{"id":11879,"date":"2006-12-03T19:39:40","date_gmt":"2006-12-03T19:39:40","guid":{"rendered":".\/?p=11879"},"modified":"2006-12-03T19:39:40","modified_gmt":"2006-12-03T19:39:40","slug":"11879","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/12\/11879\/","title":{"rendered":"Belgien: Zum Hintergrund der Massenentlassungen bei VW Vorst"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"right\" src=\"\/media\/2006\/belgien_vw_2006_12_02.jpg\">  <br \/>  Zwischen 25.000 und 30.000 Menschen demonstrierten gestern laut   Gewerkschaftsangaben in der Hauptstadt Belgiens um ihren Unmut &#252;ber die   Entscheidung des deutschen Gro&#223;konzerns Ausdruck zu verleihen, die   Produktion des Golf aus Vorst abzuziehen. Betroffen sind davon bis zu   4000 Arbeiter und ihre Familien. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Tanja Niemeier<\/i><\/p>\n<p>  Rechnet man die dann anstehenden Entlassungen bei den Zulieferfirmen   hinzu, stehen schnell 12.000 Arbeitspl&#228;tze auf dem Spiel. Ein Szenario,   das viele der in den Farben der verschiedenen Gewerkschaftsdachverb&#228;nde   rot, gr&#252;n und blau gekleideten Demonstranten an die Schlie&#223;ung bei Ford   Genk vor drei Jahren erinnert. Ein weiteres soziales Massaker steht   bevor und wie es scheint, haben weder Gewerkschaftsf&#252;hrung noch   politische Vertreter eine Strategie, um die drohende   Arbeitsplatzvernichtung abzuwenden.<\/p>\n<p>  Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die Teilnahme an der   Demonstration hinter dem selbstgesteckten Ziel des sozialistischen,   christlichen und liberalen Gewerkschaftsdachverb&#228;nde von 50.000   TeilnehmerInnen zur&#252;ckblieb. Unter den belgischen Gewerkschaftern   tauchten hin und wieder IG-Metall-Fahnen schwenkende Delegationen von   VW-Niederlassungen und anderen Betrieben in Deutschland auf.<\/p>\n<p>  Etwa 150 deutsche Kollegen, darunter Delegationen von VW Wolfsburg,   Kassel und Braunschweig hatten sich auf den Weg nach Br&#252;ssel gemacht, um   den Kollegen in Vorst ihre Solidarit&#228;t zu beweisen.<\/p>\n<p>  Vielen der anwesenden Metallern war es ein Bed&#252;rfnis, deutlich zu   machen, dass sie nicht die Profiteure der Produktionsverlagerung seien.   Die Aussagen des Vorsitzenden der CMB (Centrale der Metalbewerkers,   Mealcentrale ABVV), Herwig Jorrisson, wonach &#8222;<i>IG Metall und   Volkswagenleitung unter einem Hut stecken<\/i>&#8220;, hatten hier wie dort f&#252;r   betretenes Unwohlsein gesorgt. &#8222;<i>Entgegen aller Absprachen f&#252;hrt   die deutsche Gewerkschaft einen Kurs, den ich entschlossen ablehne und   der die internationale Solidarit&#228;t der Arbeiter untergr&#228;bt<\/i>   &#8220;, so Jorrison weiter.<\/p>\n<p>  Ein Kollege von VW Baunatal formulierte aber gleichzeitig seine Kritik   an den undemokratischen Strukturen der Gewerkschaften auf europ&#228;ischer   Ebene, die ein einheitliches Handeln schwer machen. Er f&#252;gt hinzu, dass   die Antworten auf die Krise in der Automobilindustrie begrenzt bleiben,   solange keine gesamtgesellschaftlichen Alternativen formuliert w&#252;rden.   Die Arbeiter in gleich welchen Standorten bleiben dabei auf der Strecke   und k&#246;nnen weiter gegeneinander ausgespielt werden.