{"id":11993,"date":"2007-02-28T16:09:38","date_gmt":"2007-02-28T15:09:38","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11993"},"modified":"2012-07-02T19:36:40","modified_gmt":"2012-07-02T17:36:40","slug":"11993","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11993\/","title":{"rendered":"Italien nach Prodis R&#252;cktritt"},"content":{"rendered":"<p>  <i><img src=\"\/media\/2007\/Vicenca_2007-02.jpg\" align=\"left\">  Der Linken fehlt eine konsequente politische Alternative<\/i><br \/>  Mit dem R&#252;cktritt von Premierminister Romano Prodi am 21. Februar   st&#252;rzte die gesamte italienische Regierung. Zu dieser Krise kam es vier   Tage nach der gro&#223;artigen, 200.000 TeilnehmerInnen starken Demonstration   in Vicenza gegen die Regierungsentscheidung, den Ausbau der dortigen   US-Milit&#228;rbasis genehmigen zu wollen. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>F&#252;r einen Antrag, der die Au&#223;enpolitik &#8211; einschlie&#223;lich der   Fortsetzung des Einsatzes der italienischen Soldaten in Afghanistan und   der Aufrechterhaltung &#8222;guter Beziehungen&#8220; zu den USA &#8211; umrei&#223;en sollte,   besa&#223; die Regierung im Senat keine sichere Mehrheit.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Christine Thomas, Bologna (23. Februar 2007) <\/i><\/p>\n<p>  <i>[siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\/eng\/2007\/02\/27italy.html\"> Prodi Government lurches to the right<\/a>, 27.2., englisch]<\/i><\/p>\n<p>  Prodis aus neun Parteien zusammengesetzte Mitte-Links-Koalition, die   &#8222;Unione&#8220;, hatte eine auf nur einer Stimme beruhende, haarscharfe   Mehrheit in dieser Kammer. In den letzten Monaten war es ihr aber   dennoch m&#246;glich, ihre Politik umzusetzen. Dies erfolgte durch das   Zur&#252;ckgreifen auf Vertrauensvoten oder mit der Gewissheit, die sieben   auf Lebenszeit berufenen Senatoren w&#252;rden mitstimmen. Dieses Mal aber   blieben zwei linke Senatoren der Abstimmungen fern: Turigliatto von der   PRC (Partito Refondazione Comunista; Partei der kommunistischen   Neugr&#252;ndung) und Rossi, ehemals von der PDCI (Kommunistische Partei   Italiens). Die beiden taten dies allerdings ohne vorher eine Kampagne   zur Unterst&#252;tzung ihres Handelns zu f&#252;hren. Ein Fehler, der sie den   Angriffen von Prodis Koalitionsmehrheit schutzlos aussetzt. Demnach   w&#252;rden sie mit ihrem Verhalten &#8222;Berlusconi die T&#252;r &#246;ffnen&#8220;.   &#220;berraschender war, dass auch zwei Senatoren auf Lebenszeit sich der   Stimme enthielten; einschlie&#223;lich dem ehemaligen Pr&#228;sidenten und &#8222;Freund   der Mafia&#8220;, Andreotti. Dieser hatte zuvor gesagt, f&#252;r die Vorlage   stimmen zu wollen. Im Senat entspricht eine Enthaltung einer Ablehnung.   Die Nein-Stimmen und die Enthaltungen zusammen f&#252;hrten zu einem Ergebnis   von 158 zu 160 gegen die Regierung. Prodi entschied sich dazu, sofort   seinen R&#252;cktritt einzureichen.<\/p>\n<h4>  Alles bleibt beim alten<\/h4>\n<p>  Neuwahlen sind kurzfristig nicht die wahrscheinlichste Antwort auf diese   Entwicklungen. Niemand spricht sich f&#252;r diese M&#246;glichkeit aus, nicht   einmal Berlusconi, der seine zerbr&#246;ckelte Rechts-Koalition zun&#228;chst   wieder zusammenschmieden m&#252;sste. Einige Teile der herrschenden Klasse   hatten sich immer mal wieder f&#252;r eine &#8222;gro&#223;e Koalition&#8220; oder eine &#8222;neue   Mehrheit&#8220; eingesetzt, welche die &#8222;radikale Linke&#8220; (PRC, PDCI und Gr&#252;ne)   au&#223;en vor lassen und statt dessen Teile der Mitte-Rechts-Fraktion   einbeziehen sollte. Auch wenn diese Alternative &#8211; genau wie die   Installierung einer &#8222;technokratischen Zweckregierung&#8220; &#8211; nicht vollkommen   ausgeschlossen werden kann, wird es am wahrscheinlichsten sein, dass es   zu einer zweiten Regierung Prodi unter Ausweitung der Koalition auf   einige Abgeordnete aus dem Mitte-Rechts-Lager kommt. Trotz allem wird es   sich dabei immer noch um eine eher labile Regierung handeln.