{"id":11907,"date":"2007-01-13T00:44:11","date_gmt":"2007-01-13T00:44:11","guid":{"rendered":".\/?p=11907"},"modified":"2007-01-13T00:44:11","modified_gmt":"2007-01-13T00:44:11","slug":"11907","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2007\/01\/11907\/","title":{"rendered":"Irland: Shell to Sea!"},"content":{"rendered":"<p>  Staatliche Enteignungen, milliardenschwere Diebst&#228;hle und der Widerstand   dagegen<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die &#214;lfirmen Staroil, Marathon Oil und an der Spitze Shell planen, die   Gasreserven an der irischen Westk&#252;ste auszubeuten. Der Wert des Gas   Feldes in Corrib wird auf 12 bis 21 Milliarden Euro gesch&#228;tzt. Um die   Profite dabei besonders hoch fahren zu k&#246;nnen, sind ihnen selbst die   besonders g&#252;nstigen steuerlichen Bedingungen, die f&#252;r Konzerne   herrschen, noch nicht gut genug.<\/p>\n<p>  <i>von Martin L&#246;ber, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Auch nicht die Tatsache, dass das Gas von der Regierung nahezu   verschenkt werden soll. Es soll eine unter Hochdruck stehende   Rohgasleitung durch bewohntes Gebiet gef&#252;hrt werden, um Kosten zu   sparen. So etwas gibt es auf der gesamten Welt nicht wegen des riesigen   Risikos von Lecks, Br&#228;nden und gewaltigen Explosionen. Der Transport des   Gases &#252;ber das Meer w&#228;re etwas teurer, was Grund genug ist, sich &#252;ber   s&#228;mtliche Bedenken, die Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz angehen,   hinwegzusetzen. Um Shell zu Diensten zu sein, hat sich die irische   Regierung allerdings &#252;ber Werte hinweggesetzt, die in b&#252;rgerlichen   Staaten eigentlich noch einen viel gr&#246;&#223;eren Stellenwert besitzen: Das   Privateigentum wurde angetastet. In diesem Fall das Land der Bauern,   durch das die Pipeline f&#252;hren soll. Sie wurden enteignet. <\/p>\n<h5>  Widerstand <\/h5>\n<p>  Der Widerstand gegen die Pipeline und die von ihr ausgehenden Gefahren,   der besonders von der lokalen Bev&#246;lkerung getragen wird, wurde verboten.   F&#252;nf M&#228;nner, drei davon enteignete Bauern, weigerten sich, die   gerichtliche Verf&#252;gung anzuerkennen, die ihnen auferlegte, nichts zur   Verhinderung des Baus zu unternehmen. Sie kamen ins Gef&#228;ngnis, wo sie   bleiben sollten, bis sie zusagten, ihren Protest aufzugeben. Dar&#252;ber   hinaus drohte der Gerichtspr&#228;sident damit, jeden Landbesitzer in Mayo   (die Region in der die Pipeline gebaut werden soll; am ehesten   vergleichbar mit einem Bundesland in der BRD) zu verhaften, sollte er   seinen Anordnungen nicht gehorchen.<\/p>\n<p>  Diese F&#252;nf wurden daraufhin landesweit bekannt als die &#8222;Rossport Five&#8220;.   In ganz Irland brandete eine Welle der Solidarit&#228;t mit den Inhaftierten   auf. Es bildeten sich &#252;berall Gruppen der &#8222;Shell to Sea&#8220; (Shell ins   Meer) &#8211; Kampagne. Die vorrangigen Ziele waren die Freilassung der F&#252;nf   und der Bau einer See-Pipeline, um die dr&#228;ngendsten gesundheitlichen   Gefahren f&#252;r die lokale Bev&#246;lkerung zu mindern. Es wurden Unterschriften   gesammelt und Demonstrationen organisiert, eine Welle der Emp&#246;rung ging   durch das Land. Der gewaltige Druck dieser Bewegung f&#252;hrte dazu, das die   F&#252;nf (Zufall oder wohl eher nicht) einen Tag vor der landesweiten   Demonstration in Dublin am 1. Oktober 2005 nach 94 Tagen aus der Haft   entlassen wurden. H&#246;hepunkt dieser k&#228;mpferischen Demonstration war der   Auftritt der &quot;Rossport Five&quot;, die &#252;ber ihre Zeit im Gef&#228;ngnis und   dar&#252;ber sprachen, dass der Kampf weitergehen muss.