{"id":11860,"date":"2006-12-02T00:34:56","date_gmt":"2006-12-02T00:34:56","guid":{"rendered":".\/?p=11860"},"modified":"2006-12-02T00:34:56","modified_gmt":"2006-12-02T00:34:56","slug":"11860","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/12\/11860\/","title":{"rendered":"Widerstand gegen Absenkungstarifvertrag am Klinikum Kassel"},"content":{"rendered":"<p>  <img src=\"\/media\/2006\/KasselProtst2.jpg\" align=\"right\">  Seit Jahren m&#252;ssen sich die Kasseler Krankenhaus-Besch&#228;ftigten gegen   Privatisierung, Lohnraub und Stellenabbau wehren &#8211; ver.di spielt dabei   keine r&#252;hmliche Rolle.<br \/>Auf drei Mitgliederversammlungen hat   ver.di am 20. November seinen Mitgliedern im Klinikum Kassel einen   katastrophalen Absenkungstarifvertrag mit durchschnittlich 5,3 Prozent   Lohnverzicht bis zum Jahr 2015 pr&#228;sentiert und zur Abstimmung gestellt.   63 Prozent der ver.di-Mitglieder h&#228;tten f&#252;r den Vertrag gestimmt, so   verk&#252;ndet ver.di. Verschwiegen wird dabei, dass sich nur 200 von 600   Mitgliedern an der Abstimmung beteiligt haben. 126 haben daf&#252;r gestimmt,   das entspricht 20 Prozent der ver.di-Mitglieder.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Leonie Blume, Kassel<\/i><\/p>\n<p>  Das Kasseler Gro&#223;klinikum machte vor sechs Jahren bundesweit   Schlagzeilen, weil die Betriebsr&#228;te und die &#246;tv-Betriebsgruppe einen   erfolgreichen Kampf gegen den Verkauf und f&#252;r die Verteidigung des BAT   gef&#252;hrt hatten.<\/p>\n<p>  Dass es nach wie vor eine hohe Kampfbereitschaft gibt, wurde bei einer   Betriebsversammlung im Dezember 2005 deutlich, als sich von 300   Anwesenden 297 bereit erkl&#228;rten, gegen Lohnverzicht und Personalabbau zu   streiken. Nachdem die Beraterfirma Ernst und Young einen   Personal&#252;berhang von 150 bis 300 Stellen errechnete, ging die damaligen   ver.di-Vertrauensk&#246;rperleitung um Steffi Nitschke und Eckhard Geitz mit   einem Fragebogen in die Gegenoffensive. Das Ergebnis war eindeutig: Es   gibt nicht zuviel, sondern zu wenig Personal auf den Stationen. 98   Prozent waren nicht bereit, auf Geld zu verzichten und 99 Prozent   sprachen sich gegen weiteren Stellenabbau aus.<\/p>\n<h5>  Neubaufinanzierung durch Lohnverzicht<\/h5>\n<p>  Im Fr&#252;hjahr verk&#252;ndete die Gesch&#228;ftsleitung einen 150 Millionen Euro   teuren Neubau. Auf diesem Weg sollen 300 Stellen wegrationalisiert   werden. Und oben drauf sollen die Besch&#228;ftigten 80 bis 100 Millionen der   Investitionen durch Lohnverzicht finanzieren. Mit dem Tarifvertrag   Zukunftssicherung, als Bestandteil des TV&#246;D, wurde den   Krankenhaustr&#228;gern von ver.di das Instrument daf&#252;r geliefert.<\/p>\n<h5>  ver.di wird zum Hindernis f&#252;r Belegschaftsinteressen<\/h5>\n<p>  &#220;ber die Zustimmung zu diesem Lohnverzicht bei gleichzeitigem   Stellenabbau kam es zu einer harten innergewerkschaftlichen   Auseinandersetzung. Bereits Anfang des Jahres hatten die ehemals   durchaus k&#228;mpferischen Betriebsr&#228;te Peter Metz und Elisabeth K&#246;nig die   Seiten gewechselt und Posten im Management angenommen. Die ehemalige   ver.di-Sekret&#228;rin Birgit Dilchert wurde Arbeitsdirektorin (Jahresgehalt   140.000 Euro). Das bedeutete einen enormen Vertrauensverlust f&#252;r ver.di   und f&#252;hrte zu einer Niederlage der ver.di-Liste bei der Betriebsratswahl   im April 2006. Dazu kam, dass die Funktion&#228;re, welche die Seiten   wechselten, ihre organisatorischen und pers&#246;nlichen Verbindungen im   Betrieb und im ver.di-Apparat nutzten, um gemeinsam mit der   ver.di-Spitze in Hessen einen radikalen Kurswechsel in Richtung   Co-Management durchzusetzen.