<\/p>\n<p>  Die PRC-F&#252;hrung hat ein neoliberales 12-Punkte-&#8222;Vertrauensprogramm&#8220;   unterzeichnet, das Prodi verfasst hat und das Angriffe auf Renten,   weitere Privatisierungen, &#8222;Reformen&#8220; des &#246;ffentlichen Dienstes und eine   Fortsetzung der Au&#223;enpolitik beinhaltet. Wenn diese Dinge in die Tat   umgesetzt werden, wird das wahrscheinlich gro&#223;e Konflikte mit der   Arbeiterklasse hervorrufen.<\/p>\n<p>  Die bisherige Regierung Prodi hielt nur 281 Tage, jedoch handelte es   sich dabei von Anbeginn um eine Krisenregierung. Als die Wahlen am 10.   April letzten Jahres stattfanden, gab es das brennende Verlangen seitens   der Millionen &#8222;einfacher&#8220; ItalienerInnen, die verhasste Regierung   Berlusconi endlich loszuwerden. Gleichzeitig aber fehlte es an   massenhaftem Enthusiasmus gegen&#252;ber der &#8222;Unione&#8220;. Viele Menschen aus der   Arbeiterklasse erinnerten sich an die K&#252;rzungen, Privatisierungen und   Angriffe auf ihre Rechte und Lebensbedingungen durch die erste Regierung   Prodi zwischen 1996 und 1998. Trotz einer breiten Stimmung gegen   Berlusconi wurde die neue Regierung mit einer marginalen Mehrheit von   nur 25.000 Stimmen gew&#228;hlt.<\/p>\n<p>  Die PRC trat mit Ferrero, einem ihrer Parlamentsabgeordneten, als neuem   Sozialminister und dem vormaligen PRC-Vorsitzenden Fausto Bertinotti als   Parlamentspr&#228;sident in die Koalitionsregierung ein. Als innerhalb der   PRC Diskussionen &#252;ber den Eintritt in eine Regierung Prodi stattfanden,   erkl&#228;rte das CWI, dass es ein schwerer Fehler sein w&#252;rde, diesen Schritt   zu gehen. Durch den Regierungsbeitritt w&#252;rde die PRC ihre Unterst&#252;tzung   f&#252;r die von der neuen Regierung bereits geplanten neoliberalen Attacken   ausdr&#252;cken und die eigene Position als f&#252;r die Rechte der Arbeiterklasse   k&#228;mpfende Partei unterminieren.<\/p>\n<p>  Der einflussreichste Arbeitgeberverband Italiens, die Confindustria, gab   Prodi bei den letzten Wahlen seine Unterst&#252;tzung, weil er hoffte, dass   Prodi ein verl&#228;sslicheres Werkzeug f&#252;r seine Zwecke sein w&#252;rde als   Berlusconi. Um die Wettbewerbsf&#228;higkeit der italienischen Wirtschaft zu   verbessern, wurden von Prodi K&#252;rzungen bei den Sozialausgaben,   Privatisierungen etc. erwartet. Dar&#252;ber sollten die hohen Defizite   bez&#252;glich der Arbeitskosten gedeckelt und die eigenen Profite erh&#246;ht   werden. Wir sagten daher, dass die PRC ihre Unabh&#228;ngigkeit im Parlament   als Arbeiterpartei wahren sollte: unabh&#228;ngig in Abstimmungen und &#8211; falls   n&#246;tig &#8211; die Massen gegen eine arbeiterfeindliche Politik der Regierung   mobilisierend.<\/p>\n<h4>  Zerst&#246;rte Hoffnungen<\/h4>\n<p>  Obwohl es keine breiten Illusionen in die Prodi-Regierung gab, war unter   der arbeitenden Bev&#246;lkerung die Hoffnung weit verbreitet, dass damit   zumindestens die heftigen Angriffe beendet werden w&#252;rde, unter denen sie   unter dem Ministerpr&#228;sidenten Berlusconi zu leiden hatte. Diese   Hoffnungen wurden innerhalb nur weniger Monate zerschlagen als die   Regierung ihren Haushaltsentwurf, die &#8222;Finanziaria&#8220;, durchsetzte,   wodurch der Arbeiterklasse und der Mittelschicht Steuererh&#246;hungen und   Sozialk&#252;rzungen im Umfang von 35 Millionen Euro beschert wurden.