<\/p>\n<h5>  Rolle der Socialist Party (SP)<\/h5>\n<p>  Besonderen Applaus bekam der Parlamentsabgeordnete der Socialist Party   (Schwesterorganisation der SAV), Joe Higgins, der unter anderem den   ganzen Einsatz der Kampfkraft der Gewerkschaften forderte, falls noch   eine einzige weitere Person eingesperrt werden sollte. Dar&#252;ber hinaus   warf er vor einem Massenpublikum die Frage des Eigentums an den   nat&#252;rlichen Reicht&#252;mern des Landes auf. Dies hat die Socialist Party von   Beginn an getan, innerhalb und au&#223;erhalb der &quot;Shell to Sea&quot; &#8211; Gruppen.   Er forderte, dass die nat&#252;rlichen Ressourcen der Bev&#246;lkerung geh&#246;ren und   die Gewinne aus der Ausbeutung des Gases der Allgemeinheit zugute kommen   m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Sehr aufmerksam folgten die Menschen der Rede von Dr. Owens Wiwa, dem   Bruder des ermordeten Anti &#8211;Shell -Aktivisten Ken Saro Wiwa aus Nigeria.   Dort, so berichtete er, wendet Shell noch wesentlich brutalere Methoden   an um Kritik zu bek&#228;mpfen. Die Folgen von Shells Engagement in Nigeria   sind verheerend &#8211; totale Verarmung der Bev&#246;lkerung im &#246;lreichen Niger   Delta und schlimmste &#246;kologische Zerst&#246;rungen.<\/p>\n<p>  Nach der Freilassung der Rossport Five, die von den meisten   Unterst&#252;tzerInnen als Sieg angesehen wurde, verschwand das Thema von den   Titelseiten. Erst im Fr&#252;hjahr 2006, viel sp&#228;ter, als die meisten   AktivistInnen der &#8222;Shell to Sea&#8220;  &#8211; Kampagne erwartet hatten, gingen die   Energiekonzerne wieder in die Offensive. Diesmal zu Beginn mit einer   sanfteren Taktik. Sie erkl&#228;rten, sie w&#252;rden den Gasdruck innerhalb der   geplanten Pipeline reduzieren und machten vage Andeutungen &#252;ber eine   m&#246;gliche Ver&#228;nderung der Route, womit ja dann alles in Ordnung w&#228;re.   Diejenigen, die weiter gegen den Bau sind wurden als unvern&#252;nftig   dargestellt. Alles mit dem Ziel, die Arbeit an der Raffinerie in   Ballinaboy (eines der Endst&#252;cke der Pipeline und absolut notwendig f&#252;r   die Pl&#228;ne von Shell) wiederaufnehmen zu k&#246;nnen. <\/p>\n<p>  Denn jenseits des Medieninteresses ist die Raffinerie seit ca. 1,5   Jahren das Ziel von nahezu t&#228;glichen Blockaden. Zwar waren daran stets   nur einige Dutzend Menschen, meist AnwohnerInnen, beteiligt, was aber   das gro&#223;e Potential an Entschlossenheit zeigte. Es gibt Berichte von   Zwischenf&#228;llen wie am 03.10.2006. Die Polizei hatte Stra&#223;enblockaden   errichtet und &#252;ber 100 Demonstranten weggeschleppt, wobei sie auch   einige DemonstrantInnen verletzte.<\/p>\n<h5>  Aktionstag im November 2006<\/h5>\n<p>  Eskaliert ist die Situation am 10. November 2006 ebenfalls in   Ballinaboy. Am 11. Jahrestag der Exekution von neun   Anti-Shell-Aktivisten in Nigeria gab es einen landesweiten Aktionstag   gegen Shell. Die ca. 300 Protestierenden wurden gezielt verpr&#252;gelt,   einige mussten ins Krankenhaus und ein Polizist freute sich w&#228;hrend   seines Einsatzes &#252;ber die (Zitat!) &#8222;Schlagstockparty&#8220;. Das Ziel dieser   Brutalit&#228;t, n&#228;mlich die Kampagne zu demoralisieren, wurde leider   erreicht. Einige der F&#252;hrer der Kampagne argumentieren seit diesem Tag,   dass Proteste und Blockaden nicht mehr durchgef&#252;hrt werden k&#246;nnten, weil   dadurch die Gesundheit der Beteiligten extrem gef&#228;hrdet w&#252;rde. <\/p>\n<p>  Viele AktivistInnen von &#8222;Shell to Sea&#8220;, zum Beispiel die Mitglieder der   SAV- Schwesterorganisation Socialist Party (SP) argumentierten dagegen   und propagierten Massenaktionen bis hin zu Streiks gegen die   unmenschlichen Pl&#228;ne der Energiekonzerne. Die Position der SP war von   Beginn an, neben der Befreiung der  Rossport Five und der Sicherheit der   Menschen, auch die Frage nach dem Eigentum an den Rohstoffen zu stellen.   