{"id":11877,"date":"2006-12-02T10:00:00","date_gmt":"2006-12-02T10:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=11877"},"modified":"2006-12-02T10:00:00","modified_gmt":"2006-12-02T10:00:00","slug":"11877","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/12\/11877\/","title":{"rendered":"Schluss mit dem Killerspiel!"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"right\" src=\"\/media\/2006\/counterstrike.jpg\">  Endlich. Es gibt jetzt eine Antwort auf die Frage, warum es Gewalt gibt.   Eine Erkl&#228;rung, die man immer wieder ausgraben kann, bevor Fragen   aufkommen. Computerspiele. Oder besser, &#8222;Killerspiele&#8220;. Wenn wieder mal   jemand durchdreht, dann helfen wochenlange Mediendebatten der   Bev&#246;lkerung das Trauma zu verarbeiten. Mediendebatten &#252;ber Killerspiele. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Nima Sorouri, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Frage: Wie k&#246;nnen in unserer Gesellschaft solche irren Gestalten   herangewachsen sein? Antwort: Killerspiele. L&#246;sungsvorschlag:   Killerspiele verbieten! Die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse in denen wir   leben, durch die Armut und Perspektivlosigkeit immer mehr zu   Massenph&#228;nomenen werden, die werden dabei nicht in Frage gestellt,   sondern nur Killerspiele. <\/p>\n<p>  Jetzt kann man nat&#252;rlich dem p&#228;dagogischen Sinn von Killerspielen   durchaus kritisch gegen&#252;berstehen. Aber reicht das denn aus, um sie als   Universalantwort f&#252;r Amokl&#228;ufer hinzustellen? <\/p>\n<p>  Die Methode ist so alt, wie sie falsch ist. Man nimmt zwei   gesellschaftliche Ph&#228;nomene und stellt ein Verh&#228;ltnis zwischen ihnen   her. In diesem Fall: es gibt (m&#246;glicherweise) eine Zunahme von sinnloser   Gewalt. Und in der selben Zeit ist die Zahl von verkauften Killerspielen   gestiegen. Also hat da gef&#228;lligst auch ein Zusammenhang zu sein. <\/p>\n<p>  Wieso sprechen Medien und Politik nicht davon, dass in den letzten   Jahren von den Herrschenden immer wieder Gewalt propagiert wurde. War es   nicht ihr &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220;,  mit dem problemlos rechtfertigt   werden konnte, dass man ein paar hunterttausend Araber wegballert. Ist   nicht f&#252;r Viele offensichtlich, dass es in Wirklichkeit um einen Krieg   f&#252;r Rohstoffe und geostrategische Interessen geht. Was ist der   p&#228;dagogische Effekt davon, wenn die Eliten bereit sind massenhaft   Menschen f&#252;r &#214;l um die Ecke zu bringen? Hat das mal ein &quot;Experte&quot;   untersucht? Wieso sind sich die Politiker da so sicher, dass es nicht   eher dabei einen Zusammenhang gibt? <\/p>\n<p>  Die Bundeswehr bringt in Afghanistan Menschen um. Und die Politik   problematisiert Killerspiele. Das gr&#246;&#223;te Killerspiel ist die   Killerintervention in Afghanistan. Vielleicht kommt die Bundeswehr dort   bald ins 2. Level: Killer-Kampf im S&#252;den. Mit bester 3D-Grafik.   Realit&#228;tstreu. <\/p>\n<p>  Kapitalismus ist Gewalt<\/p>\n<p>  Aber Gewalt in dieser Welt ist &#252;berall. Denn Kapitalismus ist eine   Gewaltherrschaft. Die Herrschaft einer kleinene Minderheit von   Konzernbossen &#252;ber die Masse der Weltbev&#246;lkerung. Der Kapitalismus hat   der Masse jedoch nichts mehr zu bieten. Perspektivlosigkeit, Armut,   Umweltzerst&#246;rung und neue Kriege nehmen zu. <\/p>\n<p>  Der &#8222;Abschiedsbrief&#8220; des Sebastian B., der Amokl&#228;ufer aus Emdetten, ist   nicht durch die Medien gegangen. Stattdessen diese platte Debatte &#252;ber   Killerspiele. Dieser Brief h&#228;tte eine ganz andere Debatte ausgel&#246;st: wie   kann das Problem gel&#246;st werden, dass es eine wachsende Schicht von   perspektivlosen und sozial isolierten Jugendlichen gibt? <\/p>\n<p>  &#8222;Das einzige, was ich in der Schule gelernt habe, ist, dass ich ein   Versager bin&#8220;, so in dem Brief von Sebastian B. Doch das ist bei Weitem   nicht alles. Der ganze Brief ist eine einzige Klageschrift eines durch   Isolation und Verzweifelung krank gewordenen Individuums. Eine Klage   gegen eine Welt, die ihm und Millionen von Anderen die Hoffnungen und   Erwartungen auf ein sinnvolles Leben erstickt. <\/p>\n<p>  Die Killerspiele werden in den Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit   ger&#252;ckt, weil die b&#252;rgerlichen Propagandisten Erkl&#228;rungen anbieten   m&#252;ssen, die  diese Gesellschaftsordnung nicht in Frage stellen. Also   saugt man sich was aus den Fingern. Dieses System kann immer weniger   Menschen eine sinnvolle Perspektive bieten. Der Widerstand gegen die   bestehenden Verh&#228;ltnisse aber kann das.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"right\" src=\"\/media\/2006\/counterstrike.jpg\"><br \/>\n      Endlich. Es gibt jetzt eine Antwort auf die Frage, warum es Gewalt gibt.<br \/>\n      Eine Erkl&#228;rung, die man immer wieder ausgraben kann, bevor Fragen<br \/>\n      aufkommen. Computerspiele. Oder besser, &#8222;Killerspiele&#8220;. Wenn wieder mal<br \/>\n      jemand durchdreht, dann helfen wochenlange Mediendebatten der<br \/>\n      Bev&#246;lkerung das Trauma zu verarbeiten. 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