{"id":12037,"date":"2007-03-20T16:32:03","date_gmt":"2007-03-20T16:32:03","guid":{"rendered":".\/?p=12037"},"modified":"2007-03-20T16:32:03","modified_gmt":"2007-03-20T16:32:03","slug":"12037","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/12037\/","title":{"rendered":"Airbus: Selbstbewusste Kampfansage der KollegInnen"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Airbus.jpg\">  Der Spielbudenplatz auf der Reeperbahn in Hamburg war heute Mittag   lebendiger als an manchem Samstag Abend. 20.000 Kollegen und Kolleginnen   der Airbus-Werke aus Deutschland waren zu der Protestaktion der IG   Metall angereist. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Andreas, Hamburg und Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Nicht nur sie. Viele Angeh&#246;rige standen Seite an Seite mit den   Besch&#228;ftigten. Die Stimmung war laut, k&#228;mpferisch und solidarisch. Auf   vielen Transparenten standen Losungen wie &#8222;Wir lassen uns nicht spalten-   Airbus bleibt erhalten&#8220; oder &#8222;Kampf um jeden Arbeitsplatz- Keine   Entlassungen&#8220;. Dementsprechend ernteten die k&#228;mpferischsten Ansagen von   der Rednertrib&#252;ne auch den lautesten Applaus. So wurde der Ausspruch von   J&#252;rgen Peters &#8222;Wer uns angreift, greift uns alle an&#8220; mit tosendem   Beifall beantwortet. Diese lautstarke Manifestation der Kolleginnen und   Kollegen ist  eine selbstbewusste Kampfansage an das sogenannte   &#8222;Sanierungsprogramm Power 8&#8220; des Managements. Einer der Kollegen sagte   treffend &#8222;die machen die Fehler und wir sollen das ausbaden&#8220;. Bis zu   10.000 KollegInnen sollen europaweit auf die Stra&#223;e geworfen werden.   Deswegen war dieser europaweite Aktionstag ein erster Schritt in die   richtige Richtung. <\/p>\n<h4>  &#8222;Haut den Bossen auf die Flossen- Widerstand statt Arbeitslosigkeit&#8220;<\/h4>\n<p>  Im Gegensatz zu manch anderer Gewerkschaftsveranstaltung war diese   Kundgebung keine Altherrenaktion. In den Reihen der Kundgebung befanden   sich viele Jugendliche. Viele hatten selbstgemachte Schilder mit Slogans   wie &#8222;Arbeitslos? Keine Lehrstellen- nicht mit uns&#8220; oder &#8222;Haut den Bossen   auf die Flossen- Widerstand statt Arbeitslosigkeit&#8220;. Nicht nur viele   Azubis waren darunter, sondern auch Sch&#252;lerInnen. Insbesondere aus   Nordenham waren ganze Schulen mobilisiert worden. Dieser Schulterschluss   ist ein guter Anfang. Denn die Vernichtung von Arbeitspl&#228;tzen trifft   nicht nur die Entlassenen selbst. In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit   ist es in unser aller Interesse, dass um jeden Arbeitsplatz gek&#228;mpft   wird. Deswegen sollten Besch&#228;ftigte, Erwerbslose, Sch&#252;lerInnen und   Studierende gemeinsam auf die Stra&#223;e gehen. <\/p>\n<\/p>\n<p>  Laut reden, aber nix sagen<\/p>\n<p>  Skandal&#246;serweise lud die IG Metall verschiedene Ministerpr&#228;sidenten und   Spitzenpolitiker der CDU ein, auf dieser Kundgebung zu reden. Aus den   &#8222;Airbus-Bundesl&#228;nder&#8220; Hamburg, Bremen, Niedersachen und   Baden-W&#252;rttemberg waren unter anderem  die Ministerpr&#228;sidenten Wulff und   Oettinger dabei. Es ist wahrhaft ein Kunstst&#252;ck so viele wohlklingende   Versprechungen zu machen ohne irgendwas konkretes zuzusagen. Ein kleiner   Seitenhieb gegen das Management, einige Schmeicheleien und das   Versprechen &#8222;alles zu tun was m&#246;glich ist&#8220; &#8211; aber was genau eigentlich?   Im Grunde genommen stehen die KollegInnen nach diesen Reden mit   denselben leeren H&#228;nden da wie vorher.