{"id":11989,"date":"2007-03-04T00:38:00","date_gmt":"2007-03-03T23:38:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11989"},"modified":"2012-07-18T15:52:32","modified_gmt":"2012-07-18T13:52:32","slug":"11989","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/03\/11989\/","title":{"rendered":"AIDS: Gesch\u00e4fte mit der Krankheit"},"content":{"rendered":"<p><em>Gegenma\u00dfnahmen werden von der Pharmalobby blockiert<\/em><\/p>\n<p>Laut UNO leben 64 Prozent aller Menschen, die mit HIV infiziert sind, im s\u00fcdlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas. Das sind 25,8 Millionen. AIDS wird als gr\u00f6\u00dftes Problem Afrikas dargestellt. Andere Ursachen der geringen Lebenserwartung \u2013 zunehmende Armut, neokoloniale Ausbeutung und generell schlechte medizinische Versorgung \u2013 werden ausgeblendet. Viele Analysen des \u201eafrikanischen Problems\u201c AIDS beinhalten au\u00dferdem rassistische Vorurteile.\u00a0 <\/p>\n<p><em>von Ianka Pigors, Hamburg<\/em><\/p>\n<p>AfrikanerInnen wird unterstellt, \u00fcberm\u00e4\u00dfig sexuell aktiv oder besonders leichtsinnig zu sein. So erkl\u00e4rte UNAIDS, schuld an AIDS in S\u00fcdafrika sei unter anderem die besonders fr\u00fche sexuelle Aktivit\u00e4t der Jugendlichen (M\u00e4nner mit 16, Frauen mit 17 Jahren). Eine l\u00e4cherliche Erkl\u00e4rung, wenn man bedenkt, dass der erste Geschlechtsverkehr von Jugendlichen in Deutschland im Schnitt auch mit 17 Jahren stattfindet. Dennoch m\u00f6gen Politiker solche Erkl\u00e4rungen. Sie machen alles einfach. Schuld am Elend ist Aids, schuld an Aids sind die Kranken selbst. Kein Grund, Fragen zu stellen.<\/p>\n<h4>AIDS und Ausbeutung<\/h4>\n<p>Ein Grund f\u00fcr die starke Verbreitung von HIV in S\u00fcdafrika und den Nachbarl\u00e4ndern ist zum Beispiel die Wanderarbeit. In den meisten D\u00f6rfern gibt es keine Jobs. Das zwingt viele M\u00e4nner, in den weit entfernten Industriezentren Arbeit zu suchen. Sie sind monatelang von den Familien getrennt. Das Leben in Sammelunterk\u00fcnften beg\u00fcnstigt Prostitution. Gleichzeitig sind die Ehefrauen oft v\u00f6llig von der Versorgung durch die Wanderarbeiter abh\u00e4ngig und daher nicht in der Position, auf gesch\u00fctzten Geschlechtsverkehr zu bestehen.<\/p>\n<p>Fehlende Aufkl\u00e4rung und die \u00c4chtung von Kondomen durch die Kirche versch\u00e4rfen das Problem. So wurde die schnelle Ausbreitung der Krankheit erheblich erleichtert. Soziale Sicherheit, die es Frauen und M\u00e4nnern erm\u00f6glicht, ihre Sexualpartner unabh\u00e4ngig von wirtschaftlichen Zw\u00e4ngen zu w\u00e4hlen, und menschenw\u00fcrdige Wohn- und Arbeitsbedingungen sind wichtige Voraussetzungen f\u00fcr selbst bestimmte Sexualit\u00e4t und damit daf\u00fcr, dass sich die Menschen \u2013 durch Verwendung von Verh\u00fctungsmitteln \u2013 vor Ansteckung sch\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>AIDS und Pharma-Profite<\/h4>\n<p>AIDS ist unheilbar. Aber wer arm ist, stirbt schneller.<\/p>\n<p>2005 starben nach Angaben von UNAIDS im s\u00fcdlichen Afrika 2,4 Millionen Menschen an AIDS. Das sind 77 Prozent der weltweiten Todesf\u00e4lle, also erheblich mehr, als dem regionalen Anteil der Infizierten entspricht. In West- und Mitteleuropa und in den USA, wo 4,7 Prozent aller Infizierten leben, starben 2005 0,9 Prozent an der Krankheit.<\/p>\n<p>Abgesehen davon, dass schlechte medizinische Versorgung und Mangelern\u00e4hrung die Sterblichkeitsrate generell erh\u00f6hen, k\u00f6nnen sich in Afrika 85-90 Prozent derjenigen, die antiretrovirale Behandlung ben\u00f6tigen (eine Therapie, mit der die Virusmenge im Blut stark gesenkt wird), die Medikamente nicht leisten. Um weiter fette Profite zu machen, tut die Pharmalobby alles, um zu verhindern, dass die Behandlung billiger wird. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist der Streit um die so genannten Generika.