{"id":12018,"date":"2007-03-16T00:38:34","date_gmt":"2007-03-15T23:38:34","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12018"},"modified":"2012-12-15T14:01:51","modified_gmt":"2012-12-15T13:01:51","slug":"12018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/12018\/","title":{"rendered":"Neue Arbeiterparteien: Internationale Entstehung neuer Formationen und die Haltung von MarxistInnen"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00a0Bericht vom <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/?swid=2\">9. Weltkongress des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (CWI)<\/a> , Januar 2007, Teil 4<\/em><br \/>In einer lehrreichen Sitzung diskutierte der CWI-Kongress \u00fcber neue linke Parteien und Arbeiterparteien, deren Perspektiven und die Haltung, die MarxistInnen und ArbeiterInnen gegen\u00fcber ihnen und ihrem jeweiligen Programm einnehmen sollten.<!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><strong>Parteien und Organisationen, die dabei Beachtung fanden, waren die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG), die Partei f\u00fcr Sozialismus und Freiheit (PSOL; Brasilien), das Komitee f\u00fcr eine andere Politik (CAP, Belgien), die Scottish Socialist Party sowie die neu gegr\u00fcndete Formation Solidarity, die Socialistische Partij (SP, Niederlande), die Partito della Rifondazione Comunista (PRC, Italien) und der Bloco de Esquerda (Linksblock) in Portugal.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Per-\u00c5ke Westerlund<\/em><\/p>\n<p>Kevin Simpson leitete die Diskussion ein und Tony Saunois vom Internationalen Sekretariat des CWI hielt das Schlusswort. 18 Delegierte und G\u00e4ste aus Lateinamerika, Afrika, Europa und den USA trugen ihre Ansichten zum Meinungsaustausch bei.<\/p>\n<p>Das CWI, die ihm angeschlossenen Organisationen und Parteien machten seit den fr\u00fchen 1990ern auf die dringliche Notwendigkeit zum Aufbau neuer Arbeiterparteien in vielen L\u00e4ndern aufmerksam. Dieses Unterfangen stellt einen lebendigen Beitrag zur St\u00e4rkung und Reorganisation der internationalen Arbeiterklasse dar. Der Ansatz resultiert aus dem Rechtsruck, den die sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien vollzogen haben, die seit den Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkriegs traditionell in der Arbeiterklasse Unterst\u00fctzung fanden. Seit den fr\u00fchen 1990er Jahren erkl\u00e4rte das CWI, dass diese Parteien einem Prozess der Verb\u00fcrgerlichung unterliegen. Damit meinten wir, dass diese Parteien einer derart tiefgreifenden Bewegung nach rechts unterliegen, dass ArbeiterInnen und junge Menschen sie nicht l\u00e4nger als \u201eihre Parteien\u201c betrachten.<\/p>\n<p>Einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr den Rechtsruck waren die Forderungen der Kapitalistenklasse nach Implementierung einer neoliberalen Politik und die Konsequenzen der kapitalistischen Globalisierung und deren Wirkung auf die F\u00fchrungen der Arbeiterbewegung. Zweifelsohne wurde diese Tendenz durch den Zusammenbruch der Sowjetunion verst\u00e4rkt. Er erm\u00f6glichte es der internationalen Kapitalistenklasse, in einer ideologischen Offensive den \u201eSozialismus\u201c als offensichtlich gescheiterte Idee darzustellen, w\u00e4hrend der freie Markt gesiegt habe.<\/p>\n<p>Als Regierungsmitglied \u00fcbernahmen viele der fr\u00fcheren Arbeiterparteien den neoliberalen Ansatz, was zur vollkommenen Transformation zu Parteien f\u00fchrte, die von einem gr\u00f6\u00dfer werdenden Teil der Arbeiterklasse gehasst werden.