{"id":11947,"date":"2007-02-05T11:16:11","date_gmt":"2007-02-05T11:16:11","guid":{"rendered":".\/?p=11947"},"modified":"2007-02-05T11:16:11","modified_gmt":"2007-02-05T11:16:11","slug":"11947","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11947\/","title":{"rendered":"Rostock: &#8222;Nur mit Druck haben wir die Chance, das Sozialticket wirklich \r\n      zu erhalten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/ChristineLehnert_farbe.jpg\">  Die B&#252;rgerschaft in Rostock stimmte am 31. Januar 07 dem Antrag der SAV   zu, das Sozialticket beizubehalten, doch der Oberb&#252;rgermeister will den   Beschluss kippen.<br \/><i>Interview mit Christine Lehnert, Abgeordnete der   SAV \/ Liste gegen Sozialkahlschlag in der Rostocker B&#252;rgerschaft<\/i><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>sozialismus.info: Seit wann gibt es denn eine Sozialticket in Rostock?<\/b> <\/p>\n<p>  Christine Lehnert: Vor fast genau 2 Jahren beschloss die Rostocker   B&#252;rgerschaft ein verg&#252;nstigtes Sozialticket f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;ngerInnen.   Die SAV hatte damals neben der Forderung nach Abschaffung der   Hartz-Gesetze ein <a href=\"http:\/\/sozialismus.info\/index.php?name=News&#038;p=1150\"> &#8222;Sofortprogramm gegen Hartz IV&#8220;<\/a> in die B&#252;rgerschaft   eingebracht und vor allem daf&#252;r mobilisiert.<\/p>\n<p>  Die anderen Parteien lenkten unter dem Eindruck der   Montagsdemonstrationen zumindest bei zwei Punkten ein: Es sollte keine   Zwangsumz&#252;ge geben in Rostock und das Sozialticket in einer abgespeckten   Version wurde eingef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  <b>Abgespeckt?<\/b><\/p>\n<p>  Leider. Wir haben ein um 50 Prozent erm&#228;&#223;igtes Sozialticket bezogen auch   auf Monatskarten beantragt. Doch das war den anderen Parteien zu viel.   Heraus kam aber immerhin eine &#8222;Light&#8220;-Version: Arbeitslose zahlten zum   Beispiel 1,10 Euro statt 1,60 Euro f&#252;r den Einzelfahrschein. 211.000   Euro zahlt die Stadt im Jahr daf&#252;r.<\/p>\n<p>  Doch das wollten die etablierten Parteien sowie Oberb&#252;rgermeister   Methling und der zust&#228;ndigen Sozialsenator, Wolfgang Nitzsche von der   Linkspartei.PDS wieder abschaffen. Dagegen haben wir protestiert.<\/p>\n<p>  <b>Am 31. Januar 07 beschloss dann die B&#252;rgerschaft den SAV-Antrag, der   den OB &#8222;aufgefordert, die K&#252;ndigung der Vertr&#228;ge mit der RVV &#252;ber die   Sozialtarife (Sozialticket) f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger und andere Betroffene   beim &#214;PNV zur&#252;ckzunehmen&#8220; und in dem sich die B&#252;rgerschaft &#8222;klar f&#252;r den   Erhalt der erm&#228;&#223;igten Tarife f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger und andere   Bed&#252;rftige&#8220; ausspricht. Wie kam es denn zu dieser Mehrheit?<\/b> <\/p>\n<p>  Der Antrag wurde letztlich mit den Stimmen von uns und RB, SPD, LP.PDS   und B90 beschlossen. Ursache f&#252;r den Sinneswandel der etablierten   Parteien, die eigentlich im letzten &#8222;Haushaltssicherungskonzept&#8220; schon   mehrheitlich das Aus f&#252;r&#180;s Sozialticket beschlossen hatten, war vor   allem der massive Protest. Denn wir haben diese Schweinerei bekannt   gemacht, in der lokalen Presse wurde dar&#252;ber berichtet und das hat echt   gewirkt. Es gab unz&#228;hlige w&#252;tende Leserbriefe gegen dieses asoziale   Vorhaben.<\/p>\n<p>  Wenn wir den Leuten dann auch noch aufgez&#228;hlt haben, wieviele Millionen   f&#252;r G8 ausgegeben werden und dass hier wieder bei den &#196;rmsten gestrichen   wird, platzte vielen der Kragen. Eine Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrerin meinte   am Rande, dass diese Welle des Protestes, unter anderem auch Nachfragen   bei den Parteien und im Rathaus, bei SPD und B90 Wirkung gezeigt hat.   Auch bei der Sitzung waren Einwohner da, die protestierten.<\/p>\n<p>  <b>Wie lief das denn ab?