<\/p>\n<h5>  Stimmung gegen Lohnverzicht<\/h5>\n<p>  Dass die Stimmung im Betrieb nicht f&#252;r Lohnverzicht ist, zeigte sich   daran, dass KollegInnen einer Station &#252;ber 900 Unterschriften gegen   Lohnverzicht sammelten. Dennoch wurde der Vertrauensk&#246;rper mit den   Co-Managern &#8222;gleichgeschaltet&#8220;. Kritische Kolleginnen und Kollegen   wurden systematisch isoliert und offen angegriffen. Steffi Nitschke   blieb keine andere Wahl als von ihrer Freistellung im Betriebsrat und   als Vertrauensleutesprecherin zur&#252;ckzutreten. Eckhard Geitz erkl&#228;rte   seinen R&#252;cktritt als stellvertretender Vertrauensleutesprecher.<\/p>\n<h5>  Das Ergebnis&#8230;<\/h5>\n<p>  &#8230;ist ein Tarifvertrag, mit dem die Besch&#228;ftigten den Neubau einer   Klinik zahlen und gleichzeitig das Risiko der DRG-Fallpauschalen voll   auf die Besch&#228;ftigten abgew&#228;lzt wird. ver.di hat alle Tricks angewandt,   um die Auswirkungen des Tarifabschlusses zu besch&#246;nigen. An vielen   Punkten wurden wider besseren Wissens falsche Behauptungen aufgestellt,   um die KollegInnen zur Annahme des Absenkungstarifvertrags zu bringen.<\/p>\n<h5>  Innerbetriebliche Opposition<\/h5>\n<p>  SAV-Mitglieder haben zusammen mit anderen Kolleginnen und Kollegen, die   sich im Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di   zusammengeschlossen haben, den Co-Managern im Betriebsrat und in den   ver.di-Gliederungen die rote Karte gezeigt. Sie haben gegen Lohnverzicht   und Stellenabbau und f&#252;r einen betriebs&#252;bergreifenden Kampf aller   Krankenhausbelegschaften argumentiert. Eine Zeitung und zwei Flugbl&#228;tter   wurden im Namen des Netzwerks als alternative Betriebszeitung   herausgebracht. Die bundesweite Zeitung des Netzwerks Humanmedizin statt   Profitmedizin wurde in der Belegschaft verteilt und stie&#223; auf gro&#223;es   Interesse. Ende September wurden &#8222;<i>alle interessierten Kollegen   und Kollegen, egal ob sie Mitglied bei ver.di, dem Marburger Bund oder   in keiner Gewerkschaft organisiert sind<\/i>&#8220;, eingeladen. Anfang   Dezember findet das n&#228;chste Treffen statt.<\/p>\n<p>  Ziel ist es, eine unabh&#228;ngige Betriebsgruppe aufzubauen, um eine   politische und personelle Alternative zu erreichen und die Spaltung in   &#228;rztliches und nichtmedizinisches Personal zu &#252;berwinden. Den Kampf f&#252;r   eine k&#228;mpferische und demokratische Gewerkschaft macht das Netzwerk   nicht davon abh&#228;ngig, ob Besch&#228;ftigte Gewerkschaftsmitglied sind oder   nicht. Wichtig ist, dass sich KollegInnen zusammenfinden, die nicht   tatenlos zusehen wollen, w&#228;hrend Lohnraub und verschlechterte   Arbeitsbedingungen unter Komplizenschaft von ver.di-Funktion&#228;ren   stattfindet. Dass ver.di im Klinikum Kassel ein solch schlechtes   Abstimmungsergebnis f&#252;r einen Absenkungstarifvertrag eingefahren hat,   ist das erste positive sichtbare Resultat dieser Arbeit.<\/p>\n<p>  <i>Flugbl&#228;tter und weitere Materialien zu dem Konflikt finden sich auf   der <a href=\"http:\/\/www.netzwerk-verdi.de\">Website vom Netzwerk f&#252;r eine   k&#228;mpferische und demokratische ver.di.<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      <img src=\"\/media\/2006\/KasselProtst2.jpg\" align=\"right\"><br \/>\n      Seit Jahren m&#252;ssen sich die Kasseler Krankenhaus-Besch&#228;ftigten gegen<br \/>\n      Privatisierung, Lohnraub und Stellenabbau wehren &#8211; ver.di spielt dabei<br \/>\n      keine r&#252;hmliche Rolle.<br \/>Auf drei Mitgliederversammlungen hat<br \/>\n      ver.di am 20. November seinen Mitgliedern im Klinikum Kassel einen<br \/>\n      katastrophalen Absenkungstarifvertrag mit durchschnittlich 5,3 Prozent<br \/>\n      Lohnverzicht bis zum Jahr 2015 pr&#228;sentiert und zur Abstimmung gestellt.<br \/>\n      63 Prozent der ver.di-Mitglieder h&#228;tten f&#252;r den Vertrag gestimmt, so<br \/>\n      verk&#252;ndet ver.di. 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