{"id":12026,"date":"2007-03-19T00:43:28","date_gmt":"2007-03-19T00:43:28","guid":{"rendered":".\/?p=12026"},"modified":"2007-03-19T00:43:28","modified_gmt":"2007-03-19T00:43:28","slug":"12026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/12026\/","title":{"rendered":"&#8222;Raubkopierer&#8220; sind Verbrecher?"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/raubkopierer.jpg\">  Ich kann heute keine DVD mehr bekommen, bei der ich nicht als   potenzieller &#8222;Raubkopierer&#8220; gewarnt werde vor den Verbrechen, die ich   m&#246;glicherweise im Sinn hatte. Neue CDs lassen sich vorsichtshalber auf   meinem Computer gar nicht erst abspielen &#8211; Kopierschutz nennt man das   dann. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Besucher einer Film-Preview in Hamburg wurden beim Betreten des   Saals ohne Vorank&#252;ndigung einer Leibesvisitation durch Besch&#228;ftigte der   Firma 20th Century Fox unterzogen, &#220;berwachung mit Nachtsichtger&#228;ten   w&#228;hrend der Vorf&#252;hrung inklusive.<\/p>\n<p>  Tausende Nutzer von Online-Tauschb&#246;rsen werden mit Abmahnungen zur Kasse   gebeten, und die Bereitstellung von Songtexten im Internet kam   zahlreiche Webmaster von Fan-Seiten teuer zu stehen: 1.600 Euro pro   angebotenem Songtext. Der Hauptfeind der Konzerne der Medien- und   Unterhaltungsindustrie sind nach wie vor die KonsumentInnen, die Fans,   die eigenen Kunden. Mit der geballten Macht von Propaganda, juristischen   und technischen Mitteln haben sie diesem Feind den Kampf angesagt.<\/p>\n<p>  Die Rechtfertigung: illegales Kopieren und Tauschen von Filmen, Musik,   Software und anderen gesch&#252;tzten Produkten &#252;ber das Internet sei   verantwortlich f&#252;r die enormen Umsatzverluste der Branche und damit auch   f&#252;r den Verlust von Tausenden von Arbeitspl&#228;tzen.<\/p>\n<h4>  Die Behauptungen sind so dreist wie sie falsch sind<\/h4>\n<p>  Tats&#228;chlich werden in der Branche immer noch gewaltige Gewinne gemacht:   Der Medienkonzern Vivendi rechnete f&#252;r das Jahr 2006 mit 2,6 Milliarden   Euro Gewinn.<\/p>\n<p>  Walt Disney verf&#252;nffachte im letzten Quartal die Gewinne seiner   Filmsparte auf 604 Millionen Dollar. In Arbeitspl&#228;tze werden die aber   nicht investiert.<\/p>\n<p>  Die Berechnung der so genannten Verluste durch Raubkopien erfolgt in der   Medienbranche auf &#228;u&#223;erst kreative Weise: 32,7 Milliarden US-Dollar   Schaden durch Software-Raubkopien ermittelte eine Studie im Auftrag des   weltweiten Industrieverbands BSA &#8211; allein f&#252;r das Jahr 2004! Anhand von   Untersuchungen in einigen L&#228;ndern wurde der &#8222;durchschnittliche   Softwarebedarf&#8220; eines PCs definiert. Dann wurde auf j&#228;hrlicher Grundlage   die Differenz zwischen diesem &#8222;Bedarf&#8220; und der tats&#228;chlich verkauften   Software ermittelt und mit dem Originalpreis multipliziert. Dass niemand   sich j&#228;hrlich mit neuer, mehrere hundert Euro teurer Software   ausstattet, und dass die meisten Menschen sich ohne illegale Kopien den   Gro&#223;teil der Software auf ihrem Computer gar nicht leisten k&#246;nnen, ficht   diese Rechner nicht an.<\/p>\n<h4>  Auch viele K&#252;nstler gehen leer aus<\/h4>\n<p>  Wichtiger ist aber das immer wieder vorgebrachte Argument, Raubkopien   schadeten den K&#252;nstlerInnen &#8211; das &#252;berzeugt viele. Denn wer m&#246;chte nicht   die Kultur f&#246;rdern? Wer m&#246;chte schon schuld sein am Ruin von   hoffnungsvollen Nachwuchsbands?<\/p>\n<p>  Die meisten Bands bekommen von den Profiten der Plattenfirmen nichts   oder nur sehr wenig ab, und auch sonst sieht es in der Branche eher   mager aus: Gerade einmal 10.000 Euro im Jahresdurchschnitt verdient der   gew&#246;hnliche Kulturschaffende in Deutschland.<\/p>\n<p>  Die typische Situation bei den gro&#223;en Plattenfirmen beschreibt Steve   Albini (er war unter anderem Produzent von Nirvana): Eine Newcomer-Band,   die mit &#8222;Vorauszahlungen&#8220; in H&#246;he von 250.000 Dollar zu einem gro&#223;en   Plattenlabel gelockt wird, erh&#228;lt am Ende der Paragrafen 4.031,25 Dollar   pro Bandmitglied, bei der Plattenfirma verbleiben 710.000 Dollar. Dabei   bleibt die Band dem Label verpflichtet und hat keine Chance, dem Vertrag   zu entkommen. S&#228;mtliche Rechte f&#252;r die Musik gehen nat&#252;rlich an die   Firma, das hei&#223;t die K&#252;nstler k&#246;nnen noch nicht einmal kostenlose   Exemplare an ihre Freunde verschenken oder ihre eigenen Songs &#246;ffentlich   auff&#252;hren ohne Genehmigung des Labels.<\/p>\n<p>  Man kann es drehen und wenden, wie man will &#8211; das wof&#252;r die   Unterhaltungsindustrie produziert, sind nicht die Kunden, nicht die   K&#252;nstler &#8211; es ist allein der Profit. Und daf&#252;r sollen wir zahlen?!  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/raubkopierer.jpg\"><br \/>\n      Ich kann heute keine DVD mehr bekommen, bei der ich nicht als<br \/>\n      potenzieller &#8222;Raubkopierer&#8220; gewarnt werde vor den Verbrechen, die ich<br \/>\n      m&#246;glicherweise im Sinn hatte. 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