{"id":12003,"date":"2007-03-04T00:42:15","date_gmt":"2007-03-04T00:42:15","guid":{"rendered":".\/?p=12003"},"modified":"2007-03-04T00:42:15","modified_gmt":"2007-03-04T00:42:15","slug":"12003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/12003\/","title":{"rendered":"Indien boomt, nur wem n&#252;tzt es?"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Indien.jpg\">  W&#228;hrend es in Indien unbestreitbar einen Wirtschaftsboom und Wachstum   gibt, merken davon nur die obersten drei Prozent der Bev&#246;lkerung etwas.   Die Tatsache, dass 52 Prozent der indischen Kinder unterern&#228;hrt sind,   zeigt den in hohem Ma&#223;e ungerechten Charakter des Aufschwungs. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Nirmala Shetty, Bangalore<\/i><\/p>\n<p>  Die &#228;rmsten Schichten der Arbeiterklasse werden in elenden Verh&#228;ltnissen   gehalten. Ein Gro&#223;teil der von ihnen hart erarbeiteten, mageren   Einkommen geht f&#252;r Miete, Stromgeb&#252;hren, Benzin und andere Dinge des   t&#228;glichen Bedarfs drauf. Sie k&#246;nnen sich nur eine vollst&#228;ndige Mahlzeit   am Tag leisten.<\/p>\n<p>  Die Lage in den l&#228;ndlichen Gebieten ist aufgrund des trostlosen   Zustands, in dem sich die Landwirtschaft befindet, noch schlechter.   Bauern und B&#228;uerinnen gehen in die St&#228;dte, um dort Arbeit zu finden. Es   ist ihnen aber nur m&#246;glich, in der Baubranche unterzukommen oder als   Hausangestellte, wo sie weniger als einen Dollar am Tag verdienen.<\/p>\n<p>  Indien hat sich seit Beginn der aggressiven neoliberalen &#8222;Reformen&#8220; in   den 1990ern ver&#228;ndert. Zwar wird behauptet, dass die Massen von diesen   Reformen profitieren. Allerdings haben sich nur Lifestyle und   Lebensbedingungen der wohlhabenden Menschen zum Besseren ver&#228;ndert. Doch   der wichtigste Aspekt bei alledem ist, wer und wie viele von dem   Wachstum profitieren? Die National Sample Survey Organization (NSSO;   statistisches Amt Indiens) sch&#228;tzt, dass die Armut in Indien w&#228;hrend der   letzten 11-Jahres-Periode, die 2004\/-05 endete, blo&#223; um 0,74 Prozent   nachgelassen hat. &#220;berdies haben die Ungleichheiten beim Einkommen   weiter zugenommen.<\/p>\n<p>  Ebenfalls unter Bezugnahme auf staatliche statistische Erhebungen ist   der Preis f&#252;r H&#252;lsenfr&#252;chte im Januar 2007 um 25 Prozent h&#246;her als im   vergangenen Jahr. Saatgut kostet 21 Prozent mehr, Getreide 9 Prozent und   Lebensmittel sind auf die Gesamtmenge bezogen 9 Prozent teurer. Die   offizielle Inflationsrate ist Anfang diesen Monats auf &#252;ber 6 Prozent   gestiegen. Verglichen mit den 3,5 Prozent im selben Zeitraum des letzten   Jahres bringt dies die arbeitenden Menschen in eine dramatische   Situation.<\/p>\n<h4>  Millionen Menschen in schrecklicher Lage<\/h4>\n<p>  Weil die IT-Branche in Indien boomt, berechnen viele Ladenbesitzer   Preise, die vielleicht noch f&#252;r die relativ gut bezahlten Angestellten   der Callcenter erschwinglich sind. Die meisten Menschen k&#246;nnen sich   diese nicht leisten. S&#228;mtliche Basisg&#252;ter und weiterverarbeiteten Waren   sind im Preis gestiegen. Und selbst die vermeintlich hoch dotierten   Regierungsangestellten und andere gewerkschaftlich organisierte   ArbeiterInnen k&#246;nnen die Kosten f&#252;r etliche Waren nicht aufbringen.   Aufgrund der in den 1990ern einsetzenden &#8222;Liberalisierung&#8220; und   Globalisierung treffen die Preissteigerungen die &#228;rmsten Menschen noch   viel schlimmer. Das Ergebnis ist, dass die meisten InderInnen weniger   Nahrung zur Verf&#252;gung haben. Wirtschaftswachstum kurbelt die Gewinne an   und sp&#252;lt mehr Geld in die Kassen der Reichen. F&#252;r die Arbeiterklasse   aber bedeutet es die sinkende Reall&#246;hne und zunehmende Ungleichheit.