{"id":11886,"date":"2006-11-10T18:25:39","date_gmt":"2006-11-10T18:25:39","guid":{"rendered":".\/?p=11886"},"modified":"2006-11-10T18:25:39","modified_gmt":"2006-11-10T18:25:39","slug":"11886","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/11\/11886\/","title":{"rendered":"St. Gobain &#8211; Funktion&#228;re der IG BCE ausgebuht"},"content":{"rendered":"<p>  KollegInnen werfen Fahnen und M&#252;tzen hin <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  30.Oktober 2006 auf einer IG-BCE-Kundgebung in Aachen: Anfangs war alles   so wie immer. Die Aachener KollegInnen standen nett beieinander, es   wurden Fahnen, M&#252;tzen und massenweise Trillerpfeifen von der IG Bergbau,   Chemie, Energie (BCE) verteilt, w&#228;hrend man noch darauf wartete, dass   die KollegInnen aus dem K&#246;lner und Mannheimer Werk eintreffen. Als dann   ca. 400 KollegInnen in Aachen versammelt waren, wurden sie dazu   gebracht, sich sch&#246;n geordnet zu einem Demozug zu formieren. &#8222;Bitte so,   dass nur ein Fahrbahnstreifen blockiert wird&#8220;, hallte es aus dem   Megafon. Die KollegInnen machten lautstarken Gebrauch von ihren   Krachmachern und so wurde es alles andere als langweilig.<\/p>\n<p>  <i>von Johannes Str&#228;terhoff, Aachen <\/i>    <\/p>\n<p>  Der Warnstreik richtete sich gegen die harte Verhandlungshaltung der   Arbeitgeber. Trotz voller Gesch&#228;ftsb&#252;cher und einem Plus im ersten   Halbjahr von 26,1 Prozent wollten diese keinerlei Zugest&#228;ndnisse machen.   Nur eine geringe Lohnsteigerung wurde angeboten. Auf die seit 2 Jahren   unbezahlte Mehrarbeit von 2 Stunden in der Woche sollte aber nicht   verzichtet werden.<\/p>\n<p>  Die KollegInnen aber wollten dies nicht mehr hinnehmen. Bei dicken   Gewinnen muss eine ordentliche Lohnerh&#246;hung her und die 2 Stunden   unbezahlte Arbeit zur&#252;ckgenommen werden. Auch wurden versprochene   Investitionen nicht get&#228;tigt, das forderten die KollegInnen nun ein.   Schon w&#228;hrend des kilometerlangen Protestmarsches zur Unterst&#252;tzung der   in Aachen tagenden Verhandlungskommission machten viele klar, wie weit   sie gehen w&#252;rden. &#8222;Wenn die Arbeitgeber keine Zugest&#228;ndnisse machen,   dann m&#252;ssen wir eben streiken&#8220;, meinte ein Kollege. Ein anderer machte   deutlich, das er die Mehrarbeit nicht mehr hinnehmen wird: &#8220;Dann eben   Streik!&#8220; Was die Protestierenden nicht wussten: W&#228;hrend sie   marschierten, einigte sich die IG-BCE-Verhandlungsf&#252;hrung mit den   Arbeitgebern auf einen ziemlich faulen Kompromiss.<\/p>\n<p>  <b>Die Rolle der IG-BCE-Verhandlungsf&#252;hrung <\/b>    <\/p>\n<p>  Gewerkschaften, als ureigene Organisation der Arbeiterklasse, sollten   nat&#252;rlich alles daran setzen, sich f&#252;r die Interessen der ArbeiterInnen   einzusetzen. Soweit alles klar. Dass die Gewerkschaftsspitzen in der   heutigen Zeit nicht mehr ganz so viele Rei&#223;z&#228;hne haben und diese auch   selten zeigen wollen, ist leider Tatsache. Leider ist auch wahr, dass   der Vorsitzende der IG BCE, Schmoldt, mal sagte: Streik &#8222;geh&#246;rt bei uns   nicht zum Verhandlungsritual.&#8220; Was das konkret f&#252;r die KollegInnen   bedeutet, zeigte sich bei St. Gobain. Als die KollegInnen anfangs noch   am Parkplatz standen und darauf warteten endlich ihren Protest auf die   Stra&#223;e zu tragen, da war eigentlich schon alles abgemacht. In der 2.   Schlichtung am 30. Oktober 2006 haben sich &#8222;der Arbeitgeber deutlich   bewegt&#8220;, so l&#228;sst sich das heute auf der Homepage der IG BCE entnehmen.<\/p>\n<p>  <b>Buhrufe und Pfiffe &#8211; KollegInnen f&#252;hlen sich verraten <\/b>    <\/p>\n<p>  Als die Demonstration den Ort der Abschlusskundgebung erreichte, konnte   man eine rasante Entwicklung beobachten. Vorher noch hatten einige   KollegInnen volles Vertrauen in ihre Gewerkschaft. &#8222;Die IG BCE wird   streiken, wenn die sich nicht bewegen&#8220;, meinte zum Beispiel ein Kollege.   