{"id":11867,"date":"2006-12-05T00:00:05","date_gmt":"2006-12-05T00:00:05","guid":{"rendered":".\/?p=11867"},"modified":"2006-12-05T00:00:05","modified_gmt":"2006-12-05T00:00:05","slug":"11867","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/12\/11867\/","title":{"rendered":"Krise bei EADS"},"content":{"rendered":"<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2006\/Krieg_a.jpg\">  Multinationale Konzerne und die Grenzen der Globalisierung<br \/>Der   Super-Flieger A380 entwickelt sich f&#252;r den Airbus-Konzern zur   Super-Pleite. Aufgrund von Problemen bei Fertigung und Lieferung des   Passagierflugzeuges will Airbus zwei Milliarden Euro auf Kosten der   Belegschaft und der Zulieferer sparen und die Produktion einiger   Komponenten in &#8222;Niedriglohnl&#228;nder&#8220; verlagern. Zus&#228;tzlich sorgt der seit   langem geplante Verkauf eines Aktienpaketes von DaimlerChrysler f&#252;r   Probleme.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Frank Nitzsche, Siegen<\/i><\/p>\n<p>  DaimlerChysler will sein Aktienpaket an European Aeronautic Defence and   Space Company (EADS), dem Mutterkonzern von Airbus, von 22,5 Prozent auf   15 Prozent reduzieren.<\/p>\n<h5>  Staatliches Eingreifen<\/h5>\n<p>  Dies hat die Bundesregierung auf den Plan gerufen: Der Verkauf des   Aktienpaketes an &#8222;Ausl&#228;nder&#8220; w&#252;rde den deutschen Einfluss auf den   europ&#228;ischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS verringern und das   deutsch-franz&#246;sische Gleichgewicht im Konzern verschieben.<\/p>\n<p>  Zudem hat die staatliche russische Au&#223;enhandelsbank WTB bereits bis zu   sieben Prozent der Aktien in ihrem Besitz und nimmt damit ihrerseits   Einfluss auf die Entscheidungen im Konzern.<\/p>\n<p>  Die Bundesregierung wollte zun&#228;chst, dass die bundeseigene Kreditanstalt   f&#252;r Wiederaufbau (KfW) das Aktienpaket &#252;bernimmt, bis sich ein deutscher   Interessent findet. Jetzt ist angedacht, in Deutschland einen Kreis   &#246;ffentlicher und privater Investoren zusammenzubringen, der zun&#228;chst   einspringt. Damit ist, was Deutschland anbelangt, eine Beteiligung von   staatlicher Seite an der gr&#246;&#223;ten europ&#228;ischen R&#252;stungschmiede und dem   nach Boeing zweitgr&#246;&#223;ten Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt nicht   mehr ausgeschlossen.<\/p>\n<p>  Der Konzern ging im Jahr 2000 aus einer Fusion der deutschen DASA   (DaimlerChrysler Aerospace), der franz&#246;sischen A&#233;rospatiale-Matra und   der spanischen CASA hervor. Durch Joint-Ventures und Fusionen hat sich   seitdem eine R&#252;stungssparte entwickelt, die unter anderem Flugk&#246;rper f&#252;r   den Eurofighter EF 2000 herstellt und den Kampfhubschrauber Eurocopter   Tiger, den Eurofighter Typhoon und den Milit&#228;rtransporter A400   produziert. Zudem wird das Satellitensystem Galileo entwickelt.<\/p>\n<h5>  Politik, Milit&#228;r und die &#8222;Wirtschaft&#8220;<\/h5>\n<p>  EADS verbindet bedeutende europ&#228;ische R&#252;stungsfirmen miteinander. Die   hier hergestellten Angriffswaffen m&#252;ssen im Zusammenhang mit der bis   2010 aufgestellten schnellen EU-Eingreiftruppe und der Notwendigkeit des   Zugriffs auf billige Rohstoffe f&#252;r die deutsche Industrie gesehen   werden. Besonders deutlich wurde der Zusammenhang zu den Diskussionen um   einen Verkauf von EADS-Anteilen und der deutschen Au&#223;enpolitik   beziehungsweise von staatlichen und wirtschaftlichen Interessen durch   den stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Stephan Hilsberg im   Focus ausgedr&#252;ckt: &#8222;<i>Nationale und milit&#228;rische Interessen   sind hochzuhalten.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>  Generell betreiben R&#252;stungskonzerne durch Politiker und Milit&#228;r   Lobbyarbeit und beeinflussen damit innen- und au&#223;enpolitische   Entscheidungen. Eine Reihe von Mitgliedern im Verteidigungsausschuss des   Bundestages sind Mitglied in Organisationen, die Politik und   R&#252;stungsindustrie regelm&#228;&#223;ig zusammenf&#252;hren: Etwa die Parlamentarischen   Versammlungen der NATO, die des Europarates, die Deutsche Gesellschaft   f&#252;r Wehrtechnik und die Deutsche Atlantische Gesellschaft, oder der   &#8222;F&#246;rderkreis Deutsches Heer&#8220;. Dieser wird von mehr als 200 Firmen aus   dem R&#252;stungsbereich gesponsert (Rheinmetall, Krauss-Maffei-Wegmann,   EADS, Diehl und Renk) und will &#8222;<i>Gewicht und Einfluss des   deutschen Heeres im demokratischen Kr&#228;ftespiel st&#228;rken<\/i>&#8220;. <\/p>\n<h5>  Grenzen multinationaler Konzerne<\/h5>\n<p>  Multinationale Unternehmen k&#246;nnen nicht heimatlos &#252;ber alle Grenzen   hinweg operieren. Aufgrund ihrer personellen und wirtschaftlichen   Verflechtungen beeinflussen sie vielmehr die Politik des jeweiligen   Landes ma&#223;geblich. Sie k&#246;nnen sich nicht &#252;ber den Rahmen hinwegsetzen,   der ihnen von nationalstaatlicher Wirtschafts- und Au&#223;enpolitik   vorgegeben wird, zumal sie bei internen Krisen von der staatlichen   Unterst&#252;tzung ihrer Heimatl&#228;nder abh&#228;ngig sind.<\/p>\n<p>  Der Fall EADS zeigt: Das Dogma vom Freihandel kann kurzerhand vom Tisch   gewischt werden, der Staat kann sich sehr wohl einmischen, wenn es aus   wirtschaftsstrategischen und milit&#228;rischen Interessen heraus geboten   erscheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <img align=\"left\" src=\"\/media\/2006\/Krieg_a.jpg\"><br \/>\n      Multinationale Konzerne und die Grenzen der Globalisierung<br \/>Der<br \/>\n      Super-Flieger A380 entwickelt sich f&#252;r den Airbus-Konzern zur<br \/>\n      Super-Pleite. Aufgrund von Problemen bei Fertigung und Lieferung des<br \/>\n      Passagierflugzeuges will Airbus zwei Milliarden Euro auf Kosten der<br \/>\n      Belegschaft und der Zulieferer sparen und die Produktion einiger<br \/>\n      Komponenten in &#8222;Niedriglohnl&#228;nder&#8220; verlagern. 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