{"id":11941,"date":"2007-02-05T00:08:28","date_gmt":"2007-02-05T00:08:28","guid":{"rendered":".\/?p=11941"},"modified":"2007-02-05T00:08:28","modified_gmt":"2007-02-05T00:08:28","slug":"11941","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11941\/","title":{"rendered":"Metall-Tarifrunde: Ran an die Profite &#8211; f&#252;r h&#246;here L&#246;hne!"},"content":{"rendered":"<p>  <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/MetallTarifrunde.jpg\">  Welche Forderungen und Kampfma&#223;nahmen sind n&#246;tig?<\/i><br \/>  W&#228;hrend in den vergangenen Jahren die Gewinne der Unternehmer   explodierten, mussten die ArbeitnehmerInnen eine lange Liste von   Verschlechterungen hinnehmen.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Bei den anstehenden Tarifrunden &#8211; bei Chemie, Bau, Metall, Druck und   Einzelhandel in diesem Fr&#252;hjahr &#8211; bietet sich die M&#246;glichkeit, einen   Teil von dem zur&#252;ck zu holen, was der arbeitenden Bev&#246;lkerung in letzter   Zeit genommen wurde. Von besonderer Bedeutung ist die Metall-Tarifrunde   angesichts der potenziellen St&#228;rke der IG Metall.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Pablo Alderete, Stuttgart<\/i><\/p>\n<ul>\n<li>    F&#252;r eine Forderung von 9,5 Prozent Lohnerh&#246;hung  <\/li>\n<li>    F&#252;r mindestens 250 Euro Festgeld  <\/li>\n<li>    Tabellenwirksame Erh&#246;hung statt Einmalzahlungen  <\/li>\n<li>    Keine Kompensationsgesch&#228;fte  <\/li>\n<li>    Eine Laufzeit von zw&#246;lf Monaten  <\/li>\n<li>    R&#252;cknahme der im Pforzheimer Abschluss vereinbarten Verbetrieblichung   <\/li>\n<li>    Kein Abschluss ohne Urabstimmung  <\/li>\n<\/ul>\n<p>  W&#228;hrend der Unternehmeranteil am Volkseinkommen drastisch steigt, geht   der Arbeitnehmeranteil zur&#252;ck. Das dr&#252;ckt sich in der so genannten   Lohnquote aus, die den Anteil der L&#246;hne und Geh&#228;lter am Volkseinkommen   misst. Sie ist von 72 Prozent (2000) auf 67 Prozent im Jahr 2005   gesunken. Verst&#228;rkt wird dieser Prozess durch die Regierungspolitik.   Egal ob SPD und Gr&#252;ne oder SPD\/CDU\/CSU &#8211; Hartz IV,   Mehrwertsteuererh&#246;hung, Renten&#8220;reform&#8220; und so weiter. Auf der anderen   Seite werden die Unternehmenssteuern gesenkt.<\/p>\n<h4>  Offensive des Kapitals<\/h4>\n<p>  Neoliberale Politik setzt darauf, durch eine sch&#228;rfere Ausbeutung der   Lohnabh&#228;ngigen die deutschen Kapitalisten im m&#246;rderischen   Konkurrenzkampf mit anderen L&#228;ndern und anderen Firmen in eine bessere   Position zu bringen. Deutschland hat hier j&#252;ngst einige L&#228;nder ein- und   &#252;berholt.<\/p>\n<p>  Die Gewerkschaften haben diesem Generalangriff bisher wenig   entgegengesetzt. Die Wut der Besch&#228;ftigten ist immer wieder an die   Oberfl&#228;che geschwappt, aber die Spitzengewerkschafter sind nicht bereit,   eine Gegenstrategie zu entwickeln (wobei es Unterschiede im Auftreten   und in der Vorgehensweise gibt). Viel mehr haben sie die Marktgesetze   des Kapitalismus so weit verinnerlicht, dass sie es als Aufgabe ansehen,   &#8222;ihren&#8220; Kapitalisten oder &#8222;ihren&#8220; Standort zu verteidigen. Dieses   Co-Management geht weit &#252;ber die fr&#252;here &#8222;Sozialpartnerschaft&#8220; zwischen   Kapital und Arbeit hinaus.<\/p>\n<h4>  Tarifforderungen<\/h4>\n<p>  Die IG Metall will nach bisherigen Verlautbarungen mit einer Forderung   um die 6,5 Prozent in die Verhandlungen gehen. Der IGM-Vorstand   beschlie&#223;t am 6. Februar [nach Redaktionsschluss] die offizielle   Forderungsempfehlung. Das Ergebnis wird Vorbildcharakter f&#252;r andere   Branchen haben.