<\/p>\n<p>  Zehntausende ArbeiterInnen, RentnerInnen, StudentInnen und Menschen aus   der Mittelschicht gingen aus Protest gegen die &#8222;Finanziaria&#8220; auf die   Stra&#223;e. Als die Vorsitzenden der drei gr&#246;&#223;ten Gewerkschaftsverb&#228;nde   CGIL, CISL und UIL zum bekannten Fiat-Werk Mirafiori in Turin zogen, um   dort den ArbeiterInnen den Haushaltsentwurf als sinnvoll zu verkaufen,   wurden sie von ihren eigenen Mitglieder ausgebuht.<\/p>\n<p>  Die &#8222;Finanziaria&#8220; bedeutet einen Wendepunkt. Zehntausende Menschen aus   der Arbeiterklasse glaubten den Gewerkschaftsvorsitzenden nicht mehr,   als diese sagten, die Regierung Prodi sei eine &#8222;arbeitnehmerfreundliche   Regierung&#8220;. Nach dem Haushalt l&#228;utete die Regierung unter dem Druck des   Arbeitgeberverbands Confindustria, des IWF und der EU &#8222;Phase 2&#8220; ein:   Eine arbeiterfeindliche Offensive, die Attacken auf Renten, weitere   Privatisierungen und &#8222;Reformen&#8220; im &#246;ffentlichen Dienst einschloss. <\/p>\n<h4>  Au&#223;enpolitik<\/h4>\n<p>  Vor diesem Hintergrund war es, dass Prodi gr&#252;nes Licht f&#252;r die   Verdopplung der US-Milit&#228;rbasis in Vicenza gab. Dies rief eine lokale   Revolte hervor, die in die riesige landesweite Demo am 17. Februar   m&#252;ndete. Die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit der ortsans&#228;ssigen Bev&#246;lkerung, von   der sich wenigstens 40.000 an der landesweiten Demo beteiligten, &#252;bt   sich im Widerstand gegen die faktische milit&#228;rische &#220;bernahme ihrer   Stadt durch das US-Milit&#228;r. Die Sozialk&#252;rzungen der Regierung bei   gleichzeitiger Erh&#246;hung der R&#252;stungsausgaben und die Ank&#252;ndigung der   US-Regierung von der Basis Vicenza aus Truppen f&#252;r die   Fr&#252;hjahrsoffensive gegen die Taliban zu entsenden, bedeuteten die   untrennbare Verkn&#252;pfung der Themen Vicenza und Beibehaltung   italienischer Soldaten in Afghanistan.<\/p>\n<p>  Die meisten ItalienerInnen sind sowohl gegen den Ausbau der Milit&#228;rbasis   in Vicenza als auch f&#252;r den Abzug der italienischen Truppen aus   Afghanistan. Prodi allerdings ignoriert die Massenproteste, indem er   sagt, dass er nicht nachgeben wird. Weit &#252;ber Vicenza hinaus w&#228;chst die   Wut dar&#252;ber, dass die Regierung sich dem Diktat des US-Imperialismus   beugt. Das Gro&#223;kapital hingegen verstummte, als all dies den &#8222;einfachen&#8220;   Leuten bekannt wurde.<\/p>\n<p>  Trotz alledem unterst&#252;tzte die PRC weiterhin die arbeiterfeindliche   Regierung Prodi in ihrer pro-imperialistischen Politik. Als im Juli   letzten Jahres die Refinanzierung der italienischen Milit&#228;rpr&#228;senz in   Afghanistan abgestimmt wurde, war die Regierung erst seit drei Monaten   im Amt. Ihr wahrer arbeiterfeindlicher Charakter war den meisten   Menschen zu jenem Zeitpunkt noch nicht vollkommen bewusst. Wenn die PRC   damals gegen die Gesetzesvorlage im Senat gestimmt h&#228;tte (die wieder   einmal mit der Vertrauensfrage verbunden wurde) und die Regierung Prodi   bereits dann auseinandergefallen und Berlusconi zur&#252;ckgekehrt w&#228;re,   h&#228;tte die Mehrheit der ArbeiterInnen dieses Vorgehen nicht   nachvollzogen. Sie h&#228;tten die PRC daf&#252;r verantwortlich gemacht,   Berlusconi zur&#252;ck an die Macht kommen zu lassen, nachdem sie ihn doch   eben erst abgew&#228;hlt hatten!