{"id":11935,"date":"2007-02-02T06:00:00","date_gmt":"2007-02-02T06:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=11935"},"modified":"2007-02-02T06:00:00","modified_gmt":"2007-02-02T06:00:00","slug":"11935","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11935\/","title":{"rendered":"Daimler Berlin: 900 Kollegen fordern Betriebsversammlung zum Thema ERA"},"content":{"rendered":"<p>  Auseinandersetzungen &#252;ber Umsetzung der &#187;Tarifreform&#171; ERA, Einf&#252;hrung   regelm&#228;&#223;iger Samstagsarbeit und Verk&#252;rzung der Taktzeiten in der Montage. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Daniel Behruzi, der Artikel wurde zuerst ver&#246;ffentlicht in der   jungen Welt vom 2. Februar <\/i>    <\/p>\n<p>  Die Belegschaft des DaimlerChrysler-Werks in Berlin-Marienfelde ist in   Unruhe. Neben der drohenden &#187;Rentenreform&#171; und der anstehenden   Tarifrunde erhitzen vor allem die Umsetzung des Entgeltrahmen-Abkommens   (ERA) und die Ausweitung der Regelarbeitszeiten die Gem&#252;ter. Am   Donnerstag &#252;bergab eine Belegschaftsdelegation knapp 900 Unterschriften   &#8211; die innerhalb von nur zwei Tagen in allen Abteilungen des Werks   gesammelt wurden &#8211; an den Betriebsrat, um so eine au&#223;erordentliche   Betriebsversammlung zum Thema ERA zu erzwingen.<\/p>\n<p>  Mehr als ein Viertel der rund 3.200 Daimler-Besch&#228;ftigten in Berlin hat   sich mit seiner Unterschrift f&#252;r die Einberufung einer solchen   Versammlung ausgesprochen. Nach den Vorgaben des   Betriebsverfassungsgesetzes mu&#223; die Besch&#228;ftigtenvertretung dies nun in   die Wege leiten. <\/p>\n<p>  Stein des Ansto&#223;es ist die Umsetzung des im Rahmen der vergangenen   Tarifrunde vereinbarten ERA, die bereits Ende November 2006 zu spontanen   Arbeitsniederlegung gef&#252;hrt hatte. Der Grund: Das Unternehmen nutzt die   von der IG-Metall-Spitze als &#187;Jahrhundertreform&#171; gepriesene   Vereinbarung, um insbesondere in Produktion und Montage niedrigere   Eingruppierungen und damit deutliche Lohnk&#252;rzungen durchzusetzen. <\/p>\n<p>  &#187;Zum Beispiel wird bei Facharbeitern in der Produktion lediglich eine   zweij&#228;hrige Berufsausbildung unterstellt, obwohl diese Kollegen fast   ausnahmslos eine dreieinhalbj&#228;hrige Lehre absolviert haben&#171;, erkl&#228;rte   Betriebsrat Mustafa Efe, einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion,   am Donnerstag gegen&#252;ber jW. Ihm zufolge haben die Besch&#228;ftigten   Einkommenseinbu&#223;en von bis zu 20 Prozent oder mehreren hundert Euro   monatlich zu bef&#252;rchten. <\/p>\n<p>  Ein Grund f&#252;r die falschen Zuordnungen sei, da&#223; den Abteilungen bei den   Eingruppierungen ein Durchschnitt zentral vorgegeben werde. Folglich   k&#246;nne die Beschreibung der einzelnen T&#228;tigkeiten gar nicht &#8211; wie im   ERA-Vertrag eigentlich vorgesehen &#8211; das entscheidende Kriterium bei der   Eingruppierung sein.<\/p>\n<p>  Die Idee, eine Betriebsversammlung zum Thema zu organisieren, hatte Efe   zuvor bereits zwei Mal in die Besch&#228;ftigtenvertretung eingebracht &#8211; ohne   Erfolg. Die Versammlung solle &#187;eine Protestveranstaltung gegen den   geplanten Raub unserer L&#246;hne durch die Unternehmensleitung&#171; werden, so   Efe, der zugleich betonte, die Unterschriftensammlung richte sich nicht   gegen den Betriebsrat, sondern gegen das Vorgehen der Gesch&#228;ftsleitung.   &#187;Diese mu&#223; zu sp&#252;ren bekommen, da&#223; wir derartige Lohnk&#252;rzungen nicht   widerstandslos hinnehmen&#171;, betonte er. <\/p>\n<p>  &#187;Ich halte eine offene Diskussion &#252;ber ERA f&#252;r bitter notwendig, denn   dies ist f&#252;r uns wie f&#252;r viele andere Belegschaften eine ganz   entscheidende Auseinandersetzung&#171;, meinte auch Martin Franke, Mitglied   des Betriebsrats und der IG-Metall-Vertrauensk&#246;rperleitung. Beide   Aktivisten fordern, da&#223; die ERA-Umsetzung so lange ausgesetzt wird, bis   die strittigen Fragen gekl&#228;rt sind. &#187;Heute zeigt sich, da&#223; die Kritik am   2004 bei DaimlerChrysler ausgehandelten Zukunftssicherungsvertrag, in   dem auch die ERA-Umsetzung geregelt ist, absolut berechtigt war&#171;, sagte   Efe.<\/p>\n<p>  Doch noch weitere Themen sorgen unter den Daimler-Besch&#228;ftigten f&#252;r   Unmut. In der Fertigung der Teile f&#252;r den Dieselmotor OM642, dem   wichtigsten Produkt der Berliner Fabrik, soll k&#252;nftig auch am Samstag   regelm&#228;&#223;ig gearbeitet werden. Eine bereits ausgehandelte   Betriebsvereinbarung sieht vor, die Produktion bis 2009 von derzeit 240   000 auf 330 000 Motoren zu steigern. Hierf&#252;r sollen in diesem Jahr zehn   Sonderschichten pro Mitarbeiter erm&#246;glicht werden. 2008 soll dann in 17   und ab 2009 in 18 statt in den bisher 15 Schichten pro Woche &#8211; also auch   am Sonnabend &#8211; gearbeitet werden. Direkt betroffen hiervon sind etwa 200   Arbeiter. <\/p>\n<p>  Zustandegekommen ist die Vereinbarung durch die Drohung der   DaimlerChrysler-Spitze, die Produktion des OM642 von Berlin ins   th&#252;ringische K&#246;lleda zu verlagern.<\/p>\n<p>  Dies ist auch der Hintergrund f&#252;r eine weitere Ma&#223;nahme. So ist in der   Motorenmontage, wo 500 Besch&#228;ftigte &#8211; unter ihnen viele Leiharbeiter und   Befristete &#8211; arbeiten, eine Verk&#252;rzung der Taktzeiten auf deutlich unter   60 Sekunden geplant. Gerade vor dem Hintergrund der geplanten Anhebung   des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre sei eine derartige Erh&#246;hung des   Arbeitsdrucks nicht zu akzeptieren, so die Kritiker. Zudem sei zu   bef&#252;rchten, da&#223; die Samstagsarbeit auf andere Abteilungen des Werks   ausgeweitet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Auseinandersetzungen &#252;ber Umsetzung der &#187;Tarifreform&#171; ERA, Einf&#252;hrung<br \/>\n      regelm&#228;&#223;iger Samstagsarbeit und Verk&#252;rzung der Taktzeiten in der Montage.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11935"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11935"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11935\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}