{"id":11951,"date":"2007-02-12T17:26:18","date_gmt":"2007-02-12T17:26:18","guid":{"rendered":".\/?p=11951"},"modified":"2007-02-12T17:26:18","modified_gmt":"2007-02-12T17:26:18","slug":"11951","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11951\/","title":{"rendered":"Berliner WASG: Ja zur sozialen Opposition, Nein zur Fusion"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/WASG-Berlin.jpg\">  Der Landesparteitag der WASG Berlin bekr&#228;ftigte am 10. Februar 2007   seine Ablehnung der geplanten Fusion der Partei mit der Linkspartei.PDS.   Weniger als ein Drittel der Delegierten stimmten f&#252;r die Fusion. Die   Mehrheit stellte die Weichen f&#252;r ein unabh&#228;ngiges Weiterbestehen in   einer regionalen Nachfolgeorganisation.<br \/><i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Mehrheitsverh&#228;ltnisse in der Berliner WASG haben sich nicht   ver&#228;ndert. Die deutliche Mehrheit der Parteitagsdelegierten bleiben   ihrer ablehnenden Haltung gegen&#252;ber der Politik des Berliner Senats treu   und sehen aufgrund dessen keine Basis f&#252;r eine Fusion mit der   Hauptstadt-L.PDS. Lucy Redler betonte in ihrer Er&#246;ffnung des Parteitags,   dass angesichts der Angriffe von Bundesregierung und SPD-L.PDS-Senat in   Berlin die Notwendigkeit zur sozialen Opposition gr&#246;&#223;er denn je ist. <\/p>\n<p>  Einen Tag vor dem Parteitag fanden die Berliner WASG-Mitglieder einen   Brief des gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Bundesvorstands in ihrem Briefkasten. In   diesem rief dieser zur Schaffung einer Parallelstruktur zum   Landesverband in Berlin auf, mit welcher die Fusionsverhandlungen mit   der L.PDS gef&#252;hrt werden sollen.<\/p>\n<p>  Dazu laden die Vorst&#228;ndler Klaus Ernst, Thomas H&#228;ndel und Axel Troost zu   einer Versammlung am 27. Februar ein. Darin hei&#223;t es: &#8222;<i>Um   die Schritte und Ma&#223;nahmen zur konkreten Parteibildung im Landesverband   (&#8230;) zu besprechen, laden wir diejenigen Mitglieder der WASG in Berlin   zu einer Versammlung ein die den Parteibildungsprozess zu einer geeinten   Linken nachdr&#252;cklich bef&#252;rworten. Stimmberechtigt werden alle Mitglieder   der WASG Berlin sein, die dies vor der Versammlung schriftlich erkl&#228;ren.   Aus dem Kreis derer, die den Parteibildungsprozess auf der Basis der   vertraglichen Vereinbarungen zwischen WASG und Linkspartei.PDS   akzeptieren und dies mit ihrer Unterschrift bei Ausgabe der Stimmkarte   verbindlich erkl&#228;ren, soll ein Gremium gew&#228;hlt werden. Dieses Gremium   soll in Abstimmung mit dem Bundesvorstand der WASG die Schritte und   Ma&#223;nahme zur Parteibildung auch in Berlin koordinieren.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>  Damit werden nicht nur die demokratisch gew&#228;hlten und legitimierten   Gremien der WASG Berlin ignoriert und umgangen (konsequenterweise war   auch kein Mitglied des gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Bundesvorstands beim   Landesparteitag anwesend). Es werden auch die (wenigen) Mitglieder der   WASG Berlin, die den eigenst&#228;ndigen Wahlantritt unterst&#252;tzt haben, jetzt   aber eine Beteiligung an der Fusion f&#252;r m&#246;glich halten ausgegrenzt bzw.   von ihnen ein Kotau vor dem Bundesvorstand erwartet, indem sie die &#8222;<i>  vertraglichen Vereinbarungen<\/i>&#8220; zwischen den beiden Parteien akzeptieren   sollen. Damit ist unter anderem das Kooperationsabkommen III gemeint,   das von der Berliner WASG massiv kritisiert und nicht anerkannt wurde.<\/p>\n<p>  Faktisch vollzieht der Bundesvorstand und mit ihm die als Initiative   Rixdorf organisierte Minderheit im Landesverband die Spaltung. Die   Delegierten der Initiative Rixdorf hatten aber nicht einmal den Anstand,   dies auch konsequent zu betreiben. W&#228;hrend sie ihre Versammlung am 27.   