<\/b><\/p>\n<p>  Eine Betroffene konnte w&#228;hrend der Sitzung zu Wort kommen und &#252;bergab   auch hunderte gesammelte Unterschriften an den Oberb&#252;rgermeister. Andere   Anwesende applaudierten bei meiner Antragsstellung.<\/p>\n<p>  Schon zu Beginn der Sitzung versuchte die Pr&#228;sidentin der B&#252;rgerschaft   von der CDU den Antrag f&#252;r das Sozialticket per Gesch&#228;ftsordnungsantrag   von der Tagesordnung zu kippen. Doch richtigerweise folgte die Mehrheit   meiner Gegenrede.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der Diskussion zum Sozialticket versuchten alle Parteien ein   soziales Gesicht zu zeigen. Das lie&#223; sich schnell entlarven: Die   etablierten Fraktionen hatten seit Sommer 2006 einen Antrag der   Linkspartei.PDS zur Frage des Sozialtickets immer wieder verschleppt. In   der Zwischenzeit haben PDS-Sozialsenator und OB Fakten geschaffen und   die Vertr&#228;ge mit der RVV, der Verkehrsgesellschaft, die Bus und Bahn   betreibt, zum Sozialticket gek&#252;ndigt.<\/p>\n<p>  Die Mitglieder von B90 \/ die Gr&#252;nen hatten einen besonderen Vorschlag   f&#252;r die Hartz-IV-Empf&#228;nger. Sie meinten, alle sollten sich am letzten   Abend noch schnell Fahrkarten zum Sonderpreis kaufen und diese dann in   den n&#228;chsten Wochen nutzen, bis die B&#252;rgerschaft im Zusammenhang mit dem   Haushalt Ende Februar eine Entscheidung zum Sozialticket trifft. Dem   wurde jedoch gl&#252;cklicherweise mit meiner Stimme und denen von   Linkspartei.PDS und SPD eine Abfuhr erteilt. Auf meine Frage, mit   welchem Geld sich die Betroffenen einen Fahrscheinvorrat anlegen sollen,   erhielt ich keine Antwort.<\/p>\n<p>  <b>Ist jetzt alles in Butter?<\/b><\/p>\n<p>  Es ist auf jeden Fall ein Erfolg f&#252;r die rund 8.000 Betroffenen. Leider   droht jedoch diesem kleinen Sieg f&#252;r die Betroffenen und f&#252;r uns direkt   wieder das Aus, da der Oberb&#252;rgermeister sogleich ank&#252;ndigte, einen   Widerspruch gegen diesen Beschluss einzulegen.<\/p>\n<p>  Besonders erschrocken war eine der anwesenden Betroffenen &#252;brigens &#252;ber   die Position des Sozialsenator, der in seiner Rede erkl&#228;rte, er   pers&#246;nlich halte die ALG-II-Bez&#252;ge zwar auch f&#252;r zu gering bemessen,   aber als Senator m&#252;sse er nun einmal die Vertr&#228;ge f&#252;r das Sozialticket   k&#252;ndigen. Auch als der OB ank&#252;nfigte, den Beschluss zum Erhalt des   Sozialtickets wieder kippen zu wollen, war vom PDS-Senator kein   Widerwort zu vernehmen.<\/p>\n<p>  Mit einem offenen Brief protestiere ich jetzt gegen den Vorsto&#223; des OB   und fordere ihn auf, den Beschluss der Mehrheit der B&#252;rgerschaft und den   Willen der Mehrheit der Bev&#246;lkerung zu akzeptieren. Alle Betroffenen und   Unterst&#252;tzer des Sozialtickets sind aufgefordert, ebenfalls den Druck   auf OB und den zust&#228;ndigen Sozialsenator zu steigern. Nur so haben wir   die Chance, das Sozialticket wirklich zu erhalten.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Der Protestbrief findet sich als pdf-Datei <a href=\"\/media\/2007\/Rostock-ProtestBriefAnOB-Sozialticket.pdf\"> hier<\/a>.<\/b><\/p>\n<p>  <b>Der am 31.1. beschlossene Antrag im Wortlaut:<\/b> &#8222;<i>Der   Oberb&#252;rgermeister wird aufgefordert, die K&#252;ndigung der Vertr&#228;ge mit der   RVV &#252;ber die Sozialtarife (Sozialticket) f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger und   andere Betroffene beim &#214;PNV zur&#252;ckzunehmen. Ist dies nicht m&#246;glich, ist   ein neuer Vertrag mit G&#252;ltigkeit vom 1.2.2007 abzuschlie&#223;en. Die   B&#252;rgerschaft spricht sich klar f&#252;r den Erhalt der erm&#228;&#223;igten Tarife f&#252;r   Hartz-IV-Empf&#228;nger und andere Bed&#252;rftige im Jahr 2007 und dar&#252;ber hinaus   aus. Die entsprechenden Kosten sind von der Verwaltung bei der   Aufstellung des Haushalts 2007 zu ber&#252;cksichtigen.<\/i>&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/ChristineLehnert_farbe.jpg\"><br \/>\n      Die B&#252;rgerschaft in Rostock stimmte am 31. 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