{"id":12000,"date":"2007-03-02T15:00:41","date_gmt":"2007-03-02T14:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12000"},"modified":"2012-07-02T19:36:20","modified_gmt":"2012-07-02T17:36:20","slug":"12000","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/12000\/","title":{"rendered":"Italien: Rifondazione in der Krise"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/PRC.jpg\">  Die PRC (Partei der kommunistischen Neugr&#252;ndung) steckt in einer tiefen   Krise. Es war ein Fehler der Parteif&#252;hrung, in die Prodi-Regierung   einzutreten.<br \/>  <i>von Christine Thomas, 1. M&#228;rz 2007<\/i> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Sie h&#228;tten die Bildung einer Mitte-Links-Regierung unterst&#252;tzen k&#246;nnen,   um eine Berlusconi-Regierung zu verhindern. Aber sie h&#228;tten gleichzeitig   ihre Unabh&#228;ngigkeit au&#223;erhalb der Regierung bewahren k&#246;nnen. Dann h&#228;tten   sie nur f&#252;r solche Ma&#223;nahmen stimmen k&#246;nnen, die im Interesse der   Arbeiterklasse sind und gegen solche opponieren k&#246;nnen, die es nicht   sind. Und sie h&#228;tte dann zus&#228;tzlich zu Massenmobilisierungen und   Generalstreik-Aktionen aufrufen k&#246;nnen, wenn diese notwendig werden.<\/p>\n<p>  Die PRC beteiligt sich nun an einer Regierung, die noch weiter nach   rechts ger&#252;ckt ist &#8211; genau das wollten die PRC-F&#252;hrer durch ihre   Regierungsbeteiligung aber verhindern! Das 12-Punkte-Abkommen, das sie   mit Prodi unterzeichnet haben, k&#246;nnte sich als Selbstmord-Abkommen   entpuppen. Die letzten Meinungsumfragen zeigen einen Zusammenbruch der   Stimmen f&#252;r die Mitte-Links-Koalition. Die PRC ist demnach von 7,2   Prozent auf 6,5 Prozent gesunken. Alle Koalitionsparteien werden   wahrscheinlich bei den im Mai anstehenden Stadtrats- und   B&#252;rgermeisterwahlen schlecht abschneiden. Nach den Umfragen w&#252;rde ein   Mitte-Rechts-B&#252;ndnis Parlamentswahlen gewinnen, auch wenn die Udc (   Union der Christdemokraten) sich nicht daran beteiligen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Die PRC-F&#252;hrung argumentierte, sie m&#252;sse an der Prodi-Regierung   teilnehmen und f&#252;r neoliberale und pro-US-imperialistische Ma&#223;nahmen   stimmen, weil die Alternative &#8211; die R&#252;ckkehr Berlusconis &#8211; viel   schlimmer w&#228;re. Zweifellos gibt es viele ArbeiterInnen und Jugendliche,   die Prodi als das &quot;kleiner &#220;bel&quot; im Vergleich zu Berlusconi ansehen,   oder zumindest hoffen, dass er dies ist. Deshalb wollen sie nicht, dass   die Prodi-Regierung st&#252;rzt. 40 Prozent der Bev&#246;lkerung sagten, dass sie   eine Fortsetzung der Prodi-Regierung wollen und 34 Prozent sprachen sich   f&#252;r Neuwahlen aus. Unter den W&#228;hlerInnen der Mitte-Links-Koalition   wollten 76 Prozent, dass Prodi weiter macht.<\/p>\n<p>  Es ist wichtig, diese Stimmung in Betracht zu ziehen. Aber die   PRC-F&#252;hrung h&#228;tte sich weigern k&#246;nnen, das 12-Punkte-Abkommen zu   unterzeichnen. Sie h&#228;tten von allen Ministerposten zur&#252;cktreten sollen   und keine Verantwortung f&#252;r die Politik der Prodi-Regierung &#252;bernehmen   sollen. Sie h&#228;tten klar und deutlich formulieren sollen, dass sie diese   Politik innerhalb und au&#223;erhalb des Parlaments bek&#228;mpfen werden. Sie   h&#228;tten gleichzeitig f&#252;r diese konkrete Vertrauensfrage stimmen k&#246;nnen,   um eine R&#252;ckkehr der Rechten zu verhindern und parallel dazu eine   konsequente Kampagne starten k&#246;nnen, um ArbeiterInnen von einer wirklich   antikapitalistischen Alternative zu &#252;berzeugen. Stattdessen bereiten sie   durch ihre feige Unterst&#252;tzung der neoliberalen Politik den Boden f&#252;r   einen zuk&#252;nftigen Sieg der Rechten und untergraben gleichzeitig ihre   Glaubw&#252;rdigkeit als k&#228;mpferische Arbeiterpartei.