Februar durch das Abverlangen einer Gesinnungserkl&#228;rung &#8222;sauber&#8220; halten   wollen, haben sie beim Landesparteitag an Abstimmungen teilgenommen,   deren Inhalt den Charakter der zuk&#252;nftigen Nachfolgeorganisation des   Landesverbandes betrafen. Einer Organisation also, deren Gr&#252;ndung sie   nicht bef&#252;rworten und an der sie nicht teilnehmen werden. So haben sie   zumindest eine Abstimmung noch ad absurdum gef&#252;hrt (siehe unten), bevor   sie den Saal verlie&#223;en und darauf spekulierten, dadurch eine   Beschlussunf&#228;higkeit zu erreichen, was ihnen allerdings misslang.<\/p>\n<h4>  Rixdorf auf Knien in die neue Linke<\/h4>\n<p>  Rainer Balcerowiak, Parteitagsdelegierter aus Tempelhof-Sch&#246;neberg,   kroch auf Knien ans Rednerpult und symbolisierte damit den Gang der   Rixdorf-Minderheit in die Berliner Linkspartei. Denn diese hatten einen   Antrag vorgelegt, der zum Ausdruck brachte, wie viel Kreide sie   gefressen haben &#8211; nur um von Klaus Lederer und Stefan Liebich in den   F&#252;hrungsgremien der k&#252;nftigen Partei akzeptiert zu werden.<\/p>\n<p>  Der Antrag fiel sogar hinter die Beschlussfassung der WASG-L&#228;nderrats   zur&#252;ck, der im Falle des Verkaufs der Berliner Sparkasse die Berliner   Linkspartei.PDS zum Verlassen der Landesregierung aufgefordert hatte.   Kein Wort zur R&#252;ckkehr in den Kommunalen Arbeitgeberverband, zum   Ladenschluss-Gesetz, den Ein-Euro-Jobs, Wohnungsprivatisierungen.   Lediglich der Erhalt der Berliner Sparkasse als &#246;ffentliche Einrichtung   und eine ausreichende finanzielle Ausstattung des Bildungssektors wurden   gefordert.<\/p>\n<p>  Damit hisste die Initiative Rixdorf geradezu die wei&#223;e Fahne gegen&#252;ber   der Berliner L.PDS-F&#252;hrung und unterstrich unmissverst&#228;ndlich, dass sie   nicht als radikale und k&#228;mpferische Opposition in die fusionierte Partei   gehen werden. Der Antrag wurde mit 30 F&#252;r- und 75 Gegenstimmen abgelehnt. <\/p>\n<h4>  &#220;bereinstimmung und Differenzen bei der Mehrheit<\/h4>\n<p>  Doch auch in der Mehrheit der Berliner WASG, also denjenigen   Delegierten, die die eigenst&#228;ndige Kandidatur getragen haben, gab es   nicht nur Gemeinsamkeiten.<\/p>\n<p>  So forderte zum Beispiel Rita Waldukat die sofortige Gr&#252;ndung einer   neuen Partei. Andere wollten, dass der Landesparteitag keine Beschl&#252;sse   f&#228;llt, die &#252;ber die Festlegung auf eine Ablehnung der Fusion und ein   allgemeines &#8222;wir machen weiter&#8220; hinausgehen. Ein entsprechender Antrag   aus Treptow-K&#246;penick, der jeglichen Bezug zu einer zuk&#252;nftigen   Regionalorganisation aus dem Leitantrag streichen wollte, wurde jedoch   abgelehnt.<\/p>\n<p>  Dagegen argumentierten unter anderem SAV-Mitglieder, dass von dem   Landesparteitag deutliche Signale ausgehen sollten, auf welcher   politischen und organisatorischen Grundlage weiter gemacht werden soll.   Deshalb hatten eine Reihe von Delegierten aus verschiedenen Str&#246;mungen   der Mehrheit einen gemeinsamen Erg&#228;nzungsantrag zum Leitantrag des   Landesvorstands gestellt, der solche Konkretisierungen vornahm. Dabei   handelte es sich um solche Konkretisierungen, die auf einer Versammlung   von Unterst&#252;tzerInnen des Mehrheitsfl&#252;gels, wenige Tage vor dem   Parteitag mit gro&#223;er Mehrheit unterst&#252;tzt wurden.<\/p>\n<p>  Kontroverse Fragen, wie zum Beispiel ob in einer Nachfolgeorganisation   Doppelmitgliedschaften erlaubt sein sollen, wurden auf dem Parteitag   nicht zur Abstimmung gestellt, da diese weiterer Diskussion bed&#252;rfen und   nicht unter Beteiligung der Initiative Rixdorf abgestimmt werden sollen.   .<\/p>\n<p>  Dieser Erg&#228;nzungsantrag erhielt zwar eine Mehrheit der Stimmen der   Mehrheits-Delegierten, wurde aber durch das Zusammenkommen einer   Minderheit der Mehrheitsdelegierten mit den Stimmen der Delegierten der   Initiative Rixdorf mit 36 zu 48 Stimmen abgelehnt. Der Leitantrag wurde   dann mit 62 zu 44 Stimmen angenommen. Das auch bei dieser Abstimmung   einige Mehrheitsdelegierte mit Nein votierten traf auf gro&#223;es   Unverst&#228;ndnis bei vielen anderen Delegierten.<\/p>\n<h4>  Kampagne gegen die Privatisierung der Sparkasse<\/h4>\n<p>  Der Parteitag beschloss eine Kampagne gegen die Privatisierung der   Berliner Sparkasse und die Beteiligung an einem m&#246;glichen Volksbegehren   zur Verhinderung einer Privatisierung. Dazu soll ein Massenflugblatt   erstellt werden und die Zusammenarbeit mit dem   Anti-Privatisierungs-B&#252;ndnis verst&#228;rkt werden. Ein von der   Bezirksverordneten aus Berlin-Mitte, Anne Engelhardt, eingebrachter   &#196;nderungsantrag mit konkreten Vorschl&#228;gen f&#252;r die Kampagne wurde mit   gro&#223;er Mehrheit angenommen.<\/p>\n<p>  Darin hei&#223;t es unter anderem, dass f&#252;r die WASG Berlin von gro&#223;er   Bedeutung ist, dass sich ein Volsbegehren explizit gegen eine   Privatisierung ausspricht.<\/p>\n<h4>  F&#252;r einen Streik- und Protesttag gegen die Rente mit 67<\/h4>\n<p>  SAV-Mitglieder hatten eine Resolution eingebracht, die sich f&#252;r einen   Streik- und Protesttag am 26. Februar gegen die Erh&#246;hung des   Renteneinstiegsalters aussprach. In der Antragsbegr&#252;ndung wurde gesagt,   dass Demonstrationen und vereinzelte Arbeitsniederlegungen nicht   ausreichen werden, um die Regierungspl&#228;ne zu stoppen. Der Antrag   formulierte, dass sich die WASG bei den Gewerkschaften f&#252;r einen solchen   Streiktag einsetzen werde. Er wurde mit &#252;berw&#228;ltigender Mehrheit   angenommen.<\/p>\n<h4>  Gegen den G8-Gipfel<\/h4>\n<p>  Au&#223;erdem beschloss der Parteitag, dass die WASG sich an den   Mobilisierungen gegen den G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm beteiligen   wird und sprach sich daf&#252;r aus, dass der dortige Protest auch &#8222;<i>  auf das dahinter liegende kapitalistische System und seine imperiale   Absicherung zielt<\/i>&#8220;.<\/p>\n<h4>  Nachwahlen<\/h4>\n<p>  Bei Nachwahlen zum Landesvorstand wurden Ulrike K&#246;lver in den   gesch&#228;ftsf&#252;hrenden und Mario Sperling in den erweiterten Vorstand   gew&#228;hlt.<\/p>\n<h4>  Fazit<\/h4>\n<p>  Der Landesparteitag hat die Weichen gestellt, im zu erwartenden Fall der   bundesweiten Fusion von WASG und Linkspartei.PDS in Berlin einer   Regionalorganisation der sozialen Opposition zu bilden, die die   politische Zielsetzung der WASG weiter verfolgt. Er hat es vers&#228;umt,   bzw. es ist der Initiative Rixdorf aufgrund des Abstimmungsverhalten   eines Teils der Mehrheitsdelegierten gelungen, zu verhindern, dass eine   konkretere Vorstellung &#252;ber die zu bildende Organisation gegeben wurde. <\/p>\n<p>  Dies muss nun in den bestehenden Kommissionen und Diskussionen der   Unterst&#252;tzerInnen der Mehrheit schnell gekl&#228;rt werden. Dann kann die   Chance genutzt werden, dass die Kampagne gegen die Privatisierung der   Berliner Sparkasse gleichzeitig zum Startschuss f&#252;r die neue   Regionalorganisation wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/WASG-Berlin.jpg\"><br \/>\n      Der Landesparteitag der WASG Berlin bekr&#228;ftigte am 10. Februar 2007<br \/>\n      seine Ablehnung der geplanten Fusion der Partei mit der Linkspartei.PDS.<br \/>\n      Weniger als ein Drittel der Delegierten stimmten f&#252;r die Fusion. 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