{"id":12030,"date":"2007-03-16T15:00:42","date_gmt":"2007-03-16T15:00:42","guid":{"rendered":".\/?p=12030"},"modified":"2007-03-16T15:00:42","modified_gmt":"2007-03-16T15:00:42","slug":"12030","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/12030\/","title":{"rendered":"Israel: Postbesch&#228;ftigte st&#252;rmen Gewerkschaftszentrale"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Israel_2007-02-20.jpg\">  Bis zu einhundert mit Zeitvertr&#228;gen ausgestattete Arbeitskr&#228;fte des   israelischen Postdienstleisters Do`ar Israel haben gestern zusammen mit   Mitgliedern von Maavak Sotzialisti und anderen AktivistInnen vor der   Zentrale des Gewerkschaftsverbands Histadruthh in Tel Aviv protestiert.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Shahar Ben-Khorin, 20. Februar 2007<\/i><\/p>\n<p>  Grund f&#252;r den Protest war die gro&#223;e Wut und Emp&#246;rung der ArbeiterInnen   &#252;ber den Verrat ihres Kampfes durch die Histadruth-F&#252;hrung. Die   ArbeiterInnen k&#228;mpfen f&#252;r unbefristete Arbeitsvertr&#228;ge, das Ende der   prek&#228;ren Arbeitsbedingungen und gegen die Schikanen des Managements, das   die ArbeiterInnen als &#8222;Deppen&#8220; bezeichnete.<\/p>\n<p>  Die Belegschaft der Firma besteht sowohl aus j&#252;dischen wie arabischen   Israelis. Viele von ihnen haben Zeitvertr&#228;ge mit einer H&#246;chstlaufzeit   von 15 Jahren, was zunehmend f&#252;r israelische ArbeiterInnen zutrifft, die   von profitgeilen, ausbeuterischen Zeitarbeitsfirmen vermittelt werden.   Diese Besch&#228;ftigten werden nach der Zahl der von ihnen ausgeteilten   Briefe und nicht nach Arbeitsstunden bezahlt. Die meisten von ihnen   bringen um die 3000,- NIS (545,- &#8364;) monatlich mit nach Hause. Der   offizielle Mindestlohn liegt in Israel bei 3585,- NIS (650,- &#8364;), womit   nicht einmal die Kosten f&#252;r den Grundbedarf an Lebensmittlen und   Mietkosten bestritten werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Der Gewerkschaftsverband Histadruth hat immer behauptet, gegen   Zeitarbeitsagenturen zu sein, die momentan 10 Prozent der israelischen   ArbeiterInnen besch&#228;ftigen. Dennoch haben sie keinen ernsthaften Kampf   dagegen gef&#252;hrt. Im Gegenteil hat Histadruth vor drei Jahren sogar eine   Vereinbarung mit den Zeitarbeitsfirmen unterschrieben, welche einen   bestimmten Prozentsatz festlegt, der den Besch&#228;ftigten mit Zeitvertr&#228;gen   von ihrem Einkommen abgezogen wird. Diese Regelung findet auf die nun   k&#228;mpfenden Postbesch&#228;ftigten ebenfalls ihre Anwendung. Allerdings werden   sie von der Histadruth nicht einmal als volle Gewerkschaftsmitglieder   anerkannt. Der derzeitige Vorsitzende der Histadruth, Ofer Eyni,   versprach, dass die Gewerkschaft f&#252;r unbefristete Vertr&#228;ge f&#252;r die   PostkollegInnen k&#228;mpfen wird. Trotzdem hat Histadruth nichts   unternommen, um dieses Versprechen einzul&#246;sen. Im vergangenen Jahr   handelte die Histadruth-F&#252;hrung einen Deal mit der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung der   Postfirma aus, worin vereinbart wurde, dass die ArbeiterInnen nicht zum   st&#228;ndigen Personal gez&#228;hlt werden, sollten juristische Schritte zur   rechtlichen Gleichstellung durch die Belegschaft unternommen werden.<\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen (darunter viele Frauen) &#252;berkam die Angst entlassen zu   werden, weil sie an einer Protestaktion w&#228;hrend der Arbeitszeit   teilgenommen hatten. Sie entschieden sich daher daf&#252;r, ihren Kampf vor   die vornehme Zentrale der B&#252;rokratie des Gewerkschaftsverbands   Histadruthh zu tragen.