern (das hei&#223;t   dem Sozialismus) nachgegangen wird, die &#8220;eine Gef&#228;hrdung der Sicherheit   und der &#246;ffentlichen Ordnung&#8221; mit sich bringen, was &#8220;jemand&#8221; beenden und   Ruhe und Ordnung zur&#252;ckbringen m&#252;sse. Wie oft haben wir diesen Diskurs   geh&#246;rt oder gelesen?  Es ist eine Aufforderung zum Staatsstreich, und   die b&#252;rgerliche bolivianische Presse ist voll von dieser Art Analyse.<\/p>\n<p>  Andererseits ist es unvermeidlich, dass die Bev&#246;lkerung mit der   Situation unzufrieden ist, wie zum Beispiel fr&#252;her aufzustehen, um in   enormen Schlangen auf eine Gallone Benzin zu warten, und letztendlich   Proteste und Blockaden der wichtigsten Stra&#223;en durchf&#252;hrt. Die   strategischen Punkte jeder Stadt werden von den Leuten ausgew&#228;hlt, um   Stra&#223;enz&#252;ge lahmzulegen und die Herausgabe des Benzins zu fordern. Dies   f&#252;hrt unvermeidlich in einigen F&#228;llen zu Zusammenst&#246;&#223;en mit der Polizei.<\/p>\n<p>  Das Drehbuch der Sabotage und Destabilisierung des Imperialismus und   seiner nationalen Lakaien ist immer das gleiche, und sie setzen es jedes   Mal ein, wenn eine Regierung es wagt, ihre Interessen &#8211; und sei es nur   minimal &#8211; zu tangieren.<\/p>\n<p>  Obwohl die Regierung Morales nicht direkt an der Situation Schuld ist,   entbindet sie das nicht einer gewissen Verantwortung, mit der durch die   Spekulanten und Reaktion&#228;ren ausge&#252;bten Kontrolle Schlu&#223; zu machen.<\/p>\n<p>  Solange die Kohlenwasserstoffe durch die ewig Gleichen kontrolliert   werden, halten diese die Instrumente zur Sabotage der Industrie in   H&#228;nden, und Situationen wie die aktuelle werden sich immer wieder   wiederholen.<\/p>\n<p>  Es wird behauptet, dass am Dienstag, den 20. M&#228;rz, die Raffinerie   Gualberto Villaroel ihren Betrieb wieder aufgenommen hat . Sie war   angeblich in &#8220;Wartung&#8221; gewesen und eine der Hauptverantwortlichen f&#252;r   den Gasmangel, auf den sich die Unternehmer st&#252;tzten, um den Preis des   Treibstoffs hochzutreiben. <\/p>\n<p>  Einer der Streitpunkte ist n&#228;mlich der auf 22,50 Bolivianos festgesetzte   Benzinpreis, was ungef&#228;hr drei US-Dollar pro Gallone entspricht, w&#228;hrend   die &#214;lfirmen den inl&#228;ndischen Kunden Weltmarktpreise berechnen wollen.<\/p>\n<p>  Die bolivianische Rechte will offensichtlich Glauben machen, dass die   Engp&#228;sse auf die &#8220;Verstaatlichung&#8221; der &#214;l- und Gasgewinnungsanlagen   zur&#252;ckgehen, obwohl die Verstaatlichung nicht einmal wirklich   stattgefunden hat.<\/p>\n<p>  Die b&#252;rgerlichen &#214;konomen sagen uns, dass &#8211; wenn man die Knappheit   &#252;berwinden will &#8211; man ganz einfach die Preise freigeben muss. Der   unvermeidliche Preisanstieg w&#252;rde die Nachfrage nach dem Produkt auf ein   mit dem Angebot korrespondierendes Niveau verringern, mit anderen   Worten, die &#228;rmste Schicht der Bev&#246;lkerung k&#246;nnte nichts kaufen und so   w&#228;re das Problem gel&#246;st.<\/p>\n<p>  Aber f&#252;r uns ist vielmehr klar, dass wir es nicht hinnehmen k&#246;nnen, dass   in einem &#214;l- und Gas-Produktions- und Exportland der Bev&#246;lkerung dieses   essentielle Gut nicht zur Verf&#252;gung steht, w&#228;hrend einige wenige sich   weiter die Taschen auf dem R&#252;cken der &#196;rmsten f&#252;llen wollen.<\/p>\n<h5>  Was ist die Alternative?<\/h5>\n<p>  Diese k&#252;nstlich herbeigef&#252;hrte Krise hat verdeutlicht, dass die   Kohlenwasserstoffe der Kontrolle der transnationalen Konzerne   vollst&#228;ndig entzogen werden m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Alle F&#252;hrungskr&#228;fte der transnationalen Konzerne m&#252;ssen wegen Sabotage   oder zumindest wegen Inkomptenz entlassen werden.<\/p>\n<p>  Zus&#228;tzlich muss die Produktion und das Funktionieren der verschiedenen   Anlagen garantiert werden, und die einzigen, die dies wirklich tun   k&#246;nnen, sind die ArbeiterInnen. Sie m&#252;ssen die Kontrolle &#252;ber die Erd&#246;l-   und &#8211;gasindustrie &#252;bernehmen, weil dies die einzige Garantie ist, dass   sich eine Situation wie die aktuelle nicht wiederholt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Bolivien.jpg\"><br \/>\n      In den letzten Wochen gab es h&#228;ufig Probleme bei der Gasversorgung in<br \/>\n      bolivianischen St&#228;dten wie zum Beispiel Cochabamba, Oruro, El Alto und<br \/>\n      La Paz; die BewohnerInnen m&#252;ssen in enormen Schlangen stundenlang auf<br \/>\n      die Ankunft des Gases warten, und oft kommt es schlicht nicht.<\/p>\n<p>\n      <i>von Celso Calfullan, Cochabamba, Bolivien<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12056"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12056"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12056\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12056"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}