{"id":11925,"date":"2007-01-30T18:00:00","date_gmt":"2007-01-30T18:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11925"},"modified":"2012-08-21T12:40:25","modified_gmt":"2012-08-21T10:40:25","slug":"11925","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/01\/11925\/","title":{"rendered":"Rente mit 67: \u201eWir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Rente klaut\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em><img src=\"\/media\/2007\/Rente67_ProtestEsslingen.JPG\" alt=\"\" align=\"left\" \/> Gemeinsame Protestaktion von IG Metall und ver.di in Esslingen am 29.1.<\/em><br \/>Diesen Sprechchor stimmte die Vorsitzende des Landesverbands ver.di Baden-W\u00fcrttemberg, Sybille Stamm, bei der Demonstration am 29. Januar durch die Esslinger Innenstadt und bei der Kundgebung auf dem Marktplatz an. Aufgerufen hatte der DGB Esslingen-G\u00f6ppingen, ver.di Neckar-Fils-Alb und die IG-Metall-Ortsverwaltung Esslingen. Laut IG Metall Esslingen beteiligten sich Belegschaften fast aller Metallbetriebe im Kreis an den Protesten. In vielen Betrieben waren die Fertigungshallen weitgehend unbesetzt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><em>von Ursel Beck, Stuttgart<\/em><\/p>\n<p>Bei der Firma Traub in Reichenbach war der ganze Betrieb an diesem Nachmittag leer. Vor dem Werkstor von DC Mettingen gab es um 12 Uhr eine Auftaktkundgebung. Kollegen berichteten, dass in einzelnen Abteilungen Kollegen mit Abmahnung eingesch\u00fcchtert worden waren, weil es angeblich ein illegaler Streik gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die IG Metall gibt die Zahl der Kundgebungsteilnehmer auf dem Esslinger Marktplatz mit mehr als 3.000 an. Mit 21 Bussen kamen die Metaller aus den verschiedenen Betrieben in die Kreisstadt. Im Stadtteil Oberesslingen wurde aus verschiedenen Betrieben ein Demozug von 1.000 Leuten gebildet, der kurz nach 13 Uhr auf dem Marktplatz eintraf. Gruppen von ver.di-anern aus verschiedenen Betrieben und einzelne KollegInnen kamen direkt vors Rathaus. Es gab Metaller, die zwar die Arbeit niedergelegt haben, aber direkt nach Hause gegangen sind.<\/p>\n<p>Die Protestaktion im Kreis Esslingen war eine von zwanzig Demonstrationen, die in diesen Tagen von der IG Metall in Baden-W\u00fcrttemberg organisiert wird.<\/p>\n<h4>Gemeinsamer Protest von ver.di und IG Metall<\/h4>\n<p>Die Besonderheit in Esslingen war, dass es bundesweit die erste gemeinsame Aktion von ver.di und IG Metall war. Der DGB-Kreisvorsitzende, Tom Bittner, erkl\u00e4rte den Anwesenden, dass die Gewerkschaftsspitzen solche Proteste nicht schnell genug hinkriegen w\u00fcrden und man in Esslingen jetzt vormachen w\u00fcrde, wie das geht. Und f\u00fcr den Esslinger IG-Metall-Bevollm\u00e4chtigten, Sieghard Bender, ist klar: \u201eDas ist selbstverst\u00e4ndlich, dass wir das mit ver.di zusammenmachen. Hier m\u00fcssen alle Gewerkschaften und alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zusammenhalten und den Willen der Mehrheit dieses Volkes den Volksvertretern um die Ohren zu hauen. Wir haben n\u00e4mlich die Schnauze voll. Und deshalb rei\u00dfen wir sie auf. Und diese Pl\u00e4ne m\u00fcssen zu Fall gebracht werden.\u201c<\/p>\n<p>Bereits bei der Kundgebung vor Tor 1 des DC-Werks in Mettingen erkl\u00e4rte Helmut Lense, Betriebsratsvorsitzender bei DaimlerChrysler am Standort Stuttgart-Untert\u00fcrkheim: \u201eWir werden so lange Druck machen, bis diese Pl\u00e4ne vom Tisch sind und dazu sind wir auch noch steigerungsf\u00e4hig\u201c. Unter gro\u00dfem Beifall sprach der IG-Metall-Bevollm\u00e4chtigte von Esslingen, Sieghard Bender davon, dass in anderen L\u00e4ndern Pl\u00e4ne zur Rentenaltererh\u00f6hung gekippt wurden \u201eund das werden wir auch schaffen.\u201c F\u00fcr den Fall, dass das \u201eM&amp;M-Gespann\u201c in Berlin weiter mit ihrer Politik durchkomme, malte er folgendes Bild: \u201eDa passiert ein Unfall. Dann kommt der Krankenwagen, den fahren zwei Ein-Euro-Jobber. Die wissen nicht wohin es geht. Irgendwann haben sie dann das Krankenhaus gefunden und da ist dann die Schwester mit 67 und setzt die Spritze. Das kann\u2019s nicht sein\u201c.