{"id":11901,"date":"2006-12-31T09:14:24","date_gmt":"2006-12-31T09:14:24","guid":{"rendered":".\/?p=11901"},"modified":"2006-12-31T09:14:24","modified_gmt":"2006-12-31T09:14:24","slug":"11901","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/12\/11901\/","title":{"rendered":"Nigeria: Pipeline-Trag&#246;die von Lagos war vermeidbar"},"content":{"rendered":"<p>  Innerhalb eines Jahres war es im Bundesstaat Lagos das zweite und   landesweit bereits das x-te Mal, dass wieder eine geborstene &#214;lleitung   ein verheerendes Feuer ausl&#246;ste und am Dienstag, 26. Dezember 06, im   Lagos-Vorort Abule-Egba viele Menschenleben sowie Hab und Gut forderte.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Presseerkl&#228;rung des Democratic Socialist Movement, Nigeria <\/i><\/p>\n<p>  <i>29. Dezember 2006 <\/i><\/p>\n<p>  Speziell dieses riesige und desastr&#246;se Ereignis hat aber mehr denn ja   gezeigt, wie unsensibel und achtlos diese Regierung mit den Gef&#252;hlen,   Sehns&#252;chten und Notlagen einfacher Menschen umspringt. Das geschieht   abseits offenkundig zu Tage tretender nicht eingehaltener Versprechungen   der Regierung, die diese &#252;blicher Weise dann abgibt, wenn wieder einmal   ein Desaster stattgefunden hat. Anschlie&#223;end wird immer zugesagt, dass   man Mechanismen installieren werde, die die Wucht von entflammten   &#214;lleitungen eind&#228;mmen werden.<\/p>\n<p>  Die vorliegenden Aussagen und Augenzeugenberichte machen deutlich, dass   die zust&#228;ndigen Beh&#246;rden, einschlie&#223;lich Polizei und &#246;rtlicher Beamter,   &#252;ber die Tatsache alarmiert worden waren, dass &#214;l an einem bestimmten   Punkt der betreffenden Leitung ausl&#228;uft; sie waren des Weiteren &#252;ber die   bestehende Gefahr in Kenntnis gesetzt worden, als damit begonnen wurde,   eimerweise &#214;l von der leckende Leitung abzusch&#246;pfen, nachdem zwei   Tankwagen mit einer mutma&#223;lich bewaffneten Eskorte am Leck bef&#252;llt   worden waren.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend wir, das Democratic Socialist Movement (DSM;   Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Nigeria) es nicht   gut hei&#223;en, dass &#214;l unter sehr riskanten Umst&#228;nden &#8211; mit welchen Motiven   auch immer &#8211; abgezapft wird, m&#246;chten wir ohne der Gefahr des   Widerspruchs zu unterliegen zum Ausdruck bringen, dass die gro&#223;e Zahl an   Opfern vom 26. Dezember die verzweifelte Situation durchschnittlicher   NigerianerInnen widerspiegelt, die Folge der j&#252;ngsten unverst&#228;ndlichen   Benzin-Rationierung ist.<\/p>\n<p>  Wie &#252;blich in der gesch&#228;ftigen Finanzmetropole Lagos, in der die   Mehrheit der Bev&#246;lkerung von t&#228;glich ausgezahlten Einkommen lebt,   bedeutet die Rationierung des Benzins, dass viele in Verzweiflung   gerieten, weil damit die Mittel ihres Lebensunterhalts bedroht wurden &#8211;   erst recht zur Zeit gro&#223;er Feierlichkeiten, die h&#228;ufig mit zus&#228;tzlichen   Ausgaben einher gehen.<\/p>\n<p>  Festzuhalten ist, dass Benzin der wesentliche Bestandteil f&#252;r das   Transportwesen, besonders bei fehlender moderner Bahnanbindung, ist. Und   das, da die meisten Haushalte und Gesch&#228;fte auf (mit Benzin betriebenen;   Anm. d. &#220;bers.) Stromgeneratoren angewiesen sind, weil kein   funktionierendes Elektrizit&#228;tswesen vorhanden ist &#8211; trotz der vorgeblich   in den Elektrizit&#228;tssektor investierten und dort versickerten Millionen   von Naira (nigerianische W&#228;hrung; Anm. d. &#220;bers.).