Als dann die Verhandlungsf&#252;hrer verk&#252;ndeten, dass sie ein Ergebnis   erreicht h&#228;tten, warteten die KollegInnen noch gespannt. Das Blatt   wendete sich, als deutlich wurde, dass die 2 Stunden Mehrarbeit bestehen   bleiben w&#252;rden. Das sei ein Erfolg, der nur durch die Hilfe der   KollegInnen m&#246;glich gewesen sei, betonte der Verhandlungsf&#252;hrer. Erfolg,   davon konnte f&#252;r die KollegInnen keine Rede sein. Unmut regte sich,   Buhrufe, Pfiffe begannen.<\/p>\n<p>  &#8222;Rechnet doch erstmal nach &#8211; dann werdet ihr sehen, dass der Abschluss   gar nicht so &#252;bel ist&#8220;, fingen die Funktion&#228;re an sich zu verteidigen.   Ihnen standen das Unverst&#228;ndnis und die Ratlosigkeit im Gesicht   geschrieben. Doch die KollegInnen konnten sehr gut rechnen.<\/p>\n<p>  Fahnen, M&#252;tzen und auch massenweise Pfeifen wurden vor die B&#252;hne   (manchmal auch darauf) geschmissen, es wurde gefordert, sich f&#252;r ihre   Interessen einzusetzen. &#8222;Ihr Verr&#228;ter&#8220;, &#8222;Weicheier&#8220;, &#8222;Das lohnt sich gar   nicht f&#252;r uns&#8220;&#8230;waren noch die nettesten Rufe, die aus der Masse der   KollegInnen kamen. &#8222;Andere Bereiche haben viel schlechter   abgeschlossen&#8220;, versuchten sich die Funktion&#228;re zu rechtfertigen. Doch   das war f&#252;r die KollegInnen zu viel. Immer lauter wurde der Unmut. &#8222;Ihr   habt es ja gut &#8211; ihr habt doch genug Geld in euer Tasche&#8220;, rief ein   Kollege. Und andere forderten, dass die Gewerkschaftsbosse das doch mal   vorrechnen sollten, wie viel das denn ist. Da kamen die Funktion&#228;re wohl   zu sehr ins schwitzen.<\/p>\n<p>  Wir erkl&#228;ren euch das Ergebnis, wenn wir wieder zu Hause sind, ihr   k&#246;nnte dann jederzeit zu uns kommen, stammelte der Verhandlungsf&#252;hrer.   &#8222;Geht doch morgen ins Betriebsratsb&#252;ro und lasst euch das vorrechnen,   dann werdet ihr sehen, das lohnt sich&#8220; ein anderer. Als auch das nicht   half, wurde die Kundgebung einfach schnell beendet und die KollegInnen   mit dem Aufruf schnell die Busse aufzusuchen, alleine gelassen. Verrat   pur!<\/p>\n<p>  <b>Wie weiter? <\/b>    <\/p>\n<p>  Viele KollegInnen standen noch lange miteinander herum, um zu   diskutieren, was jetzt folgen muss. Antworten gab es kaum. Vielen wurde   mit einem Mal klar, dass sie auf die Gewerkschaftsbosse nicht vertrauen   k&#246;nnen. Andere betonten, sie w&#252;rden jetzt austreten, mit Gewerkschaften   sei eh nichts mehr zu machen. N&#246;tig w&#228;re es gewesen, in der Belegschaft   klar zu machen, dass dieser Abschluss ein Verrat ist und abgelehnt   werden muss und eine Kampagne gegen diesen Abschluss zu f&#252;hren. Daf&#252;r   w&#228;re eine sofortige Versammlung der Besch&#228;ftigten n&#246;tig gewesen. Die   KollegInnen h&#228;tten &#252;ber Ergebnis und Kampfma&#223;nahmen demokratisch   diskutieren und entscheiden sollen. Notwendig w&#228;re die Wahl eines   Streikkomitees gewesen, welches trotz des Verrats der IG-BCE-Funktion&#228;re   an den Forderungen festgehalten h&#228;tte und die KollegInnen f&#252;r weitere   Aktionen mobilisiert h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Die KollegInnen von St. Gobain sind nicht die einzigen, die mit der   Verhandlungstaktik der Gewerkschaftsfunktion&#228;re unzufrieden sind, immer   mehr Belegschaften machen diese Erfahrungen (so bei BSH Berlin oder bei   Phillips Aachen und anderen Betrieben). Darum ist der Aufbau einer   innergewerkschaftlichen Opposition n&#246;tig. Zudem m&#252;ssen sich egagierte,   k&#228;mpferische KollegInnen in den Betrieben zusammentun, um &#8211; wenn die   Spitzen von Gewerkschaft und Betriebsrat zum Kampf nicht bereit sein   sollten &#8211; selber Initiativen ergreifen zu k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      KollegInnen werfen Fahnen und M&#252;tzen hin<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11886"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11886"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11886\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11886"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11886"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11886"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}