<\/p>\n<p>  In dieser Woche sagte der PRC-F&#252;hrer Bertinotti, dass   Regierungsbeteiligung nicht der &quot;Kompass&quot; der Partei sei. Diese Aussage   dr&#252;ckt die Erkenntnis aus, dass die PRC m&#246;glicherweise kurzerhand aus   der Regierungskoalition raus geworfen werden wird. Es dr&#252;ckt auch die   tiefe Unzufriedenheit unter den Unterst&#252;tzerInnen der Partei aus. In   Bologna haben sich zum Beispiel die zwei PRC-Stadtr&#228;te geweigert in das   Kabinett des DS-B&#252;rgermeisters Cofferati einzutreten. Aber auf   nationaler Ebene ist es unwahrscheinlich, dass die Partei selber in der   n&#228;chsten Zeit mit Prodi brechen wird. Daraus wird sich ergeben, dass   jede Konfrontation zwischen der Arbeiterklasse und der Regierung zu   einer weiteren Erosion der PRC-Mitgliedschaft und ihrer Unterst&#252;tzung in   der Arbeiterklasse f&#252;hren wird.<\/p>\n<h4>  Die Zukunft<\/h4>\n<p>  Eine weitere Rechtsverschiebung der Partei ist in der Zukunft m&#246;glich,   zum Beispiel durch eine Vereinigung mit einer Linksabspaltung der DS   (Linksdemokarten, Ex-Kommunistische Partei, Anm. d. &#220;.) und der Bildung   einer neuen reformistischen Partei. Es ist aber auch nicht v&#246;llig   ausgeschlossen, dass sich die PRC wieder nach links entwickeln kann, vor   allem wenn sie au&#223;erhalb der Regierung sein sollte. Das geschah nachdem   die PRC ihre Unterst&#252;tzung f&#252;r die fr&#252;here Prodi-Regierung im Jahr 1998   beendete (damals waren sie nicht in die Regierung eingetreten, sondern   unterst&#252;tzten sie im Parlament).<\/p>\n<p>  Aber heute sind die Bedingungen ganz anders. Die Arbeiterklasse hat mehr   Erfahrungen mit der PRC als Regierungspartei gemacht. Abh&#228;ngig von den   weiteren Entwicklungen, k&#246;nnte die Partei schweren Schaden nehmen bevor   eine neuerliche Linksentwicklung einsetzt. W&#228;hrend einige ArbeiterInnen   die Partei weiterhin bei Wahlen unterst&#252;tzen werden, sind Neueintritte   von ArbeiterInnen und Jugendlichen wenig wahrscheinlich.<\/p>\n<p>  Die politische, wirtschaftliche und soziale Lage in Italien ist sehr   instabil und ver&#228;ndert sich st&#228;ndig. Der Aufbau einer Massenpartei der   ArbeiterInnen, die eine sozialistische Alternative zum Neoliberalismus   aufzeigen kann ist eine Schl&#252;sselfrage f&#252;r die italienische   Arbeiterklasse. Wie eine solche Partei aufgebaut werden wird, ist heute   nicht klar. Linke AktivistInnen in der PRC werden f&#252;r einen Kurswechsel   der Partei k&#228;mpfen. Sie werden sich f&#252;r einen Austritt aus der Regierung   einsetzen und daf&#252;r, dass keine Verantwortung f&#252;r die neoliberale   Politik der Regierung &#252;bernommen wird. Und sie werden darum k&#228;mpfen,   dass die Partei sich an die Spitze der Massenbewegungen stellt, die   zwangsl&#228;ufig entstehen werden, weil ArbeiterInnen und Jugendliche von   dieser Politik betroffen sein werden.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig sollten sie Verbindungen zu AktivistInnen kn&#252;pfen, die sich   au&#223;erhalb der Partei befinden &#8211; in den Betrieben und Gewerkschaften, in   den Nachbarschaftsk&#228;mpfen, unter Jugendlichen und den sozialen   Bewegungen. Das Ziel muss sein die K&#228;mpfe der Arbeiterklasse zu   entwickeln und, wenn es sich in der Zukunft als n&#246;tig erweisen wird,   Schritte zum Aufbau einer neuen Arbeiterpartei vorzubereiten.<\/p>\n<p>  <i>Christine Thomas ist Mitglied der italienischen CWI-Gruppe Lotta per   il Socialismo und lebt in Bologna. Diese &#220;bersetzung ist Teil eines   l&#228;ngeren Artikels, der in englischer Sprache <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\/eng\/2007\/03\/01italy.html\"> hier<\/a> zu finden ist. <\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/PRC.jpg\"><br \/>\n      Die PRC (Partei der kommunistischen Neugr&#252;ndung) steckt in einer tiefen<br \/>\n      Krise. Es war ein Fehler der Parteif&#252;hrung, in die Prodi-Regierung<br \/>\n      einzutreten.<\/p>\n<p>\n      <i>von Christine Thomas, 1. 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