{"id":11897,"date":"2006-12-21T11:00:53","date_gmt":"2006-12-21T11:00:53","guid":{"rendered":".\/?p=11897"},"modified":"2006-12-21T11:00:53","modified_gmt":"2006-12-21T11:00:53","slug":"11897","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/12\/11897\/","title":{"rendered":"Kasseler Klinikum: Verzicht mit allen Mitteln"},"content":{"rendered":"<p>  <img src=\"\/media\/2006\/Kassel_KrankeSchwestern.jpg\" align=\"left\">  Neubau wird durch Gehaltsk&#252;rzungen finanziert. Ver.di-Funktion&#228;re   rechnen Lohneinbu&#223;en sch&#246;n. Betriebsratschef wechselte ins Management<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Herbert Wulff, zuerst erschienen in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2006\/12-21\/043.php\"> jungen Welt, 21. Dezember 06<\/a><\/i><\/p>\n<p>  Der geplante &#187;besondere Tarifvertrag&#171; am Klinikum Kassel sorgt weiter   f&#252;r Unruhe. Auf durchschnittlich 5,3 Prozent ihrer L&#246;hne und Geh&#228;lter   sollen die Besch&#228;ftigten bis zum Jahr 2015 verzichten, um einen 152,2   Millionen Euro teuren Neubau f&#252;r das Krankenhaus zu erm&#246;glichen. Das   sieht eine zwischen ver.di und der Gesundheit Nordhessen Holding AG   (GNH) am Dienstag geschlossene Rahmenvereinbarung vor. Zur Emp&#246;rung der   Kritiker des Vertrags haben ver.di-Vertreter diesen unterschrieben,   obwohl die Zahlen, mit denen den Gewerkschaftern im Betrieb der Verzicht   zuvor schmackhaft gemacht worden war, ganz offensichtlich nicht stimmten.<\/p>\n<p>  63 Prozent der anwesenden Gewerkschafter h&#228;tten sich auf drei   Versammlungen f&#252;r die Vereinbarung ausgesprochen, verk&#252;ndeten die   ver.di-Hauptamtlichen Anfang dieses Monats. Allerdings hat sich nach   jW-Informationen lediglich ein Drittel der Mitglieder an dem Votum   beteiligt. Demnach stimmten von den rund 600 ver.di-Mitgliedern im   Kasseler Klinikum nur 126 f&#252;r den Vertrag. Zudem h&#228;tten ver.di- und   Betriebsratsfunktion&#228;re den Lohnverzicht &#187;sch&#246;ngerechnet&#171;, kritisierte   Katja Hoffmann vom &#187;Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische   ver.di&#171;. So sei behauptet worden, ein Teil der im kommenden Jahr   f&#228;lligen Lohnk&#252;rzung von vier Prozent werde &#252;ber eine Reduzierung der   Arbeitgeberbeitr&#228;ge zur betrieblichen Altersversorgung ZVK abgewickelt   und dadurch nicht sofort im Portemonnaie der Besch&#228;ftigten sp&#252;rbar. Das   GNH-Management hat nun jedoch unmi&#223;verst&#228;ndlich klargestellt, da&#223; es die   vollen vier Prozent &#8211; 2008 sollen es f&#252;nf, in den Folgejahren gar sechs   Prozent sein &#8211; von den Gehalts&#252;berweisungen abziehen wird. Daraufhin   hie&#223; es bei ver.di zwar, man werde die Mitglieder im Januar erneut   befragen, dennoch wurde die entsprechende Rahmenvereinbarung   unterzeichnet, &#187;weil sonst alles geplatzt w&#228;re&#171;. Nun kann nur noch die   Clearingstelle beim ver.di-Bundesvorstand, die alle Tarifvertr&#228;ge auf   ihre Vereinbarkeit mit den Grunds&#228;tzen der Dienstleistungsgewerkschaft   &#252;berpr&#252;ft, das Inkrafttreten des Vertrags verhindern.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die ver.di-Spitze den Pflegern und Arbeitern des Kasseler   Klinikums also drastische Einkommensk&#252;rzungen zumutet, lehnen die   Vertreter der &#196;rzte dies weiterhin ab. &#196;rzteliste und Marburger Bund   argumentieren, die Finanzierung des geplanten Neubaus sei mittelfristig   nicht gesichert. Nun soll der &#187;Beitrag&#171; der Mediziner, den ver.di   vehement eingefordert hatte, &#252;ber Stellenabbau realisiert werden.<\/p>\n<p>  Widerstand kommt derweil nicht nur von &#196;rzten und linken   Gewerkschaftern, sondern auch von der in der Stadtverordnetenversammlung   vertretenen Fraktion Kasseler Linke.ASG. Diese verweist u.a. darauf, da&#223;   das Neubauprojekt nicht nur Millionen verschlingen, sondern zudem 300   Arbeitspl&#228;tze kosten soll. Auch eine k&#252;nftige Privatisierung des   Klinikums werde durch den Lohnverzicht keineswegs verhindert. Die Stadt   Kassel hat sich als Teil der Vereinbarung lediglich dazu verpflichtet,   bis 2015 maximal 49,9 Prozent der Anteile der bislang vollst&#228;ndig in   kommunaler Tr&#228;gerschaft befindlichen GNH zu verkaufen. Aber selbst das   ist nicht gesichert. Falls das Eigenkapital der GNH, das derzeit auf 40   Millionen Euro beziffert wird, um 2,5 Millionen Euro abnimmt, kann die   Stadt aus der mit ver.di geschlossenen Vereinbarung aussteigen.<\/p>\n<p>  Die Kasseler Linke.ASG kritisierte in einer Pressemitteilung au&#223;erdem,   da&#223; die GNH-Spitze &#187;gleich drei ehemalige Gewerkschafter und   Betriebsr&#228;te in die Chefetage berufen hat, um sich ganz offensichtlich   damit die Zustimmung der Gewerkschaftsseite &#8250;zu erkaufen&#8249;&#171;. Anfang des   Jahres hatte Betriebsratschef Peter Metz einen Posten im GNH-Management   angenommen. &#187;Das und die Verzichtspolitik haben dazu gef&#252;hrt, da&#223; unsere   Gewerkschaft bei vielen Kollegen an Glaubw&#252;rdigkeit verloren hat&#171;,   meinte Hoffmann. Weder im Landesbezirk noch vor Ort waren die f&#252;r das   Kasseler Klinikum zust&#228;ndigen ver.di-Sekret&#228;re am Dienstag und Mittwoch   f&#252;r jW-Nachfragen zu erreichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img src=\"\/media\/2006\/Kassel_KrankeSchwestern.jpg\" align=\"left\"><br \/>\n      Neubau wird durch Gehaltsk&#252;rzungen finanziert. Ver.di-Funktion&#228;re<br \/>\n      rechnen Lohneinbu&#223;en sch&#246;n. 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