<\/p>\n<p>Das hinterlie\u00df weltweit ein gro\u00dfes Vakuum bez\u00fcglich der politischen Repr\u00e4sentanz der internationalen Arbeiterklasse. Aus diesem Grund riefen das CWI und die ihm angeschlossenen Organisationen zum Aufbau neuer Arbeiterparteien auf und f\u00fchrten daf\u00fcr in einer zunehmenden Anzahl von L\u00e4ndern Kampagnen. Das bedeutet keineswegs, dass die dem CWI angeschlossenen Organisationen und Parteien ein und dieselbe Taktik von unabh\u00e4ngiger Arbeit in allen L\u00e4ndern anwendeten. Es kam immer auf die politische Situation im jeweiligen Land an und auf das Bewusstsein der jeweiligen nationalen Arbeiterklasse. In Indien arbeiteten unsere GenossInnen bis Ende der 1990er Jahre in den kommunistischen Parteien. Dies war der Fall aufgrund der Unterst\u00fctzung, die den KP&#8220;s von Teilen der indischen Arbeiterklasse entgegengebracht wurde. In Nigeria trugen die GenossInnen zur Gr\u00fcndung der NCP (National Conscience Party) bei und traten anschlie\u00dfend 1994 in diese ein. Es handelte sich hierbei zwar eher um eine radikale als um eine auf sozialistischen Ideen basierende neue Arbeiterpartei. Aber dennoch stellte sie aufgrund des Fehlens einer neuen Arbeiterpartei eine wichtige Entwicklung dar, die von vielen ArbeiterInnen und jungen Menschen verfolgt wurde.<\/p>\n<p>Zur selben Zeit, da sie ihren Beitrag zur St\u00e4rkung der Arbeiterbewegung leisteten und Kampagnen zum Aufbau neuer Arbeiterparteien f\u00fchrten, bem\u00fchten sich die Mitglieder des CWI darum, ArbeiterInnen und Jugendlichen f\u00fcr die Organisation bzw. Parteien des CWI zu gewinnen. Dies geschah, um die Kr\u00e4fte f\u00fcr eine sozialistische Revolution aufzubauen.<\/p>\n<p>Wegen der komplexeren internationalen Situation kam es \u00fcber diese Herangehensweise zu weiteren Diskussionen. Das Ergebnis war eine wichtige Auseinandersetzung innerhalb des CWI in den 1990ern, die die Rolle und Notwendigkeit einer revolution\u00e4ren Partei gegen\u00fcber jenen unterstrich, welche aufgrund des Drucks der heftigen Propaganda gegen den \u201eSozialismus\u201c an Abk\u00fcrzungen auf dem Weg zum Sozialismus glaubten und die Verw\u00e4sserung ihres politischen Programms und Profils betrieben.<\/p>\n<p>Die in dieser Sitzung des Weltkongresses aufgeworfenen Punkte erkl\u00e4rten den Prozess, der zur Gr\u00fcndung und zum speziellen Charakter bestimmter Formationen f\u00fchrte. Ein Beispiel war das der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) in Deutschland. Diese Partei entwickelte sich seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahre 2004 sehr schnell. Sie beweist, dass neue linke Parteien und Parteien der Arbeiterklasse als Ergebnis politisch-gesellschaftlicher Entwicklungen entstehen. Die Gr\u00fcndung der WASG folgte den sch\u00e4rfsten Klassenpolarisierung in der deutschen Gesellschaft seit \u00fcber 50 Jahren. Hierbei handelte es sich um das Ergebnis der h\u00e4rtesten je umgesetzten neoliberalen Programme einer zu jenem Zeitpunkt regierenden rot-gr\u00fcnen Regierung. Die Gr\u00fcndung der WASG stand im Zentrum der politischen Entwicklung in Deutschland \u2013 und die dortigen CWI-Mitglieder standen dabei in vorderster Reihe.