{"id":11939,"date":"2007-02-03T00:58:29","date_gmt":"2007-02-03T00:58:29","guid":{"rendered":".\/?p=11939"},"modified":"2007-02-03T00:58:29","modified_gmt":"2007-02-03T00:58:29","slug":"11939","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11939\/","title":{"rendered":"Verbannt &#8211; weil er zuviel wusste"},"content":{"rendered":"<p>  <img src=\"\/media\/2007\/Guantanamo.jp\" align=\"left\">  1.727 Tage &#8211; viereinhalb Jahre &#8211; wurde der jetzt 24-j&#228;hrige Murat Kurnaz   im US-amerikanischen Foltergef&#228;ngnis &#8222;Camp Delta&#8220; auf Guantanamo Bay   festgehalten. Auf Grund der Arbeit des Anwalts wurde er schlie&#223;lich   befreit. Sonst w&#228;re er, wie viele andere, noch immer dort.<br \/><i>  Kommentar von Lucy Redler<\/i><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Was auf dieser US-Basis genau vor sich geht, kann man sich kaum   vorstellen. Da es sich um einen &#8222;rechtsfreien Raum&#8220; handelt, werden   &#8222;v&#246;llig legal&#8220; illegale Verh&#246;rmethoden angewandt. H&#228;ufig werden nicht   einmal die Anklagepunkte mitgeteilt. Ein Gefangener erfuhr erst nach   drei Jahren, was ihm vorgeworfen wird. Aus FBI-Dokumenten geht hervor,   dass Gefangene 16 bis 18 Stunden ohne Pause verh&#246;rt werden, mit lautem   Dauerl&#228;rm beschallt.<\/p>\n<p>  Auch wenn die Schr&#246;der-Regierung &#246;ffentlich Guantanamo Bay kritisierte,   wird jetzt deutlich, dass auch sie die Existenz des Camps nutzte.   Steinmeier, der damals Kanzleramtschef war, sagt, er lehnte die   &#220;berf&#252;hrung von Kurnaz nach Deutschland ab, weil er sich nicht sicher   war, ob dieser nicht vielleicht doch ein gef&#228;hrlicher Terrorist sei.   Selbst wenn das stimmen w&#252;rde: Das hie&#223;e, Steinmeier hat kein Problem   damit, dass jemand aufgrund eines vagen Verdachts in einem   Foltergef&#228;ngnis fest gehalten wird. Anzunehmen ist aber, dass Steinmeier   und die &#252;brigen Verantwortlichen in der rot-gr&#252;nen Regierung andere   Beweggr&#252;nde hatten, die R&#252;ckkehr von Kurnaz zu be- oder gar verhindern.   Schlie&#223;lich war der BND zur Schlussfolgerung gelangt, dass Kurnaz nicht   als gef&#228;hrlicher Terrorist einzusch&#228;tzen sei. Doch bei Kurnaz gab es ein   &#8222;Problem&#8220; &#8211; er war im afghanischen Kandahar als Gefangener misshandelt   worden. Er berichtet von Gitterk&#228;figen, in denen die Gefangenen bei   minus zehn Grad ohne Kleider die Nacht aushalten mussten. Davon, dass   sie an Ketten aufgeh&#228;ngt wurden, und dass ein US-Arzt ihn auf   &#8222;Foltertauglichkeit&#8220; untersuchte. Es fiel ihm auf, dass auch die   deutsche Spezialeinheit KSK bei der Bewachung des Gefangenenlagers dabei   war. Obwohl dies anfangs dementiert wurde, geht es inzwi-schen auch aus   den Aussagen von KSK-Soldaten hervor. So gelangt nun in die   &#214;ffentlichkeit, dass deutsche Truppen viel st&#228;rker in den &#8222;Krieg gegen   den Terrorismus&#8220; involviert waren, als es uns vorgemacht wurde.<\/p>\n<p>  Das ist es, was in acht Beratungen der Sicherheitsrunde des Kanzleramts   unter F&#252;hrung von Steinmeier geschah: Eine politische Entscheidung wurde   gef&#228;llt &#8211; laut Steinmeier w&#252;rde er sie auch wie-der so f&#228;llen. In dieser   Entscheidung ging es nicht um die m&#246;gliche terroristische Bedrohung,   sondern um die drohende Enth&#252;llung der Wahrheit &#252;ber die deutsche   Beteiligung im Afghanistan-Krieg, die Methoden der Spezialeinheit KSK &#8211;   und das alles unter Rot-Gr&#252;n.<\/p>\n<p>  Selbst wenn jetzt der eine oder andere Kopf rollen sollte &#8211; damit wird   sich im Grundsatz nichts &#228;ndern. Die Gefangenschaft unschuldiger   Menschen und das Foltern wird weitergehen, und die deutsche Beteiligung   an Kriegseins&#228;tzen in aller Welt wird weiter forciert.<\/p>\n<p>  Ein wichtiges Nebenprodukt ist, dass auch die Bev&#246;lkerung immer mehr an   diesen Zustand gew&#246;hnt werden soll. Es wird vermittelt &#8211; in solchen   F&#228;llen kann man eben keine R&#252;cksicht auf Menschenrechte nehmen. Der   Staat habe dann auch das Recht, allgemeine demokratische Grundrechte zu   missachten. Der &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220; dient so als Steigb&#252;gelhalter   f&#252;r die st&#228;ndige Untergrabung demokratischer Rechte. In Zeiten, in denen   Regierung und Konzerne ihre Angriffe auf den Lebenstandard der Masse der   Bev&#246;lkerung verst&#228;rken, sind auch AktivistInnen der Arbeiterbewegung und   KriegsgegnerInnen in erh&#246;htem Ma&#223; von staatlichen Repressionen betroffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img src=\"\/media\/2007\/Guantanamo.jp\" align=\"left\"><br \/>\n      1.727 Tage &#8211; viereinhalb Jahre &#8211; wurde der jetzt 24-j&#228;hrige Murat Kurnaz<br \/>\n      im US-amerikanischen Foltergef&#228;ngnis &#8222;Camp Delta&#8220; auf Guantanamo Bay<br \/>\n      festgehalten. Auf Grund der Arbeit des Anwalts wurde er schlie&#223;lich<br \/>\n      befreit. 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