{"id":11933,"date":"2007-02-01T13:33:14","date_gmt":"2007-02-01T13:33:14","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11933"},"modified":"2012-08-21T12:38:48","modified_gmt":"2012-08-21T10:38:48","slug":"11933","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/02\/11933\/","title":{"rendered":"Rente mit 67: \u00bbEs mu\u00df mehr passieren\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"\/media\/2007\/Rente67-DaimlerBerlin.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/> Warum nicht protestieren wie in Frankreich? Kundgebung gegen Rente mit 67 vor den Werkstoren von DaimlerChrysler in Berlin.<br \/><em>Eine Reportage<\/em><\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><em>von Daniel Behruzi, zuerst ver\u00f6ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2007\/02-01\/052.php\">jungen Welt, 1.2.07<\/a><\/em><\/p>\n<p>Mittwoch fr\u00fch, kurz vor neun Uhr am DaimlerChrysler-Werk in Berlin-Marienfelde. Wie in zig anderen Betrieben der Republik wird auch hier in wenigen Minuten eine Kundgebung gegen die Rente mit 67 stattfinden. Die B\u00e4nder in der Fabrik sollen \u2013 so will es die IG Metall \u2013 f\u00fcr eine Stunde stillstehen. Noch sind nur eine Handvoll Aktivisten auf der Daimlerstra\u00dfe. Sie warten auf ihre Kollegen aus den umliegenden Werksteilen. Ein Stand mit Kaffee und ein Mikrophon sind bereits aufgebaut.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich um neun Uhr str\u00f6men dann mehrere hundert Daimler-Besch\u00e4ftigte aus den verschiedenen Betriebstoren. Fast alle tragen die blau-grauen Daimler-Overalls, einige ziehen sich die obligatorischen knallroten Streikwesten der IG Metall \u00fcber und nehmen Gewerkschaftsfahnen zur Hand. Auffallend viele junge Arbeiter sind dabei, obwohl von den 160 Auszubildenden nur wenige kommen konnten \u2013 es ist Berufsschulwoche. \u00bbDie Rente mit 67 ist letztlich auch ein Angriff auf uns Jugendliche, denn wenn die \u00e4lteren Kollegen zwei Jahre l\u00e4nger im Betrieb bleiben, wird es mit der \u00dcbernahme noch schwieriger\u00ab, erkl\u00e4rt Samir El Bouamraoui von der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV). Au\u00dferdem k\u00f6nne manche T\u00e4tigkeiten keiner 40 Jahre lang machen. \u00bbZum Beispiel die Knochenjobs in der Schleiferei \u2013 das h\u00e4lt man einfach nicht so lange aus\u00ab, sagt El Bouamraoui, der wie viele andere einen Button mit der durchgestrichenen 67 an der Jacke tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Unter den Demonstranten ist auch eine kleine Gruppe von Sch\u00fclerinnen. F\u00fcr drei Wochen sind zum Praktikum im Werk. Jetzt stehen sie in IG-Metall-Montur auf der Stra\u00dfe. Warum sie da sind? \u00bbIrgendwann betrifft uns das ja auch\u00ab, meint die 14j\u00e4hrige Madita Marandel. \u00bbSchlie\u00dflich wollen wir nicht bis 67 arbeiten und dann auch noch so wenig Rente kriegen\u00ab, pflichtet ihr die ein Jahr \u00e4ltere Susanne Walter bei. Mehr als dreimal so alt ist Heinrich Moss, der daneben steht und ein gro\u00dfes rotes Transparent in der Hand h\u00e4lt. \u00bbRegierungspl\u00e4ne kippen\u00ab, \u00bbvolle Rente nach 40 Beitragsjahren\u00ab und \u00bbAltersteilzeit verteidigen\u00ab steht darauf. \u00bbWenn das Gesetz kommt, m\u00fc\u00dfte ich 14 Monate l\u00e4nger arbeiten\u00ab, sagt der 47j\u00e4hrige, der seit 20 Jahren bei Daimler ist. \u00bbMan braucht nur einen Blick auf das schwarze Brett mit den Todesanzeigen zu werfen, um zu sehen, da\u00df es sehr viele Kollegen schon jetzt nicht bis zur Rente schaffen\u00ab, erz\u00e4hlt er. Sowohl die k\u00f6rperliche als auch die psychische Belastung habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. \u00bbEs gibt keine Puffer mehr, der Kunde wird direkt beliefert und das macht enormen Druck\u00ab, berichtet Moss. Zu den Aktionen sagt er: \u00bbEs mu\u00df noch mehr passieren \u2013 nicht nur gegen die Rente mit 67, sondern gegen diesen ganzen Sozialkahlschlag.\u00ab<\/p>\n<p>Mittlerweile hat die Kundgebung begonnen. Detlef Fendt, Leiter des IG-Metall-Vertrauensleutek\u00f6rpers, steht mit schwarzer Wollm\u00fctze und rotem Schal am Mikrophon. Er l\u00e4dt die lokalen Bundestagsabgeordneten zu einer Nachtschicht am Band ein \u2013 sehr zur Erheiterung seiner Kollegen, die sich das offenbar nur schwer vorstellen k\u00f6nnen. \u00bbWir m\u00f6chten, da\u00df Sie pers\u00f6nlich beurteilen k\u00f6nnen, ob es m\u00f6glich ist, in drei Schichten bei 60-Sekunden-Takt bis 67 seine Arbeit zu machen\u00ab, sagt Fendt.<\/p>\n<h5>\u00bbWie in Frankreich\u00ab?<\/h5>\n<p>Dann spricht der 2. Bevollm\u00e4chtigte der Berliner IG Metall, Klaus Abel. Seine Stimme ist heiser. In den vergangenen Tagen hat er sie schon auf Kundgebungen bei BMW, Otis und anderen Betrieben strapaziert. \u00bbDie ignoranten Politiker m\u00fcssen endlich begreifen: Es mu\u00df Schlu\u00df sein mit dieser unsozialen Politik\u00ab, sagt er unter dem Applaus der versammelten Arbeiter. Einer von ihnen ruft \u00bbGeneralstreik\u00ab, woraufhin Abel berichtet, man werde h\u00e4ufig von Mitgliedern darauf angesprochen, warum es die hiesigen Gewerkschaften nicht \u00bbwie in Frankreich\u00ab machten. \u00bbDieser Kampf um die Rente ist f\u00fcr uns ein Beginn \u2013 auch in diesem Land brauchen wir eine andere, eine demokratische Kultur, bei der die Leute nicht nur am Samstag vormittag demonstrieren\u00ab, betont der Funktion\u00e4r und k\u00fcndigt an: \u00bbWir werden die Proteste fortsetzen und intensivieren.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum nicht protestieren wie in Frankreich?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,112],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11933"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11933"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11933\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11933"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11933"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11933"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}