{"id":11974,"date":"2007-02-21T23:59:22","date_gmt":"2007-02-21T22:59:22","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11974"},"modified":"2012-08-08T12:19:55","modified_gmt":"2012-08-08T10:19:55","slug":"11974","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11974\/","title":{"rendered":"Klima: Demokratische Planwirtschaft statt kapitalistisches Chaos"},"content":{"rendered":"<p><em>Warum dem Umweltdesaster ohne demokratische Planung nicht beizukommen ist<\/em><br \/>Ungleichheit, Unterdr\u00fcckung, Krise und nicht zuletzt die Umweltzerst\u00f6rung in der Sowjetunion und in den Ostblock-Staaten haben die Idee der Planwirtschaft in Misskredit gebracht. Dennoch wird der geplante Einsatz von Ressourcen \u2013 als Alternative zur Anarchie des Marktes \u2013 das entscheidende Mittel sein, um Probleme wie Klimaerw\u00e4rmung anzupacken.<br \/> \u00a0<\/p>\n<p><strong>Eine Planwirtschaft auf demokratischer Grundlage ist die Antwort auf die Probleme des Kapitalismus als auch auf das Scheitern des Stalinismus<\/strong> .<\/p>\n<h4>Haben die Ostblock-Staaten nicht bewiesen, dass eine Planwirtschaft immer B\u00fcrokratie und Diktatur bedeutet?<\/h4>\n<p>Eine Planwirtschaft kann demokratisch oder b\u00fcrokratisch sein. Genauso wie eine Marktwirtschaft mit parlamentarischer Demokratie oder mit einer Milit\u00e4rherrschaft einhergehen kann. Anders als von b\u00fcrgerlicher Seite gern behauptet, gab und gibt es seit Jahren und Jahrzehnten in kapitalistischen L\u00e4ndern nicht nur b\u00fcrgerliche Demokratien, sondern ebenso Diktaturen; vor siebzig Jahren in einer ganzen Reihe von europ\u00e4ischen Staaten auch faschistische Regime.<\/p>\n<p>Die Marktwirtschaft kann auch ohne Demokratie auskommen. Oft kamen die Kapitalistenklassen zum Schluss, Gewerkschaften und Opposition auszuschalten, um ungehinderter ihren Profitinteressen nachzugehen. Die Gesetze des Marktes galten weiter.<\/p>\n<p>Planwirtschaft braucht dagegen Demokratie, wenn sie funktionieren soll. Wenn Konkurrenz und Profit ausgeschaltet sind, dann muss unbedingt ein Mechanismus her, um Effizienz und Produktivit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten. Dieser Mechanismus kann nur in der demokratischen Kontrolle und Einbeziehung der arbeitenden Bev\u00f6lkerung in die Entscheidungsfindung sein.<\/p>\n<p>Das Kernproblem im Stalinismus waren die Kommandomethoden. Trotz des Einparteien-Apparates konnte die So-wjetunion dank einer geplanten Wirtschaft von einem extrem r\u00fcckst\u00e4ndigen Land zu einer f\u00fchrenden Industrienation aufsteigen. Eine Weiterentwicklung wurde dann aber durch die b\u00fcrokratischen Fesseln unm\u00f6glich gemacht.<\/p>\n<h4>Wie soll es denn m\u00f6glich sein, Planung und Demokratie auf \u00fcberbetrieblicher Ebene, im nationalen Ma\u00dfstab zusammen zu bringen?<\/h4>\n<p>Warum soll das nicht m\u00f6glich sein? Wenn die Konzerne in Gemeineigentum \u00fcberf\u00fchrt sind, k\u00f6nnten die Besch\u00e4ftigten in jedem Werk und in jedem B\u00fcro VertreterInnen demokratisch in Leitungs- und Entscheidungsgremien w\u00e4hlen. Diese Funktion\u00e4re m\u00fcssten rechenschaftspflichtig und jederzeit abw\u00e4hlbar sein. Sie d\u00fcrften keine Privilegien einstreichen. Das w\u00e4re die beste Garantie daf\u00fcr, dass sie sich nicht verselbst\u00e4ndigen. Diese Prinzipien m\u00fcssten auf allen Ebenen (nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Schule, an der Universit\u00e4t, in den Stadtteilen und so weiter) gelten. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnten dann stadtweite und \u00fcberregionale VertreterInnen gew\u00e4hlt werden. Die Ziele in Wirtschaft und Gesellschaft w\u00fcrden durch eine demokratische Willensbildung von unten nach oben bestimmt werden. \u00dcberall k\u00f6nnten Diskussionen stattfinden \u2013 beg\u00fcnstigt durch eine drastische Reduzierung der Arbeitszeit.<\/p>\n<p>Auch \u00fcber die heutigen nationalen Grenzen k\u00f6nnte und m\u00fcsste ein Austausch stattfinden. Derzeit will jede herrschende Klasse in ihrem eigenen Nationalstaat beispielsweise eine eigene Energiewirtschaft schaffen. Der Konkurrenzkampf zwingt sie de facto dazu. Darum erleben wir gerade auch eine Renaissance der Atompolitik. Gegenw\u00e4rtig werden 24 neue Atomkraftwerke gebaut. Der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromerzeugung soll von 16 auf 27 Prozent bis zum Jahr 2030 steigen. Eine demokratische Planung der Wirtschaft international w\u00fcrde dagegen im Weltma\u00dfstab feststellen, wo es welche Ressourcen gibt, wo welcher Bedarf besteht, und dementsprechend harmonisch diskutieren und entscheiden.<\/p>\n<h4>Ist der Mensch nicht zu egoistisch f\u00fcr den Sozialismus?<\/h4>\n<p>Der Mensch kann verschiedene Eigenschaften haben, egoistische und solidarische. Im Kapitalismus, wird das Ellenbogendenken von Kindheit an gef\u00f6rdert. Trotzdem zeigt sich auch heute, dass Hunderttausende sich aus freien St\u00fccken ehrenamtlich in Gewerkschaften, B\u00fcrgerinitiativen und anderen Strukturen \u00fcber ihre eigenen Belange hinausgehend engagieren. Wenn den Besch\u00e4ftigten die Betriebe geh\u00f6ren, wenn in der Gesellschaft nicht mehr \u00fcber ihre K\u00f6pfe hinweg Entscheidungen gef\u00e4llt werden, dann werden sie sich auch ganz anders einbringen.<\/p>\n<h4>Wird es nicht zu vielen Fehlern kommen?<\/h4>\n<p>Nat\u00fcrlich wird nicht alles von Anfang an reibungslos klappen. Doch w\u00e4hrend in der Marktwirtschaft und bei b\u00fcrokratischer Herrschaft die ProduzentInnen und KonsumentInnen Fehlentscheidungen ausbaden m\u00fcssen, ohne Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen, lie\u00dfen sich in einer demokratischen Planwirtschaft Fehler schnell feststellen und korrigieren. Wenn etwas in der Produktion falsch l\u00e4uft, h\u00e4tten die Besch\u00e4ftigten ein unmittelbares Interesse und alle M\u00f6glichkeiten, dies sofort vorzubringen.<\/p>\n<h4>Aber wie soll sich die F\u00fclle der Konsumentenw\u00fcnsche ermitteln lassen?<\/h4>\n<p>Wenn jedes einzelne kapitalistische Unternehmen Marktforschung betreiben kann, warum soll das nicht auch gesamtgesellschaftlich m\u00f6glich sein? Die heutigen M\u00f6glichkeiten der Statistik, der Demoskopie, Internet und moderne Techniken erleichtern das enorm.<\/p>\n<p>Grundbed\u00fcrfnisse der Menschen \u00e4ndern sich auch nicht t\u00e4glich, sondern k\u00f6nnen einigerma\u00dfen gut eingesch\u00e4tzt werden. Ein demokratischer Plan ist auch nichts Starres, sondern eine Arbeitshypothese. Ein Plan l\u00e4sst sich flexibel korrigieren und anpassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum dem Umweltdesaster ohne demokratische Planung nicht beizukommen ist<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[117],"tags":[270,189],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11974"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11974"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11974\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}