<\/p>\n<p>  Das CWI argumentierte f&#252;r eine breite Kampagne durch die PRC, um die   Leute zu warnen und gegen zuk&#252;nftige Angriffe zu mobilisieren, die die   Regierung bereits offensichtlich gegen die Arbeiterklasse plante. Doch   statt zu mobilisieren und die ArbeiterInnen mit Massenveranstaltungen,   Proteste etc. auf weiteren Widerstand gegen eine solche Politik   vorzubereiten, verlie&#223; sich die PRC auf &#8222;parlamentarische   &#220;berzeugungskraft&#8220;. Sie argumentierte, dass sie als Mitglied der   Koalition Prodi daran hindern k&#246;nnte, noch weiter nach rechts zu r&#252;cken.   Tats&#228;chlich aber hat die PRC nicht Prodi an irgend etwas gehindert,   sondern benutzt umgekehrt Prodi die PRC und die F&#252;hrung der gr&#246;&#223;ten   Gewerkschaften dazu, die Arbeiterklasse am Kampf gegen die   Regierungspolitik zu hindern.<\/p>\n<p>  Nach der &#8222;Finanziaria&#8220; und Vicenza war ein deutlicher Stimmungswechsel   in der Arbeiterklasse zu verzeichnen. Mit mehr und mehr ArbeiterInnen,   denen klar wurde, welche Interessen die Regierung Prodi in Wirklichkeit   vertritt. Wenn es auch zu Wut und Desillusionierung bei breiten   Schichten der Arbeiterklasse kam, so gab es mangels realistischer   anderer Alternative gleichfalls auch die Angst vor einer R&#252;ckkehr   Berlusconis.<\/p>\n<h4>  Versagen der PRC<\/h4>\n<p>  Die PRC hatte neun Monate Zeit, um eine solche Alternative zu   entwickeln. Um die Arbeiterklasse gegen die Angriffe der Regierung zu   mobilisieren, den von unten entstandenen Protestbewegungen eine F&#252;hrung   zu geben, ihren eigenen Ruf als radikaler, k&#228;mpfender Organisation   wieder zu rechtfertigen und den Grundstein f&#252;r die eigene Entwicklung   hin zu einer Arbeiterpartei mit Massenunterst&#252;tzung zu legen, welche   eine wirkliche sozialistische Alternative gegen&#252;ber beiden &#8211; dem   neoliberalen Berlusconi und dem neoliberalen Prodi &#8211; darstellt.<\/p>\n<p>  Doch anstatt die K&#228;mpfe gegen die &#8222;Finanziaria&#8220; miteinander zu vereinen   und auszuweiten, argumentierten die F&#252;hrer von PRC und Gewerkschaften,   dass der Haushalt das beste sei, was unter &#8222;den gegebenen Umst&#228;nden&#8220; zu   erreichen war. Die Konsequenz daraus war, dass sie es Berlusconi   erlaubten, die Initiative zur Organisierung einer Demonstration im   Dezember 2006 zu ergreifen, an der ein bis zwei Millionen Menschen gegen   die &#8222;Finanziaria&#8220; teilnahmen.<\/p>\n<p>  Anstatt einen Kampf f&#252;r die Wieder-Verstaatlichung unter demokratischer   Kontrolle und Verwaltung der ArbeiterInnen bei der in die Schieflage   geratenen Fluggesellschaft Alitalia zu f&#252;hren, blieben sie dabei, dass   Prodi keine andere M&#246;glichkeit gehabt h&#228;tte, au&#223;er mit weiteren   Privatisierungen zu reagieren. Und sie taten nichts zur Mobilisierung   von ArbeiterInnen gegen die geplanten Attacken der &#8222;Phase 2&#8220; auf Renten,   Arbeitspl&#228;tze und Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p>  Im Falle Afghanistans lie&#223;en sich die PRC-Vorsitzenden auf vage   Versprechungen einer internationalen Friedenskonferenz ein, um damit   ihre Zustimmung zur Beibehaltung italienischer Truppen zu rechtfertigen.   Als ob der US-Imperialismus eine internationale Friedenskonferenz   zulassen w&#252;rde &#8211; am Vorabend einer brutalen Fr&#252;hjahrsoffensive, welche   US-Verteidigungsminister Robert Gates einen &#8222;entscheidenden Schlag&#8220;   gegen die Taliban nannte!