<\/p>\n<p>  In den letzten Jahren hat sich h&#228;ufig die Gewerkschaft Bergbau, Chemie,   Energie (IG BCE) dazwischen geschoben. Sie wird von Hubertus Schmoldt   gef&#252;hrt, der sich offener als andere Gewerkschaftschefs auf die Seite   der Unternehmer und der Regierung schl&#228;gt. Die Gewerkschaftsproteste   gegen die Sozialreformen der Schr&#246;der- und Merkel-Regierung attackierte   dieser Schr&#246;der-Freund heftig. Dieses Jahr geht die IG BCE ohne konkret   bezifferte Lohnforderung in die Verhandlungen.<\/p>\n<p>  Die Spitzenfunktion&#228;re von IGM und ver.di m&#252;ssen an ihren Worten   gemessen werden. Der Betriebsratschef von DaimlerChrysler, Erich Klemm,   sagte: &#8222;6,5 Prozent sind eine ordentliche Gr&#246;&#223;e [&#8230;]. Wir werden aber   heftig daf&#252;r k&#228;mpfen m&#252;ssen, um dieses Ziel auch zu erreichen.&#8220; Und   ver.di-Chef Frank Bsirske rief 2007 zum &#8222;Jahr der Lohnerh&#246;hungen f&#252;r   alle&#8220; aus.<\/p>\n<p>  Die IGM-Wirtschaftsexperten gehen von einer Preissteigerung (Inflation)   von zwei Prozent aus, und von einem Produktivit&#228;tszuwachs von 4,5   Prozent. Somit halten sie 6,5 Prozent f&#252;r &#8222;finanzierbar&#8220;. In der   Gesamtwirtschaft sehen sie den &#8222;verteilungsneutralen&#8220; Spielraum bei 4,1   Prozent (IG-Metall-direkt, 1\/2007). Diesen Ansatz halten SozialistInnen   f&#252;r falsch. Selbst wenn 6,5 Prozent erreicht werden, wirken sie nicht   &#8222;verteilungsneutral&#8220;. Die Firmen w&#252;rden trotzdem Gewinne machen. Diese   Gewinne werden von den Besch&#228;ftigten erarbeitet und von den Kapitalisten   privat angeeignet.<\/p>\n<p>  Bei Porsche forderte die Belegschaft 9,5 Prozent, bei DaimlerChrysler   Untert&#252;rkheim acht Prozent, bei DaimlerChrysler W&#246;rth (Lkw-Werk) 9,5   Prozent. Aus gutem Grund. Den Besch&#228;ftigten wird immer mehr abverlangt   (Arbeitsdruck, &#220;berstunden und so weiter). Zudem schrauben sich viele   Belastungen Schritt f&#252;r Schritt in die Haushaltskassen von   Arbeiterfamilien. Viele Besch&#228;ftigte registrieren mit Ohnmacht und Wut,   wie die Geh&#228;lter der Spitzenmanager in astronomische H&#246;hen steigen. <\/p>\n<p>  In den Vorstandsetagen knallen die Sektkorken, die Autoindustrie hatte   2006 die besten zw&#246;lf Monate seit Jahren. Aber auch bei vielen kleineren   Firmen darf man auf Rechentricks nicht reinfallen. Der   Schokoladenhersteller Ritter Sport, der im kleinen &#214;rtchen Waldenbuch   produziert, ver&#246;ffentlichte zuletzt f&#252;r 2004 ein Minus von 850.000 Euro,   aber die Jahre zuvor verbuchte er regelm&#228;&#223;ig einen Gewinn von zwei   Millionen Euro.<\/p>\n<h4>  Tarifforderungen<\/h4>\n<p>  Die Metall-Bosse werden sicher versuchen, die Prozentforderung runter zu   verhandeln. Und hoffen dabei, die IGM wie das letzte Mal weichzukochen   (Forderung f&#252;nf Prozent, Abschluss drei Prozent). Ob das gelingt, wird   von der Stimmung und vom Druck an der Basis abh&#228;ngen &#8211; aber auch von der   Rolle der Gewerkschaftslinken. N&#246;tig ist es, in den Betrieben und in der   Gewerkschaft Argumente und entsprechendes Material zu liefern, sowie   Initiativen bei der Frage von Forderungen und Kampfschritten zu   ergreifen (Antr&#228;ge, Unterschriftensammlungen, Aktionen und so weiter). <\/p>\n<p>  Im letzten Tarifkonflikt wurde eine ertragsabh&#228;ngige Einmalzahlung   vereinbart. Sie konnte in den einzelnen Betrieben zwischen 0 und 620   Euro betragen. Damit wurden zum einen schlecht organisierte   Belegschaften im Stich gelassen, und zum anderen wird der Fl&#228;chentarif   weiter aufgerissen. Auf Einmalzahlungen &#8211; egal, in welcher Form &#8211; darf   sich die IG Metall auf keinen Fall einlassen. Der Pr&#228;sident des   Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, sagte, er   pl&#228;diere f&#252;r eine Lohnsteigerung mit zwei Komponenten &#8211; einer   tabellenwirksamen Erh&#246;hung und einer erfolgsabh&#228;ngigen Einmalzahlung.   