{"id":12052,"date":"2007-03-31T01:00:00","date_gmt":"2007-03-31T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12052"},"modified":"2007-03-31T01:00:00","modified_gmt":"2007-03-31T01:00:00","slug":"12052","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/12052\/","title":{"rendered":"Wer sind die G8?"},"content":{"rendered":"<p>  <i><img src=\"\/media\/2007\/EU-BerlinTreffen_2007-03.jpg\" align=\"left\">  Zahlen und Fakten zum Gipfel der Ausbeuter<\/i><br \/>W&#228;hrend nur 13,5   Prozent der Weltbev&#246;lkerung in den G8-Staaten lebt, vereinigen sie 50   Prozent des Welthandels und der weltweiten Wirtschaftsleistung auf sich.   80 Prozent der R&#252;stungsproduktion findet in den G8-L&#228;ndern statt. Die   Acht sind f&#252;r &#252;ber 45 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen   verantwortlich.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Anfang Juni tagt der G8-Gipfel in Rostock-Heiligendamm. Dort kommen die   acht m&#228;chtigsten Regierungschefs der Welt zusammen. Der Gruppe der Acht,   also G8, geh&#246;ren Deutschland, Frankreich, Gro&#223;britannien, Italien,   Japan, Kanada, die USA und Russland an. Daneben ist in dem Gremium auch   die Europ&#228;ische Kommission vertreten. Spanien bem&#252;ht sich bereits seit   l&#228;ngerem um die Aufnahme als Vollmitglied. Den Vorsitz &#252;bernimmt jeweils   ein Land f&#252;r die Dauer eines Jahres. Die G8 gilt nicht als   internationale Organisation. Ihre Treffen sind informell, um in   &#8222;entspannter Runde&#8220; globale Themen und Probleme zu beraten.<\/p>\n<h4>  Entstehung der G8<\/h4>\n<p>  1975 entstand die Gruppe der Sechs, G6. Kurz darauf stie&#223; Kanada dazu.   Seitdem sind die Gipfel der G7 &#8211; Vorl&#228;ufer der heutigen G8 &#8211; j&#228;hrliche   Konferenzen der Regierungschefs der f&#252;hrenden kapitalistischen Staaten.<\/p>\n<p>  Mitte der siebziger Jahre hatten die Herrschenden der kapitalistischen   Welt mit sinkenden Profitraten, steigenden &#214;lpreisen und den Folgen der   dem&#252;tigenden Niederlage des US-Imperialismus im Vietnamkrieg zu k&#228;mpfen.   1971 war das &#8222;Bretton Woods-System&#8220; fester Wechselkurse   zusammengebrochen und angesichts dieser W&#228;hrungskrise stellte sich die   Frage einer gemeinsamen Strategie im Bereich der internationalen Finanz-   und Handelspolitik ganz akut.<\/p>\n<p>  Ganz offensichtlich stehen die Konzerne international in Konkurrenz   zueinander. Jeder kapitalistischen Regierung kommt die Funktion zu, die   Interessen der Konzerne im eigenen Land gegen die Interessen anderer   Staaten durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig versuchen sie aber, wie eben durch das Gremium der G8,   gemeinsam Vorteile gegen&#252;ber der eignen arbeitenden Bev&#246;lkerung, den   Jugendlichen und Rentnern im eigenen Land sowie schw&#228;cheren Staaten   rauszuschlagen.<\/p>\n<h4>  Mehr Freiheiten f&#252;r die Gro&#223;konzerne<\/h4>\n<p>  Zun&#228;chst nannte die G7 ihre Gipfel &#8222;Weltwirtschaftsgipfel&#8220;. Damit   brachten sie ihren globalen Machtanspruch zum Ausdruck. Durch den   entscheidenden Einfluss dieses Kreises auf Institutionen wie die   Weltbank &#8211; in der jedes Land entsprechend des eigenen Kapitaleinsatzes   Stimmen besitzt und deren Pr&#228;sident durch die Regierung der USA   vorgeschlagen wird &#8211; wurde die Liberalisierung des Welthandels, nicht   zuletzt auch durch den Abbau von Z&#246;llen und Handelsschranken, weiter   vorangetrieben.<\/p>\n<p>  Auf ihrem Gipfel 1990 wurden die Weichen f&#252;r die Gr&#252;ndung der   Welthandelsorganisation (WTO) gestellt. In einer Erkl&#228;rung des Gipfels   hie&#223; es, &#8220;dass politische und wirtschaftliche Freiheiten eng miteinander   verbunden sind&#8221;, gemeint sind die Freiheiten der multinationalen   Konzerne.<\/p>\n<p>  Vor allem die Liberalisierung des Dienstleistungssektors und der Wegfall   weiterer Handelshemmnisse wurden angestrebt. Nach dem Zusammenbruch des   Stalinismus wurde die Regierung Russlands zun&#228;chst informell   eingebunden, 1998 als achtes Mitglied aufgenommen. Die wichtigsten   Entscheidungen trifft allerdings nach wie vor die alte &#8222;G7&#8220;.<\/p>\n<p>  Weitere politische Ma&#223;nahmen waren die Durchsetzung einer weltweiten   Privatisierungswelle und die globale Zunahme an neoliberaler Politik im   Rahmen der ber&#252;chtigten &#8222;Strukturanpassungsprogramme&#8220;.