<\/p>\n<p>  Und all dies nur, weil die PRC-F&#252;hrung ihre Unterst&#252;tzung f&#252;r die   Regierung damit rechtfertigt, dass im Falle des R&#252;ckzugs aus der   Regierung, die Rechte zur&#252;ck an die Macht gelangen w&#252;rde. Doch gerade   die neoliberale und den imperialistischen Interessen der USA wohl   gesonnene Politik der Regierung Prodi f&#252;hrt &#8211; gest&#252;tzt von der PRC &#8211; zu   Desillusionierung und bereitet den Weg f&#252;r einen zuk&#252;nftig m&#246;glichen   neuen Sieg der Rechten. Wenn die PRC sich allerdings ernsthaft daran   macht, eine breite antikapitalistische politische Alternative   aufzubauen, kann sie durch die Kanalisierung der Wut der Arbeiterklasse   einen rechten Sieg verhindern. Damit w&#228;re auch der Grundstock f&#252;r eine   zuk&#252;nftige Arbeiterregierung gesetzt.<\/p>\n<p>  Vicenza hat die unhaltbare Position der PRC offengelegt. Die F&#252;hrung   behauptet, dass sie sich &#8222;im Kampf und in der Regierung&#8220; befinden. Was   dies jedoch in der Realit&#228;t bedeutet, ist eine vollkommen schizophrene   Haltung einer Partei, deren F&#252;hrung die Regierung in ihrer Haltung zur   Milit&#228;rbasis Vicenza unterst&#252;tzt und einer Mitgliedschaft sowie einigen   Abgeordneten, die gegen diese Entscheidung auf die Stra&#223;e gehen!<\/p>\n<p>  Bei der Mitgliederentwicklung hat bereits ein Aderlass stattgefunden und   viele von denen, die in der PRC bleiben, sind &#252;ber die derzeitige   Situation tief besorgt. Es ist m&#246;glich, dass Turigliatto aus der Partei   ausgeschlossen werden wird, weil er gegen die Regierung gestimmt hat.   Das CWI lehnt dies grunds&#228;tzlich ab. Das w&#252;rde zu weiterer Spaltung und   Demoralisierung f&#252;hren. Wenn die PRC damit fortf&#228;hrt, eine neoliberale   und pro-imperialistische Politik zu unterst&#252;tzen, wird sie in den Augen   von Millionen von ArbeiterInnen, die die PRC als k&#228;mpfende Partei des   Klassenkampfes unterst&#252;tzt und gew&#228;hlt haben, irreparable Sch&#228;den davon   tragen. Viele junge Leute betrachten die PRC bereits nur noch als   weitere Partei des Establishments, w&#228;hrend andere immer noch auf die   Partei blicken, sich auf sie beziehen und hoffen, dass sie den   Widerstand anf&#252;hrt. Wenn die Arbeiterklasse und junge Menschen sich   entrechtet f&#252;hlen und sie sp&#252;ren, dass es keine Partei gibt, die bereit   ist, f&#252;r ihre Interessen zu k&#228;mpfen und sie zu vertreten, dann kann das   zu Demoralisierung und sogar zur Unterst&#252;tzung f&#252;r nihilistische oder   terroristische Ans&#228;tze f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Zwar sollte man die Bedrohung durch solch eine Wendung, wie es sie in   der Vergangenheit in Italien ja bereits gegeben hat, nicht &#252;bertreiben,   eine reelle M&#246;glichkeit stellt sie dennoch dar. Die j&#252;ngste Verhaftung   von 15 Menschen wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer   terroristischen Vereinigung hat diese Eventualit&#228;t zur&#252;ck in den   gesellschaftlichen Diskurs Italiens gebracht. Der Aufbau einer breiten   und k&#228;mpfenden Arbeiterpartei als realistischer Alternative ist   lebenswichtig, wenn solchen Tendenzen gerade unter Jugendlichen   vorgebeugt werden soll.<\/p>\n<h4>  Zuk&#252;nftige Entwicklungen<\/h4>\n<p>  Linke AktivistInnen, die in der PRC bleiben, sollten nat&#252;rlich f&#252;r einen   Richtungswechsel der Partei eintreten und sich weigern, abermals einer   neoliberalen Regierung beizutreten. Von au&#223;en m&#252;ssen jegliche konkreten   positiven, antikapitalistischen und arbeitnehmerfreundlichen   Politikans&#228;tze unterst&#252;tzt werden, w&#228;hrend dabei permanent die   Notwendigkeit einer Arbeiterregierung erkl&#228;rt wird, welche eine   sozialistische Transformation der Gesellschaft vorbereiten muss. Es ist   dennoch kurzfristig vorherzusehen, dass die PRC-F&#252;hrung eine weitere   Rechtsverschiebung vorbereitet und in eine Regierung &#8222;Prodi 2&#8220; eintreten   will.