<\/p>\n<h4>Polarisierung zwischen den Klassen<\/h4>\n<p>Wenn die Entwicklung dieser Parteien auch einer Radikalisierung der Gesellschaft geschuldet ist, so geschah dies am Anfang der Polarisierung zwischen den Klassen als Ergebnis der Regierungsbeteiligung von sozialdemokratischen und ehemals linken Parteien. Diese ver\u00fcbten in ihrer neuen Funktion neoliberale Angriffe gegen die Arbeiterklasse. Sind zwischen diesen Parteien zwar Unterschiede festzustellen, so handelt es sich hierbei um den gemeinsamen Charakter von PSOL, WASG und dem Linksblock. Im Vergleich dazu wurde die PRC 1991 in einer weitaus turbulenteren Periode anhaltender Klassenk\u00e4mpfe gegr\u00fcndet. Das schlug sich auch in ihrem erheblich radikaleren Programm, welches von einer sozialistischen Gesellschaft sprach, ihrer Massenmitgliedschaft von \u00fcber 100.000 und in der Unterst\u00fctzung durch die Jugend nieder. Die niederl\u00e4ndische SP war und ist ebenfalls stabiler. Teilweise, weil sie schon wesentlich l\u00e4nger existiert und aufgrund ihres Parteiapparats, ihrer Ortsgruppen sowie der Hauptamtlichen, die f\u00fcr sie t\u00e4tig sind. Obwohl sie in der Vergangenheit beeindruckende Wahlerfolge zu verzeichnen hatten, erreichten j\u00fcngere Parteien wie die SSP in Schottland und die WASG mit ihren maximal 2.500 bzw. 12.000 Mitgliedern im Gegensatz dazu keine Massenmitgliedschaft. Auch unter Jugendlichen konnten sie keine bedeutende Unterst\u00fctzung gewinnen.<\/p>\n<p>Einer der weitere Vorg\u00e4nge innerhalb dieser neuen Parteien war, dass ihre jeweilige F\u00fchrung kurz vor oder nach ersten Wahlerfolgen die Tendenz entwickelte, das Programm zu verw\u00e4ssern. Im Wahlkampf der PSOL f\u00fcr Heloisa Helena in Brasilien vergangenes Jahr war dies beispielsweise der Fall. Dasselbe war zuvor bei der F\u00fchrung der Scottish Socialist Party festzustellen. Die Rechtsentwicklung der Vorst\u00e4nde dieser Parteien lie\u00df diese f\u00fcr ArbeiterInnen unattraktiver und weniger kontrollierbar erscheinen. Diese Entwicklung stellt auch das zuk\u00fcnftige \u00dcberleben dieser Parteien in Frage. Trotz eines dort nicht vorhandenen eindeutig sozialistischen Programms taten die CWI-\/SAV-Mitglieder in Deutschland, genau das Richtige, als sie in die WASG eintraten, die in erster Linie von mittleren GewerkschaftsaktivistInnen und Funktion\u00e4ren gegr\u00fcndet wurde. Dieser Schritt wurde vollzogen, da eine Radikalisierung in der Gesellschaft bedeutete, dass Hunderttausende von ArbeiterInnen nach einer Alternative suchten. Die Beteiligung der SAV an der WASG lie\u00df es zu, dass wichtige Schichten von ArbeiterInnen und Jugendlichen, welche die neue WASG beobachteten, in Kontakt mit den sozialistischen Ideen und Vorschl\u00e4gen der SAV zum Aufbau einer neuen Partei kommen konnten. F\u00fcr viele war es das erste Mal, dass sie die M\u00f6glichkeit bekamen, Ans\u00e4tze und die Kampagnen-Strategie der SAV kennenzulernen.<\/p>\n<p>RednerInnen auf dieser Sitzung griffen das Beispiel aus Deutschland auf, um zu zeigen, warum es wichtig ist, nicht auf das \u201eperfekte\u201c Beispiel einer neuen Arbeiterpartei zu warten, sondern bei Organisationen mitzuarbeiten, die sich entwickeln und die Unterst\u00fctzung in der Arbeiterklasse genie\u00dfen. Eine solche Unterst\u00fctzung ist nicht garantiert und sie kann verspielt werden, wenn entscheidende Schritte in Richtung des Aufbaus einer k\u00e4mpferischen Alternative gegen\u00fcber den etablierten Parteien nicht getan werden. Ein Beispiel daf\u00fcr ist in Frankreich zu beobachten. Hier k\u00f6nnen wir die Folgen sehen, wenn Parteien wie Lutte Ouvri\u00e8re (LO; Arbeiterkampf) und die Ligue Communiste R\u00e9volutionnaire (LCR; Revolution\u00e4r-Kommunistischer Bund) M\u00f6glichkeiten zum Aufbau einer sozialistischen und revolution\u00e4ren Arbeiterpartei auslassen, nachdem sie gleich bei zwei Gelegenheiten hervorragende Wahlergebnisse erzielt haben. Ein Merkmal der politischen Situation in Frankreich ist die Kluft zwischen scharfen K\u00e4mpfen, die dort stattfinden, und dem Fehlen irgendeiner neuen politischen Initiative. Die Anpassung der LCR an die sozialdemokratische Parti Socialiste (PS) ist daf\u00fcr nur eine Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>In England und Wales initiierte die dortige CWI-Sektion Socialist Party (SP) 2005 die Campaign for a New Workers\u2019 Party (CNWP; Kampagne f\u00fcr eine neue Arbeiterpartei). CNWP sammelte 2.500 Unterschriften \u2013 die meisten von Einzelpersonen mit gewerkschaftlicher Funktion. 