{"id":11961,"date":"2007-02-19T21:20:13","date_gmt":"2007-02-19T21:20:13","guid":{"rendered":".\/?p=11961"},"modified":"2007-02-19T21:20:13","modified_gmt":"2007-02-19T21:20:13","slug":"11961","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11961\/","title":{"rendered":"DaimlerChrysler: Wut trotz h&#246;herem Bonus"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/DC-Marienfelde_ProtestRente67.jpg\">  Unzufriedenheit &#252;ber Produktionsverlagerungen und Lohnk&#252;rzungen in   deutschen DaimlerChrysler-Werken. Konflikte unter Besch&#228;ftigtenvertretern<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  von Daniel Behruzi, dieser Artikel wurde zuerst in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/02-16\/024.php\">jungen   Welt vom 16.2.<\/a> ver&#246;ffentlicht<\/p>\n<p>  In den deutschen DaimlerChrysler-Werken herrscht trotz erh&#246;hter   Bonuszahlungen &#8211; f&#252;r 2006 erhalten die rund 132000 Arbeiter und   Angestellten 2000 statt wie im Vorjahr 1000 Euro Ergebnisbeteiligung &#8211;   weiterhin Unruhe. Neben dem Unmut &#252;ber die Umsetzung des   Entgeltrahmen-Abkommens (ERA), die einem Gro&#223;teil der Besch&#228;ftigten   schmerzliche Lohnverluste beschert, geht es in mehreren Betrieben um   Produktionsverlagerungen.<\/p>\n<p>  Der DaimlerChrysler-Vorstand plant, die Produktaufteilung unter den   deutschen Werken zu ver&#228;ndern. So soll die Endmontage, das sogenannte   dress-up, des Dieselmotors OM 651 von Stuttgart-Untert&#252;rkheim und   Mannheim ins th&#252;ringische K&#246;lleda verlagert werden. Als &#187;Kompensation&#171;   soll in Mannheim k&#252;nftig die Montage des bisher in Berlin-Marienfelde   gefertigten Tauschmotors erfolgen. Hintergrund der Planungen ist die   miserable Auslastung der 2003 als Joint-Venture gegr&#252;ndeten, inzwischen   aber allein im Besitz von DaimlerChrysler befindlichen Fabrik in   K&#246;lleda. In diesem mit Hilfe staatlicher Subventionen in H&#246;he von rund   57 Millionen Euro gebauten Werk arbeiten derzeit statt 500 Besch&#228;ftigten   im Drei-Schicht-Betrieb weit weniger als 300 Arbeiter und Angestellte in   nur einer Schicht. Um eine Schlie&#223;ung zu vermeiden &#8211; an dem   th&#252;ringischen Standort liegen die Tarife deutlich unter denen der   anderen deutschen Werke &#8211; soll die genannte Motorenfertigung von   Untert&#252;rkheim und Mannheim dorthin verlagert werden.<\/p>\n<h4>  Konflikt in Betriebsr&#228;ten<\/h4>\n<p>  In den Betriebsr&#228;ten der betroffenen Werke &#8211; deren Zustimmung zu   Produktionsverlagerungen der Konzern aufgrund des 2004 geschlossenen   &#187;Zukunftsvertrags&#171; zuvor einholen mu&#223; &#8211; kam es am Donnerstag in der   Frage zu teils heftigen Auseinandersetzungen. &#187;Wir haben argumentiert,   da&#223; man die Drucksituation, in der sich der Vorstand im Moment ganz   offensichtlich befindet, dazu ausnutzen mu&#223;, die Eingliederung von   K&#246;lleda in die Mercedes Car Group zu erzwingen&#171;, berichtete Tom Adler   von der oppositionellen Betriebsgruppe &#187;alternative&#171; aus dem   DaimlerChrysler-Werk Untert&#252;rkheim am Donnerstag gegen&#252;ber junge Welt.   Hierdurch k&#246;nne das Lohndumping unter den Belegschaften eingeschr&#228;nkt   werden. Derzeit ist die Fabrik in K&#246;lleda als eigenst&#228;ndige GmbH   organisiert. Ein weiterer Grund, die Zustimmung zur Verlagerung zu   verweigern, sei die angebotene &#187;Kompensation&#171; f&#252;r die 260 hierdurch in   Stuttgart wegfallenden Jobs gewesen, erkl&#228;rte Adler. &#187;Die angeblichen   Ersatzarbeitspl&#228;tze bestehen zum Teil aus Luftnummern und aus ohnehin   geplanten Investitionen, die andere wegfallende Produkte ersetzen   sollen&#171;, argumentierte er. Obwohl das Management keine detaillierte   Auflistung vorgelegt habe, wie die Pl&#228;ne sich auf die gesamte   Arbeitsplatzsituation im Werk auswirken, habe die Mehrheit des   Betriebsrats der Vereinbarung zugestimmt, kritisierte der linke Aktivist.