{"id":12007,"date":"2007-03-11T00:00:14","date_gmt":"2007-03-11T00:00:14","guid":{"rendered":".\/?p=12007"},"modified":"2007-03-11T00:00:14","modified_gmt":"2007-03-11T00:00:14","slug":"12007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/12007\/","title":{"rendered":"Irak \/ USA: &#8222;Die Wut gegen Bush und den Krieg w&#228;chst&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  <i>Interview mit Ty Moore, Antikriegsaktivist und Mitglied bei Socialist   Alternative &#8211; der SAV-Schwesterorganisation in den USA<\/i><br \/><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Irak-GetOutNow.jpg\">  Ty Moore lebt in Minneapolis. Gemeinsam mit anderen gelang es ihm, aus   Protest gegen die Politik von US-Pr&#228;sident George Bush im Irak zwei   Sch&#252;lerstreiks in den Nachbarst&#228;dten Minneapolis und St. Paul zu   organisieren; an den beiden Kundgebungen nahmen einmal 600, einmal 2.000   DemonstrantInnen teil.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Das Gespr&#228;ch mit Ty Moore f&#252;hrte Katie Quarles.<\/i><\/p>\n<h5>  Bush will jetzt weitere 21.500 Truppen in den Irak schicken. Gibt es   Widerstand dagegen?<\/h5>\n<p>  Den Meisten ist klar, dass Bush gelogen hat, um diesen furchtbaren Krieg   anzufangen. Widerstand dagegen gibt es schon lange. Vor Kriegsbeginn, am   15. Februar 2003, gingen &#252;ber eine Million Menschen in den USA auf die   Stra&#223;e. Nach Kriegsbeginn ging die Bewegung erstmal drastisch zur&#252;ck. In   den vier Jahren danach hat es aber mehrere Proteste gegeben mit   Hunderttausenden TeilnehmerInnen. Die Zwischenwahlen im November wurden   als Volksabstimmung gegen den Krieg gewertet. Dass Bush so eine   Wahlschlappe einstecken musste &#8211; vor allem im Vergleich zu den Wahlen   2004 &#8211; zeigt, inwieweit sich die Stimmung gewandelt hat.<\/p>\n<p>  Als Bush direkt danach noch die Truppenaufstockung bekannt gab, wuchs   die Wut gegen Bush und den Krieg massiv. Am 10. Januar, dem Tag nach der   Bekanntgabe der Truppenaufstockung, fanden &#252;ber tausend Proteste in   verschiedenen Teilen des Landes statt. Am 27. Januar protestierten &#252;ber   200.000 in der Hauptstadt, in Washington DC. Weitere Zehntausende   demonstrierten am gleichen Tag in anderen St&#228;dten.<\/p>\n<h5>  Vor etwas mehr als drei&#223;ig Jahren mussten sich die US-Truppen aus   Vietnam zur&#252;ckziehen. Damals hatte die Antikriegsbewegung in den USA und   der Widerstand von US-Soldaten gegen die Kriegspolitik wesentlichen   Anteil daran. Sind heute &#228;hnliche Entwicklungen denkbar?<\/h5>\n<p>  Der Vietnam-Krieg dauerte mehr als 15 Jahre. Seinerzeit tat sich erst   nach einigen Jahren Krieg wirklich etwas. Das begann mit den   Studierendenprotesten. Doch die Ablehnung gegen den Krieg dehnte sich   sp&#228;ter noch auf weite Teile der Lohnabh&#228;ngigen aus.<\/p>\n<p>  Schlie&#223;lich kam es zu einer enormen Opposition unter den Soldaten, zum   Beispiel zu massenhafter Kriegsdienstverweigerung oder zur Auflehnung   gegen Vorgesetzte. Ab einem bestimmten Punkt wurde es f&#252;r Washington   unm&#246;glich, den Krieg weiterzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  Zwar haben sich die Proteste gegen den Irak-Krieg viel schneller   entwickelt, allerdings gehen sie noch l&#228;ngst nicht so weit wie damals. <\/p>\n<p>  Immer mehr Soldaten kommen in diesen Wochen nach Hause mit h&#246;llischen   Erlebnissen und brennender Wut. Sie f&#252;hlen sich betrogen und verraten.   Vom Staat bekommen sie wenig. In den Krankenh&#228;usern fehlt es an   Personal, um sich der Kriegsinvaliden anzunehmen. Zehn-tausende kommen   zur&#252;ck mit k&#246;rperlichen und psychischen Problemen. Die Familien von   Soldaten organisieren sich bereits gegen den Krieg, und immer &#246;fter   erleben wir, dass Kriegsveteranen Antikriegsproteste anf&#252;hren.<\/p>\n<p>  Ein wichtiger Unterschied zum Vietnam-Krieg besteht darin, dass es sich   damals um eine Wehrpflichtigen-Armee handelte; auf Grund der damaligen   Ereignisse wurden dann eine Berufsarmee eingef&#252;hrt. Sollte sich die   Politik des US-Imperialismus im Nahen Osten jedoch weiter fortsetzen,   ist auch eine Rebellion innerhalb des Milit&#228;rs durchaus m&#246;glich. Auch   wenn es heute keine Zwangsverpflichtung gibt, so gibt es heute so etwas   wie einen &#8222;Zwang&#8220; f&#252;r Arme und Erwerbslose. Milit&#228;rrekrutierer gehen   gezielt in die Arbeiterstadtteile und sprechen Jugendliche, Schwarze und   Latinos an. Sie versprechen Geld f&#252;r das Studium und eine Ausbildung.   