400 TeilnehmerInnen kamen zur CNWP-Konferenz und die SP-Mitglieder gehen davon aus, dass es ein weitaus gr\u00f6\u00dferes Potential f\u00fcr diese Kampagne in der kommenden Phase gibt, da zunehmende Arbeitsk\u00e4mpfe zu erwarten sind und jegliche Illusionen in einen k\u00fcnftigen Labour-Vorsitzenden Brown zerschmettert werden. Einige ultralinke Gruppen kritisieren das Programm der CNWP als zu begrenzt. Es handelt sich hierbei jedoch um eine Plattform, die Diskussionen mit breiteren Schichten von ArbeiterInnen und AktivistInnen erlaubt. W\u00e4hrend die CWI-Mitglieder darin zwar f\u00fcr ein sozialistisches Programm eintreten, ist es nicht m\u00f6glich am Beginn eines solchen Prozesses das Programm zu bestimmen, das eine neue Partei haben wird.<\/p>\n<p>Die CWI-Mitglieder von Grupy na rzecz Partii Robotniczej (GPR; Bewegung f\u00fcr eine Arbeiterpartei) in Polen sind Teil der neuen Polska Partia Pracy (PPP; Partei der Arbeit), die ihre Basis in erster Linie unter den k\u00e4mpferischsten Bergleuten hat. Das Programm der PPP stellt die Forderung nach einer Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit, einem h\u00f6heren Mindestlohn, Verstaatlichung illegaler Weise privatisierter Betriebe, dem Recht auf Abtreibung und dem Ende der US-Besatzung im Irak auf. Bei den Kommunalwahlen vergangenen September erzielte die PPP um die ein Prozent im Landesdurchschnitt, obwohl nicht in allen Wahlbezirken KandidatInnen aufgestellt wurden. Die GPR-Mitglieder, die f\u00fcr die PPP kandidierten, erreichten 800 Stimmen.<\/p>\n<p>Die Socialistische Partij in den Niederlanden erlangte 16,7 Prozent bei den j\u00fcngsten Parlamentswahlen (1,6 Millionen Stimmen). Diese Partei entstand aus einer maoistischen Organisation der 1960er Jahre, wird heute aber von ihrer Mitgliedschaft wie ihren W\u00e4hlerInnen als eine radikale, linke Partei angesehen. Ihre F\u00fchrung r\u00fcckte dennoch nach rechts und sie versuchte sogar, die M\u00f6glichkeit einer Regierungskoalition mit der niederl\u00e4ndischen sozialdemokratischen Partij van de Arbeid (PvdA; Arbeitspartei) offen zu halten.<\/p>\n<h4>\u201eRadikale\u201c Reden eines Oskar Lafontaine<\/h4>\n<p>Die Entwicklung der WASG wurde detailliert diskutiert. Bald nachdem sie gegr\u00fcndet wurde, erzielte sie 2005 bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen 2,2 Prozent und gemeinsam mit der PDS bei den Bundestagswahlen 8,7 Prozent bzw. 54 Sitze. Dies ist das Ergebnis des in der Bundesrepublik bestehenden politischen Vakuums und eines ehemaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine, der in den Vorstand der WASG gew\u00e4hlt wurde. Auf dem CWI-Weltkongress machten RednerInnen darauf aufmerksam, wie Lafontaine im Vorfeld der Berliner Abgeordnetenhauswahlen ein radikales Vokabular mit dem Plan kombinierte, durch die Fusion mit der PDS, der in der ehemaligen stalinistischen DDR herrschenden Partei, eine \u201everantwortungsbewusste\u201c linke Partei zu bilden.<\/p>\n<p>Die SAV spielte eine Schl\u00fcsselrolle dabei, in der WASG f\u00fcr antikapitalistischen Profils einzutreten. 