<\/p>\n<h5>  &#8222;<i>Ein trojanisches Pferd<\/i>&#8220;<\/h5>\n<p>  Diese Aussage scheint durch die neuesten Vorschl&#228;ge zur Rettung des   Werkes best&#228;tigt; am Vorabend der Demonstration brachte Premier Guy   Verhofstadt (VLD, Vlaamse Liberalen en Democraten) die frohe Botschaft   seiner Verhandlungen mit der deutschen Volkswagenleitung mit.   Verhofstadt beschrieb den Verlauf der Gespr&#228;che als &#8222;<i>sehr   positiv und sehr konsruktiv<\/i>&#8220;. Allerdings, so berichtet die   niederl&#228;ndisch-sprachige belgische Tageszeitung De Morgen &#8222;<i>   sei die Wahrscheinlichkeit gro&#223;, dass die verbleibenden VW-Arbeiter   ihren deutschen Kollegen folgen werden und f&#252;r den gleichen Lohn l&#228;nger   arbeiten m&#252;ssen<\/i>&#8220;.<\/p>\n<p>  Als trojanisches Pferd entpuppt sich laut Jan Vanderpoorten, einem der   gew&#228;hlten Hauptsprecher der VW Vorst Besch&#228;ftigten und Mitglied der   sozialistischen Gewerkschaft ABVV, bei n&#228;herem Hinsehen auch die anderen   Heilsbotschaften des Premiers. Ab 2009 soll in Vorst der neue Audi 1 vom   Band gehen und statt der 1.500 verbleibenden Arbeiter wieder 3.000   Menschen arbeiten k&#246;nnen. 2007 und 2008 wolle man mit technischer   Arbeitslosigkeit &#252;berbr&#252;cken.<\/p>\n<p>  Auf den Wirtschaftsseiten der Wochenendausgabe der belgischen   Tageszeitung de Standaard wird das Ausma&#223; dieses Vorhabens deutlich: Man   wolle sich bei der Umstrukturierung des Werkes an dem deutschen Vorbild   der durch VW neu gegr&#252;ndeten Tochterfirma &#8222;Auto 5000&#8220; orientieren. <\/p>\n<p>  Auf diese Weise wird es m&#246;glich neue und von den national   abgeschlossenen Tarifvertr&#228;gen abgekoppelte Vertr&#228;ge abzuschlie&#223;en. In   Wolfsburg verdienen die Besch&#228;ftigten bei Auto 5000 heute etwa 20   Prozent weniger als ihre direkt bei Volkswagen besch&#228;ftigten Kollegen. <\/p>\n<h5>  Neue politische Vetretung<\/h5>\n<p>  Das Komitee f&#252;r eine andere Politik (CAP), eine neu entstandene   politische Initiative um den langj&#228;hrigen und landesweit bekannten   ehemaligen Abgeordneten der Sozialistischen Partei (SP, heute SP.A) Jef   Sleeckx war auf der Demonstration sehr pr&#228;sent. Das B&#252;ndnis hatte auf   seiner Gr&#252;ndungskonferenz Ende Oktober beschlossen, mit unabh&#228;ngigen   Listen zu den vermutlich im Mai stattfindenden nationalen Wahlen   anzutreten. CAP erhielt viel Zuspruch von Anh&#228;ngern und W&#228;hlern der   SP.A, nachdem der SP.A-Vorsitzende Johan Vande Lanotte mit seiner   Aussage, er wolle kein &#8222;Show-Vorsitzender&#8220; sein und halte sich deshalb   von den Streikposten bei VW fern, auf wenig Verst&#228;ndnis stie&#223;.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Weitere Informationen unter <a href=\"http:\/\/www.anderepolitiek.be\">  www.anderepolitiek.be<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.standaard.biz\/vwvoorst\"> www.standaard.biz\/vwvoorst<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"right\" src=\"\/media\/2006\/belgien_vw_2006_12_02.jpg\"><\/p>\n<p>\n      Zwischen 25.000 und 30.000 Menschen demonstrierten gestern laut<br \/>\n      Gewerkschaftsangaben in der Hauptstadt Belgiens um ihren Unmut &#252;ber die<br \/>\n      Entscheidung des deutschen Gro&#223;konzerns Ausdruck zu verleihen, die<br \/>\n      Produktion des Golf aus Vorst abzuziehen. 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