{"id":12039,"date":"2007-03-21T23:59:59","date_gmt":"2007-03-21T23:59:59","guid":{"rendered":".\/?p=12039"},"modified":"2007-03-21T23:59:59","modified_gmt":"2007-03-21T23:59:59","slug":"12039","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/12039\/","title":{"rendered":"Dresden: R&#228;tselraten um Krankenh&#228;user"},"content":{"rendered":"<p>  <i>Droht den letzten zwei Krankenh&#228;usern im kommunalem Eigenbetrieb in   Sachsen eine GmbH-Gr&#252;ndung?<\/i><br \/><img src=\"\/media\/2007\/pflaster.jpg\" align=\"left\">  Seit 17 Jahren wird die Rechtsform der Krankenh&#228;user Dresden Neustadt und   Dresden Friedrichstadt immer wieder diskutiert. Dresdens   Ordnungsb&#252;rgermeister Sittel (CDU) denkt schon mal laut &#252;ber die Bildung   einer Holding aus beiden Krankenh&#228;usern, GmbH-Gr&#252;ndung und sogar   Privatisierung nach.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Steve K&#252;hne, Dresden<\/i><\/p>\n<p>  F&#252;r Besch&#228;ftigte wie PatientInnen h&#228;tte eine gGmbH- oder GmbH-Gr&#252;ndung   verheerende Auswirkungen. Ganz abgesehen davon, dass es sich dabei nur   um eine Sprosse auf der Leiter zur weitaus problematischeren   Privatisierung handelt. Eine GmbH-Gr&#252;ndung bedeutet wohl auch den   Verlust der Tarifbindung und somit Druck auf die L&#246;hne der   Besch&#228;ftigten. Diese m&#252;ssten dann in einem nach marktwirtschaftlichen,   also unmenschlichen Bedingungen arbeitenden Krankenhaus Gewinne   erwirtschaften, da ansonsten der Bankrott des Krankenhauses und dessen   Verkauf droht. Die parlamentarische Kontrolle durch den Stadtrat w&#252;rde   einer Kontrolle durch einen Aufsichtsrat weichen, der die Arbeit des   Krankenhauses nach kapitalistischen Kriterien organisiert. Schon jetzt   haben Besch&#228;ftigte und PatientInnen kaum Mitspracherechte, in einer GmbH   w&#252;rde jede Transparenz verschwinden.<\/p>\n<p>  &#196;hnlich w&#228;re die Situation auch bei einer gGmbH, also einer   gemeinn&#252;tzigen GmbH, die sich zun&#228;chst noch zu 100 Prozent in   st&#228;dtischer Hand befinden w&#252;rde. Die marktwirtschaftliche Berechnung   w&#252;rde auch in diesem Fall Einzug halten. Ebenso w&#252;rde die Tarifbindung   verloren gehen. Die Stadt h&#228;tte es dann auch leichter wenigstens Teile   des Krankenhauses an private Investoren zu verkaufen..<\/p>\n<p>  Die eigentliche Aufgabe von Krankenh&#228;usern ist es Menschen zu helfen. <\/p>\n<p>  Eine GmbH soll hingegen Gewinne um jeden Preis zu erwirtschaften.   Au&#223;erdem ist die Stadt in der Lage eine Krankenhaus-GmbH teil- und damit   schrittweise zu verkaufen, also zu privatisieren.<\/p>\n<h4>  Personalr&#228;te geben sich beruhigt<\/h4>\n<p>  Beim Personalrat des Krankenhauses Dresden Neustadt gibt man sich   hingegen beruhigt. Zwar meint der Personalratsvorsitzende des   Krankenhauses Dresden Neustadt Lothar Poppe zu den Pl&#228;nen einer   GmbH-Gr&#252;ndung oder Privatisierung seines Krankenhauses, es sei &#8222;besser,   wenn es in st&#228;dtischer Hand bleibt, weil dann die parlamentarische   Kontrolle bleibt.&#8220; Meint aber, die Frage einer&#160; GmbH-Gr&#252;ndung w&#252;rden   &#8222;einige aufbauschen.&#8220; Wer das wolle, solle zun&#228;chst mal einen Antrag in   den Stadtrat einbringen.<\/p>\n<h4>  Stadtrat bietet keinen Schutz vor GmbH-Gr&#252;ndung<\/h4>\n<p>  Ordnungsb&#252;rgermeister Sittel (CDU) beabsichtigt laut Dresdner Neueste   Nachrichten vom 3. Februar nicht nur eine GmbH-Gr&#252;ndung, sondern sogar   die Verschmelzung der beiden kom-munalen Krankenh&#228;user Neustadt und   Friedrichstadt zu einer Holding. Dies w&#252;rde unweigerlich zu   Stellenstreichungen f&#252;hren. Unterst&#252;tzt wird er in seinen Pl&#228;nen durch   die eigene Fraktion und die der FDP und DSU.<\/p>\n<p>  Unklar bleibt hingegen das Verhalten aller anderen Fraktionen. Laut   Auskunft der SPD sei es innerhalb der sozialdemokratischen Fraktion   unklar welche Rechtsform man bevorzuge. In den neunziger Jahren waren   die SPD-Abgeordneten dem damaligen SPD-Ordnungsb&#252;rgermeister Deubel   gefolgt als dieser eine gGmbH-Gr&#252;ndung ins Auge fasste.