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem ist ein zentrales Anliegen von Angela Merkel beim diesj&#228;hrigen   G8-Gipfel in Heiligendamm die &#8222;Verst&#228;rkung des Schutzes von Innovationen   gegen Produkt- und Markenpiraterie&#8220;. Dabei geht es vor allem um eine   verst&#228;rkte internationale Zusammenarbeit zur effizienten Bek&#228;mpfung   dieser &#8222;gef&#228;hrlichen&#8220; Produkt- und Markenpiraten. Wobei die G8-Staaten   den Schutz des &#8222;geistigen Eigentums&#8220;, durchgesetzt durch Urheber-,   Patent- und Markenrechte, seit etwa 10 Jahren immer wieder auf die   Tagesordnung stellen. Sie deklarieren die Verfolgung der besagten   Piraten geradezu als Verteidigung der &#246;ffentlichen Sicherheit.<\/p>\n<p>  Dieses Prozedere dient selbstverst&#228;ndlich einzig und allein der   Sicherung der Unternehmerprofite.<\/p>\n<h4>  Folgen der G8-Politik &#8211; Leere Versprechen f&#252;r Millarden Menschen<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend nur 13,5 Prozent der Weltbev&#246;lkerung in den G8-Staaten lebt,   vereinigen sie 50 Prozent des Welthandels und der weltweiten   Wirtschaftsleistung auf sich. 80 Prozent der R&#252;stungsproduktion findet   in den G8-L&#228;ndern statt.<\/p>\n<p>  Auch in Heiligendamm sind viele wohlklingende Worte &#252;ber   Armutsbek&#228;mfung, Entwicklungshilfe und Umweltschutz zu erwarten. Leere   Versprechungen dieser Art gab es bei jedem G7 &#8211; beziehungsweise   G8-Gipfel und schon lange davor.<\/p>\n<p>  1970 beschloss die UNO &#8211; die heutigen G8 stellen &#252;brigens vier der f&#252;nf   st&#228;ndigen Mitglieder im Sicherheitsrat &#8211; das Ziel, jedes Land sollte 0,7   Prozent des Bruttoinlandsproduktes f&#252;r Entwicklungshilfe ausgeben. Trotz   wiederholter Versprechungen hat kein einziger G8-Staat dieses Ziel auch   nur ann&#228;hrend erreicht.<\/p>\n<p>  Seit derAushandlung des Klimaschutzabkommnes von Kyoto 1997 hat keines   der G8-Staaten den eigenen CO2-Aussto&#223; nennenswert verringert. Immerhin   sind die Acht f&#252;r &#252;ber 45 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen   verantwortlich.<\/p>\n<p>  Beim letzten G8-Gipfel in Deutschland, 1999 in K&#246;ln, wurden den &#228;rmsten   L&#228;ndern der Welt Schuldenstreichungen in H&#246;he von 100 Millarden Dollar   versprochen. Als 2005 das Thema neu aufgerollt wurde, waren weniger als   die H&#228;lfte der versprochenen Schulden tats&#228;chlich erlassen worden.<\/p>\n<p>  Entsprechende Skepsis ist also auch bei der Bewertung der neuen, gro&#223;   verk&#252;ndeten Schuldenstreichungspl&#228;ne angebracht.<\/p>\n<p>  Dies sollte aber nicht verwundern: Den G8-Staaten geht es nicht um   &#8222;Entwicklung&#8220; oder &#8222;Unterst&#252;tzung&#8220;, sondern der Festigung der Herrschaft   der Banken und Konzerne &#252;ber die neokoloniale Welt. Es sind diese Banken   und Konzerne, die Bush, Blair, Merkel und Co unterst&#252;tzen und   letztendlich von der G8-Politik profitieren.<\/p>\n<p>  Die internationale Handelskammer, ein Lobbyverband multinationaler   Konzerne, dessen Vorstand unter anderem ehemalige Bosse von Nestl&#233;,   Vivendi, Hoechst und Ericsson angeh&#246;ren, darf bei jedem G8-Gipfel einen   Vortrag halten, in dem &#252;ber den aktuellen politischen Wunschzettel der   Konzerne referiert wird.<\/p>\n<p>  Die von der G8 verfolgte Politik zeigt, dass diese W&#252;nsche konsequent   umgesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <i><img src=\"\/media\/2007\/EU-BerlinTreffen_2007-03.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Zahlen und Fakten zum Gipfel der Ausbeuter<\/i><br \/>W&#228;hrend nur 13,5<br \/>\n      Prozent der Weltbev&#246;lkerung in den G8-Staaten lebt, vereinigen sie 50<br \/>\n      Prozent des Welthandels und der weltweiten Wirtschaftsleistung auf sich.<br \/>\n      80 Prozent der R&#252;stungsproduktion findet in den G8-L&#228;ndern statt. Die<br \/>\n      Acht sind f&#252;r &#252;ber 45 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen<br \/>\n      verantwortlich.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[134],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12052"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12052"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12052\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12052"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12052"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12052"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}