2006 verhinderten SAV-Mitglieder diverse Versuche sie auszuschlie\u00dfen oder ihren Einfluss zu begrenzen. In den Auseinandersetzungen dar\u00fcber wurde SAV-Mitglied Lucy Redler in Berlin zu einer landesweit bekannten Figur und wurde \u00fcber dies als linke F\u00fchrungsperson in Berlin angesehen. Die Diskussion \u00fcber diesen Themenbereich umriss, dass die Fusion von WASG und PDS sehr wahrscheinlich stattfinden wird. Die Perspektive f\u00fcr die neue Partei bleibt offen, da die PDS-F\u00fchrung weiterhin K\u00fcrzungsma\u00dfnahmen auf kommunaler und regionaler Eben zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Auch die Perspektiven f\u00fcr die PRC wurden diskutiert. Diese ist nach den letzten Wahlen in die neue Regierung Prodi eingetreten. Trotz erster Zugest\u00e4ndnisse war der erste Haushalt dieser Regierung gegen die Arbeiterklasse gerichtet und die Kapitalisten dr\u00e4ngen auf weitere Attacken. Auf dem CWI-Weltkongress f\u00fchrten RednerInnen aus, dass die PRC die Koalitionsregierung immer noch verlassen k\u00f6nnte, wenn dies auch nicht wahrscheinlich sei. Auch Prodi k\u00f6nnte seinerseits die PRC aus der Regierung ausschlie\u00dfen. F\u00fcr den Moment braucht er sie jedoch als linkes Feigenblatt. RednerInnen aus Italien umrissen die Wahrscheinlichkeit weiterer Abspaltungen von Gruppen und einzelner AktivistInnen von der PRC, sollte diese weiterhin in der Regierung bleiben.<\/p>\n<p>Nach nicht einmal einem Jahr, seitdem dort \u00fcber die Gr\u00fcndung einer politischen Alternative diskutiert wurde, hat die CAP in Belgien bereits eine 650 TeilnehmerInnen z\u00e4hlende Konferenz abgehalten. Eine Schl\u00fcsselrolle bei der Gr\u00fcndung der CAP kam dabei auch drei \u00e4lteren ehemaligen sozialdemokratischen Abgeordneten sowie Gewerkschaftsf\u00fchrern zu. Die CWI-Sektion in Belgien, die Linkse Socialistische Partij\/Mouvement Pour Une Alternative Socialiste (LSP\/MAS) spielte eine wichtige Rolle bei der Gr\u00fcndung der CAP &#8211; besonders hinsichtlich der bevorstehenden Wahlen im Juni.<\/p>\n<p>Die Scottish Socialist Party (SSP) wurde von ehemaligen CWI-Mitglieder gef\u00fchrt. Diese haben das CWI verlassen und sich politisch in Richtung reformistischer und nationalistischer Positionen entwickelt. Im November 2004 wurde Tommy Sheridan, bekanntestes F\u00fchrungsmitglied der SSP, vom Rest des Parteivorstands ausgebootet. Als Tommy Sheridan die Boulevardzeitung News of the World verklagte, traten einige SSP-Vorst\u00e4nde als Zeugen f\u00fcr die Murdoch-Postille auf. Die International Socialists (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Schottland) machten sich letztes Jahr zusammen mit Sheridan an die Gr\u00fcndung von Solidarity &#8211; Scottish Socialist Movement (Solidarit\u00e4t \u2013 Schottische Sozialistische Bewegung), die bereits 700 Mitglieder hat. Die Gewerkschaften, die vormals der SSP angeschlossen waren, habe dieser nun den R\u00fccken gekehrt. Die schottischen Parlamentswahlen in diesem Fr\u00fchjahr werden f\u00fcr die weitere Entwicklung von Solidarity von \u00e4u\u00dferster Wichtigkeit sein.