<\/p>\n<p>  Von Bedeutung wird das Verhalten der L.PDS sein. Diese hat auf ihrem   letzten Kreisparteitag in Dresden einen Beschluss gefasst, der sich   gegen die Privatisierung der Dresdner Krankenh&#228;user ausspricht und in   einer GmbH-Gr&#252;ndung keine Vorteile f&#252;r die Stadt Dresden sieht.<\/p>\n<p>  Peter Herpichb&#246;hm, Stadtratsabgeordneter der L.PDS, bemerkte mit diesem   Beschluss konfrontiert gegen&#252;ber Solidarit&#228;t &#8211; Sozialistische Zeitung:   &#8222;Das kann nat&#252;rlich sein, dass das einige Oberschlaue gemacht haben.   Aber es gibt verschiedene Rechtsformen f&#252;r &#246;ffentliche Betriebe und wir   m&#252;ssen erstmal pr&#252;fen welche davon die beste ist.&#8220; Die Gr&#252;ndung einer   GmbH oder gGmbH wird von ihm also keineswegs ausgeschlossen.   K&#228;mpferische Initiativen gegen die Rechtsform&#228;nderung werden von der   L.PDS wohl kaum ausgehen. Zumal in dieser Partei demokratische   Beschl&#252;sse nicht das Papier wert zu sein scheinen, auf das sie   geschrieben werden.<\/p>\n<p>  Ein in den Stadtrat angebrachter Antrag zur Rechtsform&#228;nderung wird   diesen, gemessen an den oben aufgef&#252;hrten Aussagen der Fraktionen,   passieren. Eine sofortige Privatisierung scheint im Moment   ausgeschlossen. Hingegen ist eine GmbH-Gr&#252;ndung und damit die   Vorbereitung der Privatisierung sehr wahrscheinlich. Das Vorgehen der   Personalr&#228;te der Krankenh&#228;user Dresden Friedrichstadt und Neustadt l&#228;uft   darauf hinaus abzuwarten und sich auf den Stadtrat zu verlassen. Man   scheint wie das Kaninchen vor der Schlange zu sitzen, und zu warten, bis   diese zubei&#223;t.<\/p>\n<h4>  Sabotage des Eigenbetriebs<\/h4>\n<p>  In der Sitzung vom 14.02. hat der Stadtrat beschlossen, dass die   Krankenh&#228;user weiterhin eine Million Euro an die Stadt abzuf&#252;hren haben.   Dies ist bei im Eigenbetrieb befindlichen Krankenh&#228;usern nicht &#252;blich   und verschlechtert die finanzielle Situation dieser erheblich. Damit ist   es nur noch schwer abzuwenden, dass die Krankenh&#228;user rote Zahlen   schreiben.<\/p>\n<p>  Nun werden die Verwaltungsdirektoren der Krankenh&#228;user sicherlich   versuchen den ZuSi durchzusetzen. Dieser &#8222;Tarifvertrag der   Zukunftssicherung&#8220;, der zus&#228;tzlich zum TV&#246;D zwischen ver.di und dem   Verband der kommunalen Arbeitgeber abgeschlossen wurde, tritt immer dann   in Kraft, wenn Krankenh&#228;user im kommunalen Eigenbetrieb in finanzielle   Schwierigkeiten geraten und sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf dessen   Anwendung einigen. Der ZuSi bedeutet dann Lohnverlust von bis zu 10   Prozent.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem sind Krankenh&#228;user, in den roten Zahlen Wasser auf die M&#252;hlen   der Verfechter einer Rechtsform&#228;nderung. So oder so sabotiert der   Stadtrat den Eigenbetrieb der Krankenh&#228;user. Dies m&#252;ssen Besch&#228;ftigte   und PatientInnen auszubaden.<\/p>\n<h4>  Widerstand organisieren<\/h4>\n<p>  Noch ist kein Antrag zur Rechtsform&#228;nderung in den Stadtrat eingebracht.   Doch die Zeit dr&#228;ngt. Die Besch&#228;ftigten m&#252;ssen sich organisieren und den   Widerstand vorbereiten. Am klarsten ist der Standpunkt der   ver.di-Betriebsgruppe im Krankenhaus Dresden Neustadt. Eine Vertreterin   dieser Gruppe erkl&#228;rte hierzu: &#8222;<i>Wir lehnen eine   Rechtsform&#228;nderung, egal welche, genauso ab wie weitere   Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Wir werden gegen Lohnverlust   ebenso k&#228;mpfen wie gegen die Verschlechterung der Behandlung der   PatientInnen. Wir fordern alle Besch&#228;ftigten des Krankenhauses auf uns   zu unterst&#252;tzen.<\/i>&#8220;<\/p>\n<h5>  Kontakt zur ver.di-Betriebsgruppe: bg-khdn@web.de<\/h5>\n<p>  <i>Steve K&#252;hne ist Mitglied des SAV-Bundesvorstands. Er lebt in Dresden. <\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <i>Droht den letzten zwei Krankenh&#228;usern im kommunalem Eigenbetrieb in<br \/>\n      Sachsen eine GmbH-Gr&#252;ndung?<\/i><br \/><img src=\"\/media\/2007\/pflaster.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n Seit 17 Jahren wird die Rechtsform der Krankenh&#228;user Dresden Neustadt und<br \/>\n      Dresden Friedrichstadt immer wieder diskutiert. 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