<\/p>\n<p>  Wir behaupten, dass das Desaster h&#228;tte abgewendet werden k&#246;nnen, wenn   die Regierung mit ihren Sicherheitsbeh&#246;rden eingegriffen h&#228;tte, die   j&#228;hrlich einen betr&#228;chtlichen Prozentsatz an Haushaltszuweisungen   verschlingen.<\/p>\n<p>  Doch dieses Desaster hat auch die Regierungsl&#252;ge offenbart, dass   Privatisierung und Liberalisierung im &#214;lsektor den Ausbau von Standards   und Dienstleistungen f&#246;rdern w&#252;rde. Wenn es irgendwas gibt, dass damit   ausgebaut wurde, dann die Gewinnraten f&#252;r die Regierung und ihre   multinationalen F&#246;rderer. Genauso war dies in der Luftfahrtbranche der   Fall. Die Realit&#228;t auf dem Boden ist, dass die Standards gesunken sind,   Kompromisse bei der Sicherheit geschlossen wurden und dies zu einer   Serie von Unf&#228;llen gef&#252;hrt hat.<\/p>\n<p>  Deshalb und entgegen der Tatsache, dass Nigeria der siebtgr&#246;&#223;te   &#214;lproduzent der Erde ist sowie fabelhafte Einnahmen auf den   internationalen M&#228;rkten (in erster Linie aufgrund der Krise im Nahen   Osten) verzeichnet, importiert das Land weiterhin gebrauchsf&#228;higes &#214;l   von ausl&#228;ndischen Raffinerien. In der Tat liegen die vier Raffinerien   Nigerias im Koma, obwohl die Regierung Obasanjo versichert hat, 700 Mio.   Dollar f&#252;r ihre sogenannte Wiederinstandsetzungspolitik (turn around   maintenance; TAM) ausgegeben zu haben.<\/p>\n<p>  Trotz mehrerer Feuersbr&#252;nste, die aus zerborstenen &#214;lleitungen   resultierten, war die Regierung wieder einmal nicht in der Lage ein   funktionst&#252;chtiges Beobachtungssystem f&#252;r die &#214;lleitungen zu   installieren, das es dem staatlichen &#214;lkonzern Nigeria National   Petroleum Corporation (NNPC) erlaubt, Fehler zu erkennen und diese   unverz&#252;glich zu beheben.<\/p>\n<p>  Aufgrund der festgestellten Fakten fordern wir Folgendes:<\/p>\n<p>  &#8211; Dass die Verantwortung f&#252;r die Trag&#246;die vom 26. Dezember best&#228;ndig der   Zentralregierung und der NNPC vorgehalten werden muss.<\/p>\n<p>  &#8211; Dass es eine kostenlose und angemessene medizinische Versorgung f&#252;r   alle Opfer der Feuerkatastrophe geben muss, getragen von der Regierung,   die regelm&#228;&#223;ig von den hemmungslosen Roh&#246;lverk&#228;ufen profitiert. <\/p>\n<p>  &#8211; Dass die NNPC volle Entsch&#228;digung an alle Opfer des Feuers zahlen   muss, besonders an die, deren Unterk&#252;nfte, B&#252;ror&#228;ume, Gesch&#228;fte und Hab   und Gut Opfer der Flammen wurde.<\/p>\n<p>  &#8211; Dass der &#214;lsektor und weitere Schl&#252;sselbereiche entgegen der   Privatisierung und Kommerzialisierung vergesellschaftet werden m&#252;ssen   und unter die demokratische Kontrolle und Verwaltung der ArbeiterInnen   gestellt werden m&#252;ssen, damit die riesigen Profite f&#252;r die Belange der   Bev&#246;lkerung und die Entwicklung der Infrastruktur bereitgestellt werden   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  &#8211; Schlussendlich schlagen wir vom DSM den arbeitenden Massen vor, ihr   Schicksal in die eigenen H&#228;nde zu nehmen, indem eine politische   Plattform aufgebaut wird, die mit einem Programm f&#252;r System- und   Regimewechsel bewaffnet ist. Das w&#252;rde z.B. bedeuten, dass sie die   kapitalistischen Million&#228;rs-Parteien bei den kommenden Wahlen   zur&#252;ckweisen und f&#252;r ein politisches B&#252;ndnis der Arbeiterklasse und   dessen KandidatInnen stimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Innerhalb eines Jahres war es im Bundesstaat Lagos das zweite und<br \/>\n      landesweit bereits das x-te Mal, dass wieder eine geborstene &#214;lleitung<br \/>\n      ein verheerendes Feuer ausl&#246;ste und am Dienstag, 26. 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