{"id":11915,"date":"2007-01-16T23:19:39","date_gmt":"2007-01-16T23:19:39","guid":{"rendered":".\/?p=11915"},"modified":"2007-01-16T23:19:39","modified_gmt":"2007-01-16T23:19:39","slug":"11915","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/01\/11915\/","title":{"rendered":"Sri Lanka: Regierung in Angriff auf Anti-Kriegs-Kundgebung verwickelt"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"right\" src=\"\/media\/2012\/2006\/Siri.jpg\">  Am 9. Januar konnten Siritunga Jayasuriya und weitere Aktivisten des <i>  United Peoples Movement (UPM) <\/i>nur knapp einem bewaffneten Angriff   entkommen. Vor einer &#246;ffntlichen Kundgebung gegen Krieg und   Unterdr&#252;ckung in Sri Lanka, die an diesem Tag in Colombo stattfindet   sollte, wurden die Organisatoren von einem bewaffneten Schl&#228;gertrupp   angegriffen und verfolgt.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Angef&#252;hrt wurden die ca. 100 Schl&#228;ger von einem stellvertretenden   Minister der Regierung, Mervyn Silva.<\/p>\n<p>  Mervyn Silva ist bekannt f&#252;r seine rassistischen und brutalen &#220;bergriffe   gegen&#252;ber TamilInnen, aber auch gegen Journalisten. Die anwesenden   Organisatoren konnten nur knapp ihre Leben retten und sind weiterhin mit   Morddrohungen konfrontiert. Mehrere Journalisten wurden bei dem &#220;berfall   verpr&#252;gelt und ihre Kameras zerst&#246;rt. In einem Interview (siehe Link   unten) schildert Siri. Jayasuriya die Ereignisse. <\/span><\/p>\n<p>  Der &#220;berfall ist als Angriff auf die Arbeit des UPM zu sehen, die seit   dem Antritt des neuen Pr&#228;sidenten Rajapakse Ende 2005 gro&#223;en Anklang   findet mit der Mobilisierung gegen Krieg, repressive Ma&#223;nahmen der   Regierung und Armut. Bis zu zehntausend TeilnehmerInnen waren zu der   verhinderten Kundgebung am 9. Januar erwartet worden. Dort sollten   diverse politische VertreterInnen sprechen, unter anderem vom <i>United   People&quot;s Movement<\/i>, der <i>Tamil National Alliance<\/i>, des <i>  Sri Lanka Muslim Congress<\/i> und der <i>United Socialist Party<\/i>. <\/span> <\/p>\n<p>  Siritunga Jayasuriya aus Colombo, Sri Lanka, ist Koordinierer des neu   gegr&#252;ndeten &quot;United People&quot;s Movement&quot; und Vorsitzender der &quot;United   Socialist Party&quot;. Er ist ausserdem Sprecher des &quot;Civil Monitoring   Committee&quot;, das gegr&#252;ndet wurde um Entf&#252;hrungen und Ermordungen von   TamilInnen in Sri Lanka aufzudecken und dagegen vorzugehen. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Angelika Teweleit interviewte ihn am Rande einer internationalen   Konferenz, an der er zur Zeit in Belgien teilnimmt, dem Weltkongress des   Kommittes f&#252;r eine Arbeiterinternationale.<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  <b>AT: Siri, in der Presse wurde berichtet, dass du und weitere   Organisatoren einer &#246;ffentlichen Kundgebung in Colombo von einer   bewaffneten Bande angegriffen wurdet. Was ist dort vorgefallen?<\/span><\/b> <\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Siri: Es sollte die erste &#246;ffentliche Kundgebung des &quot;United People&#180;s   Movement&quot; (UPM) sein. Die UPM ist ein B&#252;ndnis aller politischer Kr&#228;fte   und Parteien, die gegen den Krieg und Hunger sind und gegen die   repressiven Gesetze der Regierung. Dies war unsere erste   Massenmobilisierung seit die neue Regierung an die Macht gekommen ist.   Wir hatten eine gro&#223;e Resonanz auf unsere Plakate und haben bis zu   zehntausend Teilnehmer f&#252;r die Kundgebung erwartet. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Am Tag vorher teilte uns die lokale Polizeibeh&#246;rde mit, dass wir die   Veranstaltung absagen sollten, da sie nicht f&#252;r unsere Sicherheit sorgen   k&#246;nnte. Ich entgegnete ihnen, dass wir selber f&#252;r die notwendige   Sicherheit sorgen w&#252;rden und dass es sich um eine vollkommen legale   Veranstaltung handelt. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Neunzig Minuten vor Beginn der Veranstaltung, als die meisten Helfer   gerade zum Mittagessen unterwegs waren, hielt ich mich mit einigen   anderen in der N&#228;he der Rednerb&#252;hne auf. Pl&#246;tzlich wurde es laut und wir   sahen, wie &#252;ber hundert Leute auf die B&#252;hne st&#252;rmten. Sie begannen die   Lautsprecher und die ganze Ausstattung zu zertr&#252;mmern. Ich ging hin um   zu sehen, was dort vor sich ging. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Dort sah ich Mervyn Silva, einen stellvertretenden Minister. Er f&#252;hrte   die Bande an. Ich wollte sie fragen, was sie dort tun, da rief eine   kleine Gruppe von ihnen: &quot;Das ist er!