Socialist Alternative spielt in den USA eine f&#252;hrende Rolle dabei,   Sch&#252;lerInnen zu organisieren, die sich gegen diese Rekrutierungsversuche   an ihren Schulen zur Wehr setzen wollen.<\/p>\n<h5>  Gibt es auch in den Betrieben und Gewerkschaften Opposition gegen die   Kriegspolitik?<\/h5>\n<p>  Laut Umfragen sind 63 Prozent der US-AmerikanerInnen daf&#252;r, alle Truppen   bis Ende n&#228;chsten Jahres aus dem Irak abzuziehen. 56 Prozent sind der   Meinung, dass der Krieg ein Fehler war. Die Zahlen sind durchaus mit dem   H&#246;hepunkt der Bewegung gegen den Vietnam-Krieg vergleichbar. Der gro&#223;e   Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO hat 2005 eine Resolution verabschiedet,   die den Abzug der Truppen aus dem Irak forderte.<\/p>\n<p>  Doch es tut sich nicht nur gegen den Krieg etwas. Die Anzahl der Streiks   hat in den letzten Jahren zugenommen. Und die Wut gegen die steigenden   Krankenkassenbeitr&#228;ge, Renten- und Lohnk&#252;rzungen und   Betriebsschlie&#223;ungen w&#228;chst. Die Wut gegen Gewerkschaftsf&#252;hrungen, die   nichts dagegen tun, steigt auch. So hat sich eine neue k&#228;mpferische   Opposition innerhalb der Gewerkschaft der Autoarbeiter (United Auto   Workers &#8211; UAW) gegr&#252;ndet, die sich Soldiers of Solidarity nennt. <\/p>\n<p>  Einer der gr&#246;&#223;ten Proteste in der US-Geschichte ereignete sich im   Fr&#252;hjahr letzten Jahres, als Millionen von &#8222;illegalen&#8220; EinwandererInnen   auf die Stra&#223;e gingen, um gegen Billigl&#246;hne und Abschiebungen ihren   Unmut zu &#228;u&#223;ern. Auf diesen Protesten gab es auch starkes Interesse an   sozialistischen Ideen.<\/p>\n<h5>  Wie sieht die Arbeit von Socialist Alternative aus?<\/h5>\n<p>  Wir spielen in einigen St&#228;dten eine f&#252;hrende Rolle in der   Antikriegsbewegung. Im Augenblick mobilisieren wir f&#252;r die gro&#223;en   Proteste am 18. M&#228;rz &#8211; dem vierten Jahrestag der US-Invasion in den   Irak. Wir sind optimistisch, dass diese Aktivit&#228;ten eine neue, gr&#246;&#223;ere   Protestwelle einl&#228;uten k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich sehen wir unsere zentrale Rolle in der politischen St&#228;rkung   der Bewegung. Die gr&#246;&#223;te Gefahr besteht darin, dass mit der neuen   Mehrheit der Demokraten im Kongress und dem schon begonnenen Wahlkampf   f&#252;r 2008 die Antikriegsbewegung von den Demokraten &#252;bernommen werden   k&#246;nnte. Die schlimme Erfahrung von 2004 k&#246;nnte sich wiederholen; damals   hatte die F&#252;hrung der Antikriegsbewegung dabei geholfen, Unterst&#252;tzung   f&#252;r John Kerry zu organisieren, der selber den Krieg mitgetragen hatte.   Die Demokraten, die im &#252;brigen fast die gleichen Betr&#228;ge von   Gro&#223;konzernen &#8211; einschlie&#223;lich der &#214;l- und R&#252;stungslobby &#8211; erhalten wie   die Republikaner, haben jeden bisherigen Kriegshaushalt von Bush   zugestimmt. Auch jetzt wollen sie weiteren Milliarden zustimmen. Sie   haben schon immer die Interessen des US-Imperialismus verteidigt, gerade   auch im Nahen Osten. Dies wird klar, wenn man zum Beispiel die   Sanktionen gegen den Irak unter US-Pr&#228;sident Clinton nimmt, welche &#252;ber   eine Million Menschen das Leben kosteten.<\/p>\n<p>  Wir bauen die Bewegung in den Stadtteilen auf, doch gleichzeitig   argumentieren wir daf&#252;r, dass die Bewegung unabh&#228;ngig sein sollte von   den Demokraten und stattdessen eigene KandidatInnen aufstellen sollte,   mit einem Programm gegen Krieg und gegen Lohn- und Sozialraub. Ziel   sollte es sein, die Antikriegsbewegung mit der Arbeiterbewegung   zusammenzubringen &#8211; gegen das Kapital und gegen dieses grauenvolle   System. Es ist jetzt zehn Jahre her, seit ich mich entschlossen habe,   politisch aktiv zu werden. Nie zuvor seit Mitte der neunziger Jahre war   die Offenheit f&#252;r sozialistische Ideen so gro&#223; wie heute. Ich bin   deshalb optimistisch, dass die Socialist Alternative in der n&#228;chsten   Zeit deutlich wachsen und an Einfluss gewinnen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i>Interview mit Ty Moore, Antikriegsaktivist und Mitglied bei Socialist<br \/>\n      Alternative &#8211; der SAV-Schwesterorganisation in den USA<\/i><br \/><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Irak-GetOutNow.jpg\"><br \/>\n Ty Moore lebt in Minneapolis. 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