<\/p>\n<p>Bis 2001 kosteten die von westlichen Pharmakonzernen produzierten Medikamente f\u00fcr die \u201eAntiretrovirale HIV\/AIDS-Therapie\u201c im Schnitt 10.000 Dollar pro Jahr und Patient. Dann entwickelte zuerst Indien Nachahmermedikamente (Generika). Damit sanken die Kosten f\u00fcr die erste Phase der Therapie auf unter 140 Dollar im Jahr. Heute werden bei etwa 50 Prozent aller Therapien in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern Generika aus Indien eingesetzt.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung rief die Pharmalobby auf den Plan. Mit Hilfe von Vorschriften der Welthandelsorganisation (WTO) wurden die Generika produzierenden L\u00e4nder gezwungen, die Patentrechte der Pharmaindustrie anzuerkennen und ihrerseits Patente auf ihre Produkte zu vergeben. Da es bei der Behandlung von AIDS regelm\u00e4\u00dfig notwendig ist, den PatientInnen nach einer gewissen Zeit auf andere, neu entwickelte Medikamente umzustellen, blockieren die Patente die effektive Behandlung. Die betroffenen L\u00e4nder m\u00fcssen teure Lizenzen f\u00fcr die Produktion der Medikamente erwerben, die Kosten sind hoch und eine medizinisch sinnvolle Kombination von verschiedenen Wirkstoffen in einem Medikament ist nicht zul\u00e4ssig.<\/p>\n<h4>Was ist die Alternative?<\/h4>\n<p>W\u00fcrde der Patentschutz f\u00fcr Medikamente aufgehoben und die Pharmaindustrie in Gemeineigentum \u00fcberf\u00fchrt und demokratisch kontrolliert, k\u00f6nnte die Bek\u00e4mpfung von AIDS enorm verbessert werden. Generika helfen heute der H\u00e4lfte aller Menschen, die eine Behandlung bekommen. Dies sind jedoch nur etwa zehn Prozent derer, die eine Behandlung ben\u00f6tigen, denn auch Generika sind f\u00fcr viele zu teuer. Ohne Medikamente werden die \u00fcbrigen schnell krank und arbeitsunf\u00e4hig. Millionen AIDS-Waisen bleiben unversorgt zur\u00fcck. Der Gesellschaft entstehen so hohe Kosten. Menschlicher und gesellschaftlich sinnvoller w\u00e4re eine staatlich finanzierte, fl\u00e4chendeckende und kostenfreie Gesundheitsversorgung f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>L\u00e4nder wie S\u00fcdafrika sind technisch weit entwickelt und reich an nat\u00fcrlichen Ressourcen. Sie verf\u00fcgen \u00fcber fruchtbare B\u00f6den, Gold und Diamanten. W\u00fcrde dieser Reichtum f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, und nicht f\u00fcr die Profite internationaler Konzerne und einer kleinen, korrupten nationalen \u201eElite\u201c eingesetzt, w\u00e4re kostenlose Behandlung kein Problem.<\/p>\n<p>In einer sozialistischen Gesellschaft w\u00e4re auch Wissen Gemeineigentum. Die neuesten Forschungsergebnisse, die heute in den Labors der Konzerne geh\u00fctet werden, w\u00fcrden frei ver\u00f6ffentlicht. Jeder Forscher h\u00e4tte Zugang zu allen vorhandenen Informationen, statt nur den Teil zu kennen, der im eigenen Konzern entwickelt wurde. \u00dcber umfassende Kooperation und \u2013 internationale \u2013 Forschungsprogramme w\u00fcrde die Forschung viel effektiver. Die Chancen, ein Heilmittel zu finden, w\u00fcrden stark steigen.<\/p>\n<p>Solche offensichtlich notwendigen Ma\u00dfnahmen, die auf sozialistischer Basis schnell und problemlos umzusetzen w\u00e4ren, scheitern im Kapitalismus an den wirtschaftlichen Interessen Weniger. Im Fall der AIDS-Pandemie mit der Folge, dass Millionen unter schrecklichen Bedingungen zu Grunde gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegenma\u00dfnahmen werden von der Pharmalobby blockiert<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[111],"tags":[270,190],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11989"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11989"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11989\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11989"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11989"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11989"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}