<\/p>\n<p>  Das gleiche Bild in Berlin: Auch hier stimmte die   Besch&#228;ftigtenvertretung mehrheitlich zu, obwohl sie nur wenige Tage   zuvor &#252;ber die Vorhaben des Vorstands informiert worden war. &#187;Eine so   wichtige Entscheidung so kurzfristig und ohne ausreichende Diskussion   und Beteiligung der betroffenen Kollegen durchzuziehen &#8211; das ist schon   ein starkes St&#252;ck&#171;, emp&#246;rte sich der Berliner Betriebsrat Mustafa Efe am   Donnerstag auf jW-Nachfrage. Zwar habe das Unternehmen 60 bis 70   Millionen Euro f&#252;r Investitionen in neue Produkte zugesagt, es sei aber   keineswegs sicher, da&#223; die betroffenen 150 Stellen tats&#228;chlich   vollst&#228;ndig und gleichwertig ersetzt w&#252;rden. In der bislang in Berlin   stattfindenden Montage der Tauschmotoren &#8211; die als sicheres Produkt   gelten &#8211; seien viele &#196;ltere, Schwerbehinderte und Ungelernte t&#228;tig. &#187;F&#252;r   diese Kollegen wird es sehr schwierig sein, ad&#228;quate Arbeitspl&#228;tze in   anderen Bereichen zu finden&#171;, sagte Efe.<\/p>\n<h4>  Wut &#252;ber ERA<\/h4>\n<p>  Auch die Umsetzung des Entgeltrahmen-Abkommens (ERA) sorgt in den   Belegschaften des Autokonzerns weiterhin f&#252;r Unzufriedenheit. Erst am   vergangenen Freitag und Montag stand die Produktion im Bremer Werk   zeitweise still, weil sich jeweils rund 2000 Arbeiter im Personalb&#252;ro   kollektiv &#252;ber ihre Eingruppierung beschwerten. In Berlin hatten fast   900 Besch&#228;ftigte eine Petition unterschrieben, in der der Betriebsrat   zur Einberufung einer au&#223;erordentlichen Betriebsversammlung zum Thema   aufgefordert wird (jW berichtete). Obwohl die Besch&#228;ftigtenvertretung an   dieses Votum gebunden ist, hat der Betriebsrat hierauf bislang nicht   reagiert. Die Initiatoren der Aktion haben mittlerweile einen Anwalt   eingeschaltet, um die Einberufung der Versammlung zu erzwingen.<\/p>\n<p>  Die Verdopplung der Bonuszahlung &#8211; die &#252;blicherweise an den Operating   Profit gebunden ist, aber jedes Jahr zwischen Management und Betriebsrat   neu ausgehandelt wird &#8211; k&#246;nnte durchaus mit dem wachsenden Unmut in den   Belegschaften zusammenh&#228;ngen. &#187;Ich vermute, da&#223; dies ein Bonbon ist, mit   dem die Unzufriedenheit ein wenig bes&#228;nftigt werden soll&#171;, meinte   Christa Hourani, Betriebsr&#228;tin in der Stuttgarter Konzernzentrale, im   jW-Gespr&#228;ch. Noch eine andere Vermutung hat Tom Adler: &#187;Es ist nicht   unwahrscheinlich, da&#223; Daimler-Chef Dieter Zetsche damit die Akzeptanz   seiner Pl&#228;ne mit Chrysler durch die Belegschaftsvertreter im   Aufsichtsrat honorieren mu&#223;te&#171;, sagte er. In einer gemeinsam mit den   nordamerikanischen Gewerkschaften UAW und CAW am Mittwoch   verabschiedeten Deklaration erkl&#228;rt die IG Metall ihre Zustimmung zu   einem &#187;sozialvertr&#228;glichen&#171; Arbeitsplatzabbau bei Chrysler. Diesem   sollen in den USA und Kanada insgesamt 13 000 Jobs zum Opfer fallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/DC-Marienfelde_ProtestRente67.jpg\"><br \/>\n      Unzufriedenheit &#252;ber Produktionsverlagerungen und Lohnk&#252;rzungen in<br \/>\n      deutschen DaimlerChrysler-Werken. 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