<\/p>\n<p>  Laut indischer Planungskommission sind heute wesentlich mehr   ArbeiterInnen in Bereichen ohne gewerkschaftliche Organisierung   angestellt. So in der Textilindustrie und anderen privaten Sektoren, in   denen billige Arbeitskr&#228;fte ruchlos ausgebeutet werden. Die L&#246;hne hier   sind unheimlich niedrig. Die Menschen sehen sich hier ungeheuerlichen   Preiserh&#246;hungen und prek&#228;rer Besch&#228;ftigung ausgesetzt.<\/p>\n<p>  Die Regierung steht unter dem Druck der Gro&#223;konzerne, die Arbeitsgesetze   dahingehend umzu&#228;ndern, dass weitere K&#252;rzungen bei den jetzigen   Arbeitskr&#228;ften und die Ausweitung des Billiglohnsektors m&#246;glich werden.   Diese Art von &#8222;Boom&#8220; wird Arbeitspl&#228;tze ausschlie&#223;lich f&#252;r die gut   Ausgebildeten und Profite f&#252;r die Reichen bringen. F&#252;r die &#228;rmsten   ArbeiterInnen gibt es keine sicheren Jobs.<\/p>\n<p>  In erster Linie findet das Wirtschaftswachstum im Servicebereich statt,   der akademisch ausgebildete ArbeiterInnen ben&#246;tigt. Indien gibt aber nur   3,8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts f&#252;r Bildung aus und 46 Prozent   der &#252;ber F&#252;nfzehnj&#228;hrigen k&#246;nnen weder lesen noch schreiben. Mit 388   Millionen Kindern unter 15 Jahren steht Indien vor einer enormen   Herausforderung im Bildungswesen. 54 Prozent der Erwachsenen in Indien   sind Analphabeten. Diese nackten Tatsachen geben Auskunft &#252;ber die   tats&#228;chliche Situation auf dem Subkontinent.<\/p>\n<p>  Wie viele junge Menschen werden wohl in den Genuss von Bildung kommen,   wenn sie noch nicht einmal in den Genuss von einer Mahlzeit am Tag   kommen?<\/p>\n<p>  Die Investitionen der Gro&#223;konzerne sind heute sehr kapitalintensiv, vor   allem in den hoch profitablen Bereichen der Dienstleistungsbranche. Die   Zahl der hier neu entstandenen Arbeitspl&#228;tze ist hingegen mager.   Insgesamt hat die IT-Branche weniger als einer Million unmittelbarer   Jobs geschaffen.<\/p>\n<h4>  Wie den Boom erkl&#228;ren?<\/h4>\n<p>  Die Fortsetzung des einseitigen Booms ist das Verm&#228;chtnis von brutaler   Liberalisierung und verkn&#252;pft mit der Lage der Weltwirtschaft, der   Dominanz der multinationalen Konzerne und ihrer Praktiken. Indien ist   geplagt von einer hohen Sterberate unter der b&#228;uerlichen Bev&#246;lkerung,   Massenarbeitslosigkeit, Niedrigstl&#246;hnen und einer riesigen L&#252;cke   zwischen arm und reich. W&#228;hrend die Reichen immer reicher werden, sehen   wir die am meisten Ausgebeuteten und die unterdr&#252;ckte Klasse immer   weiter verarmen. Dieses Leid und die Ausbeutung wird die Menschen   wappnen zu k&#228;mpfen und Widerstand zu leisten. Sie erleben den momentanen   Boom mit Grausen. Die Arbeiterklasse und die Armen werden dieses   verrottete System st&#252;rzen. Die Dinge werden nicht bleiben, wie sie sind.   SozialistInnen in Indien m&#252;ssen den arbeitenden Massen erkl&#228;ren, warum   sie &#252;ber-ausgebeutet sind und eine effektive, k&#228;mpferische   Klassenalternative zum Kapitalismus aufbauen.<\/p>\n<p>  <i>Nirmala Shetty ist Mitglied der New Socialist Alternative, Sektion   des Komitess f&#252;r eine Arbeiterinternationale (CWI) in Indien<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Indien.jpg\"><br \/>\n      W&#228;hrend es in Indien unbestreitbar einen Wirtschaftsboom und Wachstum<br \/>\n      gibt, merken davon nur die obersten drei Prozent der Bev&#246;lkerung etwas.<br \/>\n      Die Tatsache, dass 52 Prozent der indischen Kinder unterern&#228;hrt sind,<br \/>\n      zeigt den in hohem Ma&#223;e ungerechten Charakter des Aufschwungs.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12003"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12003"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12003\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}