Diese komplizierte Umschreibung bedeutet, dass nur ein Teil der   k&#252;nftigen Lohnerh&#246;hung den Tabellenlohn erh&#246;hen w&#252;rde. Der andere Teil   w&#252;rde nach der Laufzeit vom Tarifvertrag wieder wegfallen. Dieses   Beispiel zeigt ein anderes, generelles Problem auf. Viele   Tarifabschl&#252;sse und Betriebsabkommen (wie zum Beispiel das K&#252;rzungspaket   bei DaimlerChrysler 2004) sind so verklausuliert, dass nur Spezialisten   im Gewerkschaftsapparat den Durchblick haben. F&#252;r die Basis ist es noch   schwieriger, den eigenen Funktion&#228;ren auf die Finger zu sehen.<\/p>\n<h4>  Wof&#252;r k&#228;mpfen?<\/h4>\n<p>  Die bei DaimlerChrysler in W&#246;rth aufgestellte Forderung von 9,5 Prozent   sollte von der IG Metall bundesweit erhoben werden. In W&#246;rth wurde   au&#223;erdem postuliert, dass mit den 9,5 Prozent mindestens ein   Festgeldbetrag in H&#246;he von 250 Euro erreicht werden soll. Das ist   deshalb n&#246;tig, weil damit die Einkommensschere innerhalb der Belegschaft   &#8211; anders als bei Prozentbetr&#228;gen &#8211; nicht weiter auseinander klafft. <\/p>\n<p>  9,5 Prozent beziehungsweise 250 Euro Festgeld, keine Einmalzahlungen,   keine betrieblichen Komponenten &#8211; damit lie&#223;e sich enorm mobilisieren.   Denn damit w&#252;rde nicht nur der Inflation und der   Produktivit&#228;tssteigerung Rechnung getragen, sondern ein erster Schritt   getan, die Umverteilung von unten nach oben zu stoppen und umzukehren.   Die IG Metall sollte alles daran setzen, zu mobilisieren, statt sich   runter handeln zu lassen, mit dem Ziel, die Forderung voll durchzusetzen.<\/p>\n<h4>  Was, wenn die Verhandlungen scheitern?<\/h4>\n<p>  Die Verhandlungen sollten in den Betrieben vorbereitet werden, indem   Betriebsversammlungen organisiert und die Forderungen sowie die   Kampfstrategie diskutiert werden. Damit muss umgehend &#8211; ankn&#252;pfend an   die Proteste gegen die Rente mit 67 &#8211; begonnen werden, um den Schwung   mitzunehmen und eine Verbindung des Lohnkonfliktes mit dem Widerstand   gegen die Regierungspl&#228;ne herzustellen. Demos m&#252;ssen organisiert werden,   um an Besch&#228;ftigte anderer Bereiche, an Jugendliche, RentnerInnen,   Erwerbslose zu appellieren, den Lohnkampf zu unterst&#252;tzen &#8211; weil er auch   sie angeht. Au&#223;erdem kann damit Druck auf die Verhandlungen ausge&#252;bt   werden. Es gilt, rechtzeitig eine Warnstreikwelle vorzubereiten. Am 28.   April endet die Friedenspflicht.<\/p>\n<p>  Sollte es zu einem Scheitern der Verhandlungen und zu einer Urabstimmung   kommen, ist es wichtig, dass durch Linke, k&#228;mpferische AktivistInnen und   Oppositionsgruppen dahin gehend eingewirkt wird, dass die IGM-Spitze den   Streik nicht mit angezogener Handbremse f&#252;hrt. Das hei&#223;t, m&#246;glichst   massiv und m&#246;glichst einheitlich viele Belegschaften rauszuholen. Es   w&#228;re die Gelegenheit, die Br&#252;cke zu anderen Branchen und anderen   Tarifkonflikten zu schlagen und eine starke Bewegung gegen die Angriffe   des Kapitals zu entfachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i><img align=\"left\" src=\"\/media\/2007\/MetallTarifrunde.jpg\"><br \/>\n      Welche Forderungen und Kampfma&#223;nahmen sind n&#246;tig?<\/i><br \/>\n      W&#228;hrend in den vergangenen Jahren die Gewinne der Unternehmer<br \/>\n      explodierten, mussten die ArbeitnehmerInnen eine lange Liste von<br \/>\n      Verschlechterungen hinnehmen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[189],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11941"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11941"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11941\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11941"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11941"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11941"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}