<\/p>\n<p>  Wulff und Oettinger sind nicht die ersten Politiker welche sich als   Anw&#228;lte bedrohter Belegschaften ausgeben. Ob beim Zechensterben im   Ruhrgebiet, dem Werftensterben an der K&#252;ste oder dem Holzmann-Konzern.   Nie hat es an Politikern gefehlt die &#8222;alles m&#246;gliche&#8220; versprochen haben   solange sich die KollegInnen &#8222;kompromissbereit&#8220; geben. Kompromissbereit-   das bedeutet auf wirkungsvolle Aktionen wie Streiks oder   Betriebsbesetzungen zu verzichten. Die Vernichtung Tausender von   Arbeitspl&#228;tzen haben diese Versprechungen noch nie verhindert. Deswegen   sollten wir uns nicht auf Leute verlassen, welche ein paar vage   Absichtserkl&#228;rungen abgeben und anschlie&#223;end in ihrer schicken Audi&amp;   Mercedes-Flotte wieder davonbrausen.<\/p>\n<p>  Hinzu kommt, dass diese Herren der Kundgebung einen bewusst   &quot;deutsch-nationalen&quot; Charakter gaben. Sie wollen die &quot;deutschen   Interessen&quot; verteidigen statt der Interessen der bei Airbus abh&#228;ngig   Besch&#228;ftigten in allen L&#228;ndern und Fabriken. Nichts liegt ihnen ferner   als internationale Solidarit&#228;t. So muss sich die IG Metall-F&#252;hrung den   Vorwurf gefallen lassen, dass sie mit dieser Art von Kundgebung   nationalistischen Vorurteilen den Weg ebnet. Die Tatsache, dass die   urspr&#252;nglich angek&#252;ndigte gemeinsame internationale Demonstration der   Airbus-Besch&#228;ftigten aller L&#228;nder in Br&#252;ssel kurzfristig abgesagt worden   war und es dann nur zu einem &quot;Internationalen Aktionstag&quot; mit nationalen   Aktionen kam, ist vor diesem Hintergrund noch kritikw&#252;rdiger. <\/p>\n<h4>  Her mit dem Kampfprogramm<\/h4>\n<p>  J&#252;rgen Peters kommentiert die Politiker-Reden treffend &#8222;Wir werden die   Politiker an ihren Taten, nicht an ihren Worten messen&#8220;. Sehr richtig.   Das gilt aber auch f&#252;r die zust&#228;ndigen Gewerkschaftsfunktion&#228;re. Zwar   sprach Peters davon, dass &#8222;wir europaweit zusammen stehen&#8220; und &#8222;alle   Standorte m&#252;ssen eine Zukunft haben&#8220;. Aber konkrete Forderungen und   Ma&#223;nahmen hat er auch nicht pr&#228;sentiert. Eigentlich hat er nur gesagt   was ohnehin schon klar war. Angesichts der Massenentlassung ist ein   europaweiter Aktionstag ein Anfang, mehr aber auch nicht. Wie k&#246;nnen wir   es schaffen, dass jeder Arbeitsplatz erhalten wird? Und wie kann in   Zukunft das Missmanagement verhindert werden? <\/p>\n<p>  Solch ein Kampfprogramm k&#246;nnen nur die Belegschaften selbst entwickeln.   Aus den  Erfahrungen der letzten Arbeitsk&#228;mpfe m&#252;ssen die notwendigen   Schlussfolgerungen gezogen werden. Zum Beispiel haben die Hafenarbeiter   durch europaweite Proteste das &#8222;Port Package&#8220;, welches die   Arbeitsbedingungen verschlechtert h&#228;tte, kippen k&#246;nnen. Vor kurzem   konnten die Hamburger Hafenarbeiter nun durch Verweigerung der   &#220;berstunden die Privatisierungspl&#228;ne des Hamburger Senats in die   Schranken weisen. Diese Beispiele zeigen, dass Streikaktionen das   wirkungsvollste Mittel sind, um sich zu wehren. Solange die Power 8   Pl&#228;ne nicht vom Tisch sind, sollten entsprechende Streikma&#223;nahmen   vorbereitet werden. Die spontanen Arbeitsniederlegungen in Varrel,   Nordenham und Laupheim und auch in Frankreich waren instinktiv die   richtige Antwort. Mit Medienspektakeln allein kann nicht genug Druck   entstehen. Und sollten die Streiks nicht gen&#252;gen, w&#228;re es ja auch   denkbar wie bei Opel Bochum f&#252;r ein paar Tage   Informationsveranstaltungen durchzuf&#252;hren. <\/p>\n<p>  N&#246;tig ist ein entschlossener und international koordinierter Kampf.   &#196;hnlich wie es die Belegschaft bei Opel Bochum im Herbst 2004 tat,   sollte die Arbeit unbefristet niedergelegt werden. Eine internationale   Konferenz von Airbus-Vertrauensleuten k&#246;nnte einen solchen Arbeitskampf   einleiten und aus ihrer Mitte ein internationales Streikkomitee   demokratisch w&#228;hlen. IG Metall, die anderen DGB-Gewerkschaften und der   Europ&#228;ische Gewerkschaftsbund w&#228;ren aufgerufen eine bundes- und   europaweite Solidarit&#228;tskampagne mit Demonstrationen und   Solidarit&#228;ts-Arbeitsniederlegungen zu organisieren. Vor etwas mehr als   zwanzig Jahren sorgte hielt der Arbeitskampf der Krupp-Stahlkocher in   Duisburg-Rheinhausen die ganze Republik im Atem. Es kam zu einer   Generalstreik-&#228;hnlichen Situation im Ruhrgebiet. Die Airbus-Belegschaft   kann sich der Unterst&#252;tzung der Mehrheit der Bev&#246;lkerung in den Regionen   der verschiedenen Werke sicher sein, wenn diese denn effektiv durch die   Gewerkschaften organisiert w&#252;rde. Auch WASG und Linkspartei.PDS m&#252;ssten   dazu durch eine wirksame &#214;ffentlichkeitskampagne und praktische   Unterst&#252;tzung ihren Beitrag leisten. <\/p>\n<p>  Wie bei Opel Bochum und Krupp Rheinhausen sollten die Airbus-KollegInnen   nicht darauf warten, dass die Gewerkschaftsapparate entschlossene   Kampfma&#223;nahmen einleiten. Es bedarf organisierten Druck von der   Gewerkschaftsbasis und selbst&#228;ndige Initiativen und Aktionen von unten,   um wirklichen Widerstand zu entwickeln. <\/p>\n<h4>  Uns interessiert nicht die Profitrate sondern unsere Zukunft!<\/h4>\n<p>  Eines ist klar: Nicht die KollegInnen aus den Werken sind ein Hindernis   f&#252;r die Entwicklung von Airbus, sondern die Profitmacherei.<\/p>\n<p>  Trotz voller Auftragsb&#252;cher und steigender Produktivit&#228;t werden bei   Airbus und Boing Tausende auf die Stra&#223;e geworfen, weil die Profitrate   nicht stimmt.  Deswegen d&#252;rfen sich die Belegschaften, egal in welchem   Land, egal in welchem Konzern, nicht gegeneinander ausspielen lassen.   Uns interessiert nicht die Profitrate, sondern dass wir und unsere   Kinder eine Zukunft haben. Nicht wir sind &#252;berfl&#252;ssig, sondern diese   krankhafte Profitsucht!<\/p>\n<h5>  Deshalb muss der Kampf um folgende Forderungen gef&#252;hrt werden:<\/h5>\n<p>  &#8211; Erhalt aller Arbeitspl&#228;tze bei Airbus<\/p>\n<p>  &#8211; Nein zu Ausgliederungen und Lohnverzicht<\/p>\n<p>  &#8211; F&#252;r die &#220;berf&#252;hrung des Konzerns in einhundert Prozent &#246;ffentliches   Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die   Belegschaft und demokratisch gew&#228;hlte GewerkschaftsvertreterInnen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Airbus.jpg\"><br \/>\n      Der Spielbudenplatz auf der Reeperbahn in Hamburg war heute Mittag<br \/>\n      lebendiger als an manchem Samstag Abend. 20.000 Kollegen und Kolleginnen<br \/>\n      der Airbus-Werke aus Deutschland waren zu der Protestaktion der IG<br \/>\n      Metall angereist.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12037"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12037"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12037\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12037"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12037"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12037"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}