&quot; und begann, mich zu verfolgen.   Ich konnte &#252;ber einen Parkplatz wegrennen und in einen Supermarkt   fl&#252;chten. Die Gangster fingen an die Scheiben einzuschlagen und folgten   mir. Ich rannte in ein anderes Gesch&#228;ft, konnte entkommen und so mein   Leben retten. Dann sah ich durch die Fenster, dass sie draussen die   gesammte Ausr&#252;stung f&#252;r unsere Kundgebung anz&#252;ndeten. Nach kurzer Zeit   gelang es mir durch die Hilfe eines Riksha-Fahrers, den Stadtteil zu   verlassen. Das ist, was an diesem Tag geschah. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  <b>AT: Du sagtest, ein stellvertrender Minister f&#252;hrte diese Bande an.   Wie kann es sein, dass jemand aus dem Umkreis der Regierung so etwas tut?<\/b><\/span> <\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Siri: Dieser stellvertretende Minister hat &#252;brigens bei einer   Pressekonferenz noch am Tag des &#220;berfalls abgestritten, dass er   &#252;berhaupt dort gewesen sei. Die Regierung hingegen behauptet, dass sich   diese Leute dort befunden h&#228;tten um den Organisatoren der Kundgebung zu   helfen, weil wir die Veranstaltung angeblich nicht h&#228;tten statt finden   lassen wollen!<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Seit der neue Pr&#228;sident Rajapakse Ende 2005 vereidigt wurde, ist die   Regierung wegen uns sehr beunruhigt. Zu dieser Zeit, ich war damals   Kandidat f&#252;r die USP und wurde Dritter bei der Pr&#228;sidentschaftswahl,   haben wir Rajapakse gewarnt, dass wir breiten Widerstand organisieren   w&#252;rden, wenn er den Weg von Chauvinismus und Krieg weitergehen w&#252;rde. <\/span> <\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Seit er an der Macht ist, hat sich eine Opposition und Widerstand   entwickelt und wir mobilisierten gegen die Regierung. Ich glaube, diesen   &#220;berfall kann man nicht isoliert betrachten. Ich denke, die Regierung   hat diesen Angriff auf uns geplant, wegen unserer Versuche, eine   Bewegung gegen Unterdr&#252;ckung und Hunger zu organisieren. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Wir haben dabei deutlich gemacht, dass wir f&#252;r die Rechte der Tamilen   eintreten, aber nicht mit der terroristischen Taktik der LTTE   (Liberation Tigers of Tamil Eelam) einverstanden sind. Denn sie f&#252;hrt zu   einer Vertiefung der Spaltungen in Sri Lanka. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Wegen des &#220;berfalls haben wir eine offizielle Beschwerde bei der   Regierung und der Polizei gemacht. Aber sie versuchen uns als   Unterst&#252;tzer von Terroristen darzustellen, um damit ihre gewaltsame   Aktion zu legitimieren. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  <b>AT: Wie ist zur Zeit die Situation f&#252;r die Tamilen in Sri Lanka?<\/b><\/span> <\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Siri: Im Norden, wo sie eine Mehrheit darstellen, ist die Situation   furchtbar. Die Armut ist dort sehr gro&#223;, die Preise sind dort f&#252;nf mal   h&#246;her als normalerweise und es gibt dort viel Hunger. Besonders f&#252;r   Kinder und alte Menschen ist es sehr schlimm. Es gibt keine Medikamente   mehr. Die Regierung hat die Autobahn A9 gesperrt. Das bedeutet, dass die   wichtigte Verbindung auf die Jaffna-Halbinsel gesperrt ist, &#252;ber die die   ganze Versorgung mit Waren etc. lief. Wir machen eine Kampagne f&#252;r die   &#214;ffnung der Stra&#223;e und auch f&#252;r eine Notversorgung. Selbst die Schulen   und Krankenh&#228;user funktionieren dort nicht. <\/span><\/p>\n<p>  <b>AT: Was ist das &quot;United People&#180;s Movement&quot;?<\/b><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Siri: Das UPM, das sich vor kurzem gegr&#252;ndet hat, setzt sich aus vielen   Parteien aus unterschiedlichen politischen Richtungen zusammen. Aber wir   arbeiten zusammen f&#252;r die demokratischen Rechte der Arbeiter und der   armen Bev&#246;lkerung, gegen den Krieg , Chauvinismus und Hunger. Die   Inflation betr&#228;gt derzeit 22 % &#8211; so viel wie noch nie &#8211; und die Preise   f&#252;r Nahrungsmittel werden t&#228;glich teurer. Das UPM hat sich   zusammengefunden, um f&#252;r demokratische Rechte und gegen Armut zu   k&#228;mpfen. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Wir setzten und auch ein f&#252;r eine Wiederaufnahme der Friedensgespr&#228;che   in diesem seit Jahren anhaltenden B&#252;rgerkrieg. Wenn die Regierung diesen   blutigen Krieg fortsetzt, wird das zu einer dauerhaften Spaltung des   Landes f&#252;hren. Das lehen wir v&#246;llig ab. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  <b>AT: Und was sind die Ziele und das Programm deiner Partei, der   &quot;United Socialist Party&quot;?<\/b><\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Siri: Wir haben ein klares Programm zu den Problemen der tamilischen   Minderheit. Wir denken, die Probleme der Tamilen k&#246;nnen nur auf der   Basis gel&#246;st werden, ihre Rechte und das Recht auf Selbtsbestimmung der   Tamilen zu verteidigen. Aber es ist uns auch klar, dass wir eine solche   L&#246;sung von der b&#252;rgerlichen Klasse nicht erwarten k&#246;nnen. In einem   kapitalistischen System wird keine dauerhafte L&#246;sung erreicht werden   k&#246;nnen. Diese Frage kann nur durch die Arbietrklasse gel&#246;st werden. <\/span> <\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Gleichzeitig setzen wir uns f&#252;r die Wiederaufnahme von   Friedensgespr&#228;chen ein und f&#252;r kurzfristige Verbesserungen, damit die   Arbeiterklasse &#252;berhaupt in der Lage ist, einen Ausweg aus der aktuellen   Spaltung entlang nationalistischer Linien zu finden. Wir wollen den   Kampf entlang von Klassenkonflikten f&#252;hren und die Teilung nach   ethischen und religi&#246;sen Zugeh&#246;rigkeiten beenden. Wir sind die einzige   Partei, die einen gemeinsamen Kampf der arbeitenden und armen   Bev&#246;lkerung anbietet, der alle Gruppen einschlie&#223;t &#8211; Tamilen, Muslime   und Singalesen.<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  <b>AT: Was kann man au&#223;erhalb von Sri Lanka machen um euch gegen die   Repressionen zu unterst&#252;tzen?<\/span><\/b><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Siri: Ich denke, der einzige Weg ist, maximale Unterst&#252;tzung durch   Arbeiter- und Menschenrechtsorganisationen in anderen L&#228;ndern zu   organisieren. Viele Menschen wurden wegen des Krieges bereits get&#246;tet.   Vor diesem Hintergrund braucht der Protest gegen die Represionen durch   die Regierung und auch gegen die terroristischen Aktivit&#228;ten der LTTE   maximale Unterst&#252;tzung.<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  <b>AT: Was k&#246;nnen wir in Europa konkret unternehmen?<\/b><\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Siri: Ich denke, dass die europ&#228;ische Arbeiterklasse eine wichtige Rolle   spielen kann, um die repressiven Ma&#223;nahmen der Regierung einzuschr&#228;nken   und auch den Krieg, der einem V&#246;lkermord nahe kommt. <\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Mein Name, sowie 21 weitere, ist auf einer Todesliste, die von   kommunalistischen Kr&#228;ften publiziert wurde. Wir brauchen Unterst&#252;tzung   durch Protestschreiben an die Regierung, in denen sie aufgefordert wird,   dem Einhalt zu gebieten. Ausserdem mu&#223; man &#246;ffentlich machen, welche   Angriffe auf demokratische Rechte und welche Todesdrohungen zur Zeit in   Sri Lanka stattfinden. Im Endeffekt wird es keinen anderen Weg geben   diese Probleme ein f&#252;r alle mal aus der Welt zu schaffen, als die   Arbeiterklasse f&#252;r einen weltweiten Kampf f&#252;r Sozialismus zu gewinnen. <\/span> <\/p>\n<h5>  Protesbriefe k&#246;nnen versendet werden an die folgende Adresse:<\/span><\/h5>\n<p>  <span lang=\"DE\">  An Pr&#228;sident Mahina Rajapakse (gleichzeitig Innenminister Sri Lankas):<\/span> <\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Office of Mahinda Rajapakse<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Telefon: ++ 94 11 25429-31 (bis -41)<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  e-mail: <a href=\"mailto:gosl@presidentsl.org\">gosl@presidentsl.org<\/a><\/span> <\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Fax: ++ 94 11 2321404<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Botschafter in Berlin:<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Jayantha Palipane<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Telefon: 030-80909749<\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  e-mail: <a href=\"mailto:info@srilanka-botschaft.de\">  info@srilanka-botschaft.de<\/a><\/span><\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\">  Fax: 030-80909757<\/span><\/p>\n<p>  Kopien bitte auch an das &quot;United People&quot;s Movement&quot; c\/o Siritunga   Jayasuriya: usp@sltnet.lk<\/span><\/p>\n<h5>  Spenden k&#246;nnen an die folgende Verbindung &#252;berwiesen werden:<\/span> <\/h5>\n<p>  Alliance for Peace, c\/o Dr&#246;ge<\/p>\n<p>  Kontonummer: 6210082<\/p>\n<p>  BLZ: 120 400 00<\/p>\n<p>  Commerzbank Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"right\" src=\"\/media\/2012\/2006\/Siri.jpg\"><br \/>\n      Am 9. 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