<\/p>\n<h4>Tarifrunde der IG Metall<\/h4>\n<p>In ihren Reden verwiesen mehrere Gewerkschaftsfunktion\u00e4re darauf, dass der Anlass f\u00fcr den gew\u00e4hlten Termin die Anh\u00f6rung der Rentengesetze sei. Und wenn dieser nun auf den 26. Februar verschoben worden sei, sei das der erste Erfolg der derzeitigen Protestwelle.<\/p>\n<p>Hauptredner Frank Bsirske machte einen Rundumschlag gegen die Politik der gro\u00dfen Koalition, forderte einen Kurswechsel, einen Mindestlohn von 7,50 Euro, die Besteuerung gro\u00dfer Verm\u00f6gen, ein staatliches Konjunkturprogramm.<\/p>\n<p>Dadurch w\u00fcrden auch die Einnahmen der Sozialversicherung steigen. Am Ende sprach er davon, dass h\u00f6here L\u00f6hne auch ein Beitrag w\u00e4ren, die Einnahmen der Sozialkassen zu erh\u00f6hen. Und konkret zur Tarifrunde der IG Metall meinte der ver.di-Vorsitzende: \u201eIhr Metaller seid jetzt ziemlich forsch dran. Und das ist gut und ist bitter n\u00f6tig. Das hat unsere gemeinsame Unterst\u00fctzung. Haut rein Kolleginnen und Kollegen. Macht was draus. Wir stehen an Eurer Seite.\u201c Diese Worte m\u00fcssen den anwesenden ver.di-Kollegen angesichst der Politik von Absenkungstarifvertr\u00e4gen von Bsirske und Co. wie Hohn in den Ohren geklungen haben.<\/p>\n<h4>Keine Vorschl\u00e4ge zu n\u00e4chsten Schritten<\/h4>\n<p>Mit \u201eBr\u00fcder, zur Sonne, zur Freiheit\u201c und den hehren T\u00f6nen vom \u201eZug der Millionen\u201c und der \u201eheiligen letzen Schlacht\u201c endete die Kundgebung. Damit alle Kundgebungsteilnehmer textsicher das alte Kampflied mitsingen konnten, wurde es von der IG Metall w\u00e4hrend der Reden als gedruckte Version unter die Leute gebracht. Wie aus mehreren Tausend in Esslingen und anderen Orten die Kraft der Millionen mobilisiert werden kann, blieb am Ende ein nostalgischer Traum.<\/p>\n<p>Bei aller verbalradikalen Rhetorik, am Ende des Tages gab es von den Gewerkschaftsrednern keinen Vorschlag und keinen Plan wie der Kampf weitergef\u00fchrt und wie aus den Drohkulissen Wirklichkeit werden soll. Vor allem der ver.di-Vorsitzende und Hauptredner in Esslingen, Frank Bsirske, blieb den Kundgebungsteilnehmern die Antwort schuldig, was der ver.di-Vorstand zu tun gedenkt, um die von ihm gef\u00fchrt Gro\u00dfgewerkschaft endlich gegen die gro\u00dfe Koalition in Bewegung zu bringen.<\/p>\n<p>Bei den Zwischent\u00f6nen der Gewerkschaftsfunktion\u00e4re konnte man zudem heraush\u00f6ren, dass es einem Teil des Apparats nur um einen flexiblen Ausstieg vor 67 geht und nicht wie n\u00f6tig um die Verhinderung der Rentenpl\u00e4ne insgesamt. Dass allein der Plan, die Renten in den n\u00e4chsten zehn Jahren nicht zu erh\u00f6hen, die Kaufkraft der RentnerInnen um weitere 20 Prozent absenkt und der geplante Nachholfaktor f\u00fcr die Masse der RentnerInnen die Rente unter die Armutsgrenze dr\u00fcckt, wurde allenfalls am Rande erw\u00e4hnt. Es ist nicht Gegenstand des gewerkschaftlichen Widerstands.<\/p>\n<h4>Potenzial f\u00fcr Widerstand ist da<\/h4>\n<p>Eines hat der gestrige Tag in Esslingen aber gezeigt: Das Potenzial f\u00fcr Widerstand ist vorhanden und kann durch einen ernsthaften und entschlossenen Kampf weiter ausgebaut werden. Der n\u00e4chste Schritt m\u00fcsste sein, dass in allen Orten, sp\u00e4testens bei der Anh\u00f6rung am 26. Februar 2007, nachmittags in allen Betrieben die Arbeit ruht und zu betriebs- und gewerkschafts\u00fcbergreifenden lokalen oder regionalen Demonstrationen aufgerufen wird, zu der dann auch RentnerInnen, Sch\u00fcler, Studierende und alle Nichterwerbst\u00e4tigen mobilisiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsame Protestaktion von IG Metall und ver.di in Esslingen am 29.1.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[112],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11925"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11925"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11925\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11925"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11925"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11925"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}