Bei Info-St&#228;nden, Demos, in der Zeitung und innerhalb von &#8222;Shell to Sea&#8220;   haben die GenossInnen der SP immer wieder die Forderung aufgestellt,   dass die Erl&#246;se aus der Gasgewinnung der Bev&#246;lkerung zu Gute kommen   m&#252;ssen und dass das Gas ihr geh&#246;re und nicht einigen Konzernen. Die   Mitglieder der SP konnten das Thema in vielen Diskussionen benutzen, um   daran den Irrsinn und die Ungerechtigkeit des kapitalistischen Systems   zu zeigen und die Rolle der b&#252;rgerlichen Regierung als konsequente   Interessenvertretung des Kapitals dabei.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich wurde der nat&#252;rliche Reichtum von der Regierung geradezu   verschenkt, was &#252;ber Jahre hinweg vorbereitet wurde.<\/p>\n<h5>  Regierung handelt im Interesse der Konzerne<\/h5>\n<p>  1975 betrug der Steuersatz f&#252;r Gewinne aus erfolgreichen &#214;l- und   Gas&#8211;Projekten 50 Prozent, au&#223;erdem war der Staat automatisch mit 50   Prozent an jeder kommerziellen genutzten Quelle und erhielt zus&#228;tzlich 6   Prozent Lizenzgeb&#252;hren. Seit 1987 ver&#228;nderte sich dies. Der damalige   Energieminister verhandelte mit Vertretern der &#214;lindustrie und als   Ergebnis wurden das staatlichen Beteiligungsrecht und die Lizenzgeb&#252;hren   gestrichen. 1992 senkte Bertie Ahern, damals Finanzminister, heute   Ministerpr&#228;sident die Steuern auf &#214;l und Gasprofite von 50 Prozent auf   25 Prozent, (zum Beispiel betragen sie in Norwegen 78 Prozent), einem   der niedrigsten Steuers&#228;tze auf der ganzen Welt. Dem Konzern wurde   dar&#252;ber hinaus erlaubt, die Kosten ihrer weltweiten Unternehmungen von   der Steuer abzuziehen.<\/p>\n<p>  Wie die Auseinandersetzungen ausgehen wird, ist noch v&#246;llig unklar. Die   Wut und Emp&#246;rung, die im Sommer 2005 &#252;ber die Ungerechtigkeit gegen&#252;ber   den f&#252;nf M&#228;nnern aus Rossport herrschte, war riesig. Wenn dies mit der   Erkenntnis &#252;ber das Ausma&#223; des Betruges und des Diebstahls, die die   Konzerne zusammen mit der Regierung gerade durchf&#252;hren, zusammen trifft,   k&#246;nnen wir hoffen, dass 2007 eine gro&#223;e Widerstandsbewegung Shell in die   Schranken weisen wird. Hinzu kommen h&#246;chstwahrscheinlich in der ersten   H&#228;lfte des Jahres 2007 die Parlamentswahlen (der genaue Termin wird von   der Regierung bestimmt und steht noch nicht fest ). Die SP wird   sicherlich nicht vers&#228;umen, das h&#246;here politische Interesse in dieser   Zeit zu nutzen, um f&#252;r den Widerstand zu werben und Vorschl&#228;ge zu   machen, wie er erfolgreich organisiert werden kann. Ein Erfolg in diesem   Kampf w&#252;rde den Menschen weit &#252;ber Irland hinaus Mut und Kraft geben,   gegen die Ungerechtigkeiten unter denen sie leiden m&#252;ssen, anzuk&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Staatliche Enteignungen, milliardenschwere Diebst&#228;hle und der Widerstand<br \/>\n      dagegen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11907"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11907"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11907\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11907"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}