<\/p>\n<p>  Und das wird unweigerlich zu wachsender Wut und Desillusionierung   innerhalb der Partei und zu einem weiteren Mitgliederschwund f&#252;hren.   Daher ist es notwendig, dass Verkn&#252;pfungen zwischen linken AktivistInnen   der PRC und jenen au&#223;erhalb der Partei hergestellt werden. Ehemalige   PRC-Mitglieder, und -Unterst&#252;tzerInnen, GewerkschafterInnen, Mitglieder   &#8222;revolution&#228;rer&#8220; Gruppen und Organisationen, BasisaktivistInnen,   KriegsgegnerInnen, radikalisierte Jugendliche usw. m&#252;ssen   zusammengebracht werden, um die Basis f&#252;r eine tats&#228;chlich k&#228;mpfende   Partei der ArbeiterInnen und Jugend mit Massenunterst&#252;tzung zu schaffen. <\/p>\n<p>  Welche Regierung auch immer kommen mag, auch in Zukunft sind weitere   Klassenk&#228;mpfe unausweichlich. Im vergangenen Jahr war mit einem Wachstum   von zwei Prozent ein leichter Anstieg der italienischen Wirtschaftskraft   zu verzeichnen. Es wird erwartet, dass das Haushaltsdefzit in Italien   die &#8222;Maastricht-Kriterien&#8220; von drei Prozent des j&#228;hrlichen   Bruttoinlandsprodukts einhalten k&#246;nnen wird. Wenn auch die   Staatseinnahmen aufgrund eines strikteren Vorgehens gegen die   Steuerhinterziehung gestiegen sein m&#246;gen, handelt es sich insgesamt und   in erste Linie nur um eine zyklisch bedingte &#246;konomische Verbesserung. <\/p>\n<p>  Italien liegt weiterhin hinter anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern, was   Wachstum und Konkurrenzf&#228;higkeit angeht. Eine Krise in den USA und der   Weltwirtschaft w&#252;rde verheerende Auswirkungen auf Italien haben, das in   hohem Ma&#223;e von seinen Exporten abh&#228;ngt. Die kapitalistische Klasse hat   sich deshalb dazu entschieden, dass die Regierung die strukturellen   Konter-Reformen vorantreiben muss, die die &#8222;Finanziaria&#8220; bislang noch   ausgelassen hat. Besonders die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters,   die Ausweitung von Privatisierungsma&#223;nahmen und die Aush&#246;hlung des   &#246;ffentlichen Dienstes sind darunter zu verstehen. Damit ist der   Kollisionskurs auf die Arbeiterklasse vorgegeben. Massenbewegungen, in   denen eine Arbeiterpartei mit Massenunterst&#252;tzung und Kr&#228;fte f&#252;r einen   revolution&#228;ren Sozialismus aufgebaut werden k&#246;nnen, sind damit   vorprogrammiert.<\/p>\n<p>  <i>Christine Thomas ist Mitglied der Gruppe Lotta per il Socialismo   (Gruppe des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale, CWI, in Italien)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i><img src=\"\/media\/2007\/Vicenca_2007-02.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Der Linken fehlt eine konsequente politische Alternative<\/i><\/p>\n<p>\n      Mit dem R&#252;cktritt von Premierminister Romano Prodi am 21. Februar<br \/>\n      st&#252;rzte die gesamte italienische Regierung. Zu dieser Krise kam es vier<br \/>\n      Tage nach der gro&#223;artigen, 200.000 TeilnehmerInnen starken Demonstration<br \/>\n      in Vicenza gegen die Regierungsentscheidung, den Ausbau der dortigen<br \/>\n      US-Milit&#228;rbasis genehmigen zu wollen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11993"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11993"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11993\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11993"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11993"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11993"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}