<\/p>\n<h4>Konzentration auf Wahlen<\/h4>\n<p>RednerInnen aus Brasilien skizzierten ihre Erfahrungen mit der rapiden Entwicklung von PSOL nach dem ersten Wahlerfolg Lulas als Kandidat der (PT; Arbeiterpartei). Anf\u00e4nglich stellten AktivistInnen dort die Frage, ob der Zeitpunkt zur Gr\u00fcndung einer neuen Partei wie PSOL schon gekommen sei. Die Alternative, die PSOL dann allerdings darstellte, verringerte die Frustration, die durch Lulas bald nach seiner Amtseinf\u00fchrung zum Pr\u00e4sidenten umgesetzten neoliberalen Ma\u00dfnahmen einsetzte. Noch vor den Pr\u00e4sidentschaftswahlen kam es zu einem Zustrom ehemaliger PT-Mitglieder und ganzer Gruppierungen in die PSOL, was die reformistischen und auf den Parlamentarismus gerichteten Tendenzen innerhalb der PSOL-F\u00fchrung wiederum st\u00e4rkte. Das Ergebnis war, dass der Parteitag der PSOL verschoben und der gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorstand durch das Wahlkampfteam von Helena Heloisa ersetzt wurde (sie war die Pr\u00e4sidentschaftskandidatin der PSOL). Das Potential der PSOL wurde nicht ausgesch\u00f6pft und die Unterst\u00fctzung, die auf ihrem H\u00f6chststand bei 12 Prozent lag, ging wieder zur\u00fcck. Der Block von PT-Abtr\u00fcnnigen in der PSOL dominiert mittlerweile den Vorstand. Socialismo Revolucionario (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Brasilien, A.d.\u00dc.) wird als Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr all die AktivistInnen und Fraktionen innerhalb der PSOL fungieren, die f\u00fcr eine demokratische und k\u00e4mpferische sozialistische Partei eintreten.<\/p>\n<p>Der Linksblock in Portugal hat acht Abgeordnete. Als Gesamtpartei nimmt er aber an Streiks und K\u00e4mpfen der Arbeiterklasse, die sich in Portugal entwickeln, nicht teil. Die Parteif\u00fchrung hat nicht die Perspektive, dass die Arbeiterklasse die Gesellschaft ver\u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>Die National Conscience Party (NCP) in Nigeria wurde noch zur Zeit der Milit\u00e4rdiktatur 1994 gegr\u00fcndet. Ihr Gr\u00fcnder ist ein radikaler Rechtsanwalt mit einem Reformprogramm f\u00fcr freie Bildung, Gesundheitsversorgung etc. Die NCP hatte das Potential, Studierende und ArbeiterInnen anzusprechen, die ein Ende der Milit\u00e4rdiktatur wollten. Das Democratic Socialist Movement (DSM; Demokratische Sozialistische Bewegung) trat als Mitbegr\u00fcnder der NCP in Erscheinung. Als 1999 die zivile Herrschaft begann, \u00fcbergab das Milit\u00e4r die Macht an drei Parteien, die eigens daf\u00fcr gegr\u00fcndet wurden. Das DSM, die Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Nigeria, begann mittels seiner Ortsgruppen und aktiven Mitgliedschaft die NCP aufzubauen. Trotz manipulierter Wahlen wurde ein DSM-Mitglied 2002 Dritter bei den Wahlen im Bundesstaat Lagos. Seit der ehemalige Vorsitzende der NCP die Partei verlassen hat, versucht eine neue rechtere Parteif\u00fchrung dem DSM den Zeitungsverkauf zu verbieten und schloss sp\u00e4ter sogar den DSM-Vorsitzenden Segun Sango zeitweise aus, der gleichzeitig Vorsitzender der NCP in Lagos war. Was letztlich auch Ergebnis dieser Auseinandersetzungen sein wird, das DSM ist f\u00fcr die bevorstehenden Wahlen und Arbeitsk\u00e4mpfe gut ger\u00fcstet.<\/p>\n<p>Diese Sitzung des CWI-Weltkongresses er\u00f6rterte die M\u00f6glichkeiten zuk\u00fcnftiger Entwicklungen neuer Parteien und Organisationen, auf die sich die Arbeiterklasse orientieren und an denen sie sich beteiligen wird. Die Redebeitr\u00e4ge zeigten, dass CWI-Mitglieder alles in ihrer Macht Stehende tun werden, um solche Formationen zu st\u00e4rken \u2013 als Teil des Kampfes zur Verbreitung tats\u00e4chlich sozialistischer Ideen innerhalb der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p><em>Per-\u00c5ke Westerlund ist Mitglied der R\u00e4tttvisepartiet Socialisterna, schwedische Sektion des CWI, und im Internationalen Vorstand des CWI. Der Artikel erschien zuerst in englischer Sprache am 28. Februar 2007 auf www.socialistworld.net<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom 9. 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