{"id":11978,"date":"2007-02-25T00:30:30","date_gmt":"2007-02-25T00:30:30","guid":{"rendered":".\/?p=11978"},"modified":"2007-02-25T00:30:30","modified_gmt":"2007-02-25T00:30:30","slug":"11978","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11978\/","title":{"rendered":"B&#252;rgerkrieg in Gaza?"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Palaestina.jpg\">  Zus&#228;tzlich zum Massenelend und der immer sch&#228;rferen Unterdr&#252;ckung durch   den israelischen Staat droht der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung jetzt ein   B&#252;rgerkrieg. Nach dem Wahlsieg der Hamas im Januar 2006 spitzte sich der   Konflikt zwischen der Fatah, die jahrelang in Pal&#228;stina das Sagen hatte,   und der islamistischen Hamas zu.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Vivien Mast und Nihat Boyraz, Bremen<\/i><\/p>\n<p>  Zu der Eskalation kam es, nachdem es der Fatah-Regierung nicht gelungen   war, die miserable soziale Lage der Pal&#228;stinenserInnen in Gaza und West   Bank zu verbessern. Zudem ist eine L&#246;sung des Konfliktes zwischen Israel   und Pal&#228;stina nach wie vor in weiter Ferne. Bei den Wahlen vor einem   Jahr haben daraufhin die Pal&#228;stinenserInnen mehrheitlich der Hamas ihre   Stimme gegeben. Eine gro&#223;e Rolle spielte dabei, dass die am Westen   orientierte Fatah (ein Fl&#252;gel von Arafats PLO) in der Bev&#246;lkerung   inzwi-schen als korrupt gilt, w&#228;hrend die Hamas, die von Iran   Unterst&#252;tzung bekommt, durch populistische Parolen, aber auch durch   soziale Projekte an Sympathie gewinnen konnte.<\/p>\n<h4>  Hamas-Regierung in der Sackgasse<\/h4>\n<p>  Entgegen der Hoffnungen vieler Pal&#228;stinenserInnen f&#252;hrte der Wahlerfolg   der Hamas nicht zu einem Ausweg aus der dramatischen Lage. Im Gegenteil,   die Situation versch&#228;rfte sich noch: Die Fatah, die mit Mahmud Abbas den   Pr&#228;sidenten stellt, nutzte ihre Position im Staatsapparat, um die   Einflussm&#246;glichkeiten der neuen Regierung von vornherein zu beschr&#228;nken.   Gegen die Mitarbeiter in den Ministerien konnten die Hamas-Minister   nichts ausrichten.<\/p>\n<p>  Israel, die USA und die Europ&#228;ische Union (EU) verweigerten der neuen   Regierung die Anerkennung und verh&#228;ngten ein Embargo &#8211; eine   Kollektivstrafe gegen die Pal&#228;stinenserInnen: Israel stellte die Zahlung   der Gelder ein, die bislang an Pal&#228;stina gingen &#8211; 60 Millionen Dollar im   Monat. EU und US-Imperialismus setzten den Stopp der internationalen   Hilfsmittel durch, die bisher die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde am   Leben erhalten hatten.<\/p>\n<h4>  Verarmung und Angriffe Israels<\/h4>\n<p>  Die Folgen dieser inneren und &#228;u&#223;eren Zuspitzung bekam die   pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung schmerzhaft zu sp&#252;ren: Einerseits   erreichten Armut und Erwerbslosigkeit nie gekannte Ausma&#223;e. Das   Pro-Kopf-Einkommen in den pal&#228;stinensischen Gebieten sank auf 700 Dollar   im Jahr, so dass etwa zwei Drittel der Bev&#246;lkerung auf Nothilfen   angewiesen sind, da sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst   bestreiten k&#246;nnen. Den 165.000 Angestellten der Autonomiebeh&#246;rde wurden   monatelang keine Geh&#228;lter mehr ausgezahlt, was f&#252;r die fast eine Million   Menschen, die von diesen L&#246;hnen abh&#228;ngig sind, eine existenzielle   Katastrophe bedeutete. Daraufhin kam es im September 2006 zu einem   Massenstreik von 100.000 Besch&#228;ftigten.<\/p>\n<p>  Andererseits nahmen die Angriffe durch die israelische Armee zu: Die   Bev&#246;lkerung im Gaza-Streifen wurde durch den israelischen Staat   vollst&#228;ndig von der Au&#223;enwelt abgeriegelt, w&#228;hrend die israelische Armee   regelm&#228;&#223;ig die pal&#228;stinensischen Gebiete aus der Luft angreift. Damit   will die israelische Regierung nicht nur den Druck auf die   Pal&#228;stinenserInnen erh&#246;hen, sondern auch die eigene Bev&#246;lkerung von den   dortigen sozialen Konflikten ablenken, die in j&#252;ngster Zeit die   Regierung unter Druck gesetzt haben.<\/p>\n<h4>  Eskalation<\/h4>\n<p>  Auf der Grundlage eines Briefs von politischen Gefangenen, dem so   genannten &#8222;Papier der Inhaftierten&#8220;, setzte die Fatah Hamas unter Druck,   gemeinsam eine Koalitionsregierung der &#8222;nationalen Einheit&#8220; zu bilden   und so eine &#8222;L&#246;sung&#8220; f&#252;r die aktuelle Krise zu finden. Dieses Papier   beinhaltet eine indirekte Anerkennung Israels, welche die F&#252;hrung der   Hamas ablehnt. Lokale Hamas-Machthaber stimmten dem Papier jedoch   schlie&#223;lich zu.<\/p>\n<p>  Zu Beginn 2007 kam es zu ersten Gespr&#228;chen zwischen Fatah und Hamas, die   aber rasch scheiterten. Am letzten Januar-Wochenende tobten nun die   schwersten K&#228;mpfe zwischen Anh&#228;ngern der Fatah und der Hamas seit den   Wahlen vor einem Jahr. &#8222;Nach einer in den pal&#228;stinensischen Gebieten   ver&#246;ffentlichten Umfrage sehen nun 53 Prozent der Bev&#246;lkerung die Krise   als B&#252;rgerkrieg an. Fast 87 Prozent w&#228;hnen Familie und Eigentum in   Gefahr&#8220; (FAZ vom 29. Januar). Viele wagen sich nicht mehr aus den   H&#228;usern. Die meisten Gesch&#228;fte bleiben geschlossen. Im Rahmen des   Kapitalismus &#8211; den weder Fatah noch Hamas grundlegend in Frage stellen &#8211;   wird Pal&#228;stina in der Abh&#228;ngigkeit imperialistischer Kr&#228;fte bleiben.   Einen Ausweg aus sozialer Krise, Krieg und B&#252;rgerkrieg kann es so nicht   geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/Palaestina.jpg\"><br \/>\n      Zus&#228;tzlich zum Massenelend und der immer sch&#228;rferen Unterdr&#252;ckung durch<br \/>\n      den israelischen Staat droht der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung jetzt ein<br \/>\n      B&#252;rgerkrieg. 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