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaftsf&#252;hrer versteckt sich in seinem B&#252;ro<\/h4>\n<p>  Eine gro&#223;e Zahl von ArbeiterInnen versammelte sich drau&#223;en vor der   Histadruth-Zentrale und skandierte: &#8222;Histadruth ist die Heimat der   ArbeiterInnen, doch Eynis Clique ruiniert sie!&#8220; und &#8222;F&#252;r eine Histadruth   der ArbeiterInnen &#8211; nicht der Ellenbogentypen!&#8220;. Nach einer Weile kochte   die Wut der ArbeiterInnen &#252;ber und sie gingen in das Geb&#228;ude, um ein   Treffen mit Eyni einzufordern. Die schweren T&#252;ren zu Eynis B&#252;ro waren   verschlossen und den ArbeiterInnen wurde gesagt, dass er nicht im Hause   sei. Es gab nicht best&#228;tigte Ger&#252;chte, wonach er doch vor Ort sei, die   ArbeiterInnen aber nicht treffen wolle.<\/p>\n<p>  Ein anderer Histadruth-Funktion&#228;r, Jihad Akel, der selbst   israelisch-arabisches Mitglied der der Kommunistischen Partei   zugeh&#246;rigen Organisation Hadash ist, kam dann heraus, um mit den   Protestierenden zu sprechen. Hadash ist Teil der Koalition, die die   Histadruth anf&#252;hrt. Akel sagte, dass er ihren Kampf unterst&#252;tzt und die   Zeitarbeitsagenturen ablehnt. Er machte allerdings auch seine   uneingeschr&#228;nkte Unterst&#252;tzung f&#252;r den Histadruth-Vorsitzenden Eyni   klar. Die ArbeiterInnen hatten all dies schon einmal geh&#246;rt und riefen:   &#8222;Eyni &#8211; der Verr&#228;ter. Z&#228;hlen Arbeiter nichts?&#8220;<\/p>\n<p>  Akel beschuldigte die ArbeiterInnen, auf Anweisung der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung   von Do`ar Israel vor die Histadruth-Zentrale gekommen zu sein. Unfassbar   war, dass der Hisradrut-Funktion&#228;r einem israelisch-arabischen   Postbesch&#228;ftigten entgegenhielt den Mund zu halten, als dieser gegen die   Verleumdungen protestierte.<\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen forderten mehr als nur leere Versprechungen aktiv zu   werden. Nach einer Weile versprach die Histadruth-F&#252;hrung dann, eine   Reihe von Treffen mit den Besch&#228;ftigten zu organisieren, um eine   Kampagne f&#252;r unbefristete Arbeitsvertr&#228;ge zu starten.<\/p>\n<p>  Die gestrigen Proteste vor der Histadruth-Zentrale fanden hervorragenden   Niederschlag in den Fernseh-Hauptnachrichten am Abend. Weitere Proteste   sind in Planung.<\/p>\n<p>  Die mit Zeitvertr&#228;gen ausgestatteten Postbesch&#228;ftigten werden hochgradig   ausgebeutet und sehen sich einer boshaften Gesch&#228;ftsf&#252;hrung gegen&#252;ber.   Maavak Sotzialisti ruft weltweit GewerkschaftsaktivistInnen und   SozialistInnen dazu auf, Solidarit&#228;tsadressen an doar@maavak.org.il zu   senden.<\/p>\n<p>  <i>Shahar Ben-Khorin ist Mitglied der Gruppe Maavak Sotzialisti   (Sozialistischer Kampf; Schwesterorganisation der SAV und Sektion des   CWI in Israel\/Pal&#228;stina). Er lebt in Tel Aviv.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Israel_2007-02-20.jpg\"><br \/>\n      Bis zu einhundert mit Zeitvertr&#228;gen ausgestattete Arbeitskr&#228;fte des<br \/>\n      israelischen Postdienstleisters Do`ar Israel haben gestern zusammen mit<br \/>\n      Mitgliedern von Maavak Sotzialisti und anderen AktivistInnen vor der<br \/>\n      Zentrale des Gewerkschaftsverbands Histadruthh in Tel Aviv protestiert.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12030"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12030"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12030\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}